Erste Eindrücke von der Testsendung des neuen kurdischsprachigen TV-Kanals TRT-6: aus trk. Sichtweise. Unser Korrespondent Rathab schickte uns die Übersetzung eines Artikels aus "Hürriyet". Stellt sich die Frage: Wer hatte eigentlich ein Problem mit 3 Buchstaben? Wohl doch nur jene, die ihre Existenz beharrlich leugneten.

Foto: Hürriyet Daily News

Der kurdische Kanal hat gleich am ersten Tag der Krise um das "W" ein Ende gesetzt.

Der kurdische Sendekanal von TRT hat mit Beginn der Testsendungen am gestrigen Vorabend (26.12.2008) viel Neues an die Öffentlichkeit gebracht.

Die jahrelangen Repressionen und Diskussionen darum, dass das "w" des Wortes Newroz mit dem türkischen Buchstaben "v" geschrieben werden soll, fanden gestern ein Ende. Worte wie Van, Halil und Ağrı wurden durch die kurdischen "Wan", "Xalil", Agri (korrekter wären: "Xelîl", "Agirî", Kurdmania-Red.) ersetzt.

Umut ERDEM / ANKARA

Der kurdische Sender TRT-6 hat mit seinen Probesendungen begonnen. Mit der Nationalhymne und einem Slogan der soviel bedeutet wie: "wir leben unter demselben Himmel" sagte TRT 6 seinen Zuschauern "Hallo". Die ganze Nacht über wurde das Programm vorgestellt, das man ab dem 1. Januar sehen kann, und Interviews aus den Straßen übertragen. Am ersten Probetag wurden auch viele Clips kurdischer Künstler wie Şivan Perwer, Rojin, Ciwan Haco und Servet Kocakaya gesendet. Auch der Clip von Perwer mit dem kurdischen Orginaltext des auch auf Türkisch bekannten Liedes "bir mumdur iki mumdur" wurde abgespielt, das wegen kurdischen Gesangs vor 31 Jahren auf die Verbotsliste geriet.

Der Schriftsteller Muhsin Kızılkaya, der in der Sendung interviewt wurde, übermittelte seine Gedanken zur Probesendung von TRT-6 folgendermaßen: "Es war eine sehr professionelle Testsendung." Er wies darauf hin, dass es in der Zukunft ein sehr farbenreicher Kanal sein wird. Sollte sich das so entwickeln, werde der Sender wirklich in der Lage sein die 10 Millionen Kurdisch sprechenden Menschen an sich zu binden. Die Benutzung des kurdischen Alphabets war bislang verboten. Bis jetzt entstand an jedem Newroz immer eine "W"-Krise. Mit der gestrigen Sendung wurde dies überwunden. Der Sender machte den Eindruck dass er alle Farben der kurdischen Gesellschaft reflektieren kann. Es wurde indirekt gezeigt, dass die Kurden als Volk existieren."


Kaplan: Die Macher wurden von ROJ und Med TV inspiriert

Cilem KAYA / ANKARA

Der DTP-Abgeordnete Hasip Kaplan aus Şırnak kommentierte den Beginn der Testsendungen gestern Abend als durch den PKK-nahen Sender Roj TV inspiriert. Kaplan: "Als ich es mir ansah, dachte ich mir: 'mußten 25 jahre lang tausende Menschen sterben um das  sehen zu können'? Das in Parlamentsprotokollen als 'unbekannte Sprache' bezeichnete Kurdisch hat eine Sendung. (...)

Der DTP-Abgeortnete aus Batman, Bengin Yildiz, fügte hinzu: "Es gibt nichts besonders Anschauenswertes daran. Die beste Antwort auf diesen Sender wird unser Volk geben. Ich vermute nur die Dorfschützer werden es anschauen. Unser Volk hat ja ohnehin den Sender bereits als Korucu-TV  bezeichnet."

Originalartikel: "Kürtçe kanal ilk günde ’w’ krizini bitirdi", erschienen bei Hürriyet am 27.12.2008, übersetzt von Rathab unter Mitarbeit von SiWan und Amos.

Notiz:

Kommentierungsmöglichkeit im Forum von Kurdmania unter dem Thema "Türkei erlaubt kurdischsprachige Sendungen"
im Forum: "Türkei, Iran, Irak, Syrien"
http://www.kurdmania.com/Forum-topic-2874-start-55.html
   
   
Weitere Artikel zum Thema:

1. in Englisch:
"Broadcasting in Kurdish Allowed To The State, But Banned To The Kurds", "Bianet, engl.", 26.12.2008
"Most Kurds welcome Kurdish channel run by state-owned TRT", "Today's Zaman", 27.12.2008
"State television begins Kurdish test broadcasts", "Hürriyet Daily News", 27.12.2008

2. in Türkisch:
"Kart kurt’tan TRT Şeş’e...", "Evrensel", 27.12.2008
"Ahmet Kaya'dan özür dilensin!", "Aktüel Bakiş", 28.12.2008