azadDer berühmte kurdische Rapper Azad, der versucht in seiner Rap- Musik sowohl musikalisch, wie auch inhaltlich das Beste anzustreben, hebt hervor, dass er sich sehr freut, wenn er junge Kurden in seinen Konzerten sieht.

Azad, auch genannt Der Bozz oder Hardcore Rapper, ist einer der großen Chefs des Rap-Labels. Er ist ein radikaler Rapper. Angefangen hat er mit einer Breakdance Kassette, die er von seinem Cousin aus Paris bekam. Damit suchte er auf den Straßen die Spuren für den Erfolg. Mit 14 stand er zum ersten Mal hinter einem Mikrofon. So verschaffte er sich Respekt von seiner Umgebung, denn Rap war seine Bestimmung.

Als er verpflichtet war mit seiner Familie aus Ost-Kurdistan nach Deutschland (Frankfurt) auszuwandern, war er gerade einmal 9 Monate alt. Seine Eltern waren politisch aktiv, seine Mutter war Psychologin. Sie waren und sind liberal und offen eingestellt. Ihre ökonomische Situation war nicht sehr gut und somit machte Azad im Alter von vier Jahren seine ersten Begegnungen mit dem Sozialamt.

Azad war sich bewusst, dass er Kurde ist, aber von den türkischen Kindern und Jugendlichen in seiner Umgebung hörte er, dass Kurden Bergkurden wären. Die meisten von ihnen wussten nicht einmal, ob es einen Ort namens Kurdistan gibt oder nicht, oder gar was Kurdistan überhaupt sein soll. Rap wurde schlagartig ein Teil seines Lebens.

Er selbst sagt über den Rap, „Es wurde zu einer Art Krankheit für mich. Eine Krankheit, die mich bis heute nicht verlassen hat.“ Er wollte sich mit Sport beschäftigen, er hatte sich sogar in den Kopf gesetzt eine Sportschule zu errichten, „aber am besten ist es zu rappen“, sagt er. Bis zum Jahre 2001 hat er sich nur dieser Arbeit zugewendet. Und mit seinem ersten solo Album „Leben“ hat er die Musikliebhaber begrüßt. Darauf folgte das Album „Faust des Nordwestens“. Perfektionismus ist eines seiner Prinzipien, entweder immer das Beste fangen, oder gar nichts, so lautet seine Bedingung.

Das Spiel ist aus!

2004 gründet Azad sein eigenes Musiklabel „Bozz Music“, und mit der Ettiketierung Bozz Music brachte er sein erstes Album „Der Bozz“ heraus. Nun ist es zu einer Marke geworden. Seine Lieder sind in aller Munde, seine Cd´s und Schuhe, T-Shirts und Kappes der Marke ´Der Bozz´ überschlagen die Verkaufszahlen. 2005 brachte er zusammen mit Kool Savas das Album „All For One“ raus und nach den offiziellen Zahlen verkaufte sich das Album im ersten Monat allein in Deutschland über 100 000 Mal.

Über sein letztes Album „Game Over“ sagt Azad, dass er viel nachdenken musste. Azad kommt, übernimmt das Spiel, das Spiel ist aus! Er macht sich in diesem Lied, „Eines Tages“, auf eine Reise zu seinen Wurzeln. Mit dem Song „Weiße Taube“ heißt er zusammen mit Xavier Naidoo einen Friedensmarsch für die Friedenstauben.

Kurz gesagt ist sein letztes Album eines der kraftvollsten Arbeiten der Hip Hop Schule.

Abuzer Torbali traf Azad auf seiner „Game Over Tour 2006“ in Wien.

A.T.: Vor ca. einem Monat haben Sie mit ihrer „Game Over Tour“ in Deutschland angefangen, es ging weiter in die Schweiz und nun ist Österreich an der Reihe. Wie verläuft die Tour?

Azad: Dazu kann ich kurz und bündig nur eines sagen „fantastisch“!

A.T.: Bisher haben sie vier solo Alben aufgenommen und in den deutschsprachigen Ländern einen großen Erfolg erzielt. Was hat sich in ´Azad´s Musikwelt´ vom ersten solo Album bis heute geändert?

Azad: Mein erstes Album, das den Namen „Leben“ trägt, ist ein hervorragendes Album. Ich habe versucht das Beste aus meinen Möglichkeiten, die ich zu der Zeit hatte, zu machen und habe es auch geschafft. „Leben“ ist ein Album, welches ich mit Stolz anbiete und mit demselben Stolz habe ich das Ergebnis entgegengenommen. Man kann meine Alben ganz einfach miteinander vergleichen. Ich habe mir vorgenommen in diesem Bereich immer sehr gut zu sein und das Beste zu erreichen. Dies wollte ich sowohl musikalisch, wie auch inhaltlich erreichen und ich habe es geschafft.

A.T. In ihrem letzten Album haben sie zusammen mit Akon, Cassandra Steen, Xavier Naidoo, Seed, Sivan Perwer und anderen bekannten Namen gesungen. In ihren Alben zuvor haben sie mit engen Freunden zusammen gearbeitet. Wie ist diese Idee entstanden?

Azad: Ich versuche der Beste zu sein und das was ich tue bestmöglich zu erledigen. Mit anderen bekannten Namen zusammenzuarbeiten ist etwas, was sich innerhalb dieses Rahmens entwickelt hat und es ist ziemlich erfolgreich geworden.

A.T.: Das Album „Game Over“ ist seit einigen Monaten auf dem Markt. Mit ihrer Single „Alarm“ haben sie neben Mtv auch auf vielen anderen Musiksendern den ersten Platz besetzt und sie haben den Platz eine lange Zeit nicht einmal den Weltstars überlassen. Hat das Ergebnis ihren Erwartungen entsprochen?

Azad: Ja, allemal. Wir sind mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden, aber es ist noch nicht zu Ende, denn die erste Single dieses Albums war „Alarm“ und danach kam „Eines Tages“ raus. Bald wird die Single „Streetlife“ herauskommen, die ich mit dem bekannten amerikanischen Rapper und Sänger Akon aufgenommen habe. Es geht also noch weiter.

A.T.: In dem Album „Leben“ haben Sie für Halapca das Lied „Freiheit“ herausgebracht. In „Game Over“ singen Sie das Lied „Stadtfalke“ für die Kurden und in „Eines Tages“ fahren sie mit ihrem eigenen Schiff auf eine Reise.

Azad: Ich bin Kurde. Das ist etwas ganz normales und diese Thematiken interessieren mich auch. Natürlich werde ich davon beeinflusst, denn ich bin ein Kurde. Etwas Natürlicheres als das kann es nicht geben.

A.T.: Vor zwei Jahren haben Sie ihre eigene Musikfirma Bozz Music gegründet. Kommen Ihre Alben nur mit der Etikettierung von Bozz Music heraus oder haben Sie auch mit anderen Musikfirmen eine Vereinbarung?

Azad: Azad ist ein Künstler von Universal Music. Ich habe eine Vereinbarung mit dieser Firma, aber nebenbei entwickle ich auch mein eigenes Label weiter.

´Wir sind hier und wir sind Kurden´

A.T.: Sie hatten einmal gesagt, dass sie noch mehr kurdische Jugendliche in ihren Konzerten sehen möchten. Seit einigen Tagen befrage ich unsere kurdische Jugend nach ihnen. Sie können es kaum erwarten in Ihren Konzerten die ersten Reihen zu belegen. Wir bewerten Sie das?

Azad: Wenn ich sie in meinen Konzerten sehe, dann bin ich noch viel glücklicher. Ich bin ein Kurde und dies gibt mir viel mehr Begeisterung. Wenn kurdische Jugendliche draußen zu irgendjemandem sagen ´Ich bin Kurde´, antworten sie ´was ist denn ein Kurde, das kenn ich nicht´. Und die sagen dann „hey wisst ihr was, Azad ist auch Kurde“, und die anderen antworten dann „achso“. Wir wollen in Frieden mit anderen Menschen leben. Die Menschen sollen wissen: wir sind hier und wir sind Kurden.

A.T.: In Ihren Alben singen Sie für gewöhnlich auf deutsch. Haben sie jemals daran gedacht ein englisches Album herauszubringen?

Azad: Ich spreche deutsch, denn deutsch ist die Sprache, die ich am besten beherrsche, deswegen denke ich im Moment nicht daran ein englisches Album aufzunehmen.

A.T.: Glaubt Azad, der die Stufen des Erfolgs eines nach dem anderen emporsteigt, dass er mit seinen deutschen Texten den Berggipfel ersteigen wird?

Azad: Alles ist möglich. Ramstein zum Beispiel, eines der bekanntesten Rockbands aus Deutschland, verkaufen in Amerika 5 Mio. Alben. Sie reden auch deutsch und machen deutsche Musik. Leider ist deutscher Rap in Frankreich und Amerika noch nicht so bekannt, aber wir werden sehn, was die Zukunft zeigt. Vielleicht wird es nicht so berühmt wie amerikanischer Rap, aber dennoch denke ich, dass es berühmt wird. In Frankreich gibt es viele bekannte Rapper, die aber außerhalb Frankreichs nicht so bekannt sind.

A.T.: Ich habe im deutschen TV eine Dokumentation über Sie gesehen. Dort haben Sie gesagt, dass sie in den deutschsprachigen Ländern abgesehen von Eminem und 50Cent mehr Alben verkaufen als die anderen bekannten Rapper…

Azad: Das ist die Wahrheit. In diesen Ländern hat der deutsche Rap mehr Anhänger unter den Jugendlichen als amerikanische Rapmusik. Vielleicht verkaufen Eminem und 50Cent mehr Alben als ich, aber die anderen haben keine Chance gegen mich.

A.T.: Wie verkaufen sich Ihre Alben in den anderen Teilen Europas wie zum Beispiel in Polen, im ehemaligen Yugoslawien oder in Tschechien?

Azad: Man wird langsam auf mich aufmerksam. Obwohl das Interesse an meinen Alben in Polen, Tschechien, im ehemaligen Yugoslawien und anderen europäischen Ländern immer weiter steigt, werde ich erst einmal im Juni in Israel, in der Stadt Telaviv, zwei Konzerte geben. Später werde ich auch in Moskau auf die Bühne gehen.

A.T.: Sie hatten gesagt, dass Sie bisher in Kurdistan einmal zu dem Festival in Amed gegangen sind. Die Bedingungen in Süd-Kurdistan sind heute besser als vorher. Haben sie bisher irgendeine Einladung erhalten?

Azad: Nein, leider habe ich bisher noch keine Einladung erhalten.

A.T.: Wenn sie von den Berechtigten dort eine Einladung erhalten würden, würden sie sie entgegennehmen?

Azad: Auf jeden Fall würde ich sie entgegennehmen und liebendgern hingehen.

A.T.: Was für Pläne hat Azad für die Zukunft?

Azad: Weiterhin gute Musik machen. Ich werde, wie ein Fußballer, diese Arbeit soweit ich kann weitermachen und dann werde ich in meinem eigenen Territorium der techn. Direktor werden.

A.T.: Haben Sie zuletzt eine Message für ihre Zuhörer?

Azad: Ich schicke ihnen meine innerste Liebe. Sie haben uns bei jedem Konzert begleitet und uns nicht allein gelassen. Ich bin ihnen sehr dankbar.

Notiz:

(Quelle: Yeni Özgür Politika)

Übersetzt von alya