Die Ereignisse der letzten Tagen überschlagen sich, denn immer neue Nachrichten informieren über die verschärfte Lage in Südkurdistan und Irak. Einheiten der irakischen Armee, die unter dem Namen "Dicle Kommaneinheit (DOC)" zusammengefasst sind, befinden sich auf dem Weg nach Kerkuk. Die Kurden betrachten die Entsendung irakischer Soldaten nach Kurdistan als Provokation.

 

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(22.11.2012)

AP, 15:30 Uhr: Kurden senden Kräfte nach Xaneqin und Kerkuk

Der irakische Kommandant Dhia al-Wakeel wirft den Kurden vor ihre Truppen in Xaneqin und Kerkuk mit Raketenwerfern und Artillerie zu verstärken. Die kurdischen Kräfte sollen als Zivilisten getarnt sein. Der kurdische Kommandant Mahmud Sankawi wies die Behauptung zurück.

NRT: Irakische Truppen bewegen sich weiter Richtung Kerkuk

15 Panzer und 28 Humvee Fahrzeuge der irakischen Armee haben den Hamrin beim Tigris überquert und befinden sich in der Nähe von Hawja, 50 km südwestlich von Kerkuk. Da sich zwischen Hawja und Kerkuk keine Peshmerga-Einheiten befinden, können die irakischen Einheiten unbeschwert voranschreiten.

Irakische Truppen nahe Xaneqin

Bericht aus Diyala: Irakische Truppen wurden in den letzten 2 Tagen 15 km südöstlich von Xaneqin im Dorf Naknash stationiert. Auch Peshmerga-Einheiten wurden dorthin verlegt, wobei die irakischen Truppen zahlenmäßig überlegen sind.

Maliki unnachgiebig gegenüber kurdischen Ministern

Maliki klärt die kurdischen Minister auf, dass er keine Truppen zurückziehen werde und fordert darüberhinaus sich den irakischen Truppen nicht in den Weg zu stellen. Auch bezüglich der geplanten Sicherheitskooperation bleibt er kompromisslos: Er fordert, dass die Sicherheitskooperation - wie bereits im Jahr 2009 vereinbart - unter dem Kommando der Zentralregierung steht und weist Forderungen der kurdischen Minister nach gemeinsamer Leitung als verfassungswidrig ab.

ANF, 08:03: Irakische Truppen nahe Silemani

Unbestätigte Nachrichten behaupten, dass irakische Truppen das Dorf Serha, welche in der Nähe von Silemani liegt, erreicht haben sollen. Aber auch kurdische Einheiten sollen bereits vor Ort sein.

Maliki antwortet Erdogan

Maliki nimmt Stellung zu Erdogans Aussage, wonach Maliki den Irak in einen Bürgerkrieg treibe: Erdogan solle sich um seine eigenen Probleme mit der türkischen Bevölkerung kümmern; die Türkei solle sich nicht in regionale Probleme einmischen, da diese ansonsten auch die Türkei negativ beeinflussen werden. Weiter fordert er von der kurdischen Regierung alle Auslandsreisen bei ihm anzumelden. Er sagt auch, dass die Zeiten des Krieges im Irak vorbei seien und man nicht beabsichtigte in die Vergangenheit zurückzukehren.

 

(21.11.2012)

Die Bedeutung des Hamrin-Gebirgszugs

Der Hamrin-Gebirgszug zieht sich südlich von Mosul in den Südosten bis 20 km vor der iranischen Grenze beim Fluss Sirwan. Der Gebirgszug ist nicht sehr hoch, aber dafür sehr zerklüftet und steil, daher eigentlich für Panzer und Fahrzeuge im freien Gelände nicht überwindbar. Es gibt 3 Hauptstraßen, die den Gebirgszug durchschneiden und mehrere kleinere Feldwege. Für eine Armee ohne Luftwaffe ist es also nicht einfach das Gebirge zu überwinden. Jedoch gibt es im Südosten, zwischen dem Ausläufer des Gebirges und der iranischen Grenze, einen flachen 20 km breiten Korridor bei Jalalula und Xaneqin: Wenn die irakische Armee den Hamrin erst einmal überwindet, hat sie bis nach Kerkuk freies Feld.

AP, 12:30 Uhr: Kurdische Truppen werden nach Xaneqin beordert

Peshmerga-Kommandant Mahmud Sankawi bestätigt, dass sich kurdische Kämpfer von der nahen Stadt Kifri Richtung Xaneqin bewegen. Der Befehl erfolgte, nachdem die irakische Regierung gestern gepanzerte Fahrzeuge in die Region Kerkuk sendete.

Middle East Online: Erdogan beschuldigt Maliki einen Bürgerkrieg zu provozieren

Vor seiner Reise nach Pakisten bezieht Erdogan, Ministerpräsident der Türkei, Stellung: "Die Regierung in Bagdad will Irak in den Bürgerkrieg führen." Seit der Unterstützung des sunnitischen Politikers Tareq al-Hashemi durch die Türkei sind die Beziehungen zwischen der Türkei und Irak abgekühlt.

Awene: Irakische Truppen bewegen sich Richtung Qara Tapa

Seit gestern Nacht sollen 40 Humvee der irakischen Armee nach Qara Tapa vorgestoßen sein und in Gruppen von 3-4 Fahrzeugen vorrücken. Bisher sollen sie jedoch noch nicht in die Stadt vorgerückt sein.

NRT, 11:12 Uhr: Keine Bestätigung durch das Peshmerga-Ministerium

Das Peshmerga-Ministerium teilt NRT mit, jede Überquerung des Hamrin seitens iraksicher Truppen angemessen zu "beantworten, jedoch könnten sie nicht bestätigen, ob tatsächlich irakische Truppen der 36. Brigade den Gebirgszug überquert haben."

NRT, 10:42 Uhr: Irakische Truppen überqueren Hamrin-Gebirgszug

Laut einem NRT-Informanten sollen Teile der 36. Panzerbrigade den Hamrin-Gebirgszug überquert haben und sich beim Dorf Sarha befinden; die Kolonne bestehe aus mehr als 10 Fahrzeugen.

AIN, 09:25 Uhr: Barzani strebt die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates an

Adnan al-Shahmani, Mitglied des Parlaments, wirft Barzani vor einen unabhängigen kurdischen Staat anzustreben; aus diesem Grund sei er gegen jede militärische, wirtschaftliche und rechtliche Einmischung in der kurdischen Region. Al-Shahmani fordert von Barzani die Verfassung, die Einheit Iraks, die Föderalregierung und die Gesetze zu respektieren.

 

(20.11.2012)

Maliki geht auf die Kurden zu

Heute kamen die Minister des Iraks, unter ihnen auch kurdische Minister, zu einem Treffen zusammen. Zur Diskussion stand die angespannte Beziehung mit der Peshmerga. Man einigt sich auf eine Sicherheitskooperation in den umstrittenen Gebieten.

Maliki hat seinen Stellvertreter Roj Shaways beauftragt mit Talabani und Barzani über den Plan eines gemeinsamen Komitees zu diskutieren. Der Plan sieht vor mit den Kurden gemeinsam die umstrittenen Gebiete zu kontrollieren.

NRT, 14:13 Uhr: Die Lage entspannt sich

Die Lage scheint sich zu beruhigen: Maliki schlägt dem KRG vor, gemeinsam für die Sicherheit in den umstrittenen Gebieten (disputed areas) zu sorgen. Dies wurde nach einem Ministertreffen in Bagdad bekannt gegeben, an dem auch kurdische Minister teilgenommen haben.

Hawlati, 10:05 Uhr: Die irakische Armee sendet Verstärkung

Mehr als 150 Fahrzeuge bewegen sich von Bagdad nach Kerkuk. Die Kolonne soll auch aus Panzern und gepanzerten Fahrzeugen bestehen.

Rudaw, 03:06 Uhr: Kurdische Parteien vereint

In ihrer Haltung gegenüber DOC und Maliki handeln alle kurdische Parteien (KDP, PUK, Gorran, KIU, Komal etc.) gemeinsam.

PKK solidarisiert sich mit Südkurdistan

In einem Interview mit Awene verspricht der PKK-Sprecher militärische Unterstützung, wenn diesbezüglich eine Anfrage kommt.


(19.11.2012)

NRT, 23:08 Uhr: Entsendung weiterer Einheiten nach Kerkuk

2 Bataillone der 36. Brigade 9. Panzer Division werden - um 02:00 Ortszeit - nach Kerkuk gesendet. Die Einheiten bestehen aus 600 Soldaten, 70 Panzern, 40 Artilleriegeschützen und zahlreiche anderen schwere und leichte Waffen. Sie sollen in Kerkuk stationiert werden. Die 36. Brigade ist heute von Bagdad aufgebrochen. Nach und nach sollen die restlichen Einheiten dieser Brigade in Kerkuk stationiert werden. 70 M1A Panzer in Kerkuk, 70 km von Hewler und Silemani entfernt!

Rudaw, 20:31 Uhr: Angriff auf die irakische Armee

Angriff auf die irakische Armee nahe Tikrit: 13 Soldaten sterben und mehrere werden verletzt. Laut Jabar Yawar waren keine Peshmerga an dem Angriff beteiligt.

NRT, 15:28 Uhr: Irakische Division auf dem Weg Richtung Hamrin-Gebirgszug

Die irakischen Armee-Einheiten der 5. und 9. Division bewegen sich Richtung Hamrin – Gebirgszug (welche die natürliche Grenze zwischen dem Irak und Kurdistan darstellt). Die Einheiten gehören zu der Elite der irakischen Armee und bestehen aus 80 Panzer und 120 Humvee-Fahrzeugen.

USA warnt Maliki

Wie mehrere kurdische Quellen berichten, hat der amerikanische Vizepräsident Joe Biden den irakischen Ministerpräsident Maliki vor einer weiteren Eskalation der Lage gewarnt. Nach der Verletzung der roten Linie der USA, der Bekämpfung der Peshmerga, werde sich die USA im Geschehen einschalten.

Awene: Peshmerga versendet Einheiten

Das Peshmerga-Ministerium verlegt eine weitere Brigade. Die 5. Peshmerga-Brigade "Sharazur", bestehend aus 3000 Peshmerga, wird nach Tuz Khurmatu befohlen.

Rudaw, 07:29 Uhr: Peshmerga-Kommandant warnt

Die Rhetorik verschärft sich: Hamid Sherko, Kommandant der 1. Peshmerga-Brigade, nördlich von Kerkuk, sagt: „Wir sind der DOC an Ausrüstung überlegen“ und „die Bewohner Kurdistans können beruhigt sein, denn die irakische Armee wird nicht an uns vorbeikommen, es sei denn über unsere Leichen.“

 

(17.11.2012)

NRT, 13:16 Uhr: Kämpfe zwischen Peshmerga und irakischer Polizei in Tuz Kharmatu (3)

Jabar Yawar, Peshmerga-Ministerium, hat laut Hawlati die Beendigung des Konfliktes angekündigt. Yawar sagt, dass man in Absprache mit DOC beschlossen habe, die verantwortlichen Personen dem Gericht zu überlassen und keine zusätlichen Einheiten nach Tu zu verlegen. Dieser Nachricht widersprechen jedoch Presseberichte der Awene, Hawlati und NRT: Die 1. und 4. Brigade sowie die 1. und 2. Hilfstruppe aus Silemani sollen gestern nacht zwischen 2 und 3 Uhr in der früh mobilisiert worden sein. Die Einheiten sollen sich jetzt in der Umgebung von Tuz befinden und seien mit dem Aufbau ihrer Camps beschäftigt. NRT machte keine Angaben zur Stärke der mobilisierten Einheiten, während Awene von 11.000 Mann spricht.

 

(16.11.2012)

NRT, 12:37 Uhr: Kämpfe zwischen Peshmerga und irakischer Polizei in Tuz Kharmatu (2)

Laut Jabar Yawar kontrollieren Peshmerga die Stadt Tuz Kharmatu und die Kämpfe sind aus einem persönlichen Streit zwischen einem Kurden und Mitgliedern der Federal Police entstanden; dadurch sei es zu einem Schusswechsel zwischen PUK-Peshmerga und den irakischen Federal Police gekommen.

Kämpfe zwischen Peshmerga und irakischer Polizei in Tuz Kharmatu (1)

In der Stadt Tuz Khurmatu (Provinz Salah-ad Din) sind Kämpfe zwischen kurdischen Pershmerga und irakischen Polizisten entflammt. Laut ersten Meldungen gab es mindestens einen Toten und mehr als 10 Verwundete.

 

Was ist bisher passiert?


Bereits seit längerer Zeit warnt Mesud Barzani, der Präsident der Autonomen Region Kurdistan (Nordirak), vor Drohungen des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki irakische Militärs in umstrittene Regionen wie Kerkuk zu entsenden (siehe u.a. KM-Forumthema: Zerfällt der Irak am Ende in drei Teile?) .

Die Entsendung irakischer Soldaten in kurdische Regionen soll - so die offiziellen Verlautbarungen aus Irak - zum Schutz der Kurden, unter anderem gegen türkische Aggressionen, eingesetzt werden.

Warum verschärfte sich der Konflikt zwischen Kurden und der irakischen Zentralregierung?

Seit Mitte September hat der irakische Ministerpräsident, Befehlshaber der irakischen Armee, die Aufstellung einer neuen Militäreinheit zum "Schutz" der umstrittenen Regionen (vor allem Kerkuk und Diyala) angeordnet. Durch das Mandat aus Bagadad soll die Militäreinheit die Verantwortung in den Regionen Kerkuk, Diyala und Salah ad-Din übernehmen, die alle an das kurdische Autonomiegebiet angrenzen.

Die Militäreinheit ist benannt nach dem Fluss Tigris (auf kurdisch: Dicle). Befehlshaber der Einheit soll General Abd-al-Amir al-Zaydi sein, dem Kurden vorwerfen bereits an der Anfal-Kampagne beteiligt gewesen zu sein.

Nachdem die Absichten Malikis sichtbar waren, protestierten kurdische Politiker umgehend. Laut Barzani widerspricht die Militäreinheit der irakischen Verfassung, während der irakische Präsident Talabani warnt, dass die Einheit Chaos und Gefahren heraufbeschwören könnte.

Die "Dicle Kommandoeinheit (DOC)" ist mittlerweile aus Bagdad in Richtung umstrittene Gebiete aufgebrochen. Der kurdische Präsident Barzani hat die Pesmerge-Einheiten in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Infolge der Provokationen Malikis demonstrieren alle kurdischen Parteien Einheit durch gemeinsame Ablehnung der Absichten Malikis.

Notiz:

Im KM-Forum liegen weitere Informationen zum Thema vor: "Raus mit Kurden aus Mosul und Kirkuk"

Für kurdische Städte wird im Text die kurdische Bezeichnung gewählt.

Unser Mitglied Aram befindet sich zurzeit in Südkurdistan und informiert unsere Leser mit aktuellen Informationen vor Ort und über Verwendung folgender Quellen, die Informanten vor Ort unterhalten: NRT, Hawlati, RudawAwene etc.