Bereits während seines Wahlkampfs zu den Parlamentswahlen 2007 verkündete Erdoğan, er wolle Amed unbedingt für seine Partei gewinnen. Seither ist zwischen der AKP und DTP eine dreckige Schlammschlacht um die Wählerstimmen des kurdischen Volkes ausgebrochen. Damals wie auch heute lautet die Antwort der DTP auf Erdoğans Kampfansage, dass Amed (Diyarbakır) eine Festung ist, welche die DTP nicht aus den Händen geben werde.

Es scheint, als ob die Festung auch in diesem Jahr nicht fallen würde. Als Erdoğan sich am Anfang des Monats in den kurdischen Provinzen aufhielt, sah er sich mit Massendemonstrationen der dortigen Bevölkerung konfrontiert. Seither hat die Auseinandersetzung zwischen der DTP und der AKP noch aggressivere Formen angenommen. Vor einigen Wochen beschuldigte Erdoğan die DTP damit, ihre Städte und Gemeinden im Dreck verkommen zu lassen. Die Antwort der DTP ließ nicht lange auf sich warten. "Das einzige was dreckig sei, sei die kurdenverachtende Politik der AKP", so Osman Baydemir, DTP-Abgeordneter aus Amed. Die DTP startete aber eine weitere Kampagne, um ihre Erfolge der letzten Jahre öffentlich darzustellen. Seit einigen Tagen schmücken sehr viele Werbetafeln die Stadt Amed, auf denen die Leistungen der DTP dokumentiert werden. Auf den Werbetafeln stehen Sprüche wie "Wir haben das Straßennetzwerk von Diyarbakır bis Ankara ausgebaut", "Wir haben moderne Wasserklärwerke bauen lassen und lassen täglich 130 Tonnen Wasser reinigen, "Unsere Leitungshähne waren ausgetrocknet, nun trinken wir das qualitativste und günstigste Wasser der Türkei", "Wir haben 41 420 Schüler gefördert", "Wir haben mit 373 200 Menschen unsere Impfungen geteilt, "Wir haben kein Problem mehr mit der Infrastruktur, wir haben das 4-fache von dem gemacht, was andere in 80 Jahren gemacht haben", "Wir haben mit 485 603 Personen kostenlose Gesundheitsfürsorgen geteilt".

Nachdem Erdoğan nun seine ersten Wahlkampfautritte in den kurdischen Provinzen beendet hat, begann die DTP gestern offiziell ihren Wahlkampf. Rund 2000 Menschen waren zur Wahlkampferöffnung in Colemerg (Hakkari) anwesend. An der Eröffnungsfeier beteiligten sich die DTP-Funktionäre Aysel Tuğluk, Emine Ayna, Özdal Üçer, Fatma Kurtulan, Hamit Geylani, Pervin Buldan und Nezir Karabaş. Die Vizepräsidentin der DTP, Emine Ayna, zeigte sich höchst erfreut über das rege Interesse des Volkes und hielt eine kurze Ansprache. Ayna versicherte dem Volk den Kampf für Freiheit und Gleichberechtigung fortführen zu wollen und mit Unterstützung des kurdischen Volkes eine Autonomie in der Türkei zu erreichen. Ayna äußerte sich auch zu den Vorwürfen, die DTP verfolge eine falsche Politik und zum laufenden Verbotsverfahren gegen die Partei. "Seit unserem Parlamentseinzug stehen wir unter Verdacht. Was machen wir falsch? Wir nennen die Fehler des Staates beim Namen. Sollen wir etwa schweigen, während ihr unsere Rechte verleugnet? Sollen wir einfach zusehen, wie ihr in unsere Städte den Tod bring? Sollen wir etwa schweigen, wenn sie sagen 'es gibt kein Halt, weiter mit dem Krieg'? Sollen wir schweigen, wenn sie sagen, dass es mit dem Hunger, der Armut, der Verleumdung und den Militäroperationen weitergeht? Wenn die Wahrheit Erdoğan und die AKP verletzt, dann werden wir weiterhin die Wahrheit aussprechen."

Ayna beendete ihre Rede mit einem Dankeschön an das Volk und richtete ihr Wort an Erdoğan: "Mein letztes Wort gilt Erdoğan, der von uns verlangt hat, dass wir das Land verlassen sollen, falls es uns nicht gefällt. Ihm möchte ich nur sagen, dass dieses Volk trotz Unterdrückung und 25-jährigem Krieg nicht gegangen ist, wir werden auch jetzt nicht gehen. Wir werden nach den Wahlen die Autonomie einführen, wir werden unsere autonomen Regionen etablieren!"
Unterdessen verkündete Erdoğan nach seinem Staatsbesuch in Indien, er wolle sein Amt niederlegen, falls seine Partei bei den Wahlen nicht die stärkste Fraktion bilde.







