Am Ende des Buches "Bovary" steht: “Ich wollte nur, dass alles gut wird.“
Die AKP-Regierung hatte, als Teil der kurdischen Öffnung, auf Imralı ein neues Gefängnis errichtet, um die Isolation von Öcalan zu beenden und neun weitere Gefangene auf die Insel zu senden.
Das Ergebnis wurde zu einer Katastrophe.
Apo beschwerte sich über die Enge der Zelle und die schlechten Lebensbedingungen.
Kurdische Jugendliche gingen mit Molotowcocktails in den Händen auf die Straßen.
Die DTP-Funktionärin Emine Ayna sagte, dass die "Imralı-Politik die Öffnung: abgeschlossen" habe.
Es ist doch traurig, dass so eine große gesellschaftliche Veränderung in einer Zelle eingeengt wird.
Wenn man Apo eine bequemere Zelle gäbe, Fernsehen und Zeitung, was hätte es für Nachteile?
Aber nur dieser Satz reicht aus, um die meisten Türken "auf die Palme" zu bringen.
Der kritische Punkt des Themas ist sowieso, dass die Wahrnehmungen beider Gesellschaften zur Person Apo völlig gegensätzlich sind.
Für einen Teil der Kurden ist Apo der Führer, der bald den Status der Heiligkeit erreicht hat, und für manche Türken ist er ein Mörder mit blutigen Händen, der die Höchststrafe verdient.
Beim Versuch über “Apos Kopf hinweg" Frieden zu machen, bekriegen sich diese beiden Parteien mit Vehemenz. Beide Seiten wären in der Lage, den “Frieden zu verbrennen".
Beide Parteien begreifen die Gefühle der anderen nicht.
Und ein Friede ohne Apo ist unmöglich.
So wie es sich herausstellt, lassen sie Apo im Friedensprozess keineswegs außen vor, es gibt im Rahmen dieses Themas Gespräche mit ihm.
Aber Apo möchte nicht nur als einer der Faktoren in diesem Friedensprozess anerkannt werden, er möchte, dass dies auch sichtbar wird und man ihn dafür respektiert.
Ich meine, der Grund für seine Beschwerde liegt neben seiner physischen Situation auch daran, dass man ihn und seine Position kleinlich herabmindernd darstellt.
Er lässt dies nicht zu und darum gehen die Jugendlichen auf die Straße, um diese Abart der "Öffnung" zu behindern.
Er liebt es aber schon, [die Wirkungen] seiner Macht zu sehen.
Es spielt auch eine Rolle, dass unsere Justizorgane an ihrer Umständlichkeit Gefallen haben.
Ist Apo nun ein Kriegs- oder ein Strafgefangener?
Wenn er ein Strafgefangener ist, dann soll er auch die gleichen Rechte haben wie andere Strafgefangene. Wenn die anderen fernsehen, Zeitung lesen dürfen, wenn die anderen Hofgang erhalten, dann sollen auch ihm diese Rechte gewährt werden.
Wenn er ein Kriegsgefangener ist, dann haltet euch an das Genfer-Abkommen.
Wenn ihr mit der Haltung ankommt, er ist etwas Kriegs- und etwas Strafgefangener, dann kommt alles durcheinander.
Wenn ihr je nach Lust und Laune Öcalan einen Status außerhalb des Gesetzes gebt, dann sperrt ihr die große Öffnung in ein Thema: Ist der Unterschied zwischen seiner alten und neuen Zelle 17 [q]cm oder sechs [q]m.
Nun schaut euch den Grund an, den wir gefunden haben, um den Krieg fortzuführen, indem wir gesagt haben, wir wollen den 25jährigen Krieg beenden, die jungen Leben retten und die Gesellschaft bereichern.
Weil ich schon länger über dieses Thema schreibe, bekomme ich Briefe sowohl von Kurden als auch von Türken. Es treibt einen manchmal zur Verzweiflung, wenn man sieht, wie unterschiedlich die Ansichten zum selben Thema sind.
Die Kurden sagen: "Müssen wir immer mit Demut zahlen? Könnt ihr nicht verstehen, was die Kurden durchgemacht haben, was sie fühlen?"
Und die Türken sagen: "Was habt ihr für eine Einstellung? Immer nehmt ihr die Kurden in Schutz, die blutigen Morde der PKK habt ihr vergessen, etwa auch den des jungen Mädchens, das sie neulich im Bus verbrannt haben."
Die meisten Briefe von beiden Seiten erwecken den Eindruck: "Scheiß drauf, lasst uns Krieg machen.“
Die Begierde nach Gewalt ist so offensichtlich, wenn sie mir so etwas schreiben, sie ähneln einander so sehr, doch wissen sie nicht, wie ähnlich sie sich sind...
Und beide Seiten arbeiten so verbissen daran, die Wahrheit nicht zu sehen...
Die Wahrheit ist, ihr habt euch 25 Jahre lang mit Waffen bekriegt und keiner hat den anderen besiegt. Dies könnt ihr einfach nicht verdauen, ihr wollt so tun, als ob ihr gesiegt hättet.
Ihr habt nicht gesiegt. Ihr werdet nichts besiegen. Es existiert kein Krieg, den ihr gewinnen könntet.
Das einzige, was ihr gewinnen könnt, ist der Frieden.
Nicht einmal dazu seid ihr in der Lage.
Manchmal bin ich froh darüber, dass ich ein alter Kerl bin, der weniger Zeit zu leben hat, als er bereits gelebt hat, der diese primitive Haltung, diese Unfähigkeit in diesem Lande, nicht länger Anteil nehmend mit ansehen muss.
Was ist das für ein Verlangen nach töten und getötet werden?
Was ist das für eine Unfähigkeit zu leben?
Ich weiß nicht was/wie ich morgen empfinden, was/wie ich morgen denken werde, aber wenn Sie mich über meine heutigen Gefühle fragen, werde ich Ihnen eine kurze Antwort geben.
“Scheißen Sie auf den Krieg.“
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Dieser Kommentar von Ahmet Altan erschien am 5. Dezember 2009 in "Taraf" unter dem Titel "Apo, hücre, barış..." Für Kurdmania aus dem Türkischen übersetzt von Ereb Elik.
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