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Kurdistan Diskussionsforum 23. Mai 2012, 18:52 *
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Autor Thema: Ein vergessener Völkermord  (Gelesen 2057 mal)
kurmandj | Beiträge:
kurmandj
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« Antworten #22 am: 30. Nov 2011, 15:50 »

Zitat
weltlichen Rechtsgesellschaft, danken die Aleviten Atatürk weiterhin; und hier ist das Paradoxe an der Beziehung

Wissen die Aleviten denn nicht, dass Atatürk hat ihre Vorfahren abschlachten lassen? Ist es deren Nachfahren wirklich egal, oder haben sie wirklich so sehr Angst vor dem Kurdischen Islam? Ich meine ausgerechnet die Aleviten, die hauptsächlichen Opfer des geplanten Massakers verehren diesen Mann. Herrscht etwa eine so grosse Bildungslücke, oder wie soll man sich das erklären?

Das ist im Normalfall ein Wiederspruch in sich, unbegreiflich. Ich glaube die nicht Alevitischen Kurden sind über das Dersim Massaker noch bestürzter als sie selbst, trotz der fortschreitenden Assimilationspolitik der Türkei. Ich werd daraus nicht schlau.
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Gelê kurd carek din bindestiyê qebûl nake!



« Antworten #23 am: 02. Dez 2011, 23:27 »

Kommentare von Politikern aus der Türkei zum Dersim-Massaker:

Dengir Mir Mehmet Firat , AKP:
"...Der Staat ist dem kurdischen Volk eine Entschuldigung schuldig. Ich bin auch ein Individuum dieses Volkes. Der Staat muss sich bei uns allen entschuldigen...es gibt viele Aufstände wie in Dersim, die einer Entschuldigung bedürfen. Die Dokumente des Generalstab zählen 40 solche Aufstände auf. Für alle diese Vorfälle muss sich der Staat einzeln entschuldigen. Denn viele der Qualen, die wir heute in diesem Staat erleiden, haben ihren Ursprung in diesen Vorfällen."

Devlet Bahceli, MHP:
"...Könnt ihr es glauben? Der Ministerpräsident der Republik Türkei ist in der Lage einen Aufstand unserer Geschichte als Massaker aufzufassen; Herr Ministerpräsident, wenn Du etwas Stolz, MIigefühl und Ehre besitzst, wirst Du dich für diese Verleumdung entschuldigen und deine Aussagen zurücknehmen...der Vorfall in Dersim war ein Aufstand und eine schamlose Kampfansage an die Vorherrschaft des türkischen Staates. Was auch immer die PKK und die KCK heute sind, dies waren auch jene, die in Dersim aufstanden. Die türkische Republik hat alle, die dich gegen ihre Existenz und gegen das Recht und die Autorität des Staates erhoben haben, zurechtgewiesen und wird - wenn nötig - wieder zurechtweisen!"

Kamer Genc , CHP, aus Dersim:
"...ein Aufstand muss einen Anführer haben. Seyit Riza soll ein Anführer gewesen sein. Es beteiligten sich 91 Stämme (am Aufstand) und auch Seyit Riza war nur ein Anführer eines Stammes und nicht der Anführer Dersims...lass uns erst (den Aufstand) untersuchen, denn vielleicht gibt es nichts, wofür man sich entschuldigen muss."

Kemal Kilicdaroglu , CHP, aus Dersim:
"...Das Dersim-Massaker ist kein Vorfall, der einer Entschuldigung bedürft. Das Dersim-Massaker darf nicht als als dunkler Fleck der Republiksgeschichte aufgefasst werden..."
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« Antworten #24 am: 03. Dez 2011, 02:05 »

AKP-Regierung rüttelt an Atatürk-Verehrung

Markus Bernath aus Istanbul


Erdogans Entschuldigung für Dersim-Massaker wirkt in der Türkei als Befreiungsakt


Das Bekenntnis zum Republikgründer Kemal Atatürk, das türkische Grundschüler seit Jahrzehnten Tag für Tag im Chor aufsagen, klingt vielen Ohren nun hohler als je zuvor: "Ich bin Türke, ich stehe auf der richtigen Seite, ich liebe mein Land und meine Nation mehr als mich selbst." Der Damm, der die Atatürk-Kritiker zurückhielt, scheint gebrochen, seit Regierungschef Tayyip Erdogan diese Woche eines der dunklen Kapitel der jüngeren türkischen Geschichte aufschlug und sich - wenn auch verklausuliert - für organisierte Massaker an kurdischen Aleviten in den Jahren 1937 und 1938 entschuldigte.

Ahmet Altan, Herausgeber der Tageszeitung Taraf und ein liberaler Wortführer im Land, lobte Erdogans "historische Entschuldigung" und verglich den Premier mit Willy Brandt, der 1970 in Warschau vor dem Denkmal für die Helden des Ghettos kniete. "Wir werden in der Lage sein, Atatürks wahre Persönlichkeit und das, was er als Diktator getan hat, zu beurteilen", schrieb Altan am Donnerstag in seiner Kolumne.

Atatürk einen Diktator zu nennen, dürfte dem Publizisten Altan ein Strafverfahren einbringen. Seit 60 Jahren verbietet ein Gesetz, das Andenken Kemal Atatürks zu verunglimpfen, und sieht bis zu fünf Jahre Haft vor. Doch dies kümmert Politiker und Intellektuelle nicht mehr. In schnellen Schritten bewegt sich die Türkei in diesen Wochen auf eine neue Republik zu. Nach der Teilentmachtung der Armee, so sagen politische Beobachter, nimmt sich Erdogans konservativ-muslimische AKP-Regierung den Republikgründer Atatürk selbst vor.

Gewaltsame Assimilierung

In Dersim, einer Stadt und Provinz in Ostanatolien, in der alevitische Kurden - eine doppelte Minderheit - leben, setzte der türkische Staat in den 1930er-Jahren mit Gewalt seine Assimilierungspolitik durch. Bis zu 70.000 Einwohner sollen Historikern zufolge von der Armee aus ihren Häusern getrieben und umgebracht worden sein, der überwiegende Teil erst, nachdem der Führer der Dersim-Kurden, der 75-jährige Seyid Riza, 1937 gehenkt worden war.

Die offizielle Geschichtsschreibung spricht von einem "Aufstand" der Kurden gegen die neue Zentralregierung. Atatürk, bereits gesundheitlich angeschlagen - er starb 1938 -, sei über das Vorgehen der Armee nicht unterrichtet gewesen, heißt es auch entschuldigend. Dersim wurde 1936 in das heutige Tunçeli unbenannt ("tunç" bedeutet "Bronze"), um die Behauptung zu stärken, das Gebiet sei schon seit der Bronzezeit von Turkstämmigen bewohnt.

Erdogan nannte in einer Rede vor Parteimitgliedern am Mittwoch die Zahl von 13.806 Toten. "Wenn es notwendig ist, dass der Staat sich entschuldigt, und wenn es eine solche Gelegenheit gibt, würde ich mich entschuldigen", sagte Erdogan und setzte nach: "Und ich entschuldige mich." Seine Rede hielt Erdogan hinter einem enormen Atatürk-Porträt. Den Republikgründer nannte er nicht. Dafür forderte er den Chef der früheren Staatspartei CHP auf, sich für das Massaker zu entschuldigen. Der ist in einer schwierigen Position: Kemal Kiliçdaroglu ist Alevit und stammt aus Tunçeli. (DER STANDARD Printausgabe, 25.11.2011)
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« Antworten #25 am: 04. Dez 2011, 01:05 »

Einige User hier auf KM scheinen scharf darauf bestehen zu wollen das Dersim-Massaker als Angriff auf die Aleviten und weniger auf die kurdische Identität zu interpetieren, obwohl viele türkische Quellen davon berichten, dass die Gefahr einer "Kurdisierung" behoben werden sollte. Dersim '38 war nur eine Szene - wenn auch besonders opferreich - im Ethnozid und auch Genozid des türkischen Volkes gegen die Kurden.

Wie bereits roj_evindar in einem Beitrag (in einem anderen Thema) korrekt feststellte, neigen die Kurden dazu sich immer unterscheiden und in eine charakteristische Gruppe einteilen zu wollen: So gibt es nicht nur manche, die in Verteufelung der sunnitischen Kurden von "Völkermord an den Aleviten" sprechen sondern tatsächlich auch solche, die viele blutig niedergeschlagene kurdische Aufstände als Bekämpfung und Beseitigung der Zaza/Kirmancki-Sprecher interpretieren.

Wie dem auch sei: Sowohl der Aufstad von Scheich Said als auch der Ararat-Aufstand (Komkujia Zilan, Zilan-Massaker) waren mindestens genau so blutig und opferreich für die Kurden wie der Dersim-Aufstand , aber darum geht es im Grunde gar nicht, sondern alleine darum, dass der dem osmanischen Reich gefolgte türkische Nationalismus eine Türkisierung und Assimilation der Kurden anstrebt(e) und ganz nach dem Prinzip 'divide et impera' ('teile und herrsche') auch Kurden gegeneinander aufgestachelt hat und daher die Niederschlagung der vielen kurdischen Aufstände auch mit Unterstützung durch kurdische Stämme folgten.



In Zilan wurden 15.000 Kurden massakriert

haberdiyarbakir , 29.11.2011

Cavit Torun, ehemaliger AKP-Abgeordneter aus Amed, fordert vom Staat sich auch für das Massaker von Zilan 1930 zu entschuldigen und weiter vom türkischen Präsident (Abdullah Gül) sich bei allen Völkern in der Türkei zu entschuldigen. [...]
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Kurdistan2020 | Beiträge: 8
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« Antworten #26 am: 04. Dez 2011, 07:02 »

@Qers

Wie gut bist Du über dein Islam denn informiert? Wusstest Du, dass der jüdische Prophet Daniel, der in Babylon mit seinem jüdischen Volk von den "Persern" befreit wurde, und während seines Wirkens als Traumdeuter am persischen Hof den zarathustrischen Dualismus aufnahm, der hundert Jahre später vom Prophetn Esra ins Alte Testament übernommen wurde? Moses, der vor Daniel lebte, glaubte nicht Mal an das Jenseits -, nicht einmal an Engeln glaubte er. Statt den Erzengel Gabriel gab es einen brennenden Busch - auch bei Abraham gab es einen sprechenden Busch. Vor Daniel wurden die Menschen im Diesseits bestraft: Sodom und Gomorrha -, weil die Hölle als Strafe vor Daniel von den Juden nicht gekannt wurde. Auch haben die Juden während ihrer Gefangenschaft die Sintflut aus dem Gilgameschepos aufgenommen, wie auch Adam und Eva...der Koran ist eben eine Synthese aus der Bibel und der Thora. Mohammed war sich der Gesetze und Ordnungen bewusst, weshalb er auch die Sunna einführte.

Für mich als alevitischen Kurden bist Du der Beweis, dass es tatsächlich Kurden gibt, die gegen Aleviten sind. Ich habe es nie glauben können und wollen

Ach ja, erinnern wir uns noch an die Eziden, die es in Kurdistan nicht mehr gibt!  Das muss auch noch aufgearbeitet werden - aber von uns! Obwohl kurdische Aleviten NICHTS damit zu tun hatten, sondern SUNNITEN aus Mardin, Urfa, Diyarbakir und Batman!

 
« Letzte Änderung: 04. Dez 2011, 07:13 von Kurdistan2020 » Gespeichert

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cogito | Beiträge: 54
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« Antworten #27 am: 06. Dez 2011, 12:37 »

Zitat
weltlichen Rechtsgesellschaft, danken die Aleviten Atatürk weiterhin; und hier ist das Paradoxe an der Beziehung

Wissen die Aleviten denn nicht, dass Atatürk hat ihre Vorfahren abschlachten lassen? Ist es deren Nachfahren wirklich egal, oder haben sie wirklich so sehr Angst vor dem Kurdischen Islam? Ich meine ausgerechnet die Aleviten, die hauptsächlichen Opfer des geplanten Massakers verehren diesen Mann. Herrscht etwa eine so grosse Bildungslücke, oder wie soll man sich das erklären?

Das ist im Normalfall ein Wiederspruch in sich, unbegreiflich. Ich glaube die nicht Alevitischen Kurden sind über das Dersim Massaker noch bestürzter als sie selbst, trotz der fortschreitenden Assimilationspolitik der Türkei. Ich werd daraus nicht schlau.


Nicht bös oder falsch verstehen, aber haben sunnitische Kurden nicht im Namen des Islam usw. alevitische Kurden (oder auch Türken) abgeschlachtet? Ist es deren Nachfahren wirklich egal, usw.... ?



Letztlich ist das Weltbild des Aleviten vereinfacht ausgedrückt sehr weltlich. Und Atatürk war ebenfalls weltlich und hat die Türkei/Anatolien "verweltlicht". Es gibt nunmal einige Erfolge Atatürks, die die Aleviten als in die Richtung fundamental richtig erachten und die es ihrer Meinung nach zu bewahren und ganz besonders weiterzuführen/entwickeln gilt. Hierzu gehört die Demokratie westlichen Maßstabs, wie auch der weltliche Rechtsstaat. Einige institutionelle Fehlbildungen, wie z.B. die Diyanet sollten, müssen und werden korrigiert (abgeschafft) werden.



Die Assimilations- und Nationalisierungspolitik der Türkei ist in meinen Augen unter den kurdischen Nationalisten längst Vorbild.



Es führt in der Türkei kein Weg an der offenen und selbstbewussten politischen und gesellschaftlichen Diskurs vorbei. Und dieser wird schon viele Opfer verlangen, da muss die PKK nicht noch mehr Opfer auf beiden Seiten verantworten. Wie stark der Einfluss der PKK auf die kurdische Identitätsbewahrung hatte, kann ich nicht beurteilen. Das müssten schon Historiker tun. Ich bezweifle aber, dass dieser Einfluss eine entscheidende Rolle wäre. Die PKK ist gerade mal 30 Jahre jung, man sollte im Kontext der jahrhundertelangen Ethnisierung eine 30jährige Spanne einer solchen Organisation nicht überbewerten. Auch wenn sie und ihre Anhänge es anders sehen.
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kurmandj | Beiträge:
kurmandj
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« Antworten #28 am: 06. Dez 2011, 15:14 »

Ich kenne mich in der Thematik nicht besonders aus, aber was ihr von der primitiven CHP erwartet, das bekommt ihr von der BDP in einem ++Fun-Paket++ extra dazu. Ich glaube ihr seit zu stark unter dem Einfluss alevitischer Türken. Sie dominieren mit ihrem Nationalbewusstsein über die alev. Kurden und da liegt der Hund begraben. Um den Zusammenhalt der Aleviten beizubehalten, passen die Kurden sich den Türk. Nationalisten unter ihnen an. Waren doch die Aleviten Atatürks stärkster Wiedersacher unter den Kurden.

Naja, soweit die Theorie. Jedenfalls ist das die einzige Erklärung, weshalb man Ataturk verehrt. Egal was er erreicht hat, er und die CHP sind Schuld am Dersim Genozid. Also kannst du mir erzählen was du willst, ohne Türkischen Einfluss wird es im Normalfall zu keinem so krassen Wiederspruch kommen. Die folgenden Generationen, die sich mit den Türken verbrüdern liessen, sehen einfach darüber hinweg. Wahrscheinlich wollen deshalb auch soviele von ihnen keine Kurden sein.

« Letzte Änderung: 06. Dez 2011, 15:18 von kurmandj » Gespeichert

 
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