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Kurdistan Diskussionsforum 04. Feb 2012, 09:18 *
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Autor Thema: Frankfurter Buchmesse 2008 - Büchertipps  (Gelesen 1942 mal)
sekevir | Beiträge: 787
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« am: 12. Okt 2008, 03:58 »

Liebe Freunde !

Diesen Thread habe ich aus gegebenen Anlass der bevorstehenden Frankfurter Büchermesse eingerichtet. Hier sollen all Diejenigen eine Möglichkeit haben, Bücher weiterzuempfehlen.

... Und dann mache ich mal den Anfang:



BAYDAR, OYA:
"Verlorene Worte".
Aus dem Türkischen von Monika Demirel.
Claassen Verlag,
Berlin 2008.
400 Seiten,
22,90 €.


Das 2007 erschienenes Buch der Grande Dame der türkischen Literatur ist nun pünktlich zur Frankfurter Buchmesse auch auf Deutsch erhältlich.

Zitat
Im Mittelpunkt des Romans steht der Schriftsteller Ömer Eren. Dem Alt-68er sind mit seinen Idealen auch die Worte verloren gegangen. Je seichter seine Bücher wurden, desto mehr Erfolg hatte er. Doch nun fühlt er sich ausgebrannt, bringt keine Zeile mehr zustande und verliert zunehmend den Kontakt zu seiner Frau und seinem Sohn. Um wieder zu sich selbst und den Quellen seiner Kreativität zu finden, reist er in die Konfliktregion Kurdistan, wo er einst als junger Student beim Brückenbau half.



Hier zwei kurze Rezensionen zu dem Roman:
- http://www.berlinerliteraturkritik.de/index.cfm?id=19118
- http://www.wiesbadener-kurier.de/feuilleton/objekt.php3?artikel_id=3470556

Und eine Kurzbiographie von Oya Baydar:
- http://www.ullsteinbuchverlage.de/claassen/autor.php?id=9222&page=autoraz
« Letzte Änderung: 12. Okt 2008, 04:04 von sekevir » Gespeichert

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
sekevir | Beiträge: 787
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« Antworten #1 am: 22. Okt 2008, 10:24 »

Als Annex zu diesem Buchtipp hier nochmal ein interessantes Interview von Cigdem Akyol mit Oya Baydar in der taz ...

Zitat
"Ich bitte um Verzeihung"

Es stört sie nicht, in der Türkei als Nestbeschmutzerin bezeichnet zu werden, sagt Oya Baydar - die Schriftstellerin über Folter, die Kurden und die Zerrissenheit der Linken.

Frau Baydar, sind Sie eine Patriotin?

Eine Patriotin? Nein, das bin ich nicht. Ich liebe mein Land, die Türkei, und setze mich gerne damit auseinander. Aber ich würde nicht dafür sterben - diesen Einsatz würde ich nur für die Menschenrechte bringen.

In Deutschland gibt es immer wieder Patriotismusdiskussionen. Die meisten Deutschen können dieses Wort nicht aussprechen, ohne rot zu werden. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, die deutsche Geschichte ist eine sehr schwierige, und wer sich als Patriot bezeichnet, wird schnell in die konservative Ecke gestellt. Aber auch in der Türkei ist der Begriff sehr negativ behaftet. Denn unser Land ist gespalten, und es zeigen sich Abgründe. Mächtige Gruppierungen in der Armee und in den Behörden, die auch einen Putsch ausüben würden, und neue religiöse Strömungen mit einem autoritären Staatsverständnis. Dann gibt es noch die Kemalisten. Sie tendieren zum Nationalismus, lehnen sich gegen die Regierungspartei auf, die das religiös-konservative Bürgertum vertritt. Alle diese Gruppen sehen sich als Patrioten.

In Ihrem neuen Roman ist die Türkei ein Land, das unter Terrorismus und Nationalismus leidet. Warum so kritisch mit ihrer Heimat?

Finden Sie mich wirklich so kritisch?

Sie beschreiben eine Gesellschaft, die den Kurswechsel scheut, Minderheiten unterdrückt und in der die Linken auf der Sinnsuche sind …


Unser Land befindet sich schon seit Längerem in einem Destabilisierungsprozess, der sich zunehmend verdichtet. Deswegen ist es für die Jüngeren sehr schwierig, ihre Enttäuschungen beiseitezuschieben. Und viele der älteren Linken haben ihr Gesicht und ihre Sprache verloren. Die Zerrissenheit macht sich auch daran bemerkbar, dass unsere Linke heute eine andere ist und anders als die im Westen. Denn bei uns sind die Linken zweigeteilt: in das Lager der Nationalisten und in das der Distanzierteren. Letztere aber suchen nach einer neuen, demokratischen Strömung.

(...)

weiterlesen unter :
http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/ich-bitte-um-verzeihung/
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
Amos | Beiträge: 4265
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« Antworten #2 am: 22. Okt 2008, 21:14 »

Das wird wohl auf meinen Weihnachtswunschzettel kommen!  Zwinkernd
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When the power of love overcomes the love of power the world will know peace. - Jimi Hendrix.
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« Antworten #3 am: 22. Okt 2008, 22:25 »

Weitere Bücher über Kurdistan, die sich interessant anhören:


Zerfall oder Demokratisierung und Föderalisierung des Irak?: Föderalismus als Lösungsmodell für das Kurdenproblem im Irak - Azad Noree
Die Kurdenfrage ist ein Synonym der Komplexität eines grenzüberschreitenden, ungeklärten politischen Konfliktes, deren Anfänge in die geopolitische Neugestaltung nach dem Ersten Weltkrieg reichen.Seit Anfang des 20. Jh. durch die Abtrennung und Neubildung des Irak im Sévresabkommen 1920, als britisches Mandatsgebiet, sind die Kurden Opfer einer politischen Fehlentscheidung der westlichen alliierten Siegermächte des ersten Weltkrieges.Die Proklamation des Selbstbestimmungsrechtes und der Zerfall alter imperialistischer Staaten weckte bei den Kurden die Hoffnung auf Unabhängigkeit.Nach dem Sturz des Saddamregimes durch die USA, wäre das Kurdenproblem im Irak näher an eine Lösung gerückt, wenn die USA nicht nur an ihren geostrategischen- und wirtschaftlichen Interessen festgehalten hätten!Seit 2005 ist der Irak laut Verfassung ein ?Föderaler? Staat mit einer autonomen kurdischen Region!Welche Rolle spielen die historischen Hintergründe in den zerstrittenen Gebieten und unter welchen Vorraussetzungen wäre ein Friede in dieser Region möglich?Kann und darf der Irak eine Demokratie werden? Kann der Föderalismus im Irak funktionieren? Ist der Föderalismus eine Lösung für das Kurdenproblem? Wenn Ja, in welcher Form? Wie stehen die USA und die Nachbarstaaten des Irak dazu?Durch zahlreiche Interviews und reisen Vorort wird versucht diesen fragen gerecht zu werden!

Edî Bese: Kurdistan - Schachbrett der internationalen Politik - Brigitte Kiechle
Ohne Lösung der "kurdischen Frage" wird es auch keine fortschrittliche politische Lösung für den Nahen Osten geben. Die fortwährenden Militärinterventionen der Türkei in den Nordirak - offiziell gegen die PKK gerichtet, von den Kurden im Irak in erster Linie als Angriff auf die kurdische "Autonomieregion" verstanden - und die Rolle der USBesatzungsmacht und der Nato haben der Weltöffentlichkeit die sich überlagernden Interessen in der Region vor Augen geführt. Insbesondere die angestrebte EUMitgliedschaft der Türkei sowie die gleichzeitigen Großmachtinteressen der mit dem Iran kooperierenden Türkei haben direkte Auswirkungen auf die kurdischen Regionen und die politischen Handlungsoptionen der kurdischen politischen Bewegungen.
Das neue Buch von Nikolaus Brauns und Brigitte Kiechle setzt sich, ausgehend von den Entwicklungen in den kurdischen Gebieten der Türkei, mit aktuellen Fragestellungen der Region auseinander und legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Kurdenpolitik der in der Türkei regierenden AKP, auf die Bedeutung der Türkei für Nato und EU sowie auf die Perspektive der Autonomieregion Nordirak und die damit verbundenen Nationalstaatsbestrebungen. Außerdem widmen sich die AutorInnen der Frauenfrage und deren Bedeutung für die gesellschaftliche Veränderung sowie der organisatorischen und programmatischen Entwicklung der PKK.
Ergänzt wird das Buch durch kurze Reiseberichte und persönliche Impressionen, die die AutorInnen bei ihren Reisen durch die kurdischen Gebiete und in Gesprächen mit ParlamentarierInnen, ParteivertreterInnen, BürgermeisterInnen, Vertreter/Innen von Frauen, Flüchtlings, Menschenrechts und Gewerkschaftsorganisationen gewinnen konnten.


Gegen die Flut - Yusuf Yesilöz
Der Kurde Alan lebt seit Jahren nicht mehr in seinem Heimatdorf, er ist überzeugt, auch die Normen und Traditionen zurückgelassen zu haben. Doch seine Welt gerät gänzlich aus den Fugen, als er von seiner Frau erfährt, dass sie ein Verhältnis gehabt hat. Er sieht keinen anderen Weg, als sich von Frau und Kindern zu trennen. Verschwunden ist die Grosszügigkeit, die er in all den Jahren zu entwickeln versucht hat, es bleibt nur noch eine tiefe Verletzung, die er als Mann nicht überwinden kann. In der Begegnung mit der Türkin Meryem sucht er neuen Boden, muss aber rasch erkennen, dass es so nicht geht. Vielmehr holt ihn seine Vergangenheit ein, die erste Ehe ? er wurde gezwungen, eine Cousine zu heiraten ? und die Tochter aus dieser Ehe. Yusuf Yesž ilöz erzählt die Geschichte von Alan und Meryem in melancholischem Ton, leise, ohne Anklage und mit grosser Kenntnis der verschiedenen Welten, in denen sich die Personen bewegen. Dass Alan behutsam eine Annäherung an seine ältere Tochter gelingt, öffnet den Weg in die Zukunft.


Die traditionelle kurdische Küche - Hülya Baba
Die kurdische Küche ist in Deutschland kaum bekannt. Dabei weiß sie in ihrer Ursprünglichkeit und Schlichtheit mit eigenständigem Charakter zu überzeugen. Die Autorin Hülya Baba präsentiert in diesem Kochbuch vor allem traditionelle Rezepte aus ihrer Heimatregion Serhed im Osten der Türkei ? so wie ihre Mutter sie zubereitet und ihr beigebracht hat.
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A M E D | Beiträge:
A M E D
Gast
« Antworten #4 am: 02. Dez 2008, 01:00 »

Könnt ihr mir noch andere relevanten Bücher Empfehlen in Bezug auf die Kurdische Geschichte und den Staatsterror den wir erleiden müssen ? Ich habe eine Deutsche Kollegin (50 Jahre alt), die sich mit dem „Kurdenkonflikt“ auseinander setzt, dass hervorgerufen wurde durch Gesprächen zwischen uns beiden. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir einige Bücher nennen könntet, die diese Inhalte schriftlich weiter vertiefen.

Staatterror (insbesondere der Besatzungsmacht Türkei)
Herkunft der Kurden
Kurdische Aufstände
PKK
Aktuelle Politische Lage in der Türkei


Für eure Mühe bedanke ich mich schon in voraus
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sekevir | Beiträge: 787
sekevir
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Beiträge: 787

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« Antworten #5 am: 02. Dez 2008, 13:20 »

Silav Amed,

Absicht dieses Threads ist zwar gewesen Neuerscheinungen zu thematisieren, aber um Deiner Bitte nachzukommen:

Ein umfassendes und viele Aspekte abdeckendes Werk über Kurden und Kurdistan in deutscher Sprache zu empfehlen, ist eine schwierige Angelegenheit. Aus der Büchertruhe mit etwas älteren Erscheinungen mit einer deutschen Übersetzung, würde ich auf jeden Fall das Standardwerk "Devletlerarası Sömürge Kürdistan" von Ismail Beşikci empfehlen :


Hier leider nur das Cover einer Ausgabe auf Türkisch

Buchtitel: "Kurdistan. Internationale Kolonie"
Autor: Ismail Beşikci
Broschiert: 236 Seiten
Verlag: Neuer Isp Verlag GmbH (1991)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3883321885
ISBN-13: 978-3883321882



Ein weiteres Buch aus der Kategorie "Ältere Erscheinung":

Wenn Deine Kollegin der englischen Sprache mächtig ist, so würde ich auch das Werk eines ostkurdischen Autors empfehlen wollen, der darin seine Leser sehr breitgefächert in die kurdische Geschichte und Kultur einführt.


Auch hier nur das Cover einer Ausgabe auf Türkisch.
Der ursprüngliche Buchtitel "The Kurds: A consice Handbook"
wurde in den neueren Auflagen wohl abgeändert und heißt nun


Buchtitel: "The Kurds: A Concise History And Fact Book"
Autor: Mehrdad R. Izady
Broschiert: 268 Seiten
Verlag: Taylor & Francis Group (1992)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0844817279
ISBN-13: 978-0844817279

Vielleicht kann Dir ja der eine oder andere User hier mit neueren Erscheinungen weiterhelfen ...

« Letzte Änderung: 02. Dez 2008, 13:23 von sekevir » Gespeichert

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
Jaban | Beiträge: 785
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Gelê kurd carek din bindestiyê qebûl nake!



« Antworten #6 am: 03. Dez 2008, 08:11 »

@Amed

Zur Standardlektüre über Kurden in deutscher Sprache kann die Pogrom-Reihe unter der Herausgabe von Gerard Chaliand gezählt werden: Im 1. Band wird die Situation der Kurden unter den 4 Besatzern, in der Sowjetunion und in der Diaspora behandelt. Da das Buch etwas älter ist, wird die PKK kaum erwähnt! Zu den Autoren gehören große kurdische Namen wie Ismet S. Vanly, Kendal Nezan und Ebdulrehman Qasimlo!

Auch das Buch "Die Kurden: Geschichte, Politik, Kultur" von Strohmeier/Yalcin-Heckmann gehört zur Standardlektüre in deutscher Sprache.

Ich kann Neueinsteigern raten "Die Kurden - Ein Volk in drei Nationen" nicht zu lesen, wenn auch das Buch in der Kürze einen kompakten Einstieg zu vermitteln scheint, denn der Autor A. K. Özdemir wird mit seinen tiefen Interpretationen Neueinsteiger irritieren: Hier in Kurdmania gibt es unter Antwort #17 [Klick] eine Buchkritik (von Xemxwar) dazu!

Wer etwas speziell zur PKK und die Lage der Kurden in Deutschland lesen will, anbei:
"Solange noch ein Weg ist ..." von Karin Leukefeld . Es ist ein Buch, das leicht zu lesen ist (die Autorin beginnt das Buch, welches 1996 verfasst wurde,  mit "einem Gedicht aus dem 7.Jh., welches die grausame Zwangsislamisierung der Kurden" beschreibt, obwohl die Fälschung bereits erkannt war und renommierte Historiker wie Burchard Brentjes bereits im Jahr 1978 die Wahrhaftigkeit der Quelle anzweifelten)!
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