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Autor Thema: Die Auslieferung Öcalans: Zeit für die Wahrheit  (Gelesen 367 mal)
Miro | Beiträge: 1095
Miro
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« am: 07. Jun 2008, 22:15 »



Zitat
Die Auslieferung Öcalans: Zeit für die Wahrheit

Ein ehemaliges Mitglied des griechischen Geheimdienstes erklärt

Interview mit Savvas Kalenderis, ehemaliger Hauptmann des griechischen Geheimdienstes EYP

Savvas Kalenderis, ehemaliger Hauptmann des griechischen Geheimdienstes EYP, erzählt in seinem Buch „Die Auslieferung Öcalans: Zeit für die Wahrheit“ seine Version des griechischen Anteils des internationalen Komplotts gegen Abdullah Öcalan.

Mit Kalendaris sprach Baki Gül. Das Interview, das sowohl auf Roj-TV ausgestrahlt als auch in der Tageszeitung Yeni Özgür Politika abgedruckt wurde, veröffentlichenwir in gekürzter Übersetzung.

Seit dem 9. Oktober 1998, als der damalige PKK- und heutige KCK-Vorsitzende Abdullah Öcalan Syrien verließ, und dem 15. Februar 1999, als er aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi in die Türkei ausgeliefert wurde, sind Jahre vergangen. Die Akteure der atemlos erlebten Zeit, die mit dem Auszug Öcalans aus Syrien begann und sich in Griechenland, Russland, Italien und Kenia fortsetzte, haben sich zu verschiedenen Zeiten geäußert. Mehrere Bücher wurden über das Thema geschrieben. Es wurden Prozesse eröffnet, Eingaben und Aussagen präsentiert. Aber die Planer des von Kurden als „internationales Komplott“ bezeichneten Geschehens, die bewusst oder unbewusst beteiligten Akteure, haben als Zeugen noch nicht alles gesagt. Wenn auch die Hauptlinien des Komplotts bekannt sind, ist es immer noch Diskussionsthema, wer welche Rolle gespielt und inwieweit die Wahrheit gesagt hat. Als Abdullah Öcalan nach dem Verlassen Syriens nach Griechenland kam, befand sich auch der zum damaligen Zeitpunkt als Hauptmann des griechischen Geheimdiensts tätige Savvas Kalenderis am Flughafen. Als Öcalan nach Russland flog, war er mit im Flugzeug. Kalenderis war auch mit dabei, als Öcalan das zweite Mal nach Griechenland kam und von dort aus nach Kenia flog – bis Öcalan aus der griechischen Botschaft in Nairobi geholt und zum Flughafen gebracht wurde.

Warum dieses Buch und warum jetzt? Was steht in diesem Buch über das internationale Komplott, was neu und noch nicht veröffentlicht ist?

Nach der Auslieferung von Herrn Öcalan war ich noch nicht bereit, meine Informationen darüber der Öffentlichkeit mitzuteilen. Ich war vor allem Soldat. Im Jahr 2000 habe ich meinen Rücktritt eingereicht. Mein Rücktritt war eine Reaktion darauf, dass ich bei diesem Thema benutzt worden bin. Auf Korfu war es Herr Aristos Aristidus, der die Verhandlungen zwischen Abdullah Öcalan und dem griechischen Staat führte. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich zwar anwesend, spielte aber keine Rolle. Damals machte Herr Aristidus Herrn Öcalan den Afrika-Vorschlag, den dieser ablehnte. Ich wusste damals nicht, was besprochen wurde. Dann rief mich der vor ein paar Tagen verstorbene EYP-Chef Haralambos Stavrakakis an und sagte: „Bitte Savvas, sag Herrn Öcalan, er soll wie von uns vorgeschlagen in ein afrikanisches Land gehen, dort garantiert der griechische Staat offiziell für seine Sicherheit. Als Staat werden wir für sein Leben und seine Freiheit verantwortlich sein. Das soll er bitte akzeptieren, er glaubt Dir. Bitte überzeuge ihn davon.“ Ich war damals Offizier und hatte einen Befehl erhalten. Wenn mein Staat mir einen Befehl gibt, kann ich nicht daran zweifeln. Und ich glaubte auch daran, dass eine Lösung gefunden worden sei. Ich teilte also Herrn Öcalan mit, was mir aufgetragen worden war. Öcalan schaute mich an und fragte: „Was sagst Du dazu?“ Um welches afrikanische Land es sich handelte, wusste ich nicht. Herr Stavrakakis hatte mir gesagt: „Du wirst nicht wissen, wo er hinfliegt, denn das hat nichts mit Dir zu tun, es wissen nur ganz wenige Leute.“ Dort sollte er ein paar Tage bleiben, im Haus des griechischen Botschafters. Danach sollte er auf einen Landsitz gebracht werden und sobald sein Asylgesuch in Südafrika anerkannt worden wäre, hätten wir ihn von dort abgeholt und nach Südafrika gebracht. Das teilte ich Herrn Öcalan mit. Öcalan dachte nach, blickte mir direkt in die Augen und fragte mich nach meiner Meinung. Ich antwortete, ich wisse nicht, in welches Land es gehe, aber ich wisse, dass mein Land ihm eine offizielle Garantie gebe.

Haben Sie daran geglaubt, als Sie das sagten?

Mir war nicht gesagt worden, ich solle Öcalan hinters Licht führen, sondern ich solle ihn überzeugen und es werde eine Garantie gegeben. Das teilte ich Herrn Öcalan im besten Glauben mit.

Wusste Öcalan, dass er nach Kenia fliegt?

Mit Sicherheit.

Und Sie wussten es nicht?

Ich wusste das nicht, weil die Verhandlungen vorher von Aristidus geführt worden waren. Im Flugzeug fragte ich eine halbe Stunde nach dem Start Herrn Öcalan, ob ich jetzt wissen könne, wo es hingeht. Denn ich sollte in Nairobi aussteigen. Nachdem das Auto mit dem Flugzeug auf Korfu zusammengestoßen war, war mir gesagt worden, ich solle nach Südafrika fliegen, dort mit dem Anwalt von Mandela Kontakt aufnehmen mit Hilfe des dortigen Botschafters und die Prozedur der Asylanerkennung von Herrn Öcalan vereinfachen. Herr Öcalan antwortete mir, dass wir nach Nairobi fliegen. Wir diskutierten eine Weile darüber. Ich sagte, dass es vor sechs Monaten in Nairobi Bombenanschläge gegeben habe und die Amerikaner 40 oder 50 Tote hatten. Ich vermutete, dass es eine Absprache mit den Amerikanern oder anderen Kräften gegeben habe, dass es also abgesprochen war, dass wir dorthin fliegen, denn Kenia befand sich unter amerikanischer Kontrolle. Und dass es weiter abgesprochen nach Südafrika gehe. Ein solches Szenario hatte ich im Kopf.

Gehen wir doch noch einmal zurück. Zunächst kam Herr Öcalan am 9. Oktober 1998 von Syrien nach Athen … Und Sie empfingen Öcalan in Athen am Flughafen …

Bevor Öcalan aus dem Flugzeug stieg, hatte Stavrakakis mich in sein Büro zitiert. Ich war die einzige Person an seiner Seite, die türkisch sprechen konnte. Er fragte mich, wie die Situation Öcalans sei. Ich sagte, dass ich das nicht wisse. Stavrakakis erfuhr, soweit ich weiß, erst, als Öcalan bereits in der Luft war, davon, dass er kommen werde. Er rief mich herbei und wir fuhren gemeinsam zum Flughafen.

Wie kann es sein, dass der griechische Geheimdienst davon nicht wusste? Bereits zuvor gab es eine Einladung griechischer Parlamentarier.

Das habe ich später geprüft. Die Abgeordneten haben niemandem Bescheid gesagt. Als Öcalan bereits in der Luft war, haben sie die Information gegeben, ohne Öcalans Namen zu nennen. Sie sagten nur, dass jemand von hohem Rang komme, der durch den Flughafen geschleust werden solle. Da schöpften sie Verdacht.

Ist es möglich, dass Abgeordnete eine solche Arbeit ohne das Wissen des Geheimdienstes machen?

Der Geheimdienst in Griechenland untersteht den Politikern, nicht umgekehrt, da können Sie sicher sein. Wir fuhren also zum Flughafen. Stavrakakis begab sich in einen Raum. Ich sah im Wartesaal Rozerin. Sie telefonierte. Ich fragte, was los sei. Sie antwortete: „Unser Vorsitzender ist hierher gekommen, es musste sein, er wird einige Tage hier Gast sein.“ Öcalan saß in einer Ecke mit zwei weiteren Personen. Ich hieß ihn willkommen und führte ihn in das Zimmer, in dem sich Stavrakakis befand. Dort fanden fünf- bis sechsstündige harte Verhandlungen statt. Stavrakakis forderte ihn auf, Griechenland zu verlassen. Öcalan verwies auf seine Notlage und die Einladung der Abgeordneten. Die Verhandlungen waren hart, aber die griechische Regierung suchte gleichzeitig nach einer vorübergehenden Lösung. Wenn nicht Russland als Lösung gefunden worden wäre, hätte er, soweit ich weiß, ein paar Tage als Gast bleiben können. Eine feindliche Haltung wäre nicht an den Tag gelegt worden von uns und der damaligen griechischen Regierung.

Aber dazu ist es nicht gekommen!

Um nach Russland zu gehen, traten wir in Kontakt mit Mahir. Er besorgte ein Visum mit Hilfe der russischen Botschaft in Athen. Herr Öcalan forderte die Begleitung eines griechischen Offiziellen, er wollte mich. Stavrakakis willigte ein. Apos Gedanke dabei war, dass die offizielle Anwesenheit eines Griechen im Flugzeug einen gewissen Schutz bot. Ich flog mit Öcalan, verließ jedoch das Flugzeug in Russland nicht. Dort wurde Öcalan von Vladimir Schirinowski, Mahir Welat und ein paar weiteren Personen mit einer halb offiziellen Zeremonie empfangen. Ich kehrte nach Athen zurück.

Und dann …

Am nächsten Tag ging ich zu Stavrakakis und sagte ihm, wir müssten das Thema sensibel verfolgen.

Als Öcalan das zweite Mal nach Griechenland kam, kam es zu dem viel diskutierten Vorfall auf Korfu, bei dem das Fahrzeug, das Öcalan zum Flugzeug bringen sollte, gegen einen Flügel desselben prallte.

Als wir auf den Platz kamen, war es dunkel, man konnte den Flügel nicht sehen. Ich bemerkte ihn einige Sekunden, bevor wir dagegen prallten. Der Flügel drang ins Innere des Wagens ein. Ich wurde am Kopf verletzt. Es handelte sich um einen Unfall, dahinter muss man nichts anderes suchen. Wir setzten schließlich mit einem Boot zum Festland über. Dort erhielt ich einen neuen Befehl, dass ich in dem Land, in das wir fliegen würden, das Flugzeug verlassen solle. Vorher war mir gesagt worden, ich solle umgehend zurückkehren. In meinem Buch ist das alles ausführlich beschrieben. Wir fuhren zum Militärflughafen und flogen weiter nach Nairobi. Botschafter Kostulas war selbst nicht vorher darüber informiert, wer sein kommender Gast sein werde.

Pangalos war damals Außenminister. Bestand kein Dialog zwischen dem Ministerpräsidenten und ihm?

Das weiß ich nicht. Aber wenn der Anführer eines nationalen Befreiungskampfes in ein gefährliches Drittland geschickt wird, dann ist der Ministerpräsident darüber mit Sicherheit informiert und er hat seine Zustimmung gegeben.

In Dokumenten heißt es, dass Öcalan sofort aus dem Haus des Botschafters geholt werden solle?

Nicht sofort. Griechenlands Angebot war, dass er ein paar Tage dort bleiben und dann auf einen Landsitz gebracht werden sollte. Herr Öcalan hatte das akzeptiert.

Und warum ist es nicht so gekommen?

Das wurde sofort klar, als wir ankamen. Als erstes erfuhren wir, dass es über diese Operation keine schriftlichen Dokumente geben dürfe.

Es gibt Aussagen, nach denen der MIT-Chef im Gespräch mit Journalisten Öcalans Aufenthaltsort angedeutet hat. Noch während Herr Öcalan in Nairobi war, seit dem 6. Februar, soll das Gefängnis Imralı vorbereitet worden sein.

Das ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache.

In Ankara, Athen, Washington und Israel geriet etwas in Bewegung. Haben Sie als Nachrichtendienstler nichts gespürt?

Herr Öcalan weiß, was ich getan habe.

Also waren Sie sich dessen bewusst?

Weder Herr Kostulas noch ich haben Herrn Öcalan als Gefangenen behandelt, sondern als Gast. Ich habe ihm jeden Tag Informationen aus dem Internet zusammengesucht, so die MIT-Geschichte und am nächsten Tag die Information, dass ein hoher Offizieller aus Israel nach Ankara gefahren ist. Als er die Meldung sah, sagte er sofort: „Die sind meinetwegen nach Ankara gefahren.“ Dann gab es diesen Text von Günay Aslan in der Özgür Politika. Als er das sah, stand er auf und sagte: „Wir sitzen in der Falle, wir müssen etwas tun.“ Aber nachdem er Nairobi einmal betreten hatte, gab es keinen Ausweg mehr. Wir suchten nach einem Ausweg, Kostulas und ich. Aber ich sah, dass wir uns in einem Land befanden, in dem auch 800 FBI-Agenten waren. Wir befanden uns mitten in Afrika und konnten nirgendwo hin. Gezwungenermaßen mussten wir uns mit den Möglichkeiten und Lösungen, die der Staat präsentierte, beschäftigen.

Ist es zu konstruktiven Vorschlägen von Außenminister Pangalos oder Geheimdienstchef Stavrakakis gekommen, während Sie sich in der Botschaft aufhielten?

Zu diesem Thema gibt es ein historisches Dokument, den Bericht von Kostulas. Uns wurde am zweiten Tag gesagt, wir dürften zu diesem Thema nichts aufschreiben und nichts verschi­cken. Da schöpften wir Verdacht. Falls etwas passieren sollte, würde man uns die Verantwortung zuschieben. Ab da haben wir alle drei zugehört, wenn ein Anruf kam, haben offen geredet und jeden Tag registriert, wer angerufen und was gesagt hatte.

Gibt es da etwas, was vor Gericht nicht gesagt wurde?

Natürlich gibt es das.

Informationen, die Sie preisgeben können?

Schauen Sie, ich habe ein 180-seitiges Buch dazu geschrieben, das kann ich jetzt nicht alles aufzählen.

Gab es etwas besonders Hervorstechendes?

Nachdem Öcalan den Türken übergeben worden war, suchten die Verantwortlichen – also die, die den Beschluss zu Kenia gefasst hatten – nach einem Opfer, um ihre Verantwortung geheim zu halten. Sie wollten mir oder anderen Personen die Schuld zuschieben. Es handelte sich um eine Operation der Regierung. Damals zeigten sie auf Öcalan selbst als Schuldigen. Sie meinten, Öcalan habe hier- und dorthin telefoniert, dadurch sei er von der Türkei und Amerika entdeckt worden. In Griechenland sagten sie, Öcalan habe einen griechisch-türkischen Krieg gewollt und deshalb sei es so gekommen. Dass es nicht so war, schreibe ich erstmalig.
Während unserer gesamten Reise hat Herr Öcalan Verantwortung gegenüber der griechischen Regierung, dem Staat und der Bevölkerung gezeigt. Ein paar Tage vor dem 15. Februar sagte er zu mir: „Fast alle, die sich der Organisation angeschlossen haben, sind durch meine Hände gegangen, ich habe sie geschult und sie sind alle meine Kinder. Nachts sehe ich in meinen Träumen die Gefallenen. Selbstmord, mein Tod wären das Naheliegende, aber ich muss am Leben bleiben, denn ich habe mein Volk auf einen bestimmten Weg gebracht. Ohne Führung geht das nicht.“ Er zog es also vor, am Leben zu bleiben. In einem anderen Moment sagte er: „Meine Rettung wäre es, öffentlich zu machen, dass ich hier bin.“ CNN und andere waren seit dem Bombenanschlag ständig in Nairobi. Er sagte: „Wenn ich die rufe, kann danach nichts Geheimes mehr unternommen werden. Aber ich möchte gegenüber dem griechischen Volk nicht als Provokateur dargestellt werden. Ich werde bis zum Letzten versuchen, Griechenland keinen Schaden zuzufügen.“ So blieb er der Freundschaft der Völker und der Freundschaft zwischen Menschen treu.

Können Sie noch ein bisschen mehr auf die letzten Tage in Nairobi eingehen …

Seit ein paar Tagen wurde extremer Druck auf uns ausgeübt. Es hieß, wir sollten Gewalt anwenden, um Öcalan aus der Botschaft zu schaffen. Wir, die beiden Diplomaten und ich, vereinbarten, auf keinen Fall etwas Illegales zu tun. Die Befehle kamen ausschließlich mündlich, wenn etwas passieren sollte, würde man uns die Verantwortung zuschieben. Auch deshalb blieben wir den Gesetzen treu, nicht nur wegen unserer Achtung vor Herrn Öcalan. Damit waren diejenigen, die diese Operation durchführten, in einer Sackgasse. Öcalan verließ die Botschaft nicht, sie konnten ihn nicht herausholen. Deshalb machte der kenianische Staat am letzten Tag, am 15. Februar, den Telefonverkehr zwischen Kenia und Griechenland dicht. Wir konnten nicht mehr telefonieren. Das war ein Teil der Operation. Als zweites wurde Botschafter Kostulas ins kenianische Außenministerium geladen. Er schlug die Einladung mit der Begründung, er sei krank, aus. Dann schickte die kenianische Regierung jemanden mit hohem Rang zur griechischen Botschaft. Man wisse, dass Öcalan sich hier befinde, wenn der Botschafter nicht käme, würde man ihn mit Gewalt vorführen. Kostulas konnte Athen über Telefon nicht erreichen. Deshalb musste er, ohne Athen zu informieren, zum Außenministerium gehen.

Mit wem hat er im Außenministerium gesprochen?

Es waren der Generalsekretär des Außenministeriums, einer vom Staatspräsidialamt und eine Person, die Kostulas nicht kannte, anwesend. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Dialog zwischen der griechischen Botschaft und Kenia zur Anwesenheit Öcalans im Land. Jetzt sprachen die Kenianer offen an, dass Öcalan sich in der Botschaft befinde. Kostulas erwiderte, er wolle dazu nichts sagen, weil er keine Anweisungen habe. Daraufhin sagten sie, dass Satellitenfotos die Anwesenheit Öcalans in der Botschaft beweisen würden. Als Kostulas wiederholte, er könne sich zu dem Thema nicht äußern, ließen sie ihn über ein Satellitentelefon in Athen anrufen. Er übermittelte das Geschehen telefonisch einem Diplomaten von Pangalos und erklärte, er brauche weitere Anweisungen. Die Kenianer machten einen Vorschlag. Sie sagten, die Anwesenheit Öcalans stelle sowohl für uns als auch für sie ein Problem dar. Deshalb wolle man uns ein Flugzeug stellen, das uns an den von uns gewünschten Ort bringe. Diesen Plan leitete Kostulas an Athen weiter. Die Kenianer setzten außerdem ein zeitliches Ultimatum. Der Plan müsse unbedingt am selben Tag umgesetzt werden. Sie sagten, was in der Nacht geschehe, könne man nicht wissen, es gebe Banden in Nairobi; wenn diese nachts kämen und Öcalan umbrächten, wären wir dafür verantwortlich. Sie drohten ganz offen. Auch das wurde an Athen weitergeleitet. Und Athen sagte, Kostulas solle Öcalan diesen Vorschlag unterbreiten. Kostulas kehrte in die Botschaft zurück und wir begaben uns gemeinsam zu Öcalan und erläuterten ihm den Plan Kenias. Ich sagte zu ihm: „Athen macht Druck, aber wir werden Sie von hier nicht mit Gewalt wegschicken. Wenn Sie die Botschaft verlassen, dann aus eigenem Willen, und Sie werden nicht später sagen, Kostulas oder Kalenderis haben mich gezwungen. Wir haben die Direktive, Druck auszuüben, damit Sie gehen, aber das tun wir nicht. Das müssen Sie wissen.“ Wir machten gemeinsam einen Plan. Der Dienstwagen des Botschafters genießt Immunität. Damit wollten wir bis zum Flughafen fahren. Dort sollte einer von uns zunächst das Flugzeug durchsuchen und herausfinden, wer der Pilot und die Mannschaft sind. Danach erst sollte Öcalan ins Flugzeug einsteigen. Eine andere Möglichkeit hatten wir nicht. Wir diskutierten darüber, aber wir hatten auch keine Zeit, nur noch eine Stunde. Herr Öcalan dachte darüber nach und verhielt sich erneut sehr menschlich, als er sagte, er wolle seinen Freunden keinen Schaden zufügen und werde gehen. Ich nehme an, er sprach von Kostulas und mir. Denn wir versuchten, unseren Auftrag zu erfüllen. Unsere Achtung vor Öcalan war endlos. Bis zum Schluss haben wir ihn als einen Gast behandelt und nicht die geringste Respektlosigkeit gezeigt.
Wir luden also unsere Sachen ins Auto des Botschafters. Also wir zum Auto gehen wollten, hielt uns ein Mann vom kenianischen Außenministerium an und erklärte, wir könnten nicht mit dem Auto fahren, weil es nicht sicher sei. Es kam zu einem Streit, aber wir konnten nichts machen. Sie verdrehten die Abmachung zu ihren Gunsten. Sie sagten, es stehen fünf Autos draußen, damit würden wir zum Flughafen fahren. Das Flugzeug stehe bereit. Wir redeten darüber und willigten ein. Ich sagte zu Öcalan, er befände sich noch auf griechischem Territorium und als ein griechischer Offizier sei ich bereit, ihn zu schützen, wenn er nicht gehen wolle. Öcalan wiederholte, er wolle niemandem Schaden zufügen und wir sollten gehen. Ich schrieb die Nummernschilder der draußen wartenden Autos auf.

Wem gehörten die Autos?

Sie gehörten alle dem kenianischen Staat. Es war kein Weißer anwesend. Ich, Kostulas und Öcalan gingen zum zweiten Auto. Öcalan sollte aus Sicherheitsgründen zwischen uns sitzen. Öcalan stieg ein, uns hielten sie auf, aus Sicherheitsgründen würden ihre eigenen Leute einsteigen. Jetzt werden Sie fragen, warum haben Sie nicht dagegen protestiert? Warum hat Öcalan nicht protestiert? Aber die Ereignisse entwi­ckelten sich in dieser Weise, es wurde Druck ausgeübt und keine Gelegenheit zur Intervention gegeben. Ich dachte noch darüber nach, Öcalan zurückzuhalten, aber auch diese Verantwortung konnte niemand übernehmen. Dann würden sie nachts die Botschaft überfallen und Öcalan umbringen. Sie sagten uns, wir sollten in die anderen Autos einsteigen. Im Wagen hinter Öcalan saßen die Kurden, dahinter ich und der Botschafter. Im Konvoi fuhren wir zum Flughafen. Ein oder zwei Kilometer vor dem Flughafen entfernten sich die ersten drei Wagen an einer roten Ampel von uns. Es kamen andere Autos dazwischen. Ich forderte den Fahrer auf, schneller zu fahren, aber wir hatten Öcalan verloren. Als wir am Flughafen ankamen, waren Melsa, Nucan, Dilan und Ibrahim dort. Sie sagten, Öcalan sei durch eine Tür in das Flughafengebäude gegangen. Ich ging dorthin, die Tür war verschlossen und niemand war dort. Die Kenianer verließen ihre Autos und gingen weg. Wir blieben allein. Kostulas ging weg, um bei der Flughafenpolizei zu fragen. Nach einer halben Stunde kam er zurück. Er hatte niemanden gefunden. Wir nahmen Kontakt zu Athen auf. Sie sagten, wir sollten die Kurden verlassen und künftig keinen Kontakt mehr zu ihnen aufnehmen. Das war unmöglich. Wir fuhren gemeinsam zur Botschaft zurück.

Die erste Reaktion Athens war also „Lasst die Kurden dort“.

Ja, das war keine Reaktion, sondern ein Befehl. Er wurde natürlich nicht umgesetzt. Danach waren wir ein paar Tage in der Botschaft isoliert. Später kamen wir mit einer Sonderoperation nach Athen.

Haben Sie sich in dieser Phase betrogen gefühlt?

Ja. Das ist der Grund für meinen Rücktritt. Deshalb habe ich meinen Dienst quittiert.

Wer war dafür verantwortlich?

Schauen Sie, Stavrakakis hatte mir gesagt, ich solle Öcalan überzeugen, mir würde er glauben. Aber es kann auch sein, dass Amerika, die Türkei und Russland Öcalan wissentlich nach Griechenland geschickt haben. Trotzdem hätte die Regierung eine Lösung finden können. Es war eine Falle, aber Griechenland hätte die Stärke gehabt, dieser Falle zu entkommen.

Warum ist das nicht passiert?

Es ist nicht passiert, weil der politische Wille dazu nicht vorhanden war. Ich habe keine Informationen darüber, aber so sehe ich es. Es mag sein, dass der Ministerpräsident zuvor den Amerikanern und den Türken gewisse Versprechungen gemacht hat, dass er die Kurden und Öcalan nicht unterstützen wird.

Was hat die Simitis-Regierung im Gegenzug bekommen?

Es gab keinen Gegenzug, danach müssen Sie nicht suchen. Es war eine politische Entscheidung. Meiner Meinung nach ist Griechenland erst später in das Komplott eingeschlossen worden. Und die Verantwortung dafür trägt hundertprozentig Ministerpräsident Simitis. Meiner Meinung nach war das Ziel bei dieser Sonderoperation nicht nur Öcalan. Ein weiteres Ziel war Herr Pangalos, ein weiteres war ich. Wie Sie wissen, hat danach auch Pangalos seinen Rücktritt eingereicht, er war im Ansehen gefallen.

Alle Anweisungen waren von Pangalos gekommen?

Okay, aber es gab ja einen Ministerpräsidenten. Er hatte gesagt, das Problem sei auf diese Weise zu lösen und Pangalos befolgte das. Natürlich trägt er Verantwortung, aber er war Befehlsempfänger. Er tat, was ihm aufgetragen war.

Wer hat am meisten davon profitiert?

Die Türkei natürlich.

Es heißt, für die Auslieferung Öcalans sei eine Lösung der Zypern- und Ägäis-Frage versprochen worden.
Warum hat es dann keine Lösung gegeben?


Es heißt auch, dass es im Gegenzug zur Auslieferung Öcalans ein Abkommen zwischen Griechenland und der Türkei gegeben habe.
Wenn das der Fall wäre, würde ich meinen Staat unterstützen. Aber so etwas hat es nicht gegeben. Sie hatten nur Angst und haben Öcalan herausgerückt.

Gab es denn ein Abkommen zwischen den Geheimdiensten?

Das weiß ich nicht. Nach dem Tod von Herrn Stavrakakis sind über den Anwalt der Familie einige Sachen an die Medien gekommen. Stavrakakis wollte Öcalan retten, aber er wurde daran gehindert und es wurde eine andere Lösung gefordert. Eben die Lösung, die wir kennen. Stavrakakis hatte den Vorschlag, Öcalan irgendwo hinzubringen, aber es kamen die Befehle von der Regierung. Ich denke nicht, dass es zwischen Griechenland und anderen Geheimdiensten besondere Abkommen gab. Die staatliche Struktur Griechenlands ist völlig anders als die der Türkei. Der Staat in Griechenland unterliegt der Regierung und der Politik. Es gibt keine Sonderstrukturen. Es ist das getan worden, was die Regierung gesagt hat.

Es handelte sich also um eine Staatspolitik?

Nicht des Staates, es war eine Entscheidung des Ministerpräsidenten.

Haben Sie vor dem Athener Gericht alles gesagt, was gesagt werden musste?

Ich war dort Zeuge und habe fünf Stunden ausgesagt.

Gibt es etwas, was Sie vor Gericht nicht gesagt haben?

Ja, weil man vor Gericht nur auf Fragen antwortet. Man erzählt nicht das, was man will.

Was ist die wichtigste Information, die Sie vor Gericht nicht geäußert haben?

Die Verantwortung von Simitis. Das ist es meiner Meinung nach. Die Geheimoperation hat Ministerpräsident Kostas Simitis durchgeführt.

Quelle: Kurdistan Report
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« Letzte Änderung: 07. Jun 2008, 22:18 von Miro » Gespeichert
Pazarcik46 | Beiträge: 81
Pazarcik46
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« Antworten #1 am: 08. Jun 2008, 01:29 »

Ein langer und schwer zu verdauender Text, denn man ein paar Mal Lesen sollte, will man sich doch, einen Überblick über dieses Thema verschaffen.
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