Kurden eigenständiges Volk - genetisch am engsten mit Juden verwandtDa der Kurdenkonflikt derzeit einen neuen Höhepunkt in der Weltpolitik eingenommen hat, stellt wieninternational.at das Buch „Die Kurden“ seines Mitarbeiters Ferdinand Hennerbichler vor.
Kurden sind ursprünglich keine Iranier, auch wenn sie heute Iranisch sprechen, sondern ein eigenständiges Volk, das auf Ureinwohner im Nahen Osten zurückgeht und genetisch am engsten mit Juden verwandt ist.
Dies ist die Kernaussage des Buches „Die Kurden“. Eine umfassende Geschichte der Kurden von den Anfängen bis zur Gegenwart. Für alle, die den Gesamtzusammenhang des langen Konfliktes rund um das kurdische Volk insbesondere auch aufgrund der aktuellen Brisanz verstehen wollen, eine Pflichtlektüre. Für die Experten des “RMIB Geoscience” Verlages in Holland “die wichtigste neueste Publikation über Kurden“. In internationalen Fachkreisen wird das Werk von Ferdinand Hennerbichler als umfassendstes Standardwerk zum Thema Kurden eingestuft.
Ein kurzer Einblick in das Buch:Kurden sind genetisch engste Verwandte von Juden: Kurden sind von ihrer ursprünglichen Herkunft her keine Iranier, auch wenn das viele glauben, weil Kurden heute Iranisch sprechen. Kurden gibt es aber in Gegenden, die sie noch heute bewohnen, schon lange vor ältesten dort lebenden Indoiraniern. Das beweisen neueste Genstudien. Kurden haben ursprünglich auch eine eigene vor-indoeuropäische Sprache gesprochen. Iranisch haben sie erst um die Mitte des 1. Jahrtausends vor Christus angenommen. Das Besondere daran: selbst ihr heutiges Iranisch zeigt noch ganz alte Wurzeln (wie volle Ergativität), die wie sonst keine andere Sprache bis heute an Baskisch anknüpft.
Baskisch ist eine noch lebende vor-indoeuropäische Sprache. Daher könnte auch ältestes Kurdisch so alt wie Baskisch sein, geschätzte 2.500 Jahre vor Christus. Und: Bevölkerungs-Genetiker haben auch herausgefunden, dass Kurden Nachkommen von ältesten Ackerbauern aus der Steinzeit in Kurdistan sind. Deren Vorfahren haben damit seit etwa 10.000 vor Christus wesentlich die moderne Landwirtschaft miterfunden sowie indoeuropäische Sprachen entwickeln und verbreiten geholfen. Ferner: Engste genetische Verwandte von Kurden sind Juden. Dies haben führende internationale Forscher wie Ariella Oppenheim, Almut Nebel oder Marina Faerman in Israel nachgewiesen. Zu näheren Verwandten von Juden und Kurden zählen sie auch Armenier. Alle drei Völker - Kurden, Juden und Armenier - gehören ihrer Überzeugung nach auch zu Gründerzivilisationen im Nahen Osten und Vorderasien.
Name: Kurden geht auf das sumerischen Wort „kur“ für Bergländer zurück und bedeutet Bergbewohner (Bergvölker). Kurdistan heißt Kurden-Land. Dieses Wort ist erst seit dem 12. Jh. nach Christus gebräuchlich. Älteste Worte für ein Land der Kurden (wie Karda oder Kurda) lassen sich aber bereits seit dem 3. Jahrtausend vor Christus nachweisen. Im 2. Jahrtausend v.Chr. hat sich einer ihrer Könige auch „kurdischer Hammurabi“ genannt. Kern-Heimatländer der Kurden liegen in teils nur sehr schwer zugänglichen Berggebieten des Taurus und Zagros von Südost-Anatolien über Nordmesopotamien bis in den Nordwestiran.
Bevölkerung: Wie viele Kurden weltweit existieren, darüber gibt es keine überprüfbaren Daten. Nach unterschiedlichen Schätzungen sind es derzeit zwischen 25 und mehr als 35 Millionen. Damit sind die Kurden das größte Volk ohne eigenen Staat auf der Welt. Mehr als die Hälfte der Kurden lebt in der Türkei, mehrere Millionen im Nord-Irak und im Nordwest-Iran, einige Hunderttausende in Syrien und in Kaukasus-Staaten. In Europa wohnen mehr als eine Million Kurden, in Österreich etwa 150.000. Sie gelten als vorbildlich integriert.
Religion: Kurden sind keine militanten Religionsfanatiker. Die meisten von ihnen sind heute sunnitische Moslems, eine kleine Minderheit Schiiten. Zum Islam wurden die meisten Kurden im frühen Mittelalter mit Waffengewalt zwangsbekehrt. Eine Besonderheit unter Kurden sind verschiedene, synkretistische Religionen. Das sind Glaubensbekenntnisse, die Inhalte aus unterschiedlichen Religionen zu neuen zusammenfügen. Einige davon gehen auf archaische Sonnenanbeter und auf den Zarathustra-Glauben zurück, der als ein Vorläufer des Monotheismus angesehen wird. Im ersten Jahrhundert wurde Kurdistan zu einem wichtigen Verbreitungsgebiet für das Christentum im Nahen Osten. Älteste Christen haben damals Ur-Gemeinden und -Kirchen vor allem über Regionen um die heutige Kurdenhauptstadt Arbil im Nordirak bis in den Iran hinein gebildet.
Kurden bereits vor Jahrzehnten von Briten und Türken vergastWas vielleicht viele auch nicht wissen: Kurden wurden nicht erstmals in den 80er Jahren vom inzwischen gehenkten Irak-Diktator Saddam Hussein vergast. Die türkische Armee hat bereits kurz vor dem Tod des Begründers der republikanischen Türkei, Mustafa Kemal (1881-1938), Ende der 30er Jahre gegen aufständische Kurden in der Bergregion von Dersim in Ostanatolien Giftgasbomben eingesetzt. Obwohl die Türkei bereits vorher nach dem Giftgas-Massensterben im 1. Weltkrieg das Genfer Protokoll zum Bann chemischer Waffen unterzeichnet hatte. Und: Im Irak haben die Briten bereits in den 20er Jahren, 65 Jahre vor Saddam Hussein, Giftgas gegen Aufständische eingesetzt. Die Briten agierten damals als Welt-Vormund im heutigen Irak, der damals noch Mesopotamien hieß. Sie hatten sich dafür ein Mandat vom Völkerbund geben lassen. Die Briten versprachen, Mesopotamien in Freiheit zu führen, haben es aber in einen von London abhängigen, neuen Staat Irak unterjocht, den sie aus Gebieten von Schiiten im Süden, Sunniten in der Mitte und Kurden im Norden zusammengekleistert hatten.
Federführende Persönlichkeit Großbritanniens war zu dieser Zeit Winston Churchill (1874-1965). Der war zunächst Kriegs- und Luftfahrts-Minister und später Londons Kolonial-Chef. Buchstäblich die gesamte Bevölkerung des neuen Irak, Schia- und Sunni-Araber wie auch Kurden, sind damals in den 20er Jahren immer wieder gegen Kolonisierungspläne der Briten aufgestanden und wurden von diesen mehrfach blutig niedergeschlagen. Dabei haben Briten auch Giftgas eingesetzt. Erwiesenermaßen gegen aufständische Araber. Ob sie auch Kurden vergast haben, ist bis heute umstritten. Es gibt jedenfalls Zeugenaussagen, die dafür sprechen. Im Nordirak konnten die Kurden dennoch vorübergehend begrenzte Selbstverwaltung erkämpfen.
Nationaler Genozid in TürkeiDies gelang den Kurden in der Türkei nicht. Dort war ihnen nach dem Untergang des osmanischen Reiches im 1. Weltkrieg mit dem Vertrag von Sèvres 1920 ein Ministaat in der Südosttürkei in Aussicht gestellt worden. Der sollte durch freie Volksabstimmung mit dem Kurdengebiet in Nordmesopotamien zu einem größeren Kurdenstaat vereinigt werden können. Dazu kam es aber nicht. Der Vertrag von Sèvres wurde nicht ratifiziert und trat daher nie in Kraft. Er fiel neuen Tatsachen zum Opfer, die Mustafa Kemal mit seinen republikanischen Truppen auf dem Schlachtfeld herbeiführte. Mustafa Kemal hatte zwar den Kurden ursprünglich Gleichbehandlung und begrenzte Selbstverwaltung versprochen, wenn sie ihm helfen sollten, die Türkei von ausländischen Truppen zu befreien.
Die Kurden halfen Mustafa Kemal auch, eroberten ganze Städte wie Urfa, wurden hinterher aber fallen gelassen und besonders grausam niedergeworfen, als sie sich in zahlreichen Aufständen dagegen erhoben. Die Türkei verbot letztlich jede kurdische nationale Identität und stellte sie bis in die Gegenwart unter Strafe. Der Schweizer Historiker Hans-Lukas Kieser spricht von nationalem Genozid an den Kurden in der Türkei. Anti-Kurden-Gesetze werden erst in jüngster Gegenwart unter Einfluss des EU-Beitritts-Prozesses von der Türkei gelockert. Nach immer wieder stockenden Verhandlungen eskaliert jetzt der Kurdenkonflikt in der Türkei neu. Mit Auswirkungen bis nach Österreich.
Information: Das Buch:Beeindruckend der Umfang: 700 Seiten, die mit vielen Bildern, Grafiken, Tabellen, Literaturhinweisen und neuem Kartenmaterial bestückt sind.
Hennerbichler, Ferdinand: Die Kurden. Edition fhe, 2004, Paperback, 700 Seiten, 348 Bilder & 117 Graphiken
ISBN 963 214 575 5, Preis: Preis: 49,90 €
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Der Autor:Ferdinand Hennerbichler: Geb. 1946 in Linz, studierte 1965-72 Geschichte und Sprachwissenschaften an der Universität Wien, arbeitete seit 1967 für den ORF sowie zahlreiche andere Medien in Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Berichtet seit den 70er Jahren über Kurden und bereiste seither auch Kurdistan regelmäßig. Erste Geschichte der Kurden 1988, kurzes Vorwort von Bruno Kreisky. Arbeitete für Bruno Kreisky in den 80er Jahren als Nahost-Assistent.
Seit Anfang der 90er Jahre ist Ferdinand Hennerbichler für die Stadt Wien und Compress tätig.
Originalquelle: http://www.wieninternational.at/?q=de/node/5762