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Autor Thema: Harold Pinter vestorben  (Gelesen 501 mal)
sekevir | Beiträge: 787
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« am: 26. Dez 2008, 04:28 »

Harold Pinter vestorben



Am 24. Dezember 2008 ist Harold Pinter 78-jährig an Krebs verstorben.

Als Kind einer jüdischen Familie ist Harold Pinter 1930 in London auf die Welt gekommen. Prägend für seine spätere Karriere als Autor von Drehbüchern und Theaterstücken, werden seine Erfahrungen in seinen frühen Kindheitsjahren bezüglich dem aufkommenden Rassismus und danach folgenden Holocaust genannt.

Seine bekanntesten Werke wie "Das Zimmer", „Die Geburtstagsfeier“ oder "Der Hausmeister" wurden in viele Sprachen übersetzt. Mit 75 Jahren erhielt Pinter 2005 den Nobelpreis für Literatur.

1985 besuchte er zusammen mit Arthur Miller die Türkei. Seine Erlebnisse dort in Bezug auf die Unterdrückung des kurdischen Volkes lieferten ihm den reellen Hintergrund für den Stoff in seinem Theaterstück "Mountain Language" (Bergsprache)

In einem Interview aus dem Jahr 1997 meinte Harold Pinter bzgl. dem kurdischen Volk:

"Meiner Meinung nach sind die Kurden ein mutiges Volk, die mit ihrer Widerstand die Unterdrückung und Kolonialisierung nicht akzeptieren, dabei aber in ihrem Widerstand sich nicht dem Terrorismus ergeben, und sich mit ihren Werten als ein ausserordentliches Volk erweisen. Sie sind in Besitz einer ungewöhnlichen Kultur und von Traditionen, die sie als solche am Leben halten wollen ... Ich glaube daran, dass sie als Nation diese Kultur und diese Traditionen immer wahren werden. Die Kurden müssen als Nation fortbestehen und ihre Rechte als Volk erhalten. Trotz allem müssen wir uns verpflichten, Ihnen an der Seite zu stehen."

Harold Pinter über Kurden und Kurdistan (in Englisch):
http://www.haroldpinter.org/politics/politics_kurds.shtml
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
Jaban | Beiträge: 785
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Gelê kurd carek din bindestiyê qebûl nake!



« Antworten #1 am: 09. Jan 2009, 17:36 »

Nachruf auf Harold Pinter
Die Wahrheit über die Macht zur Sprache bringen - von Anthony Arnove

Zitat
06.01.2009 — SW / ZNet

Harold Pinter war ein Stückeschreiber und politischer Aktivist, der kein Blatt vor den Mund nahm. Er starb am 24. Dezember in London. Pinter war 78 Jahre alt, als er den Kampf gegen den Speiseröhrenkrebs verlor.

Pinter hat mehrere Dramen verfasst, die zu Klassikern wurden, wie 'The Birthday Party'* (1957), 'The Caretaker'* (1959), 'The Homecoming'* (1964), 'Betrayal'* (1978) und 'Celebration'* (1999). Er engagierte sich in Film und Theater und setzte als Dramaturg zahllose Stücke um. Er schrieb Drehbücher für mehrere Kinofilme, zum Beispiel für 'The French Lieutenant's Woman' (1980)**.

Mit seinen ersten Stücken veränderte Pinter das moderne Theater. Er hat erforscht, wie sich mit Hilfe der Sprache - und (am berühmtesten) mit Hilfe der Stille - Beziehungen der Macht und der Ausbeutung bloßstellen oder verhehlen lassen.

Auch in seinen politischen Essays ging er diesen Fragen nach. 1990 schrieb Pinter:

Zitat
Bleibt die Realität im Grunde außerhalb der Sprache - getrennt, verhärmt, fremd, unempfänglich für Beschreibung? Ist ein akkurater, vitaler Austausch zwischen dem, was ist und unserer Auffassung davon unmöglich? Oder stehen wir unter dem Zwang, Sprache nur zu gebrauchen, um die Realität zu verdunkeln und zu verzerren - zu verzerren, was vor sich geht -, weil wir uns davor fürchten?

Wir werden ermutigt, Feiglinge zu sein. Wir können uns den Toten nicht stellen. Aber wir müssen uns mit den Toten konfrontieren, weil sie in unserem Namen sterben. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf das lenken, was in unserem Namen geschieht.

In seinem Einakter 'Mountain Language'*** (1988) beschreibt Pinter ein Gefängnis, in dem es den Gefangenen verboten ist, ihre eigene Sprache zu gebrauchen. Sie müssen die Sprache des Staates sprechen. Als es einer Mutter endlich gelingt, ihren Sohn zu besuchen, zeigt Pinter, wie die beiden - trotz der Einschränkung durch die Gefängniswärter - Wege der Kommunikation erfinden.

Als Dramatiker schaffte es Pinter immer wieder, Wege zu finden, Publikumserwartungen und die Normen des Theaters zu enttäuschen. Der Historiker Howard Zinn sagte in einem Interview kurz nach Pinters Tod: "Harold Pinters Stücke waren außergewöhnlich, quichotisch, provokativ, entrüstend - (sie waren) nicht in direkter Weise politisch, aber sie schoben das Publikum über die Grenzen des konventionellen Theaters. In diesem Sinne sind seine Dramen mit seinen politischen Ansichten vergleichbar, die seine Bewunderer häufig entrüsteten, ja schockierten, während sie über seine herausfordernden Ideen bezüglich des konventionellen Denkens über Krieg, über Ungerechtigkeit und über den Kapitalismus nachdachten".

Harold Pinter wurde in Hackney, einem Stadtteil von East London, geboren. Mit 18 verweigerte er den Militärdienst im British National Service. Er erklärte sich zum Gewissensverweigerer - was eine Reihe von juristischen Auseinandersetzungen und Geldstrafen nach sich zog.

Nach der Ermordung des sozialistischen Präsidenten von Chile, Salvador Allende,1973, begann Pinter, sich ausdrücklich öffentlich zu politischen Themen zu äußern. Er engagierte sich in Kampagnen gegen den Krieg, gegen Folter und die Unterdrückung von Bürgerrechten. Viele Menschenrechtskampagnen konnten sich auf seinen Namen berufen.

2005 erhielt Pinter den Literaturnobelpreis. Er nutzte die Gelegenheit für eine beeindruckende Rede, in der er den Einmarsch der USA in den Irak und die Besatzung des Irak verurteilte. Er sprach von "einem Akt des blanken Staatsterrorismus" und stellte die Invasion in den Kontext der langen Geschichte des amerikanischen Imperialismus.

Er saß im Rollstuhl, als er seine Rede hielt, die im Fernsehen übertragen wurde. Er konnte aufgrund seiner Krankheit nicht persönlich an der Zeremonie (in Stockholm) teilnehmen. Damals sagte er:

Zitat
Nach dem, was wir an Belegen erlangen können (zu urteilen), sind die meisten Politiker nicht an der Wahrheit interessiert sondern an der Macht und am Machterhalt. Um diese Macht aufrechtzuerhalten, ist es notwendig, die Menschen dumm zu halten, sie ignorant gegenüber der Wahrheit zu halten, selbst, wo es um Wahrheiten über ihr eigenes Lebens geht.

Ich bin überzeugt, dass - trotz der enormen Hindernisse, die existieren -, eine feste, nicht wankelmütige, wilde intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger die wirkliche Wahrheit über unser Leben und unsere Gesellschaften zu definieren, eine entscheidende Verpflichtung für uns alle ist.

Seine Rede führte sowohl in liberalen als auch konservativen Kreisen zu Zorn:

Die New York Times konnte ihre Empörung kaum zügeln: "Der Dramatiker Harold Pinter machte aus seiner Rede, mit der er am Mittwoch den Nobelpreis entgegennahm, ein furioses Geheul der Empörung gegen die amerikanische Außenpolitik", schrieb die Times und fügte hinzu: "Der Literaturnobelpreis wurden in den vergangenen Jahren häufig an Autoren mit  linker Ideologie verliehen".

Später sah sich die New York Times genötigt, diesen Artikel über die Nobelpreisverleihung an Pinter zu korrigieren: "Ein Artikel am Donnerstag über die Kritik des Dramatikers Harold Pinter an der amerikanischen Außenpolitik, in seiner Rede, mit der er den Literaturnobelpreis entgegennahm, beschreibt diese inkomplett. Er (Pinter) sagte, dass sowohl Präsident Bush als auch Premierminister Tony Blair - und nicht nur Premierminister Blair - wegen der Irakinvasion vor den Internationalen Strafgerichtshof gehörten".

Pinter war ein Dramatiker, der vor allem für "Stille" bekannt wurde. Dennoch wusste er immer, wie er es anstellen musste, um das letzte Wort zu haben. Sein Tod ist ein großer Verlust - sowohl für die Kunst als auch für den (politischen) Dissens. Doch seine kraftvollen, engagierten, kreativen Worte werden ihn lange überleben.

Anmerkung d. Übersetzerin

* 'Die Geburtstagsfeier, Der Hausmeister... - Theaterstücke', 2005 als Sammelband-Taschenbuch bei rororo erschienen.

**Deutscher Filmtitel: 'Die Geliebte des französischen Leutnants' (1981)

***''Berg-Sprache', bei Rowohlt erschienen.

Harold Pinter war auch als ZNet-Autor aktiv. Sie finden seine Artikel im Archiv von www.zmag.org

2003 brachte Harold Pinter das Buch 'War'  heraus. Es enthält Gedichte und eine Schrift gegen den Irakkrieg. Dieses Werk ist als 'Krieg' auf Deutsch erhältlich.

'Mondlicht. Und andere Stücke', 2000 bei Rowohlt erschienen. Dieser Sammelband enthält einige der maßgeblichen neueren Stücke von Harold Pinter in deutscher Übersetzung.
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