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Autor Thema: 20 Jahre Halabja  (Gelesen 2391 mal)
Amos | Beiträge: 4265
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« Antworten #22 am: 16. Mär 2008, 16:08 »

@ aram:

Wie ich schon zuvor ausgedrückt hatte, in dieser Sache stimme ich Deiner inhaltlich-sachlichen Kritik am Artikel von Nick Brauns voll zu. Aber der Fehler liegt nicht in seiner politischen Richtung, sondern daran, dass er das Thema seines Artikels mit ideologischen Scheuklappen angegangen ist, was so auch von vielen seiner GenossInnen nicht mitgetragen wird, höchstens von denen, die immer noch nach den "Fleischtöpfen des real existierenden Sozialismus" sich "ostalgisch" sehnen. 

In diesem Sinne danke ich dir sehr, dass du mit dem Link auf den auch in voller Länge lesens- und bedenkenswerten ARD-Beitrag hier hereingesetzt hast. Das meinte ich, als ich "Raschid Al Din" aufforderte, "Butter bei die Fische" zu geben!

Ich verstehe ja auch durchaus, wenn altgediente "Amerika-Hasser" nach jedem Strohhalm greifen, um gegen die gerade im Amt befindliche US-Regierung zu agitieren. Aber es sollte wenigstens der Versuch unternommen werden, ein wenig objektiv zu berichten, wenn es um ein Verbrechen wie den Giftgas Angriff auf Halabja geht, und dann noch in einem Gedenkartikel zum 20. Jahrestag des Verbrechens! Das ist eben schlimmer als nur Mangel an Pietät!

Es ist ja mittlerweile wohl allen klar, dass die Reagan-Administration eine hohe Verantwortung für die Aufrüstung des Saddam-Regimes trug, weil sie nüchterne politische Analyse ihrem ideologisch bedingten Kreuzzugsgedanken opferte.
Diese falsche Politik unterstützte indirekt sowohl den Auftakt des 1. Irak-Krieges 1990/91 wie dessen abruptes Ende "auf halber Strecke" und die damit verbundenen Rachefeldzüge von Saddams Garde sowohl gegen die Aufständischen im Süden wie gegen die Kurden im Norden. Dass Bush-junior sich am Ende nicht anders zu helfen wusste als eine Invasion durchzuführen, zeigte auch etwas seine Hilflosigkeit gegenüber den Zauberlehrlingen, die sein Vater rief und auch Clinton nicht bändigen konnte.

Soweit ich im Übrigen die Arbeiten von Karin Leukefeld kenne, kommt sie aus derselben politischen Ecke wie Nick Brauns. Interessant, dass Du sie hier so ausführlich und anscheinend zustimmend zitierst.
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« Antworten #23 am: 16. Mär 2008, 17:18 »

@Amos,

Ja es stimmt, Karin Leukefelds schreibt auch Artikel für die JW, aber auch für tagesschau.de und Rheinischen Merkur, sie ist freie Journalistin. Ich habe sie bewusst ausgesucht und hier zitiert, den die JW sucht sich selber aus was ihr in die Zeitung kommt, und so ein Artikel von Frau Leukfeld würde sehr wahrscheinlich in der JW nicht gedruckt werden!

Was besonders klar wird bei der Betrachtung eines kleinen Beispiel: Wir kennen ja Nick Brauns Reisebericht, auch Karin Leukefeld war in Kurdistan und hat einen Artikel dazu geschrieben. Wenn man ihren Artikel liest und ihn mit Brauns Reisebericht vergleicht, dann muss man sich wirklich fragen ob es sich um das gleiche Land handelt: http://www.leukefeld.net/KarinBilder/PDF/RM01013.pdf

Dieser Artikel wurde natürlich in der Jungen Welt nicht veröffentlicht! 


Man merkt, das sie um eine objektive Berichterstattung bemüht ist. Brauns hingegen schwafelte was von; die Kommunisten sollten dies und das tun....

Hier ist ein Artikel über einen älteren Irak Besuch von ihr, der vom Neuen Deutschland mit gesponsert wurde:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0413/blickpunkt/0001/index.html


Der JW Autor Rainer Rupp hat im übrigen noch vor den Irak Krieg angefangen die irakische Täterschaft zu leugnen:
Die JungeWelt leugnet irakische Täterschaft an Giftgas - Massaker
http://de.indymedia.org/2003/02/40284.shtml

Deshalb, bin ich trotzdem nicht bereit jeden der für die JW schreibt in ein Topf zu werfen. Aber meine Kritik an der JW sehe ich dennoch für berechtigt. Sie ist für die Veröffentlichung des Artikel verantwortlich und natürlich auch der Autor!

 
« Letzte Änderung: 16. Mär 2008, 17:55 von aram » Gespeichert

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JiDilKirdim | Beiträge: 0
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« Antworten #24 am: 16. Mär 2008, 19:07 »

Berlin, 16.3.08
Heute haben ca. 100 Menschen an der Halabja-Mahnwache friedlich teilgenommen. Im Regen und beim Vorlesen diverser Informationen über Halabja wurde an die Opfer des Giftgasangeriffes durch Saddams Regime erinnert. Dabei wurden an Passanten Zetteln über der Stadt am 16.3.1988 verteilt.
Wegen dem schlechten Wetter wurde die Mahnwache ein Stunde früher, um 16 Uhr beendet.


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« Antworten #25 am: 16. Mär 2008, 19:21 »

für interessierte!

auf kurdsat werden gerade aufnahmen von damals aus halepce gezeigt.  herz zerreißende aufnahmen Weinen

mögen sie für alle ewigkeiten in der hölle schmoren diese drecksbastarde, die den menschen das angetan haben........
« Letzte Änderung: 16. Mär 2008, 19:27 von Miro » Gespeichert
Alando | Beiträge: 85
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BIJI GELE KURDISTAN KURD NAMRIN !!!



« Antworten #26 am: 16. Mär 2008, 22:05 »

Heute ist echt ein Trauriger tage  Weinen
Auf Kurdsat läuft so ne Kurdische Serie die im Schweden gedreht wurde dort gehts auch um Halabja

Naja :/ wann wird dieser H*** endlich auf gehängt (Chemie Ali) besser bekannt als, Kelb
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BIJI GELE KURDISTAN KURD NAMRIN !!!!
JEK DEWLAT,JEK WELAT,JEK KURDISTAN !!!

http://de.youtube.com/watch?v=AYX2nce-S5I <<<
http://de.youtube.com/watch?v=UzfNY98C0ts <<<
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« Antworten #27 am: 17. Mär 2008, 01:04 »



Zitat
Halabja: Die politische Dimension der Erinnerung

von Joost R. Hiltermann
übersetzt von Karl G. Mund


Der Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabja während der Zeit des Saddam-Regimes am 16. März 1988 war von jeher umgeben von Entstellung und Verleugnung. Allein die Wahrheit kann den Opfern gerecht werden, sagt Joost R. Hiltermann

openDemocracy 14.03.2008                                                                                                                                                                                             

Zitat
Halabja: Die politische Dimension der Erinnerung

In diesem Jahr begehen wir den 20. Jahrestag eines schrecklichen Vorfalls, der nur wenigen bekannt ist, von vielen geleugnet wird und von anderen für politische Zwecke ausgebeutet wird. Vor 20 Jahren, am 16. März 1988, warfen irakische Bomber Chemikalien auf die Stadt Halabja in irakisch Kurdistan und töteten einige Tausend BürgerInnen. Dieser Angriff markierte den Beginn für die Benutzung von Giftgas für die taktische Bekämpfung des (Widerstands im) ländlichen Kurdistan am ersten Tag einer jeden Phase in der fünfmonatigen Operation gegen die Kräfte des (kurdischen) Aufstandes, die sich an diesen Angriff anschloss und den Decknamen "Anfal" (arabisch für "Kriegsbeute") erhielt. 

Diese (nun folgenden Angriffe mit) Chemikalien töteten einige Hundert (Menschen) und erzielten den erwünschten Erfolg: sie spülten verängstigte Dorfbewohner in die Gewalt der irakischen Armee, die sie in Übergangslager fuhr, aussortierte nach Geschlecht und Alter, und dann Zehntausende zu Hinrichtungsstätten in die westlchen Wüstengebiete des Landes karrte, weit weg von Kurdistan, wo sie bis zum heutigen Tage unter einer dünnen Sandschicht begraben liegen.

Dieser 16. März ist auch der zweite Jahrestag der Zerstörung des Halabja-Denkmals durch die Stadtbewohner selbst, viele davon überlebende Verwandte (der Opfer von 1988). Sie empörten sich über den Brauch der teilweise von Jalal Talabanis PUK kontrollierten kurdischen Regionalregierung, ausländische Würdenträger wie eine Schafherde zu den Massengräbern und Denkmälern zu treiben, während sie wenig für die Wiederherstellung der Stadt und für ihre Bewohner taten, von denen viele noch über die gesundheitlichen Spätfolgen durch das Senfgas klagten.

Diese Vorfälle bleiben schmerzhaft lebendig für Kurden, besonders für diejenigen, die sie durchleben mussten und Verwandte verloren. Sehr wenige Familien waren nicht betroffen und im Gebiet Germian, dem hügeligen Hinterland des ölreichen Kirkuk, wurden manche Familien vollständig ausgerottet durch Saddam Husseins Arabisierungsaktion. Die heutige kurdische Ausrichtung auf eine größere Autonomie, an deren Ende auch eine Unabhängigkeit stehen könnte, wenn es die Verhältnisse erlauben, ist zwar älter als Halabja und Anfal, aber diese zwei zusammengehörenden Ereignisse verliehen diesen Bestrebungen eine besondere Dringlichkeit: die Kurden können nicht darauf vertrauen, dass in der Zukunft eine irakische Regierung nicht erneut solche Taktiken anwenden wird. Außerdem sehen sie sich eingeklemmt zwischen Nachbarn, Türkei, Iran und Syrien, die ihren Bestrebungen feindlich gegenüber stehen und die Macht haben, sie einzudämmen; der kürzliche türkische Einmarsch in Nordirak ist da lediglich die letzte Botschaft, die übermittelt wurde. 

Die USA spielten eine widersprüchliche Rolle mit ihrer Unterstützung Saddam Husseins während des iranisch-irakischen Krieges, mit den Sanktionen gegen Irak, die die Menschen trafen anstelle des Regimes, durch den Sturz des Regimes bei gleichzeitigem Versagen bei der Stabilisierung des Landes, sowie mit der Einrichtung eines Gerichtshofes mit vorgeschriebener Struktur und eingeschränktem Mandat, neben weiteren beschämenden Informationen über frühere politische Handlungsweisen. Es sollte nicht überraschen, dass auch die gutwilligste Aktion der USA im Zusammenhang mit der Abschaffung des früheren Regimes wenig Vertrauen bei einer Bevölkerung weckt, die gelernt hat mit andauerndem Betrug durch eine Supermacht zu leben, und das trifft auch für die Kurden zu.

Chronik des Geschehens

Die Ablaufsgeschichte ist wichtig. 1988 neigte sich der iranisch-irakische Krieg dem Ende zu nach acht blutigen Jahren, aber am 14. März erfolgte ein Überraschungsangriff von iranischen Pasdaran (Revolutionswächtern) und irakisch-kurdischen Peschmerga nach irakisch Kurdistan. Nach dem Grenzübertritt überrannten sie den gesamten Kreis Halabja, der mehrere Kommunen wie z.B. Khurmal umfasst, aber auch Umsiedlerlager, wohin Dörfler im Rahmen der Dorfzerstörungskampagne verbracht wurden. Diese Kampagne eskalierte mit der Ernennung von Saddam Husseins Cousin Ali Hassan al-Majid, und nun vertrieb der iranisch/kurdische Vorstoß vollständig die Iraker. Viele Soldaten ertranken im Darbandikhan-See, anderen gelang die Flucht, Tausende wurden gefangen genommen. Die rebellierenden kurdischen Parteien übernahmen die Kontrolle über Halabja und Khurmal, währen Iranische Truppen die irakischen Verteidigungsstellungen auf den Hügelkuppen einnahmen.

Am 15. März war Halabja völlig in Händer der Peschmerga. Die Einwohner erinnerten sich später, dass, obwohl sie sich über die Befreiung von irakischer Unterdrückung freuten, doch ein ungutes Gefühl aufkam. Sie waren durch und durch vertraut mit der brutalen Vorgehensweise des Regimes: ein Jahr zuvor hatten Sicherheitskräfte eines der Stadtviertel von Halabja dem Erdboden gleichgemacht nach Protestaktionen in den Straßen wegen der Dorfzerstörungskampagne.

Am Nachmittag des 16. März begann die irakische Luftwaffe massive chemische Angriffe gegen Halabja und Khurmal. Obwohl keine genaue Opferzählung durchgeführt wurde, denn die Überlebenden beerdigten mit Hilfe der Peschmerga und deren iranischen Verbündeten rasch die Toten in provisorischen Massengräbern, wird allgemein berichtet, dass 5000 den Tod fanden, zumeist durch Nevengas, die Mehrheit davon Zivilisten. Viele weitere wurden verletzt, hauptsächlich durch Senfgas; sie wurden in iranische Krankenhäuser gebracht. Die Pasdaran und Peschmerga-Soldaten waren mit Schutzmitteln ausgerüstet und hatten deshalb nur wenige Verluste.

Der Schlag gegen Halabja erwies sich als verhängnisvoll für die kurdische Moral. Der kurdische Aufstand brach über Nacht zusammen, und am 19. März konnte das Regime in großen Schlagzeilen die Einnahme des PUK-Hauptquartiers im Jafati-Tal nördlich von Silêmanî vermelden. Die Nachricht des Chemie-Angriffs auf Halabja breitete sich aus über Kurdistan wie ein Buschfeuer, und das Regime konnte sich dies zunutze machen für eine gründliche Militäraktion, die nicht nur die Peschmerga aus den ländlichen Gebieten vertrieb, sondern auch die Zivilbevölkerung, so dass es nicht mehr zu einer Aufstandsbewegung im ländlichen Raum kommen konnte.

Die Manipulation des Ereignisses

Bis heute bleiben die Anfal-Operation und der Giftgasangriff außerhalb Kurdistans im Unwissen verborgen. Die Region war so lange vor der Außenwelt verschlossen, ihre Infrastruktur so wenig einladend für ausländische Besucher, dass nur wenige sich daran gemacht haben die Erinnerung an dieses Leiden mit den Kurden zu teilen. Die Kurden waren zudem Opfer ihres Kriegsbündnisses mit Iran, dessen revolutionär-islamisches Regime seit dem Sturz des Schah in den späten 1970-er Jahren geächtet war. Mit Unterstützung durch die USA leugnete die irakische Propaganda entweder, was geschehen war, oder spielte die Bedeutung dieser Ereignisse herunter und verfälschte sie jenseits jeder Erkennbarkeit.

Innerhalb einer Woche nach dem Angriff behauptete das US-Außenministerium, gestützt auf Informationen durch den militärischen Nachrichtendienst DIA, das Iran ebenfalls Giftgas in Halabja eingesetzt hätte. Diese Information erzeugte so viel Verwirrung, dass der UN-Sicherheitsrat erst eine Resolution für zwei Monate auf Eis legte und dann beide Seiten wegen der Anwendung von Chemiewaffen verurteilte.  Der DIA-Report wurde 2 Jahre später von dem CIA-Analytiker Stephen Pelletiere noch verstärkt, der unter Zuhilfenahme der DIA-Daten behauptete, dass die Mehrheit der Halabja-Toten iranischen Gasangriffen zum Opfer gefallen wären. Pelletiere hat diese Behauptung später mehrfach wiederholt, aber niemals irgendeinen Beweis dafür erbracht außer den vagen Spekulationen der DIA zu jener Zeit.

Diese Verwirrung erschwerte den Kurden, internationale Anerkennung für die Tragödien von Anfal und Halabja zu erlangen. In Irak selbst betrachten viele Leute die kurdischen Behauptungen als Fantasie, während andere diese Ereignisse als gerechtfertigten Gegenschlag gegen den kurdischen Aufstand betrachteten: "die Kurden kriegten, was ihnen zustand". Der Prozess wegen der Verbrechen im Zusammenhang mit der Anfal-Kampagne gegen Ali Hassan al-Majid und einige hohe Offiziere mit der Verurteilung von al-Majid und zweier Kollegen im Juni 2007 war ein Schritt in Richtung auf die volle Anerkenntnis dessen, was geschehen war; aber die Auseinandersetzungen über die Einsetzung des Gerichtshofes, das Mandat und die Vorgehensweise haben dessen Glaubwürdigkeit herabgesetzt und damit auch die Glaubwürdigkeit der vorgetragenen Beweise. Unter diesen Defiziten wird auch ein künftiges Verfahen wegen Halabja leiden. Außerdem werden dann die Hauptschuldigen, Saddam Hussein und Ali Hassan al-Majid, einschlägig als "Chemie-Ali" bekannt, nicht mehr am Prozess beteiligt sein.

Die Bewältigung der Vergangenheit

Im Januar 2008 organisierte die kurdische Regionalregierung ihre erste Veranstaltung zur Erinnerung an Anfal; Halabja wurde im Veranstaltungsprogramm nicht genannt. Doch sind Halabja und Anfal untrennbar miteinander verbunden, weil der Giftgasangriff als mächtiger Demonstationseffekt zur Unterdrückung des kurdischen Aufstandes diente. Weitere Gedächtnisveranstaltungen sind geplant, wie auch solche, die sich mit der Gestaltung der Zukunft befassen werden. Dies sollte begrüßt werden, weil Wissen und breite Anerkennung dieser Ereignisse als Gräueltaten seit langem überfällig sind. Die Anffal-Kampagne wurde durch ein niederländisches Gericht als Genozid-Tat eingestuft, als ein Unternehmer im Jahre 2006 verurteilt wurde, der das irakische Regime mit chemischen Vorprodukten für die Herstellung tödlicher Mittel versorgt hatte. 

Für die kurdische Regionalregierung dient das Gedenken an Anfal/Halabja der politischen Aktivität für die Erzielung umfassenderer politischer Autonomie in Irak. Aber für viele Überlebende geht es um die Frage, ob sie irgend einen Vorteil von größerer Publizität dieser grauslichen Ereignissen haben könnten, von denen sie keine Ahnung hatten, über die sie keine Kontrolle ausüben konnten und in deren Nachlauf sie vernachlässigt wurden außer als passive Opfer, die zu politischen Gegebenheiten vorgeführt werden.


_____________________

Joost R. Hiltermann ist stellvertretender Leiter der Nahost- und Nordafrika-Abteilung der International Crisis Group und Autor von “A Poisonous Affair“ : America, Iraq, and the Gassing of Halabja (Cambridge University Press, 2007)
Karl G. Mund ist Redakteur bei www.yeziden-colloquium.de
« Letzte Änderung: 17. Mär 2008, 01:15 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #28 am: 17. Mär 2008, 12:54 »


vielen dank amos, für die übersetzung des textes.

Zitat
Dieser 16. März ist auch der zweite Jahrestag der Zerstörung des Halabja-Denkmals durch die Stadtbewohner selbst, viele davon überlebende Verwandte (der Opfer von 1988). Sie empörten sich über den Brauch der teilweise von Jalal Talabanis PUK kontrollierten kurdischen Regionalregierung, ausländische Würdenträger wie eine Schafherde zu den Massengräbern und Denkmälern zu treiben, während sie wenig für die Wiederherstellung der Stadt und für ihre Bewohner taten, von denen viele noch über die gesundheitlichen Spätfolgen durch das Senfgas klagten.

es wäre interessant zu wissen, ob sich etwas zum positiven geändert hat oder immer noch die miserablen zustände anhalten, die die menschen angeklagt hatten?
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« Antworten #29 am: 17. Mär 2008, 17:34 »

Appell kurdischer Studenten in Deutschland an
die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Frau Dr. Angela Merkel,
anlässlich des 20. Jahrestages des Giftgasangriffs auf die kurdische Stadt Halabja


Gegen das Vergessen und gegen politischen Opportunismus auf Kosten von Menschenrechten!
Für einen Paradigmenwechsel in der deutschen Außenpolitik!



Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

der Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabja (Irak) jährt sich dieser Tage zum 20. Mal. Wir, die kurdischen Studenten in Deutschland, fühlen uns in besonderem Maße verpflichtet, die Erinnerung an dieses menschenverachtende Verbrechen wach zu halten.

Es war der 16. März 1988, als die Unterdrückung und Verfolgung des kurdischen Volkes im Irak unter dem Regime Saddam Husseins einen weiteren Höhepunkt erfahren sollte. Chemische Waffen, die international geächtet werden, hagelten auf die kurdische Stadt Halabja an der Grenze zum Iran nieder. Mehr als 5.000 Menschen – überwiegend Kinder, Frauen und alte Männer – starben binnen Minuten einen qualvollen Tod. Weitere Tausende starben an den Folgen ihrer schweren Verletzungen. Noch heute leiden die Menschen in der Region jeden Tag unter den physischen und psychischen Nachwirkungen des Giftgasangriffs.

In der Bundesrepublik Deutschland leben über 500.000 Kurden. Der Giftgasangriff auf Halabja ist eine nationale Tragödie für die Kurden aus allen vier Teilen Kurdistans; ist es doch ein Zeugnis der Ohnmacht des kurdischen Volkes, der Unterdrückung und Verfolgung in der eigenen Heimat durch eine Diktatur. Viele Kurden flohen in Länder wie Deutschland, in denen Demokratie nicht nur auf dem Papier existiert. So kamen sie in der Diaspora zum ersten Mal in den Genuss der universellen Menschenrechte. Nach wie vor werden uns diese elementaren Rechte in unseren Heimatländern Iran, Irak, Syrien und Türkei verwehrt. Der Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabja vor 20 Jahren sticht dabei hervor, allerdings stellt er nur die Spitze eines Eisbergs dar.

Die einzige Ausnahme in diesem für Kurden so trostlosen politischen Gefüge stellt seit 1991 die kurdische Selbstverwaltungsprovinz im Irak dar. Hier werden die Kurden nicht mehr von einer fremden Macht unterdrückt und leben friedlich mit Arabern, Türkmenen, Assyro-Chaldäern und anderen Minderheiten zusammen. Kurdistan/ Irak ist für das leidgeplagte kurdische Volk eine Insel der Freiheit, die es zu schützen gilt. Die Kurden im Irak haben lange genug unter dem Baath-Regime gelitten. Nun wollen und sollen sie sich in Frieden und Freiheit entfalten können.

Es ist hinlänglich bekannt, dass deutsche Firmen durch Lieferung der entsprechenden Technologie und des Know-hows an das irakische Regime maßgeblich zum Giftgasangriff auf Halabja beigetragen haben. Die Hilfsorganisation „medico international“ hat 1998 mit entsprechenden Belegen 56 deutsche Firmen aufgelistet, die zum Aufbau des irakischen Giftgasarsenals beigetragen haben.
Darüber hinaus beliefert die Bundesregierung seit 1964 ihren NATO-Verbündeten Türkei kontinuierlich mit Waffen. Diese deutschen Waffen werden seit Jahrzehnten gegen die kurdische Zivilbevölkerung im eigenen Land und auch immer wieder (zuletzt im Februar 2008) bei grenzüberschreitenden militärischen Operationen im Irak eingesetzt. Derartige Invasionen auf das Hoheitsgebiet eines souveränen Nachbarstaates sind völkerrechtlich nicht legitim. Dass es sich bei der Türkei um einen NATO-Bündnispartner sowie einen potenziellen EU-Beitrittskandidaten handelt, ändert nichts an der Sachlage.
Angesichts dieser Tatsachen sollte sich die Bundesregierung ihrer historischen Verantwortung gegenüber dem kurdischen Volk bewusst sein. Die Zeiten, in denen die Verfolgung und Ausrottung eines Volkes von deutschem Boden aus vorangetrieben wird, sollten ein für allemal der Vergangenheit angehören. Aufgrund der eigenen Erfahrungen durch die NS-Diktatur wird der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Verantwortung bei der Verhinderung von Massenmorden zuteil. In diesem Zusammenhang appellieren wir an die Bundesregierung, durchzusetzen, dass deutsche Produkte weltweit weder zur Unterdrückung der Zivilbevölkerung noch zum Führen völkerrechtlich illegitimer Kriege eingesetzt werden dürfen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wir, die kurdischen Studenten in Deutschland, appellieren an Sie, dafür Sorge zu tragen, dass die Bundesrepublik Deutschland der Verfolgung des kurdischen Volkes nicht länger Vorschub leistet. Politischer Opportunismus verliert jegliche Legitimität, sobald es um Menschenleben und elementare Menschenrechte geht. Lassen Sie nicht zu, dass die deutsche Außenpolitik ausschließlich von Wirtschaftsinteressen gelenkt wird. Treten Sie dafür ein, dass Menschenrechte genauso nationale Interessen werden wie Wirtschaftswachstum oder Sicherheit. Zeigen Sie Mut und Prinzipientreue, indem Sie die demokratischen Bestrebungen in Kurdistan/ Irak unterstützen und die türkische Regierung auffordern, die Grenzen des Irak zu respektieren sowie das Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes sowohl im Irak als auch in der Türkei anzuerkennen, damit sich die Kurden im Irak endlich in Frieden und Freiheit entfalten können.
Die noch junge und vom nicht-demokratischen politischen Umfeld bedrohte Demokratie in Kurdistan/ Irak ist auf die Hilfe aller konsolidierten Demokratien angewiesen. Die Bundesregierung könnte ihren Teil dazu beitragen, indem sie die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu Kurdistan/ Irak vertieft. Insbesondere bitten wir Sie, die Rahmenbedingungen für Kooperationen zwischen den Hochschulen in Deutschland und Kurdistan/ Irak zu schaffen.

Wir bitten um Ihre Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen,

Arbeitskreis Kurdistan, Bremen

KomEzidi, Verein ezidischer StudentInnen in Deutschland

KSG, Kurdische Studentengruppe an der Christian Albrecht Universität zu Kiel

KSU, Kurdistan Studenten Union – Deutschland

Kurdische Studentengruppe in Mönchengladbach

Kurdische Studentengruppe in Osnabrück

Kurdistan Ag an der Ruhr-Universität Bochum

Kurdistan Ag an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Kurdistan AG Berlin

Plattform kurdischer StudentInnen, Frankfurt

Raman, kurdischer Studentenverein in Bonn

Zanîn, Verein kurdischer StudentInnen in Hannover
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« Antworten #30 am: 25. Mär 2008, 13:40 »

Liebe Freunde,

ich habe gelesen, dass es heftige Kritik an meinem Artikel zu Halabja gibt. Leider konnte ich bislang nicht darauf reagieren, da ich in Nordkurdistan auf einer Newroz-Delegation in Dersim, Cizre, Batman und Amed war und eben erst zurückkam.

Dass ich mit meinem Artikel die Baath-Partei unterstütze, ist ein absurder Vorwurf. Mir geht es allerdings darum, zu zeigen, dass Saddam Mithelfer hatte. Das waren insbesondere deutsche und amerikanische (und leider auch russische) Waffenlieferanten. Und das waren die USA, die die Kriegsverbrechen Saddam Husseins während des Iran-Irak-Krieges deckten. Die Rolle des Westens als damaliger Verbündeter des Irak konnte bei den Prozessen gegen Saddam Hussein und Chemical Ali unter den Tisch fallen, da es illegitime Besatzungstribunale waren. Dass heißt keineswegs, dass die Verantwortlichen nicht vor ein Gericht gehören. Aber nicht vor ein solches völkerrechtswidriges Gericht, dass eben nicht zur Aufklärung sondern zur weiteren Verschleierung vergangener Verbrechen und zur Deckung neuer Verbrechen der US-Besatzung beiträgt.

Kritik habe ich insbesondere für die Darstellung der Rolle der PUK in Halabja geerntet. Ich möchte euch daher meine Quellen nennen.

Zum einen habe ich mit Genossen gesprochen, die damals als kommunistische Peshmerga im Irak gekämpft haben. Diese haben mir u.a. von den Plünderungen durch PUK-Peshmerga erzählt.

Weiterhin hat Professor Kirmanc Guni von der Universität Tennessee hat 1992 in Sorani das Buch "30 Jahre Kämpfe und Katastrophen" verfasst. Daraus hatte ich mir Auszüge übersetzen lassen.

Schließlich gibt es Augenzeugenberichte, die von den Physicians for Human Rights und dem während des Angriffs im Halabja filmenden britischen Filmemacher Gwynne Roberts gesammelt worden. Diese Augenzeugenberichte bestätigen, dass die PUK alle Ausgänge der Stadt kontrollierten und Zivilisten davon abhielten, die Stadt zu verlassen. Die PUK hoffte, dass die irakische Armee die Stadt nicht angreifen würde, wenn das Stadtzentrum voller Zivilisten war. Diese Kalkulation der PUK, Halabja mit lebenden Schutzschilden zu schützen, hat sich leider als fatale Fehleinschätzung des Vernichtungswillens des irakischen Regimes herausgestellt. Auch die Zeugenaussage der Ärztin Dr. Christine M. Gosden vor dem US-Senat bestätigt das: http://www.fas.org/irp/congress/1998_hr/s980422-cg.htm

Klar ist dennoch: nicht die PUK ist Schuld an dem Genozid in Halabja, sondern die irakische Führung. Die PUK trägt durch ihre Fehleinschätzung allerdings eine Mitverantwortung, zu der sie stehen sollte. Diese Beschuldigung schließt keineswegs aus, dass sich PUK-Peshmerga in anderen Situationen und auch in Halabja schützend vor die Zivilbevölkerung gestellt haben und sogar ihre Gasmasken zur Verfügung stellten, wie hier im Forum beschrieben wurde.

Klar zu verurteilen ist allerdings in meinen Augen die heutige Rolle der PUK, die für sich Profit aus Halabja schlägt, ohne die Opfer daran teilhaben zu lassen. So eine Politik spielt nur den Islamisten in die Hände, die in Halabja schon einmal eine Hochburg hatten.

Ansonsten würde ich darum bitten, meine Artikel inhaltlich zu kritisieren und nicht damit, dass ich Kommunist bin. Schließlich werfe ich einigen von euch ja auch nicht vor, dass ihr z.B. Liberale, kurdische Nationalisten, Anarchisten, Reaktionäre, Zeugen Jehovas oder FC Bayern Fans seid. Als Marxist bin ich nicht einfach pro-Kurdisch, sondern ich trete gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg sowie für Völkerfreundschaft und Internationalismus ein. Da Unterscheide ich nicht zwischen Deutschen, Franzosen, Kurden, Türken und Arabern etc. In einem Forumsbeitrag hieß es in etwa, ehe ich die kurdische Regionalregierung der Kollaboration mit dem Imperialismus beschuldige, sollte ich doch erstmal vor der eigenen Haustüre kehren. Schließlich ist die BRD in der NATO und hier im Land sind US-Truppen stationiert. Seid versichert, dass ich innerhalb der Antikriegsbewegung in Deutschland gegen die NATO sowie gegen Bundeswehrauslandseinsätze und gegen die US-Stützpunkte kämpfe. Das ist für mich kein Widerspruch zur Solidarität mit den Kurden gegen ihre Unterdrücker oder auch zur Solidarität mit den Palästinsensern. Dort, wo Kurden oder Palästinenser aber zu Kollaborateuren werden und - zum Schaden ihres eigenen Volkes und anderer Völker - mit dem Imperialismus zusammenarbeiten, werde ich dies ebenso kritisieren, wie ich die deutschen Grünen für ihr Umschwenken von einer Friedenspartei zu einer Kriegspartei angreife.

viele Grüße
Nick







 
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« Antworten #31 am: 25. Mär 2008, 23:32 »

@ Nick:

Dein langer erläuternder Beitrag hat vielleicht einiges verständlicher gemacht.

Meine Kritik richtet sich zum einen gegen den etwas fahrlässigen Gebrauch des Begriffs "lebende Schutzschilde". Du berufst dich auf die Zeugenaussage von Dr. Christine M. Gosden vor dem US-Senate Judiciary Subcommittee on Technology, Terrorism and Government and the Senate Select Committee on Intelligence on Chemical and Biological Weapons Threats to America: Are We Prepared?
Wednesday, April 22, 1998, am Mittwoch, den 22. April 1988 also ca. 5 Wochen nach dem Giftgasangriff sagte die Professorin aus Liverpool vor diesem Kommittee in Washington u.a. aus:
Zitat
The civilians had been prevented from leaving the town by the PUK, hoping that the Iraqis would not attack a
town with civilians in it -- thus providing a human shield.
Zivilpersonen wurden am Verlassen der Stadt gehindert durch die PUK, welche hoffte, dass die Iraker eine Stadt mit Zivilisten nicht angreifen würden, die ein menschliches Schutzschild darstellen.
Ich habe hier bewusst wortgetreu übersetzt, aber daraus wird in deinem Artikel:
Zitat
Als die irakische Regierung die Bevölkerung kurz vor dem Angriff in Flugblättern zum Verlassen der Stadt aufgeforderte, hinderten die PUK-Peschmerga die Zivilisten an der Flucht, um sie als lebende Schutzschilde zu mißbrauchen.
Zwischen der von Dr. Gosden unterstellten strategischen Unzulänglichkeit der PUK-Militärs und der in deinem Artikel ausgedrückten menschenverachtenden Absicht besteht aber doch ein gewisser Unterschied.

Ich kann dir zustimmen, dass wegen der strategischen Fehleinschätzung der PUK-Militärführung eine indirekte Mitverantwortung auf jeden Fall für die hohe Opferzahl bestand und besteht, solange die PUK sich dieser Mitverantwortung entzieht. Im Deutschen Sprichwort heißt es: "Dummheit schützt vor Strafe nicht", und diese historische Dummheit, die unnötig viele Opfer in Halabja gekostet hat, sollte Anlass sein, an der Regierungsfähigkeit dieser Parteiführung Zweifel zu haben, obwohl in so manchen gelehrten Abhandlungen betont wird, dass im Gegensatz zu der mit zuviel Analphabeten gesegneten KDP die PUK eine "Intellektuellenpartei" seit ihrer Gründung sei. Nun ja, vielleicht hatten wir es 1988 mit typischen Intellektuellenfehlern zu tun. Ist das aber ein Trost? Für die Opfer vom 16.3.1988 und ihre Angehörigen gewiss nicht. Ich kann mich auch erinnern, wie so manche deutsche studentische Revolutionäre 15 Jahre davor aus ihrer Studierstube heraus den Vietnamkrieg gegen "den" Imperialismus gewinnen wollten. Zu unser aller Glück bekamen sie nie die Gelegenheit reale Truppen zu kommandieren.

Mit "dem" Imperialismus hast du es ja auch. Wer ist das eigentlich? Ist es wirklich noch korrekt, "den" Imperialismus an der einen oder anderen Nation festzumachen? Müssen wir nicht viel mehr annehmen, dass alle Träger imperialistischer Ideologien sich die Möglichkeiten der Globalisierung viel eher und viel gründlicher zunutze gemacht haben, als das mitunter so ohnmächtig herumwuselnde Häufchen der "Anti-Imperialisten"? Und gibt es hier nicht auch so manchen Etikettenschwindel? Nehmen wir zum Beispiel mal Saddam Hussein. Ich kann mich noch gut an Diskussionen vor 1980 (und vielleicht auch noch danach) mit meinen damaligen SEW-Genossen erinnern, wo jede Kritik am imperialistischen Gehabe dieses Herrn und an seinen entsprechenden Methoden, bis hin zu seinen Vernichtungsfeldzügen gegen irakische Kommunisten als Tabu behandelt wurden, weil der "große Bruder" in Moskau ihn als Anti-Imperialisten hofierte.

Ich hatte aber auch schon vor 1988 Kenntnis von Chemiewaffen in Nahost-Ländern, auch von Einsätzen mit Chemiewaffen in den 1960-er Jahren durch ägyptische Truppen im Jemen. Und es war ein offenes Geheimnis, dass in allen Armeen der Region seit jener Zeit mit Chemiewaffen als Option für eine Auseinandersetzung nach außen wie nach innen geliebäugelt und auch aktiv trainiert wurde, auch mit dem Blick auf Israel, das zwar lieber auf nukleare Abschreckung setzte, aber die Chemieabwehr wohl intensiver als alle Nachbarn forcierte. Und ich hatte auch immer mitarbeitenden Kontakt zu Gruppen, die blockübergreifend in West wie Ost Aufklärung über die Unmenschlichkeit wie über die Dummheit chemischer Kriegführung aufklärten. 


« Letzte Änderung: 26. Mär 2008, 00:51 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #32 am: 25. Mär 2008, 23:34 »

Zunächst find ich es sehr positiv, dass Sie sich hier der kritischen Meinungen stellen, dass spricht zumindest einmal für Sie.

ABER, genau hier:

Zitat
Dort, wo Kurden oder Palästinenser aber zu Kollaborateuren werden und - zum Schaden ihres eigenen Volkes und anderer Völker - mit dem Imperialismus zusammenarbeiten, werde ich dies ebenso kritisieren

zeigen Sie genau wie man Sie einstufen muss.

Nehmen Sie es nicht persönlich, aber mit diesem Satz habe ich Sie ertappt.
Sie sind Marxist, alles schön und gut, aber woher nehmen Sie sich denn das Recht, jemanden als Kollaborateur zu bezeichnen ?

Sie beziehen hier den nationalen Befreiungskampf der Kurden auf Ihre Ideologie, und das kritisiere ich persönlich aufs Schärfste ! Ich respektiere Ihre Arbeit für die Nordkurden, aber Sie können nicht den allgemeinen kurdischen Befreiungskampf für ihren Marxismus ausnützen.

Das wirkt unseriös !

Und nur so als Denkanstoss für Sie, inwiefern hätten die Südkurden sonst handeln sollen ?
Seite an Seite mit Baathisten gegen die bösen Imperialisten kämpfen ?
Somit also für den Erhalt des Baath- Regimes ?

Ist es etwa das, was sie uns Südkurden gewünscht haben ?

Ich bin mir im Klaren, dass Sie als Marxist einigen Dogmen verfallen sind, und einiges nicht rational betrachten können, aber vielleicht können Sie als Intellektueller doch über Ihren Schatten springen und sich in die Lage der Südkurden versetzen, bevor Sie wieder einmal das Wort Kollaborateur benützen.

Wen sollen die Südkurden eigentlich verraten haben, dass wäre wohl die primäre Frage, die man sich stellen sollte.
Etwa den Irak ?

Der Irak ist doch auch nur ein Produkt von den ehemaligen Kolonialisten/ Imperialisten, ergo nichts wofür sie Antiimperialist einstehen müssen  Smiley

Oder geht es Ihnen vordergründig um Anti- Amerikanismus ?

Zitat
Das waren insbesondere deutsche und amerikanische (und leider auch russische) Waffenlieferanten

Die Waffenindustrie ist eine der größten Stützen des Kapitalismus, wenn nicht die Größte.
Ich denke deshalb erübrigt sich in der Richtung jede weitere Diskussion aus der Sicht der Kurden.
Die USA verkaufen ihre Waffen sogar an den Teufel, und dem Russen war es ebenfalls egal, ob durch seine MIG- Bomber tausende Menschen getötet werden, oder nicht.

Die Frage war immer nur, wann man wem, welche Waffen liefert. Da waren Ihre Schein- Sozialisten nicht besser als die Kapitalisten, deshalb erübrigt sich auch Ihr "leider auch russische".

1974 flogen sogar russische Piloten (!) mit ihren MIG- Bombern über Südkurdistan, weil die irakischen Piloten nicht rechtzeitig genug, oder nicht ausreichend geschult wurden.

Der Verrat der Sowjetunion an den Kurden 1946 ist ebenfalls nicht besser als der Verrat der USA 1974.
Und beide Male ging es nur um geopolitische bzw. ökonomische Interessen.

Aus kurdischer Sicht ist das der beste Beweis dafür, dass es vollkommen unsinnig ist, zwischen Kapitalisten und Kapitalisten die sich Sozialisten nennen, zu unterscheiden.

Das ist alles nur erstunken und erlogen !
Kommunismus existiert nicht, und funktioniert nicht !

Über Ihre Aussagen bezüglich Helebce und der PUk- Pêshmerga werde ich mich gründlicher informieren, aber ich habe sowas niemals gehört oder gelesen.
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