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Autor Thema: 20 Jahre Halabja  (Gelesen 2450 mal)
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« Antworten #11 am: 14. Mär 2008, 15:08 »

Auf einer Konferenz in Rotterdam (09.03.2008) ergab sich das Interesse der Errichtung eines Denkmals zu Gedenken der Opfer des Genozids in Halepce.



Neben den Parlamentabgeordneten Harry van Bommel und Fred Teeven war auch der Nahostkenner Robert Soeterik zugegen und gaben ihr Interesse an einem Bau des Denkmals in Den Haag kund.

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« Antworten #12 am: 14. Mär 2008, 19:24 »

hier ein interessanter Text

Warten auf Entschädigung

Vor 20 Jahren wurden im irakisch-kurdischen Halabja 5000 Menschen getötet
Von Nick Brauns
Am 16. März 1988 um 11 Uhr vormittags warfen Kampfflugzeuge im Tiefflug 100-Liter-Bomben mit einem tödlichen Cocktail aus Nerven- und Senfgas über der irakisch-kurdischen Kleinstadt Halabja ab. Als die Bewohner den süßlichen Geruch von faulen Äpfeln wahrnahmen, versuchten einige noch, ihre Zimmer mit feuchten Tüchern abzudichten, doch Atemnot und brennende Augen trieben sie zur Flucht. Mindestens 5000 der 40000 Einwohner von Halabja starben an diesem Tag, weitere 10000 wurden lebensgefährlich verletzt, viele starben später an den Folgen des Giftes.

Europäische Journalisten, die am Tag nach dem Massaker nach Halabja kamen, verbreiteten die Schreckensbilder von übereinanderliegenden Körpern toter Menschen und toter Tiere in den engen Straßen. Zuvor rechtzeitig geflohene Peschmergakämpfer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) des jetzigen US-gestützten irakischen Präsidenten Dschalal Talabani kehrten zurück und plünderten die Häuser der Toten und die Leichen. Die PUK und mit ihnen verbündete iranische Soldaten hatten Halabja am 15. März besetzt. Als die irakische Regierung die Bevölkerung kurz vor dem Angriff in Flugblättern zum Verlassen der Stadt aufgeforderte, hinderten die PUK-Peschmerga die Zivilisten an der Flucht, um sie als lebende Schutzschilde zu mißbrauchen.

Der damals mit Saddam Hussein gegen den Iran des Ayatollah Khomeini verbündete US-Präsident Ronald Reagan gab zuerst Teheran die Schuld an dem Gasangriff auf Halabja, der Geheimdienst CIA verbreitete entsprechende Berichte. Zwei Jahre später machten die USA unter George Bush sen. den nach der Annexion Kuwaits zum Feind mutierten Saddam Hussein allein für das »Massaker« verantwortlich. Halabja gilt seitdem als trauriger Höhepunkt der nach einer Koran-Sure »Anfal« (Beute) benannten irakischen Militäroffensive gegen kurdische Autonomiebestrebungen. Nach kurdischen Angaben sollen dabei 4500 Siedlungen – das waren 90 Prozent aller Dörfer im Nordirak – zerstört und bis zu 180000 Menschen ermordet worden sein. In mindestens 42 Fällen kam den Angaben zufolge Giftgas zum Einsatz.

Die Helfer saßen in der damaligen BRD. Von hier stammten 70 Prozent der irakischen Giftgasproduktionsanlagen. Der Bundesregierung lagen seit 1984 von US-Seite und dann durch den Bundesnachrichtendienst entsprechende Hinweise auf die Beteiligung deutscher Firmen am irakischen Chemiewaffenprogramm vor. 1987 wurden Ermittlungsverfahren gegen mehrere Unternehmen eingeleitet. »Für Deutsche in Deutschland ist Giftgas eine ganz furchtbare Sache – Kunden im Ausland stört das nicht«, rechtfertigte sich der Geschäftsführer der Firma Karl Kolb, Dieter Backfisch. Dessen Firma verkaufte seit 30 Jahren »wissenschaftliche Laborausrüstungen« in den Irak. Im August 1990 wurden sieben Mitarbeiter von Preussag, der Hamburger Firma W.E.T. sowie der Darmstädter Firmen Karl Kolb und Kolb Pilot Plant festgenommen. Die Prozesse endeten 1994 und 1996 mit Bewährungsstrafen, Freisprüchen und Einstellungen. Die Angeklagten kamen mit der Behauptung davon, sie hätten gedacht, mit der von ihnen gelieferten Technologie würden Kopfschmerzmittel produziert. Ein einziger Händler des Todes, der Niederländer Frans van Anraat, wurde 2005 von einem holländischen Gericht wegen Beihilfe und Vorschubleistung zu Kriegsverbrechen zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Das Gebiet um Halabja gehört zu den ärmsten Teilen der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, in vielen Dörfern fehlt jegliche Infrastruktur, es gibt kein sauberes Wasser und nur unzureichende Gesundheitsversorgung. Krebs-, Haut-, Atemwegserkrankungen und genetische Mißbildungen bei Neugeburten gehören bis heute zu den Folgen des Giftgaseinsatzes. Während sich die Parteifunktionäre der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) und der PUK, die die heutige US-gestütze Regionalregierung dominieren, luxuriöse Villen errichten, warten die Bewohner der Region um Halabja vergeblich auf Hilfe und Entschädigung. Die Menschen in Halabja werfen der kurdischen Führung eine Instrumentalisierung der Opfer vor. Vor zwei Jahren kam es am 16. März zu gewalttätigen Protesten, als Tausende Demonstranten die Vertreter der Regionalregierung daran hindern wollten, an einer Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Die Demonstranten zerstörten Teile des Mahnmals, das sie als »Bank« bezeichneten, mit deren Hilfe sich die Parteifunktionäre die eigenen Taschen füllten. Ein 17jähriger wurde getötet, als der Sicherheitsdienst der PUK das Feuer auf die Demonstranten eröffnete.

Die Clan- und Parteiführer von KDP und PUK machen heute wieder gute Geschäfte mit deutschen Firmen, die in den 80er Jahren am Rüstungsprogramm des Irak beteiligt waren. Als US-Truppen im Jahr 2004 chemische Kampfstoffe gegen irakische Widerstandskämpfer in der Stadt Falludscha einsetzten, schwieg die kurdische Regierung zu diesem Kriegsverbrechen ihrer Verbündeten. Mehr noch: Ihre Peschmerga waren an der US-Offensive beteiligt.

Saddam Hussein wurde wegen eines Massakers an 143 Schiiten hingerichtet, ohne daß Halabja zur Sprache kam. Auch die Todesstrafe gegen den für die Anfal-Offensive verantwortlichen Armeekommandanten Hassan Al-Majid wurde von einem von den US-Besatzern eingesetzten Gericht gefällt. So wurde sichergestellt, daß die alleinige Schuld dem gestürzten Baath-Regime angelastet werden konnte.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/03-14/035.php
« Letzte Änderung: 14. Mär 2008, 19:27 von Testosteron » Gespeichert
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« Antworten #13 am: 15. Mär 2008, 23:25 »

@ Testosteron:

Kurdmania erhielt einen Leserbrief, der sich auf den von dir hier angeführten Artikel von Nick Brauns in "Junge Welt" vom 14.03.2008 bezieht. Und weil das Motto von Kurdmania ist "audiatur et altera pars - auch die andere Seite soll gehört werden", möchte ich hier aus diesem Schreiben zitieren:
Sehr geehrte Damen und Herren,

Zitat
ich habe den Artikel: "Der Genozid von Halabja vor 20 Jahren" gelesen und festgestellt, dass die dort inthaltenden Informationen weit von Wahrheit entfernt sind. Ich bin sehr traurig darüber, dass sie diese falsche Informationen verbreiten.
Das kann einfach nicht sein, dass sie Halabje zu ihre Propaganda oder auch was immer dahinter steckt benutzen. Wenn sie sich über diese Thematik interessieren, dann sollten sie umgehend darüber informieren werden. Dieser Bereich von ihnen veröffentlichen Informationen sind sehr sehr Weit von Wahrheit entfernt und ich erwartet von Ihnen eine Korrektur, das kann einfach nicht sein, dass eine Kurdische Informationsseite Halabje als eine Werkzeug für ihre Propaganda benutzt.

Folgende Informationen müssen umgehend entfernt werden, weil das nicht die Wahrheit entspricht. Ich bin ein Opfer der Operation "ANFAL" und als Zeuge kann ich Ihenen sagen, dass dise Zeilen von Ihre Artikel falsch sind:
"Zuvor rechtzeitig geflohene Peschmergakämpfer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) des jetzigen US-gestützten irakischen Präsidenten Jalal Talabani kehrten zurück und plünderten die Häuser der Toten und die Leichen. Die PUK und mit ihnen verbündete iranische Soldaten hatten Halabja am 15. März besetzt. Als die irakische Regierung die Bevölkerung kurz vor dem Angriff in Flugblättern zum Verlassen der Stadt aufgeforderte, hinderten die PUK-Peschmerga die Zivilisten an der Flucht, um sie als lebende Schutzschilde zu mißbrauchen."


Dem Einsender dieser Beschwerde muss gesagt werden:

Das Motto von Kurdmania "audiatur et altera pars - auch die andere Seite soll gehört werden" lässt sich nicht aufheben, wenn diese "andere Seite" unangenehm ist. Wenn es sich aber um die Verdrehung von Fakten handelt oder um mutwillige Beleidigung und Verleumdung von Menschen, egal, ob es sich um Regierende oder Regierte handelt, dann muss der Sachverhalt richtig gestellt werden. Dazu ist allerdings mehr nötig als die Veröffentlichung einer Gegenbehauptung.

Die Anschuldigung, die Nick Brauns hier in seinem Artikel wiedergibt, ist ja wohl keine neue Erkenntnis, sondern sicher schon 1988 aufgestellt und eventuell damals bereits widerlegt worden. Ein Gedenkartikel im Jahre 2008, der nur die Behauptung wiedergibt ohne dafür einen überprüfbaren Nachweis zu erbringen ist genauso wenig sachdienlich wie eine Gegenbehauptung, die ebenfalls keinen Nachweis über ihre Richtigkeit anführt. Es ist also in erster Linie Aufgabe der beiden Kontrahenten in dieser Angelegenheit, Beweise für die Richtigkeit ihrer jeweiligen Behauptungen vorzulegen.

Wenn ich versuche, die beiden Behauptungen "neutral" zu werten, so muss ich allerdings behaupten, dass die Benutzung der vom Leserbriefschreiber beanstandeten Passage im Artikel von Nick Brauns wenig Sinn macht für den Anlass des Artikels. Vorfälle der beschriebenen Art mögen durchaus vorgekommen sein, an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten. Sie so hervorgehoben im Zusammenhang mit einem Gedenkartikel zum Giftgasangriff auf Halabja zu verwenden, zeugt jedoch aus meiner Sicht von einer Art von Gesinnungsjournalismus, den ich in diesem Zusammenhang bestenfalls für geschmacklos halten muss. Im Zusammenhang mit dem kürzlichen Besuchsdebakel des PUK-Parteigründers in Ankara sieht das so aus, als wenn einem eh schon Gestrauchelten noch ein zusätzlicher Tritt verpasst werden sollte. Damit kann sich ein Journalist vielleicht bei "BILD" andienern.

Ich kann zwar nicht für die Gesamtheit der Mitglieder der Kurdmania-Community sprechen, aber ich distanziere mich von jenem Artikel von Nick Brauns.
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« Antworten #14 am: 16. Mär 2008, 02:30 »

Helebce ist in meinem Herzen wie keine andere Stadt. Ich habe um sie getrauert wie nichts anderes auf der Welt.
Diese trauer hat mir mehr Kraft gegeben und Zusammenhalt und Kurdentum. Ich danke diesem land welche schöne sache es in mir erbracht hat. Es ist die schönste Sache die ich je gefühlt habe, für sein Land zu weinen, und zu glauben.
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« Antworten #15 am: 16. Mär 2008, 10:38 »


Amos, dein Beitrag enststellt die Realität! Wie kommst Du als Normaluser dazu, aus einem angeblichen Leserbrief
an Kurdmania zu zitieren? Das zeigt, dass der wahre Hintergrund - ZENSUR AUF KURDMANIA - so verschleiert werden soll. Den betreffenden Artikel von Nick Brauns hatte ich als Nachricht gepostet - ohne Kommentar, bzw. ohne mich auch nur davon zu benachrichtigen. wurde der Artikel stillschweigend gelöscht. Dass ich nun durch einen Beitrag des Users
Amos von einem angeblichen Leserbrief erfahre, ist mehr als fadenscheinig - ich werde daraus entsprechende Konsequenzen ziehen.

Und daher: Ich rufe alle Kurden auf, die diese Seite nutzen, die Augen zu öffnen!

Kurdmania ist nicht gewillt, das amerikanische Besatzungsregime im Irak zu hinterfragen.
Die soziale Frage im Nordirak unter dem Regime von Barzani und im Irak unter Talabani darf oder soll hier
anscheinend nicht thematisiert werden.

Nick Brauns mit der Bildzeitung zu vergleichen, ist infam!
Wohingegen Bildzeitungsjournalisten von der Anbiederung an die Macht profitieren, riskiert Nick Brauns Kopf und Kragen - aus Motiven der Solidarität.

Eher ähnelt Kurdmania der Bildzeitung - weil auch hier von einigen Admins eine Anbiederung an die Macht praktiziert wird - freilich, ohne dass sie davon direkt profitieren.

Ihr solltet Euch einmal über die Illusionen Gedanken machen, mit denen Ihr die Zustände imperialistischer Politik legitimiert.

Handelt Ihr aus falsch verstandener Heimattreue? Oder gar aus ethnischer Verblendung heraus? -
 
In einem Internetforum wie diesem verschwiegene Zensur zu betreiben, macht dessen Zweck hinfällig.
Wie Kurdmania letztlich zu bewerten ist, und wie hier dem eigenen Volk gedacht wird, werde ich sehen.


Xatirê te
 
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« Antworten #16 am: 16. Mär 2008, 12:28 »

Zitat
Zuvor rechtzeitig geflohene Peschmergakämpfer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) des jetzigen US-gestützten irakischen Präsidenten Dschalal Talabani kehrten zurück und plünderten die Häuser der Toten und die Leichen. Die PUK und mit ihnen verbündete iranische Soldaten hatten Halabja am 15. März besetzt. Als die irakische Regierung die Bevölkerung kurz vor dem Angriff in Flugblättern zum Verlassen der Stadt aufgeforderte, hinderten die PUK-Peschmerga die Zivilisten an der Flucht, um sie als lebende Schutzschilde zu mißbrauchen.

Das ist abgesehen vom unpassenden Zusammenhang, eine glatte Lüge von unserem Linken Terroristenunterstützer Nick Brauns!
Das Linke Eck muss sich wohl in Bedrängnis sehen, nun wo auch die Sunniten im Irak sich nicht mehr an Angriffen gegeben US Armee und Zivilisten beteiligen, und das trotz der Aktion" 10€ für den irakischen Wiederstand"!  Was liegt da näher als Peschmerga Kämpfer in den Dreck zu ziehen? Diese Vorfälle sind so außer von Brauns hauptsächlich in Berichten der Bathsympatisanten zu finden! Mit denen die Junge Welt und unsere linker Freund Brauns offen Sympathisiert!


Der Angriff ereignete sich als Peshmerga Kämpfer in die Stadt eingezogen sind, kurz darauf wurde Halabja mit Chemischen Kampfstoffen angegriffen!


Das die irakische Regierung vorher davor gewarnt hat und zu diesem Zweck Zettel verteilt hat, ist zudem die Lieblings Ausrede vom Hauptverantwortlichen Chemie Ali gewesen im Prozess um den Völkermord gegen die Kurden. Einen Prozess den Brauns sicher ähnlich ansieht wie Neonazis die Nürnberger Prozesse!

Ist es nicht schön,. das solche Typen noch die Freiheit haben auf eine kurdischen Seite diese Bath Propaganda zu verbreiten? Da soll mal einer sagen wir sind nicht tolerant!
« Letzte Änderung: 16. Mär 2008, 13:19 von aram » Gespeichert

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« Antworten #17 am: 16. Mär 2008, 13:07 »


Amos, dein Beitrag enststellt die Realität! Wie kommst Du als Normaluser dazu, aus einem angeblichen Leserbrief
an Kurdmania zu zitieren? Das zeigt, dass der wahre Hintergrund - ZENSUR AUF KURDMANIA - so verschleiert werden soll. Den betreffenden Artikel von Nick Brauns hatte ich als Nachricht gepostet - ohne Kommentar, bzw. ohne mich auch nur davon zu benachrichtigen. wurde der Artikel stillschweigend gelöscht. Dass ich nun durch einen Beitrag des Users
Amos von einem angeblichen Leserbrief erfahre, ist mehr als fadenscheinig - ich werde daraus entsprechende Konsequenzen ziehen.

Ich kann dir versichern das er nicht deshalb gelöscht wurde, er wurde gelöscht weil der Inhalt einfach vor Idiologie und
Verachtung gegen die Peschmerga gefühlt ist und zu dem Sachlage falsch darstellt! Ich kenne Leute aus Halabja, die überlebt haben weil ihnen die Peschmerga ihre Atemschutzmasken gegeben haben, und dafür mit ihrem leben bezahlt haben!

Amos, das kann ich dir versichern, sei dank  das dieses Thema hier überhaupt noch zur Diskussion gestellt wird. Wenn er nicht unsere Emotionen (insbesondere meine) in Anbetracht dieses Artikel geglättet hätte, würde diese Diskussion gar nicht stattfinden! 

Zitat
Und daher: Ich rufe alle Kurden auf, die diese Seite nutzen, die Augen zu öffnen!

Kurdmania ist nicht gewillt, das amerikanische Besatzungsregime im Irak zu hinterfragen.
Die soziale Frage im Nordirak unter dem Regime von Barzani und im Irak unter Talabani darf oder soll hier
anscheinend nicht thematisiert werden.

Wie wäre es mal wenn du die Augen aufmachen würdest? Kurdmania ist gegen das Terror-Regime von Saddam, und ich bin jedem Dankbar der diese Mörder, mit denen die SED Nostalgiker sympathisieren, beiseite geräumt hat! Es war zu unserem Vorteil! 

Wenn du Kritik auf dieser Seite gegen die Regierung in Kurdistan suchst, musst du ebenfalls nur deine Augen aufmachen, ich versichere dir zahlreiche Beiträge dazu. Das Problem für dich ist aber andere Natur, du versucht die Kurdische Bewegung in Südkurdistan mit Dreck zu bewerfen, weil es sich nicht um Kommunisten aus dem vergangenen Jahrhundert handelt. Und du wünscht dir natürlich, das das Kurdische Volk für die Interessen der Amerikahasser, sich gegen die USA auflehnt und sich für eure Ideologie Opfert!

Unsere Kritik hingegen hat das Ziel einer effizienten Politik für Kurdistan, Wohlstand und Aufschwung innerhalb der heutigen Weltordnung!

Und wenn die Interessen des kurdischen Volkes in Südkurdistan nur in Einklang zu bringen sind mit der USA, dann stehe ich voll und ganz  dahinter!

Zitat
Nick Brauns mit der Bildzeitung zu vergleichen, ist infam!
Wohingegen Bildzeitungsjournalisten von der Anbiederung an die Macht profitieren, riskiert Nick Brauns Kopf und Kragen - aus Motiven der Solidarität.

Aus Motiven der Solidarität wem gegenüber? Der Bathregierung, dem irakischen "Widerstand"
Nick Braus ist nur seiner Idiologie treu, er schreibt aus bestimmten Motiven heraus, Kurden sind für ihn Mittel zum Zweck, so sehe ich das!

Zitat
Eher ähnelt Kurdmania der Bildzeitung - weil auch hier von einigen Admins eine Anbiederung an die Macht praktiziert wird - freilich, ohne dass sie davon direkt profitieren.

Nun ja, wir sind was Kritik angeht eher offen, schreib doch einen Artikel darüber ehmm ich meine Nick Brauns sollte das  Zwinkernd

Zitat
Ihr solltet Euch einmal über die Illusionen Gedanken machen, mit denen Ihr die Zustände imperialistischer Politik legitimiert.

Und immer wieder kommt diese abscheuliche Gesinnung  zu Tage, das seine Begründung darin sieht, das kurdische Volk auf dem Schlachtfeld gegen die Imperialisten zu Opfer,  verachtenswert und abscheulich! Nein Danke! 

Wie wäre es wenn du mit deinen gleichgesinnten Genossen dich in die sächsische Schweiz zurück zieht und von dort aus Imperialisten selber bekämpfst? in Deutschland  sind 70 000 US-Soldaten stationiert und Deutschland ist im Gegensatz zu Südkurdistan Nato Partner!

Zitat
Handelt Ihr aus falsch verstandener Heimattreue? Oder gar aus ethnischer Verblendung heraus? -

Aus welchen Motiven handelst du den? Aus Motiven der Solidarität?
 
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« Antworten #18 am: 16. Mär 2008, 13:43 »

@ Raschid al Din:

Wer entstellt hier wohl die Realität?

Der in die Nachrichten-Sparte hineingestellte Artikel von Nick Brauns wurde erst entfernt, als er von "Testosteron" in diesen Thread und damit ins Forum hineingestellt wurde, wo eine bessere Möglichkeit zur Diskussion des Inhalts besteht. Also nix da von wegen Zensur!!!

Und du hast ja inhaltlich zu der Kontroverse auch nicht Stellung bezogen, sondern lediglich ein paar Behauptungen in die Welt bzw. in dieses Forum gesetzt, wozu du den Beweis bisher schuldig geblieben bist. Und es wird dir wohl auch nicht gelingen können, in irgendeiner nachvollziebaren Weise zu begründen, dass stimmt, was du hier den Mitgliedern und Admins von Kurdmania vorwirfst.

Bei Kurdmania gibt es sehr unterschiedliche politische Loyalitäten, aber es wird, wie das Motto schon ausdrückt, auch die Gegenposition respektiert, solange diese ihrerseits bereit ist, "altera pars", die andere Seite als legitim anzuerkennen. "aram" hat mehrfach klar ausgedrückt, dass er sich mit der von Nick Brauns vertretenen politischen Richtung nicht anfreunden kann, und er musste sich dafür auch schon des öfteren kritisieren lassen. Ähnlich muss Nick Brauns, der hier ja als User registriert ist, sich auch die Kritik anderer UserInnen gefallen lassen.

Aber deine Masche, jede Kritik an anti-amerikanischen Äußerungen als Legitimierung des Imperialismus zu diffamieren, ist schon ein starkes Stück! Und wenn die Mitglieder der Kurdmania-Community nachweisbare politische Fehler der augenblicklich in Südkurdistan herrschenden Kräfte erkennen, wird dies auch auf geeignete Weise zur Diskussion gestellt, dafür gibt es einschlägige Threads, z.B. zu Fragen der Korruption, um die sich ja letztlich alles dreht. Aber es wird auch darauf geachtet, dass hier nicht "Latrinenparolen" wiedergekäut werden, die in weniger verantwortungsbewussten Medien schon x-mal ohne schlüssige Beweise breitgetreten wurden.

Es muss schon "Butter bei die Fische" kommen, sonst sind die Admins immer im Recht, wenn sie z.B. einen Thread schließen!

@ aram:

Nun zu dir, mein Freund. Deine Animositäten gegenüber Nick Brauns und der Partei, mit der die Zeitung sympathisiert und für die er schreibt, sind ja in diesem Forum schon hinreichend angesprochen worden. Aber richte Deine kritischen Bemerkungen bitte ausschließlich auf die Inhalte der von Nick Brauns oder anderen aus seiner politischen Ecke (zu der im Wesentlichen auch ich gehöre!!) geposteten Beiträge. Denn es gab, gibt und wird auch hoffentlich weiter Beiträge von Nick Brauns geben, denen ich jedenfalls applaudieren kann. Meine Kritik an jenem Halabja-Artikel richtet sich darum ja auch im Wesentlichen nur gegen die von jenem Leser beanstandete Passage, die leider ein journalistisches Niveau erkennen ließ, von dem Nick Brauns sich bisher eher fernhielt. Nur dieses musste in Beziehung zum BILD-Niveau angesehen werden, da habe ich nichts zurückzunehmen, wie "Raschid al Din" wohl wollte.

Zitat
Wenn du Kritik auf dieser Seite gegen die Regierung in Kurdistan suchst, musst du ebenfalls nur deine Augen aufmachen, ich versichere dir zahlreiche Beiträge dazu. Das Problem für dich ist aber andere Natur, du versucht die Kurdische Bewegung in Südkurdistan mit Dreck zu bewerfen, weil es sich nicht um Kommunisten aus dem vergangenen Jahrhundert handelt. Und du wünscht dir natürlich, das das Kurdische Volk für die Interessen der Amerikahasser, sich gegen die USA auflehnt und sich für eure Ideologie Opfert!

Unsere Kritik hingegen hat das Ziel einer effizienten Politik für Kurdistan, Wohlstand und Aufschwung innerhalb der heutigen Weltordnung!

Und wenn die Interessen des kurdischen Volkes in Südkurdistan nur in Einklang zu bringen sind mit der USA, dann stehe ich voll und ganz  dahinter!

Dem kann ich mich voll anschließen!  Smiley

« Letzte Änderung: 16. Mär 2008, 13:45 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #19 am: 16. Mär 2008, 15:29 »

@ Amos,

ich kann beim besten Willen meine Kritik über Nick Brauns nicht zurück halten. Anstatt zu sagen woher er diese Informationen her hat, kommt sowas wie, Kurden sollen gegen die Imperialisten Kämpfen. Ich werde da das Gefühl einfach nicht los, das er damit den Kurden in Südkurdistan einen auswischen will weil sie nicht gegen die USA Kämpfen!   

Andere haben tatsächlich Augenzeugen befragt, und wie ich es bereits von mit bekannten Kurden aus Halabja kenne, stehen diese Aussagen im krassen Gegenteil zu Nick Brauns Verleumdungen gegen die tapferen PUK Peschmerga von 1988!

Zitat
Am Abend des 16. März beginnen Luftangriffe, die sich bis in den nächsten Morgen hinziehen. Nariman Ali Mohammed war damals neun Jahre alt: ''Gott hat mich beschützt. Ich war in einem Keller mit etwa dreihundert anderen Menschen. Wir haben bloß einen leichten Geruch wahrgenommen. Es roch nach Apfel. Dann kamen Peschmerga - kurdische Partisanen - und sagten: 'Es hat einen Giftgasangriff gegeben, ihr müsst fliehen!' Also sind wir nach Iran geflohen. Zwei Stunden lang habe ich das Gift noch gespürt, ich hatte Husten. Rund eine Woche lang konnte ich nicht klar sehen. Mein Vater und einer meiner Brüder kamen bei dem Giftgasangriff ums Leben.''

Nick Brauns handelt in vielerlei Hinsicht aus den gleichen Interessen wie die USA, wenn diese nämlich das Massaker an Halabja den Iranern in die Schuhe schieben wollen:

Zitat
USA bezichtigen Iran

Als das Massaker von Halabdscha bekannt wird, haben die Amerikaner keine Zweifel: Das war nicht die Tat des Iraks, sondern Irans. Menschenrechtsorganisationen widersprechen sofort, genauso Überlebende wie Nariman: ''Ich war in Halabdscha während des Angriffs. Ich war einer der Augenzeugen. Und ich weiß, dass es kein Angriff der Iraner war.''

http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=3290552/1d1l196/

Ich war 1988 in Esfahan (Iran), und ich kann mich daran erinnern wie hunderte verletze in iranischen Krankenhäusern versorgt wurden. Meine 2 Onkel mit denen ich damals gelebt habe, waren jeden Tag im Krankenhaus, es waren schreckliche Geschichten die sie zuhause erzählt haben!

Wenn ich diese Zeilen vom genossen Brauns lese steigt mir wieder die Wut hoch:
"...hinderten die PUK-Peschmerga die Zivilisten an der Flucht, um sie als lebende Schutzschilde zu mißbrauchen.
Nur zu gut das es Hunderte kleine Narimans gibt die es besser wissen!

Und obwohl ich erst 5 Jahre als war,kann ich mich zu gut erinnern, wie Peschmerga uns 1987 bei den Kämpfen um Rawanduz gebeten haben die Stadt zu verlassen, weil damals schon die Befürchtung bestand das diese Waffen zum Einsatz kommen. Wir haben natürlich abgelehnt, und richtete ein Lazarett bei uns im Wohnzimmer ein! 

« Letzte Änderung: 16. Mär 2008, 16:00 von aram » Gespeichert

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« Antworten #20 am: 16. Mär 2008, 15:35 »

hoffen wir mal das so etwas wie halabja nie wieder passiert. weder in kurdistan, noch in anderen teilen der welt
es ist einfach unvorstellbar was da abging
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kes nebe kurd bimirin
nomirin nomirin nomirin
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« Antworten #21 am: 16. Mär 2008, 15:53 »

Zitat
Die Anfal-Operation: Ziele, Ablauf und Folgen

von Karin Leukefeld

Anfal ist die 8. Sure im Koran. Sie erläutert den Umgang mit Kriegsbeute, die die Soldaten von den Ungläubigen nehmen. Der Rachefeldzug, den die irakische Armee gegen die kurdische Bevölkerung nach der Beendigung des 1. Golfkrieges durchführte, wurde als "Anfal-Operation" mit einem religiösen Deckmantel verhüllt. Die meisten der verschleppten, getöteten, verstümmelten Kurden und Kurdinnen waren aber keine "Ungläubigen" im Sinne des Koran. Schon vor Jahrhunderten waren sie gewaltsam gezwungen worden, dem Islam beizutreten. Anfal ist heute bei den Südkurden ein Synonym für Völkermord. Für die Frauen, die Kinder, für alle, deren Leben durch die Anfal-Operation zerstört wurde, hat es sich unauslöschlich ins Gedächtnis eingegraben.

Der Anfal-Angriff hatte sich lange angekündigt und war sorgfältig vorbereitet. Es ging um die "Endlösung" des organisierten südkurdischen Widerstandes. Der führende Kopf der militärischen Operation, Ali Hassan Al-Majid, Cousin von Präsident Saddam Hussein, war bekannt für seine besondere Grausamkeit. 1989 wurde Al-Majid zum Innenminister ernannt, nach dem irakischen Einmarsch nach Kuwait 1990 wurde er Gouverneur der besetzten Stadt. Später wurde er Verteidigungsminister. Von Kirkuk aus steuerte Al-Majid den Vernichtungsfeldzug gegen den kurdischen Widerstand. Im Einsatz waren neben den regulären Truppen, der Republikanische Elitegarde und den städtischen Anti-Terroreinheiten der Baath-Partei auch die paramilitärischen Jahsh. Diese kurdischen Kollaborateure bereiteten die notwendige Logistik für die militärischen Einsätze vor Ort vor, denunzierten flüchtende Peshmerga, verbrannten und plünderten die verlassenen Dörfer. Die militärische Anfal-Operation umfaßte 8 Einsätze zwischen Februar und Juni 1988.

Hintergrund der Anfal-Operation

Die Vorbereitungen zu der systematischen Vernichtungskampagne begannen bereits während des 1.Golfkrieges. Im März 1987 erhielt Al-Majid das Oberkommando der Baath-Partei für die nördlichen Provinzen. Der Anlaß: Die iranische Armee hatte eine zweite Front gegen den Irak in den kurdischen Bergen eröffnet. Die strategisch wichtige Grenzstadt Haj Omran hatten iranische Truppen bereits 1983 besetzt. Im Februar 1987 kam es mit Unterstützung des südkurdischen Widerstandes, der PUK und der KDP, zu verstärkten Angriffen gegen irakische Einrichtungen. Iranische Truppen drangen bis Rawanduz vor. Bagdad befürchtete, die Kontrolle über die nördlichen Provinzen des Landes völlig zu verlieren. Auf einer Krisensitzung des irakischen Generalstabs Mitte März 1987 wurde Al-Majid beauftragt, die Kurden ein für alle Male zum Schweigen zu bringen. Mit dem Dekret 160 des Revolutionären Kommandorats erhielt er weitreichende Vollmachten. Alle staatlichen Organe in der Region - vom militärischen Geheimdienst bis zum Kommando der Volksarmee - wurden ihm unterstellt. Saddam Hussein erteilte ihm die Verfügung für einen eigenen Haushalt.

Vorbereitungen der Anfal-Operation

Doch es sollte noch ein Jahr dauern, bis Al-Majid seinen grausamen Plan in die Wirklichkeit umsetzte. In zwei Jahren, so Al-Majid später, wollte er die "Saboteure" erledigt haben. Bereits im Sommer 1987 kam es zu gezielten Militäroperationen gegen kurdische Dörfer. Eine Region südlich von Erbil wurde zur Sperrzone erklärt. Nur arabische Dörfer sollten verschont bleiben. Mit IFA-Militärlastwagen (produziert in der DDR) wurde Sprengstoff in die Dörfer gefahren. Alles, was aus Zement war, wie beispielsweise die Brunnen, wurde gesprengt, die Häuser, meist aus Lehm, mit Bulldozern plattgewalzt. Von Hubschraubern aus wurde die Vollständigkeit der Zerstörung kontrolliert. Ebenfalls aus der Luft wurde überprüft, ob nicht etwa Bauern zurückkehrten, um ihre Felder weiter zu bestellen. Systematisch wurden hunderte von Dörfern und kleineren Ansiedlungen zerstört. Nur im Falle aktiven Widerstands, so lautete die Anordnung, sollten die Soldaten das Feuer auf die Dorfbewohner eröffnen. Ziel war zunächst, die Menschen zu vertreiben. Sie wurden in neu aufgebauten mujamma'at, den "collective towns" zusammengepfercht. Dort hatte man sie perfekt unter Kontrolle und konnte sie beizeiten bequem auf einen Schlag vernichten.

Mitte April 1987 kam es zu ersten chemischen Angriffen auf kurdische Peschmerga-Stellungen im Jafati-Tal, dem Hauptquartier der PUK, südöstlich des Dukan-Sees. Auch Stellungen des KDP-Hauptquartiers nahe der türkisch-irakischen Grenze bei Zewa, wurden mit C-Waffen bombardiert. Einen Tag später trafen die chemischen Bomben die Dörfer Balisan und Sheikh Wasan. Besonders pervers an diesem Angriff einer Armee auf die eigene Bevölkerung war die Dokumentation der ganzen Aktion mit Videokameras. Den ganzen Sommer 1987 über hielten die systematischen Dorfzerstörungen an. Mindestens 703 kurdische Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Alle diese Dörfer lagen an Hauptverkehrswegen. Ihre Zerstörung hatte zum Ziel, die durch die Peschmerga von KDP und PUK kontrollierten Gebiete und deren Hauptquartiere, die tief in den schwer zugänglichen Bergregionen von Badinan und dem Jafati-Tal lagen, von ihren Nachschubquellen zu isolieren. Die Bevölkerung in den "verbotenen Zonen" wurde vor die Alternative gestellt: "Geht zu den Saboteuren oder kehrt zurück in die Reihen der Nation". Zehn Tage nach derartigen Warnungen kamen die Soldaten und Bulldozer im Morgengrauen, um die Dörfer zu zerstören. Wer nicht geflohen war, mußte mit schlimmen Folgen rechnen.

Verwaltungsbeschlüsse kreisten die Bewegungsfreiheit der kurdischen Landbevölkerung ebenfalls ein. Den "Saboteuren" wurde jegliches Recht auf Eigentum abgesprochen wurde. All ihr Besitz wurde konfisziert, wenige Tage darauf das Einspruchsrecht der Landbevölkerung gegen bestimmte Maßnahmen abgeschafft. Während bisher die Familien von aktiv kämpfenden Peshmerga häufig bestraft worden waren, indem man ihre Häuser zerstörte, ihren Besitz beschlagnahmte oder sie vertrieb, verschärfte Al-Majid am 1. Mai 1987 deren Lage dadurch, daß er die Hinrichtung von Familienangehörigen 1. Grades von "Saboteuren" anordnete. Nicht immer wurde der Terror widerspruchslos hingenommen. Berichten zufolge kam es in Halabja im Sommer 1987 zu einer Protestdemonstration. Die Rache war grausam: Die kleine Stadt Kani Ashqan (nahe Halabja) und alles in ihrer Umgebung wurde dem Erdboden gleichgemacht, nachdem die Einwohner sich an der Demonstration beteiligt hatten. Auf Befehl von Al-Majid wurden sämtliche verwundeten Zivilisten anschließend ermordet.

In der persönlichen Anordnung 28/3650 vom 3.6.1987 stellte Al-Majid gegenüber allen Behörden der "nördlichen Provinzen" unmißverständlich klar, wie mit den Dörfern und Einwohnern der "verbotenen Zonen" umzugehen sei: Weder Menschen noch Lebensmittel oder Maschinen dürfen in die Dörfer der verbotenen Zonen transportiert werden. Alle Einwohner werden aufgefordert, in die Reihen der Nation zurückzukehren. Angehörige dürfen die Dörfer nicht besuchen, außer mit Wissen des Sicherheitsdienstes. Landwirtschaft und Viehzucht sind untersagt. Jedes Lebewesen, ob Mensch oder Tier, das in den "verbotenen Zonen" angetroffen wird, ist zu töten.

Am 17. Oktober 1987 wurde eine Volkszählung durchgeführt. Wer an Vorbereitungsseminaren für die Bevölkerung nicht teilnahm, verlor seine irakische Staatsbürgerschaft. Diejenigen Perschmergas, die sich bis zum Stichtag ergaben und ihre Waffen übergaben, wurden in den "Reihen der Nation" wieder aufgenommen und konnten mitgezählt werden. Die Familien der anderen wurden in die "verbotenen Zonen" vertrieben, wo sie mit ihren "sabotierenden Verwandten" leben sollten. Eine Liste wurde erstellt, wonach alle in Frage kommenden Familien erbarmungslos aus den staatlichen "Sammeldörfern" (collective towns) und kontrollierten Zonen vertrieben wurden. Männer dieser Familien, die zwischen 12 und 50 Jahren (andere Berichte sprechen von 15 und 85 Jahren) alt waren, wurden festgenommen. Diejenigen, die sich nicht registrieren ließen, hatten keinen Anspruch mehr auf subventionierte Lebensmittel oder Medikamente. Sie erhielten auch keinerlei Papiere mehr, die sie für Hochzeiten, Kaufverträge usw. gebraucht hätten. Erhoben sie doch Anspruch, entgegnete man ihnen, sie seien "Iraner" und sollten sich Unterstützung dort holen.

1987 war der Auftakt zur Anfal-Kampagne. Die bürokratische Verbreitung aller einschlägigen Dekrete und Anordnungen Al-Majids, die verwaltungstechnischen Vorbereitungen sowie die Präsenz der Truppen und ihre Strafaktionen gegen kurdische Dörfer bereiteten nur eines vor: den systematisch durchgeführten Massenmord an der kurdischen Bevölkerung. Beteiligt war eine große Zahl von Zivilisten und Militärs sowie kurdischen Kollaborateuren, denen mit dem "Beutedekret" Nr. SF/4008 ein besonderer Status eingeräumt worden war. Den Verantwortlichen des irakischen Regimes reichte die systematische Zerstörung kurdischen Lebensraums im Jahre 1987 bei weitem nicht aus. Es ging um die Auslöschung des kurdischen Volkes und seiner organisierten Widerstandskräfte.

Chronologie der Anfal-Operationen

Die erste Anfal-Operation begann am 23. Februar 1988 und endete am 19. März. Sie traf die Orte Yakhsamar, Mauma am Berg Gojar, Haladin, Sergalou und Bergalou sowie Surdah und Sekaniyan. Ziel war das Hauptquartier der Patriotischen Union Kurdistans, PUK. Mindestens 7 chemische Angriffe wurden registriert. Die Angriffe galten dem Politbüro der PUK, der PUK-Radiostation und dem zentralen Feldlazarett. Auch das 2. regionale PUK-Kommando, zuständig für die Peshmerga-Einsätze in der Region von Kirkuk, befand sich im Jafati-Tal, ebenso Gruppen der KDP-Iran und der Komala-Iran. Die PUK hatte für den Februar 1988 einen starken strategischen Schlag gegen die Truppen der irakischen Zentralregierung geplant: Mit der Eroberung der Städte Raniya, Koysinjaq und Qala Dizeh sollte die Kontrolle über den Dukan-See gesichert werden und damit auch über einen wichtiger Teil der Stromversorgung. Seit 1985 hatte die PUK ihr gut geschütztes Hauptquartier im Jafati-Tal, die dort lebende Bevölkerung war in Selbstverteidigungseinheiten organisiert. Bereits im Juni 1987 kam es zu einem kurzen Chemiegasangriff auf das Tal, eine Familie war zu Tode gekommen. Geheimdienstberichte hatten die irakische Führung über bevorstehende Aktionen informiert. Sie rechnete mit einem koordinierten Angriff auf die südöstlich von Sulaimaniya liegende Stadt Halabja. Am 23. Februar startete die Armee die Vernichtungskampagne. Luftangriffen in den frühen Morgenstunden folgten die Bodentruppen und zogen einen dichten Belagerungsring um das Tal mit seinen knapp 30 Dörfern. Mehr als drei Wochen hielt die PUK stand. Anfang März aber durchbrachen die irakischen Truppen die Stellungen, fielen über die Dörfer her und machten sie dem Erdboden gleich. Die Einwohner flohen mit Unterstützung der Peshmerga Richtung Iran. Die PUK selber gibt ihre Verluste mit ca. 250 gefallenen Peshmerga an. In der 1. Anfal-Operation ließen die irakischen Truppen die Kurden über die Berge Richtung Iran fliehen. Das sollte sich später ändern. Die PUK selber versucht, ein Ersatzquartier bei Shanakhseh, nahe der iranischen Grenze zu errichten. Irakische Luftwaffe bombardiert Shanakhseh mit chemischen Waffen am 22. März 1988. Die Flucht über die winterlichen Berge kostet Opfer unter der Bevölkerung: Menschen erfrieren, der Weg führt durch massiv vermintes Grenzgebiet.

Noch während die Belagerung des Jafati-Tals anhielt, eröffntete die PUK mit iranischen Truppen eine weitere Front in der Region um die Stadt Halabja. Das irakische Regime aber befand sich schon in der Offensive, seit einigen Tagen hatte es mit SCUD-Raketen den "Krieg der Städte" eröffnet. Mehr als 180 solcher Raketen von irakischen Stellungen wurden auf Teheran abgefeuert. Ein Angriff der iranischen Truppen bei Halabja war der irakischen Armee sogar ganz willkommen. Tatsächlich zwang die Niederlage bei Halabja die iranische Führung später an den Verhandlungstisch. Halabja war damals eine pulsierende kurdische Kleinstadt, ein Handelszentrum nahe der iranisch-irakischen Grenze. Aufgrund der Ansiedlung vertriebener kurdischer Familien war die Bevölkerung von knapp 40.000 auf mehr als 60.000 angestiegen. Politisch stand die Stadt unter verdeckter Kontrolle der PUK, aber es gab noch andere sozialistische und kommunistische Organisationen. Stark vertreten war auch die von Teheran unterstützte Islamische Bewegungspartei. Aufgrund der offenen Unterstützung der Bevölkerung für die Peshmerga hatten Bulldozer und Soldaten bereits im Mai 1987 zwei Stadtteile von Halabja plattgewalzt: Kani Ashqan und Mordana existierten nicht mehr.

Am 13. März wurde über Radio Teheran verkündet, daß eine gemeinsame Offensive der PUK-Peshmerga und der iranischen Pasdaran Vergeltung für den C-Waffenangriff auf das PUK-Hauptquartier üben solle. Weitere Attacken folgten. Am 16. März verkündete der Teheran, Pasdaran-Truppen stünden östlich des strategisch wichtigen Darbendikhan-Sees und kontrollierten bereits mehrere hundert Quadratkilometer irakischen Gebietes. Die iranische Artillerie hatte seit mehreren Tagen Halabja beschossen, Gruppen von Pasdaran waren in die Stadt eingesickert und hatten sich offen als Sieger präsentiert. Irakische Soldaten zogen sich auf verschiedene Weise zurück. Teheran verkündete die kurz bevorstehende Eroberung von Halabja. Das Regime in Bagdad wartete ab, doch ein Gegenschlag, das war auch der Bevölkerung von Halabja klar, war sicher.

Am späten Vormittag des 16. März kam die Antwort in Form einer "starken Eskalation militärischer Macht und Grausamkeit", wie es in einem Funkspruch der irakischen Behörden in Halabja gefordert worden war. Die Luftwaffe schüttete Bomben über Bomben über der Stadt aus. Stunden dauerte der Angriff, die Flugzeuge flogen so niedrig, daß die Menschen deutlich die irakische Flagge erkennen konnten. Augenzeugenberichten zufolge waren bereits unter den ersten Bomben solche, die Phosphor und Napalm verstreuten. Am frühen Nachmittag nahmen die Bewohner von Halabja einen sonderbaren Geruch wahr.

Menschen und Tiere lagen zu dutzenden tot auf den Straßen, manche zusammengekrümmt in den Türeingängen, andere liefen hysterisch lachend herum, bevor sie tot zusammenbrachen. Lediglich die iranischen Soldaten verfügten über Schutzanzüge und Gasmasken. Tausende von Menschen flohen im eisigen Regen, viele barfuß, in Richtung iranischer Grenze. Babys starben auf dem Weg. Flüchtende gerieten in die Minenfelder. Wer überlebte, konnte die große Hilfe bezeugen, die von iranischen Ärzten und Soldaten jenseits der gebirgigen Grenze geleistet wurde. Schwerverletzte wurden in die Krankenhäuser nach Teheran oder Kermanschah gebracht. Viele trugen Verletzungen für ihr Leben davon. Ihren Häusern in Halabja, die nicht durch die Bombardierungen zerstört worden waren, gaben die Bulldozer und Sprengkommandos der irakischen Armee den Rest. Das Regime überließ die zerstörte Stadt weitgehend iranischer Kontrolle. Über Teheran kamen nur wenige Tage nach der Massenvergasung internationale Berichterstatter nach Halabja und fotografierten die Toten. Niemand weiß genau, wie viele es waren. Ein kurdischer Forscher sammelte bei persönlichen Befragungen die Namen von mehr als 3.200 Menschen. Andere Quellen sprechen von mindestens 4000 und möglicherweise sogar 7000 Toten. Die Bilder aber, und das war den wenigsten derjenigen klar, die in aller Welt in Geschrei ausbrachen, bezeugten lediglich die Spitze eines Eisbergs. Halabja war Vorbote der grausamen, systematisch vorbereiteten und durchgeführten Vernichtskampagne Anfal gegen die südkurdische Landbevölkerung in den nördlichen Provinzen des Irak. In 7 weiteren Operationen sollte der Wille des Volkes gebrochen werden. 18. März 1988 wurde schließlich das, was vom PUK-Hauptquartier in Sergalou im Jafati-Tal übrig geblieben war, von den irakischen Truppen gestürmt.

Sieben weitere Anfal-Operationen folgten. Die zweite traf vom 22. März bis zum 1. April 1988 die Region Qara-Dagh. Das fruchtbare Land von Qara-Dagh erstreckt sich von den Glazerda-Bergen südlich der Provinzhauptstadt Suleimaniya bis zu den Zerda-Bergen westlich des Darbendikhan-Sees. 7 Chemiewaffenangriffe wurden registriert. Erste Bombardierungen hatte es bereits im Februar gegeben. Als die ersten Chemiebomben am 22.März auf den Ort Sayw Senan fielen, hatten die Peshmerga mit der Bevölkerung gerade Newroz gefeiert. Der Tod kam um die Mittagszeit nach Sayw Senan. Bis dahin hatten die Menschen mit unverwüstlichem Optimismus jeden Gedanken, daß auch sie einmal Ziel der irakischen Angriffe werden könnten, zurückgewiesen. Pfeifend und zischend fielen die ersten Bomben und verbreiteten ihren Rauch mit dem Geruch von Äpfeln und Knoblauch. Es waren mehr als 80 Menschen, die bei diesem Angriff den Tod fanden. Ein Augenzeuge, der später half, die Toten zu begraben, beschreibt ein grausames Bild: "Ihre Nasen bluteten. Es war, als ob ihre Gehirne explodiert seien." Noch am gleichen Tag und am nächsten Morgen fielen weitere chemische Bomben auf Dörfer in der Region Qara Dagh. Die irakischen Truppen folgten den Luftangriffen. Wie bei einer Treibjagd durchkämmten die Soldaten die kurdischen Dörfer. Nachdem bei Kontrollen Waffenverstecke der Peshmerga gefunden wurden, begannen die Soldaten Tausende, die sich nicht in Sicherheit bringen konnten, festzunehmen. Die Gefängnisse der Geheimpolizei in Sulaimaniya quollen über. Nach Verhören wurden die Gefangenen mit Bussen Richtung Kifri abtransportiert. Hunderte Männer wurden nie wieder gesehen, nur von wenigen sind die Namen bekannt.

Während die Familien, die in Richtung Norden geflohen waren, zum Teil Unterschlupf in Suleimaniya, in Sammeldörfern außerhalb der Stadt bzw. entlang der Straße von Suleimaniya nach Darbendikhan fanden, gingen die meisten der Menschen, die ihr Glück Richtung Süden, in der hügeligen Ebene von Germian versuchten, "verloren". Die Menschen hätten dort ohnehin keine Zuflucht gefunden. Denn die dritte Anfal-Operation, die vom 7. bis zum 20. April 1980 dauerte, richtete sich eben gegen das Grenzgebiet der Sorani-Kurden. Im Süden schließt sich arabisch besiedeltes Hochland in Richtung Bagdad an. In der Logik des irakischen Regimes mußte Germian ein Ziel in der Anfal-Kampagne sein. Die meisten der aktiven PUK-Peshmerga stammten aus den Dörfern der Gegend, die für den Guerillakampf allerdings gänzlich ungeeignet ist. Trotzdem hatten Einheiten nach dem Fall des Hauptquartiers im Jafati-Tal und der Niederlage in Qara Dagh den Versuch gemacht, sich dorthin zurückzuziehen. Im kleinen Ort Sheikh Tawil formierte sich eine Anzahl der versprengten Peshmerga mit Hilfe der Bevölkerung neu und nahm sich der vielen Flüchtlinge aus Qara Dagh an. Doch gegen die überwältigende Welle militärischer Angriffe während der 3.Anfal-Operation konnte niemand mehr etwas ausrichten, niemand sollte entkommen. Von mindestens 8 Seiten waren die irakischen Einheiten nach Germian eingefallen, ihre Marschsäulen teilten sich bis zur dreifachen Stärke auf und ließen Raum für Fliehende nur dort, wo sie diese zum Abtransport erwarteten.

Die vierte Anfal-Operation vernichtete die Dörfer im Tal des Unteren Zabflusses. Vom 3. bis zum 8. Mai 1988 fielen chemische Bomben auf die Dörfer Goktapa, Kani und Askar, alle südwestlich des Dukan-Sees. Die Menschen am Unteren Zabfluß hatten enge Verbindungen zu "ihren Peshmerga". Schon zu Zeiten des alten Mullah Mustafa Barzani gab es Peshmerga-Camps, seit 1984 hatte die PUK einen wichtigen Kommandoposten dort. Nachdem alle Rückzugsmöglichkeiten für die PUK-Einheiten verschlossen waren, versuchten sie das Tal des Unteren Zabflusses zu erreichen. Davon waren auch die irakische Seite ausgegangen und hatte das Gebiet als nächstes Ziel vorgesehen. Die Truppen waren allerbester Laune in diesem Frühling. Nicht nur, daß die vorhergehenden Anfal-Operationen den Peshmerga der PUK und der kurdischen Landbevölkerung einen vernichtenden Schlag zugefügt hatten, auch an der iranischen Front konnten sie Fortschritte verbuchen. Am 17./18. April eroberten sie in einer Vernichtungsschlacht, bei der mehr als 10.000 iranische Soldaten starben, die strategisch wichtige Fao-Halbinsel am Persischen Golf zurück. Die Niederlage der iranischen Truppen war nur noch eine Frage der Zeit. Die irakischen MIG-Jets flogen ihren Angriff am späten Nachmittag des 3. Mai. Die Bewohner von Askar zählten acht dumpfe Explosionen, der Rauch stieg in weißen Säulen auf und verbreitete den Geruch von Pfefferminz und Knoblauch. Vermutlich starben mehr als 200 Menschen durch das Giftgas. Noch in der gleichen Nacht versuchten Überlebende durch die Berge und über Ziegenpfade zu fliehen. Die irakischen Truppen hatten den Staudamm am Dukan-See geöffnet, so daß das Wasser des Unteren Zab schnell anstieg und vielen den Weg in den Norden versperrte.

Die Anfal-Operationen fünf bis sieben ereigneten sich zwischen dem 15. Mai und dem 26. August 1988. Die Chemiebomber folgten dem sich zurückziehenden PUK-Widerstand in die wilden Bergtäler von Shaqlawa und Rawanduz. Die Dorfzerstörungen zogen sich weit bis ins Qandil-Gebirge hinein und entlang der nördlichen Grenze des Dukan-Sees. Die Angriffe trafen diesmal sogar Dörfer, die nicht viel mit den Peshmerga zu tun hatten, so das Dorf Wara, traditionell moslemisch, das eher eng mit der Regierung zusammengearbeitet hatte. Auch wenn aufgrund des starken Widerstandes der PUK-Peshmerga die fünfte, sechste und siebente Anfal-Operation weniger zielgerichtet und erfolgreich verliefen als die vorherigen, so waren die Folgen für die Landbevölkerung doch verheerend. Ihre Vorräte waren vernichtet, die Häuser zerstört, das Vieh getötet, die Felder verbrannt. Viele von ihnen kehrten erst nach dem Aufstand 1991 zurück.

Am 17. Juli 1988, während der sechsten Anfal-Operation, erklärte der iranische Präsident Ali Khamenei, daß sein Land die UN-Resolution 598 anerkennen werde. Diese Resolution des UN-Sicherheitsrates forderte einen umgehenden Waffenstillstand im Iran-Irak-Krieg sowie eine UN-Beobachtertruppe zu dessen Kontrolle. Damit war der PUK eine sichere Nachschubbasis entzogen. Das Hauptquartier beschloß den teilweisen Rückzug Ende Juli 1988. Als sich die Bevölkerung gemeinsam mit den Peshmerga aus den Dörfern zurückzog, wurden sie erneut Ziel einer massiven Giftgasattacke. Mindestens 13 Menschen starben. Erneut wurden den Flüchtenden falsche Versprechungen von den Jahsh gemacht. Als sie sich in den Stationen der Geheimpolizei meldeten, wurden sie festgenommen und später in Richtung Kirkuk abtransportiert. Ihr Schicksal ist unbekannt. Am 8. August 1988 stimmte die Teheraner Führung dem Waffenstillstandsangebot von Saddam Hussein zu. Der achtjährige Krieg zwischen Iran und Irak war beendet. Die iranische Niederlage bedeutete auch für die südkurdischen Peshmerga das Ende. Es blieb nur die Flucht in Richtung iranischr Grenze.

Die komplette Niederlage der PUK war für das Regime in Bagdad Startsignal zur letzten Anfal-Operation, die vom 28. August bis zum 6. September 1988 dauerte und sich gegen die Stellungen der KDP richtete. Deren Hauptquartier Zewa Shkan befand sich hoch im Zagrosgebirge des Dreiländerecks Türkei-Iran-Irak in der Badinan-Region, in der nördlichsten Provinz Dohuk. Die Menschen waren hier eher konservativ geprägt, folgten ihren Aghas oder Sheiks. Weder kulturell-politisch aufgeschlossen, wie beispielsweise die Provinz Suleimaniya noch industriell erschlossen wie die Regionen um Erbil oder Kirkuk, lebte die kurdische Landbevölkerung in Bahdinan gemäß alten Traditionen. Hier schöpfte die konservative KDP ihre Unterstützung aus alten Stammesstrukturen. Es gab unter diesen Stämmen aber auch solche, die in konkurrentem Verhältnis zur KDP standen und bereits ihren eigenen "Frieden" mit Bagdad geschlossen hatten. Auf ihre Zurückhaltung bzw. Unterstützung konnte die irakische Armee zählen. Bis zu 400 Dörfern sollten zerstört werden. Die nördlichste Provinz war seit Jahren schon einer besonders rigiden Kontrolle seitens der Regierung ausgesetzt. Um den Nachschub für die Peshmerga zu unterbinden, war eine Lebensmittelblockade verhängt worden, die nur auf Schmuggelpfaden und unter Lebensgefahr zu umgehen war. 200.000 Soldaten bot die irakische Führung für die letzte Anfal-Operation auf, die von der Luftwaffe, den Jahsh und einem C-Waffenkontingent der Armee unterstützt wurden.

Bereits 1987 waren zwischen 40 und 50 Dörfer in der Region zerstört worden. Nun sollte es noch härter kommen: 49 Dörfer wurden ab dem 25. August 1988 aus der Luft mit Giftgas, Senfgas und Sarin, angegriffen. Zunächst traf es das KDP-Quartier in Zewa Shkan, wo 10 tote Peshmerga registriert wurden. In den folgenden Tagen flog die Luftwaffe in den frühen Morgenstunden ununterbrochen Angriffe auf weitere Dörfer in den Garabergen und nördlich entlang der Grenze zur Türkei. Mehr als 60 Menschen starben sofort. Hunderte aber, vor allem Kinder, starben erst in den folgenden Tagen und Wochen. Als im Jahre 1992, also 4 Jahre später, Mitarbeiter der Organisation "Ärzte für Menschenrechte" Bodenproben im Dorf Birjinni, etwas südöstlich von Zakho gelegen, nahmen, fanden sie noch hohe Rückstände von Sarin und Senfgas.

Die Menschen flohen nach Norden, Richtung Türkei. Doch bald nach den ersten Luftangriffen blockierten die irakischen Truppen die wenigen Straßen, die über die Berge führten, ebenso die Hauptverbindungstraße zwischen Zakho und Kani Masi. Die Menschen saßen in der Falle. Noch am Grenzübergang in die Türkei versuchte die irakische Armee die Flüchtenden mit Giftgasangriffen zu hindern. Die es nicht mehr über die Grenze schafften, wurden festgenommen und abtransportiert.

Und weiter ging die Zerstörung, immer nach dem gleichen Muster: Den Giftgasangriffen folgten die Truppen, die die Dörfer bis auf die Grundmauern zerstörte. Manchen gelang die Flucht in die Berge, doch viele wurden auch hier aufgetrieben und ermordet, oder aber, sofern sie sich ergaben, festgenommen und abtransportiert. Nur wenige Tage nach Beginn der letzten Anfal-Operation hatten die irakischen Truppen mit Unterstützung der kurdischen Kollaborateure Badinan weitgehend besetzt. Zwischen 65.000 und 80.000 Menschen waren auf der Flucht in die Türkei. Recherchen, die in den Jahren 1992 und 1993 durch Mitarbeiter der Middle East Watch mit kurdischen Hilfsorganisationen durchgeführt wurden, ergaben bei 36 zerstörten Dörfern eine Zahl von mehr als 600 Männern, die verschwunden sind. Zahlen der irakischen Armee selbst belegen, daß in der letzten Anfal-Operation knapp über 3000 Männer festgenommen worden seien. Niemand der Verschwunden ist seitdem lebend wieder gesehen worden. Man muß davon ausgehen, daß es Massenexekutionen gab. Im übrigen lautete der Befehl von Al-Majid ohnehin, alle Männer zwischen 15 und 60 Jahren zu töten. Manche wurden dort, wo sie festgenommen wurden, erschossen, andere erst in den Verliesen der Geheimpolizei, wieder andere an unbekannten Orten im Süden des Landes. Als Saddam Hussein am 6. September 1988 die Anfal-Kampagne mit einer "Amnestie" für die Festgenommenen beendete, wurden aus dem Gefängnis Salamiyeh noch Dutzende von gefesselten Männern in Busse verfrachtet und mit unbekanntem Ziel weggefahren.

'Anfal' - der Beutezug - hatte ein ganzes Volk bis ins Unerträgliche gedemütigt, seine Lebensgrundlagen zerstört, Familien auseinandergerissen, seinen militärischen Widerstand zerschlagen. Keine Heimat war den Überlebenden geblieben, das Nicht-Wissen über den Verbleib ihrer Angehörigen bedeutet noch Generationen später ein psychologisches Trauma, jede Hoffnung wurde in den staatlich kontrollierten "collective towns" zunichte gemacht.

http://www.nadir.org/nadir/periodika/kurdistan_report/9890/09.htm
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