Allgemeines:
Es wurden von kurdischer Seite schon weitgehende Autonomieangebote seitens Irak abgelehnt, weil Kirkuk nicht inbegriffen war! Der Kampf um Kirkuk hat viele kurdische Märtyrer geschaffen und ein Kurdistan ohne Kirkuk, Amed, Aleppo und Mahabad ist nicht auszudenken.
Nach Protesten der turkmenischen Front, welche von der Türkei militärisch und fianziell unterstützt wird, jedoch nur einen Teil unter den Turkmenen (die Mehrheit der Turkmenen symphatisiert mit den Kurden :
http://peyamner.com/details.aspx?l=6&id=40205) darstellt, waren die Kurden, obwohl wie bekannt Kirkuk schon immer eine kurdische Mehrheit trug, die von allen Seiten einigermaßen anerkannte Volkszählung aus dem Jahr 1957 als Quelle zu beziehen!
Weil bis 1947 nie eine Volkszählung stattgefunden hat, beruhen alle angegebenen Zahlen auf Schätzungen. Aber auch die 1947 erfolgte Volkszählung enthält keine Details über die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung. Jedoch durch die Volkszählung des Jahres 1957, die nach der Muttersprache als Kriterium durchgeführt wurde, ergab sich die folgende Zusammensetzung der Bevölkerung von Kirkuk:
- Kurden: 48,3 %
- Araber: 28,2 %
- Turkmenen: 21,4 %
- Christliche Assyro-Chaldäer: 2,1 %
(nach „Census Registration Record of 1957”, Iraqi Ministry of Interior, the General Population Directorate)
Die Türkei befürchtet mit Kirkuk eine Gefährdung ihrer geografischen Gesamtheit und stellt sich mit aller Härte gegen die kurdischen Forderungen, selbst mit der Drohung eines Angriffs!
Für die Kurden hat Kirkuk jedoch eine prinzipielle symbolische und Identität stiftende Bedeutung. Darauf verwies der irakische Staatspräsident und Generalsekretär der PUK, Jalal Talabani, insbesondere auf Grund der in der Vergangenheit von den früheren irakischen Regimes betriebenen Politik der „ethnischen Säuberung“.
„Unser Kampf um Kirkuk ist deshalb ein Kampf um Würde“, betonte Talabani. Genauso weit geht der Präsident der Region Kurdistan-Irak, Mesud Barzani, wenn er von Kirkuk als „dem Herz Kurdistans“ spricht, für das die Kurden mit aller Macht und mit allen Mitteln „der Identität wegen“ kämpfen werden.
Kirkuk kam zum ersten Mal ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit, als im Jahre 1927 im neu etablierten Königreich Irak ergiebige Erdölfunde indiesem Gebiet gemacht wurden.
Kirkuk war immer eine Stadt mit gemischter Bevölkerung. Aber die demografische Struktur unterlag in den vergangenen Jahrzehnten auf Grund des Arabisierungsprozesses - d. h. die Ansiedlung von irakischen Arabern in der Stadt und Region - grundlegenden Veränderungen.
US-amerikanischen Schätzungen zufolge verteilte sich die Bevölkerung der Stadt zum Zeitpunkt der Befreiung Iraks von Saddam (also nach Beendigung der Arabisierung) folgendermaßen: Kurden etwa 35%, Araber etwa 35 %, Turkmenen etwa 26 %, Christen knapp 4 %. Mythenschreiber von einzelnen ethnisch-konfessionellen Gruppen behaupten folgenden:
Die „Turkmenische Front Iraks“ behauptet beispielsweise, es gäbe 1,5 Millionen Turkmenen in der Stadt und Provinz Kirkuk. Dies übersteigt jedoch fast die Einwohnerzahl der gesamten Provinz. 
Historisch bestand die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung immer aus Kurden.
Im Gegensatz zur heutigen Regierung in Ankara und der Regierung in Bagdad bis 2003 haben die Osmanen den kurdischen Charakter von Kirkuk niemals bestritten. Gleiches trifft für die britischen Kolonialherren zu. Im späten Osmanischen Reich war Kirkuk administratives Zentrum des Wilayats (Provinz) Sharazur. 1879 wurde
Kirkuk ein Sanjak (Bezirk) innerhalb des Wilayats Mosul. Der osmanische Enzyklopedist Shamsadin Sami hält in „Qamus al-A’lam“ (Istanbul 1896) für Kirkuk fest: „Drei Viertel der Einwohner von Kirkuk sind Kurden,
der Rest sind Turkmenen, Araber und andere. 760 Juden und 460 Chaldäer wohnen ebenfalls in der Stadt.“
Der erste arabische Bürgermeister kam erst 1969 ins Amt, als das Baath-Regime an der Macht war (Vgl. Nouri Talabany, Arabization of Kirkuk Region, Arbil 2004, S. 21).In einer irakischen Statistik von 1977 wird die folgende Statistik für Kirkuk angeführt (also nach einer Arabisierungswelle):
Araber: 44,4 %
Kurden: 37,6 %
Turkmenen: 16,3 %
Assyro-Chaldäer: 1,7 %
(Nach: Ethnic Cleansing Documents in Kurdistan-Iraq, Part one, Kirkuk 2004, S. 5)
Damit wurde der kurdische Bevölkerungsanteil von 1957 (Angaben der Volkszählung) bis 1977 um über 10 % reduziert. Der Anteil der Turkmenen verringerte sich ebenfalls um knapp 5 %, während der Anteil der Araber
um über 16 % stieg.
Man sollte dabei nicht vergessen, dass die Anfal-Offensive erst später folgte, d.h. weitere Veränderung des kurdischen Bevölkerungsanteils folgte!
Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ schätzt, das zwischen 1991 und 2003 erneut zwischen 120.000 und 200.000 Nicht-Araber (in der Mehrheit Kurden) aus der Stadt Kirkuk und ihrer Umgebung
vertrieben wurden („III: Forced Expulsions“, Iraq: Forcible Expulsion of Ethnic Minorities, Vol. 15, No. 3(E), New York: Human Rights Watch, March 2003).
Nun werden die Turkmenen frech und werden von türkischen Lügen gelenkt! Sie können weder eine Quelle vorweisen, die belegt, dass überhaupt jemals die Bevölkerung von Kirkuk mehrheitlich aus Turkmenen
bestand! Es werden sogar Stimmen laut, die wieder Saddam zurückwünschen. da die scheinbare Unterdrückung durch die Kurden unerträglich wäre: Sie sollen erst die Behandlung der Kurden in der Türkei beobachten, bevor hier Lügen vebreitet werden!
Also:
Auf Druck der Türken und mit eigenem Interesse der Amerikaner wurde das Referendum um ein halbes Jahr verschoben (im Grunde nich lange). Dennoch ist Kirkuk größtenteils unter der Kontrolle der Kurden und das Referendum wird ledigliche eine offizielle Bestätigung der kurdischen Forderungen sein.