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Autor Thema: PKK lässt Gefangene frei  (Gelesen 2570 mal)
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« Antworten #44 am: 23. Jul 2008, 19:33 »

@ Amos

Wieso Angst, wovor?
Mir persönlich ist es völlig schnuppe, was Grützköpfe und Co. über mich sammeln.... die sollen davon die Krätze bekommen.

Ich bin ein besorgter Bundesbürger und frage mich:
Wie kann es sein, dass die Bundesregierung den Auslandsgeheimdienst BND im Entführungsfall gewähren lässt und sogar noch das Aussenministerium intervenierte, als die türkischen Behörden sie von ihrem Tun abhalten wollten.
Da die Helden vom BND die Geiseln nicht unter Einsatz von Waffengewalt befreit haben, muss also angenommen werden, dass sie in irgend einer Art in Kommunikation mit der PKK traten und verhandelten!!!

Und genau das wurde doch zu Beginn des furchtbaren Dramas von Schäuble und Steinmeier ausgeschlossen.....................

Ach lass mal gut sein, ich mach mir nur ein bisschen lustig über diese Geheimdienstparasiten, die auch ein bisschen Aufmerksamkeit und Anerkennung dafür haben wollen, dass sie jedes Jahr hunderte von Millionen Steuergelder aus dem Fenster ballern.   Zwinkernd
« Letzte Änderung: 23. Jul 2008, 19:38 von navdar » Gespeichert
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« Antworten #45 am: 23. Jul 2008, 19:46 »

@ navdar:

Dann sind wir ja schon zu zweit, die sich da lustig machen!  Grinsend

Es ist allerdings ein Arbeitsprinzip solcher Dienste, dass sie in der Regel in der Stille das tun, was die zuständigen MinisterInnen mit Lautstärke dementieren. Und für Gewaltaktionen sind sie eh nicht zuständig. Und was der Typ im Libanon getan hat, war wohl eher eine "Bedanke mich"-Aktion für Dienste anderer Art, die das Außenministerium empfangen hatte, und worüber natürlich nicht gesprochen wird. Mensch sollte diese Leute nicht überschätzen, auf keinen Fall aber unterschätzen, auch nicht beim Lustigmachen über die Spitzen der herumschwimmenden Eisberge.
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« Antworten #46 am: 23. Jul 2008, 20:15 »

Und weiter gehts:

Afp - Meldung 23.7.08

Ex-PKK-Geisel: Nächte in Höhle das Schlimmste bei Entführung

Vor 4 Stunden

München (AFP) — Nach ihrer Freilassung durch kurdische PKK-Rebellen hat zum ersten Mal eine der bayerischen Geiseln ausführlich von der zwölftägigen Gefangenschaft berichtet. Sechs Entführer mit umgehängten Kalschnikows hätten ihre Gruppe am 8. Juli abends aus den Schlafsäcken geholt, berichtete Helmut Hainzlmeier im Bayerischen Rundfunk. "Gegen 21 Uhr wurden wir von Stimmen geweckt. Man hat uns aufgefordert, uns anzuziehen und ins Essens-Zelt zu gehen", sagte der 65-Jährige, der mit einer Gruppe aus dreizehn deutschen Bergsteigern den Ararat besteigen wollte.

Die PKK-Rebellen hätten ursprünglich vier Geiseln gewollt, sich nach Bitten der Bergsteiger aber mit drei Männern zufrieden gegeben. Die Entführer hätten selbst verlangt, dass keine Frauen und keine Kranken unter den Geiseln sein sollten. "Ich habe dann zu erkennen gegeben, dass ich der Gruppenführer bin und bereit bin, mitzugehen."

Den Gefangenen sei gesagt worden, dass sie nach sechs Tagen freigelassen werden sollten, sagte Hainzlmeier. Täglich um 17 Uhr durften sie Deutsche Welle hören. "Wir waren also immer informiert, was Steinmeier, was Merkel an Statements abgegeben haben und wir haben auch von der gescheiterten Übergabe ans Rote Kreuz erfahren", sagte der aus Abensberg stammende Alpinist.

Die PKK-Rebellen wechselten laut Hainzlmeier häufig den Standort. In den ersten drei Nächten seien sie an drei verschiedenen Plätzen gewesen. "In der vierten Nacht hat man uns in eine Höhle gebracht. Etwa 20 Meter lang und 5 Meter breit. Da waren wir drei volle Nächte drin und das war eigentlich das Schlimmste." Ohne Tageslicht, ohne etwas Warmes zu essen oder zu trinken hätten sie in der Höhle ausharren müssen. Davon abgesehen seien sie ausreichend versorgt worden.

Ihre bevorstehende Freilassung hätten sie am Sonntagmorgen bereits geahnt. Vier der PKK-Entführer seien zu Fuß mit ihnen aufgebrochen und hätten sie nach eineinhalb Stunden Marsch an einen Hirtenjungen übergeben. Sie seien dann von einem Zivilfahrzeug mitgenommen worden. "Das türkische Militär haben wir erst getroffen, als wir an einen Kontrollposten kamen. Das war wie bei James Bond. Wir sind mit Karacho auf diesen Posten zugefahren." Dort sei der Beifahrer schnell ausgestiegen und ein Polizist eingestiegen.

Quelle: http://afp.google.com/article/ALeqM5hAeXowXuHJcG-xFeBUTDTijOYYWA



War da nicht mal die Rede davon, die Kidnapper hätten die Geiseln auf einem Hügel freigelassen und seien dann geflüchtet?
« Letzte Änderung: 23. Jul 2008, 20:20 von navdar » Gespeichert
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« Antworten #47 am: 23. Jul 2008, 21:41 »

23.07.2008    17:18 Uhr    
 

SZ-Gespräch mit PKK-Geisel


"Das war schon grenzwertig"


Zwölf Tage lang war Lars Reime, 33, in Gefangenschaft der PKK. Der Ingenieur aus dem oberbayerischen Laufen wurde mit zwei weiteren Bergsteigern beim Aufstieg auf den Berg Ararat in der Türkei entführt.

SZ: Was können Sie nicht vergessen?

Reime: Es ist die Szene, als entschieden wurde, wer als Geisel mitgehen muss. Das war sehr einschneidend. Die Entführer haben uns selektiert.

SZ: Wie kam es denn dazu?

Reime: Wir wollten um 24 Uhr losgehen und den Gipfel machen, nachdem der Tag vorher verschneit und verregnet war. Wir lagen gerade dösend in unseren Zelten, als um 21 Uhr an den Stangen gerüttelt wurde und es hieß: Wir sollten aufstehen und rauskommen. Erst weigerten wir uns, doch dann sagte einer, sie seien von der PKK. Da wurde uns schon anders zumute. Wir sind dann vor das Zelt und sahen einen mit einer Waffe dastehen. Der dirigierte uns zum Küchenzelt, wo gleich zwei, drei Leute mit Kalaschnikows standen.

SZ: Hatten Sie Angst?

Reime: Im ersten Moment dachte ich noch: Was passiert da eigentlich? Da hatte ich noch keine Angst. Wir mussten uns alle hinsetzen, und ein Sprecher der PKK-Gruppe erklärte uns, dass Deutschland eine kurdenfeindliche Politik betreibe. Dann erzählte er uns von der Schließung eines Senders und der europäischen Terrorliste, auf die die PKK auch wegen des Zutuns der Bundeskanzlerin Merkel gesetzt worden sei. Aus all diesen Gründen werde er nun drei bis vier Geiseln mitnehmen. Sie bräuchten Junge, die über Stock und Stein mitlaufen könnten, was dann auch so kam.

SZ: Wie hat die Gruppe reagiert?

Reime: Manchen schossen gleich Tränen in die Augen. Helmut Hainzlmeier sagte, er sei der Gruppenleiter und erklärte sich bereit mitzugehen. Ich selbst wollte überhaupt nicht mit. Ich stand ganz hinten, habe gezittert und an meine Tochter und meine Frau gedacht. Kurz darauf wurde Martin Scholz ausgewählt, und dann engte sich der Kreis um mich immer mehr ein. Die PKK wollte keine Alten, keine Frauen, keine, die nicht fit genug waren. Ich ging dann aus dem Zelt, um einen Sack zu holen, und hoffte ganz egoistisch, in der Zwischenzeit würde ein anderer ausgewählt, doch als ich zurückkam, hatte man sich für mich entschieden. Ich war total schockiert, versuchte meinen Hals noch aus der Schlinge zu ziehen, erzählte von einem verletzten Fuß und meiner kleinen Tochter. Doch da war nichts mehr zu machen.

SZ: Wohin gingen Sie dann?

Reime: Wir sind die ersten Tage in Richtung Osten, zum Klein-Ararat gegangen. Die erste Nacht sind wir unheimlich schnell gelaufen, was uns ziemliche Schwierigkeiten bereitete. Wir hatten nur leichte Kletterschuhe dabei, keine Wanderstiefel. Immer mal wieder stolperte einer von uns, und es schoss mir durch den Kopf: Was passiert, wenn du dir jetzt ein Bein brichst? Die tragen dich doch nicht auf einer Bahre mit.

SZ: Die schrecklichsten drei Tage haben Sie in einer Höhle verbracht.

Reime: Die Terroristen glaubten nach drei Tagen, dass die Türken Militäroperationen planen. Daraufhin hieß es: Wir müssten jetzt in die Höhle. Das war sehr schlimm. Wir bekamen Brot, Tomaten, Gurken und etwas Oliven. Aber wir mussten durch zwei kleine Löcher kriechen und dann acht Meter nach unten absteigen. Dann kam man zu einem Erdschlitz, der drei Meter breit und vielleicht 15 Meter lang war, wo man weder richtig liegen noch sitzen konnte. Überall waren Flöhe und es stank nach dem eigenen Kot. Wir saßen dort drei Tage in der Dunkelheit. Das war schon grenzwertig und ging stark an die Psyche.

SZ: Wie haben die Entführer Sie behandelt?

Reime: Wie Gäste. Das hatten sie uns schon am Ararat versprochen. Sie waren immer freundlich. Wir durften auch Deutsche Welle hören. Wir ahnten bald, dass man uns nichts antun wollte, und wussten, dass die Entführung sechs bis sieben Tage dauern sollte und dass es das Ziel der PKK war, damit große Aufmerksamkeit in Deutschland zu erzeugen.

SZ: Haben Sie je an Ihrer Freilassung gezweifelt?

Reime: Wir hatten ein ganz schlimmes Erlebnis. Drei, vier Tage, bevor wir frei kamen, hörten wir im Radio, dass sich die PKK und die Türkei nicht auf einen Vermittler für unsere Übergabe einigen konnten. Wir waren moralisch total unten und hatten Riesenangst, dass die Türkei militärisch eingreift.

SZ: Wann erfuhren Sie, dass die Entführer Sie wirklich freilassen?

Reime: Am letzten Abend in der Höhle. Da kamen die PKK-Entführer und sagten uns: Helmut, Martin, Lars - Almanya! Wir schlussfolgerten: Aha, jetzt geht es wieder nach Hause.

SZ: Fürchteten Sie einen Angriff des türkischen Militärs?

Reime: Zum einen konnten wir uns nicht vorstellen, wie eine Befreiungsaktion in so einem unwegsamen Gelände überhaupt gelingen sollte. Wie man sich anschleichen könnte, ohne dabei entdeckt zu werden. Zum anderen hatten wir, selbst wenn die PKK mit uns freundlich umging, keine Garantie, dass wir bei einem Schusswechsel nicht als Schutzschild herhalten müssten. Ich habe mich jedenfalls das ein oder andere Mal umgeschaut, hinter welchen Stein ich mich notfalls werfen könnte.

SZ: Wie erlebten Sie die Übergabe?

Reime: Am vorletzten Tag sind wir nachts losgegangen, kamen morgens in ein Dorf, und wurden einem 15-jährigen Jungen übergeben, der mit uns über einen Hügel ging, wo wir dann warteten. Auf einmal pfiff einer herüber, kam her, gab uns unsere Handys und Kameras und fuhr uns mit einem Auto zu einer Militärkontrolle, wo der Polizeipräsident der Region einstieg und uns in eine Kaserne brachte. In der Zwischenzeit hatte ich über Handy schon meine Frau erreicht.

SZ: Was sagten Sie Ihr?

Reime: Wir sind frei! Danach brach die Verbindung ab.

SZ: Wann hatten Sie erstmals wieder das Gefühl von Freiheit?

Reime: Als ich das Auto sah. Auf der Fahrt zur Militärkontrolle war ich sehr ergriffen. Sicher habe ich mich aber erst gefühlt, als während einer chaotischen Befragung durch die türkische Polizei zwei Leute vom Bundeskriminalamt auftauchten. Das waren zwei super Männer. Die sagten uns: Da müsst Ihr noch durch, dann nehmen wir euch mit. Abends waren wir noch ein Bierchen trinken.

SZ: Wie gehen Sie mit alldem um?

Reime: Das kann ich noch nicht sagen. Die Frage müssten Sie mir nochmal in ein paar Wochen stellen. Noch ist so viel Trubel um mich herum. Immerhin habe ich zwei Nächte gut geschlafen und keine Alpträume gehabt.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/artikel/85/187489/



Die haben Gurken und Tomaten bekommen  Traurig
Guerillas leben wenn überhaupt nur von Linsensuppe und Kichererbsen und das jahrelang
Aber manchmal auch von Schlangenfleisch oder Wildschwein, wie bei Asterx und Obelix  Grinsend


Achsooo, hab ich ganz vergessen: Leichte Wanderschuhe? Die hevals bewältigen lange Distanzen in schwierigem Gelände in weltrekordverdächtigem Tempo mit den miserabelsten Turnschuhen der Marke Mekab  Lächelnd
Manche sagen sogar, die laufen gar nicht. Die schweben 5 cm über dem Boden  Zwinkernd
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« Antworten #48 am: 23. Jul 2008, 23:24 »

Zitat
SZ: Wann hatten Sie erstmals wieder das Gefühl von Freiheit?

das tut weh wen ein Kurde diese frage lesen muss Unentschlossen
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« Antworten #49 am: 24. Jul 2008, 03:46 »

@ Testosteron

du hast recht, ich mein das wirklich ehrlich. Aber versuch mal ein Fazit aus der ganzen Angelegenheit zu ziehen.

Viel Geschrei um nichts in der wehleidigen BRD!

Behörden, die alle einen willkommenen Vorwand haben, sich als Retter aufzuspielen
Politiker, die ihre Schnauze aufreissen, von wegen ein demokratischer Rechtsstaat verhandelt nicht mit Terroristen
Medien, die das machen, was ihre Liebslingsbeschäftigung ist: HETZEN
Eine PKK-Führung, die ihren eigenen Hevals in den Rücken fällt

Wie ein perfekt inszeniertes Theaterstück und doch eine billige Schmierenkomödie


Und jetzt versuch dir mal vorzustellen, es wäre so gelaufen:

Die Bergsteiger wären nach Südkurdistan gebracht worden, nachdem sich der ganze Rummel ein bisschen gelegt hätte.
( Hätte bestimmt Monate gedauert )

Der ganze lange Weg dorthin wäre minutiös mit Filmkamera dokumentiert und alles scheibchenweise von Roj TV international ausgestrahlt worden.

( Schäuble wär zum Jokel des Jahrhunderts gekrönt worden  Grinsend Grinsend Grinsend und zwischen der deutschen und türkischen Regierung wäre es zu gravierenden diplomatischen Verwerfungen gkommen )

Man hätte in regelmässigen Abständen sehen können, dass es denen bei der Guerilla gut geht, und dass die einzige Gefahr für ihr Leben die türkischen Militärs sind.
Nebenbei die ganzen zerstörten Dörfer, die unter dem Krieg leidende Zivilbevölkerung, die übermenschlichen Anstrengungen, gemeinsam überleben zu wollen..........

In Südkurdistan Übergabe an integre NGOs mit dem dazu gehörigen Medientamtam.

Alle wären sie in Erklärungsnöte und massive Rechtfertigungsschwierigkeiten gekommen, die Politiker, Aufstandsbekämpfer, Hetzmedien.........

Und die Bergsteiger hätten bei Gott ein Erlebnis mit nach Hause genommen, dass die Deutschen zum Nachdenken gezwungen hätte.


Aber so ist die Chance zu einem international bedeutenden Coup verspielt worden, weil man der Welt unbedingt beweisen wollte, dass man sich an Abkommen wie der Genfer Konvention hält.
.
Die Guerilla ist noch immer am besten gewesen, wenn sie mit dem Kopf durch die Wand rennt!!!
« Letzte Änderung: 24. Jul 2008, 04:13 von navdar » Gespeichert
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« Antworten #50 am: 24. Jul 2008, 06:13 »

Der weitaus aussagekräftigste Artikel, der aufzustöbern war:


Financial Times Deutschland   22.7.08


Glücklicher Ausgang

PKK-Geiseln zurück in Deutschland
von Henning Jess (Berlin)

Einen Tag nach ihrer Freilassung aus der PKK-Geiselhaft sind die drei deutschen Bergsteiger sicher nach Deutschland zurückgekehrt. Doch über die genauen Umstände der Befreiung gibt es verschiedene Versionen.
Der bayerische CSU-InnenministerJoachim Herrmann empfing die Männer, die gut zwei Wochen in der Gefangenschaft der kurdischen Separatisten waren. Einer der Verschleppten, der 33-jährige Lars Holger R., sagte am Montag am Flughafen, den Freigelassenen gehe es körperlich "relativ gut", psychisch müssten sie sich aber in den nächsten Tagen zunächst erholen. R. wirkte müde, aber in guter Verfassung. Die Entführer hätten ihre Gefangenen relativ gut behandelt. Es sei die größte Sorge der Verschleppten gewesen, in militärische Gefechte verwickelt zu werden.
Nach ihrer Freilassung gibt es verschiedene Versionen darüber, wie die Bergsteiger befreit werden konnten. Während die türkischen Behörden erklärten, dass vor allem der Druck einer militärischen Offensive die Geiselnehmer dazu gezwungen hätte, die Geiseln zu entlassen, sagte Innenminister Herrmann,dass vor allem die professionelle Arbeit des Auswärtigen Amtes zur Befreiung der Geiseln beigetragen habe. "Der öffentliche Druck oder der militärische Druck auf die PKK hat da weniger eine Rolle gespielt", sagte Herrmann am Montag im Deutschlandfunk. Dabei habe es "natürlich" Gespräche mit den PKK-Vertretern gegeben, wenn auch nicht mit den Geiselnehmern direkt. Mehmet Cetin, Gouverneur der türkischen Provinz Agri, hatte betont, dass es keine Zugeständnisse an die PKK gegeben habe.
Die PKK hatte mit der Entführung eine Änderung der Kurdenpolitik der Bundesregierung erreichen wollen. Im Juni hatte die Bundesregierung den kurdischsprachigen Fernsehsender Roj-TV in Deutschland verboten.
Die PKK und die im türkischen Parlament vertretene prokurdische Partei DTP versuchen dagegen, die Freilassung als freiwilligen, großherzigen Akt der Vernunft darzustellen. Eine kurdische Website zitiert die PKK-Einheit, die die Deutschen verschleppt hatte, mit den Worten: "Die Entscheidung, sie freizulassen, ging allein auf unsere Initiative zurück." Die Entführer seien nicht unter Druck gesetzt worden, sondern hätten nur den Appellen befreundeter Nichtregierungsorganisationen Gehör geschenkt, hieß es.

PKK-Geiseln in Bayern erwartet

Der Vorsitzende der im türkischen Parlament vertretenen pro-kurdischen DTP, Ahmet Türk, sagte der türkischen Zeitung "Sabah", seine Partei habe über Mittelsmänner am Sonntagvormittag von der bevorstehenden Freilassung erfahren und umgehend mitgeteilt, wo sich die Bergsteiger aufhielten.
Laut Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) werde der Verlauf des Falles sorgfältig analysiert, "auch mit Blick darauf, inwieweit Wiederholungen von Entführungen in dieser Region weiterhin möglich sind", sagte Steinmeier. Sein Ministerium werde in Reisehinweisen über mögliche Gefahren informieren.
Im Auswärtigen Amt stieß der von der bayerischen Regierung initiierte Empfang der Geiseln auf Kritik. Eigentlich sei es "gute Übung", den Opfern zunächst die Möglichkeit zu geben, die psychisch belastenden Ereignisse zu verarbeiten und ihre Familien zu sehen, sagte ein Sprecher. Ziel sei es, sie "ein bisschen ruhiger in den Lebensalltag" einsteigen zu lassen. "Ich weiß nicht, ob und warum das aus anderer Warte jetzt anders praktiziert wird", fügte er hinzu.

Quelle: http://www.ftd.de/politik/europa/:Gl%FCcklicher_Ausgang_PKK_Geiseln_zur%FCck_in_Deutschland/388259.html
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« Antworten #51 am: 24. Jul 2008, 08:54 »

Zitat
Im Auswärtigen Amt stieß der von der bayerischen Regierung initiierte Empfang der Geiseln auf Kritik. Eigentlich sei es "gute Übung", den Opfern zunächst die Möglichkeit zu geben, die psychisch belastenden Ereignisse zu verarbeiten und ihre Familien zu sehen, sagte ein Sprecher. Ziel sei es, sie "ein bisschen ruhiger in den Lebensalltag" einsteigen zu lassen. "Ich weiß nicht, ob und warum das aus anderer Warte jetzt anders praktiziert wird", fügte er hinzu.
Da haben die werten KollegInnen von der FTD sich aber blauäugiger dargestellt, als sie wohl eigentlich sind.  Augen rollen

Ein bayrischer Minister, der seine politische Sozialisation auf Franz-Joseph Strauß zurückführen kann, lässt sich im Wahlkampf doch solch ein Thema nicht entgehen! Und im Wahlkampf bedankt man sich auch artig bei einem Gouverneur, wenn der gar nicht mal was Konstruktives zur aktuellen Situation beigetragen hat, das macht sich halt gut vor laufender Kamera.

Apropos Gouverneur: der war nun 12 Tage lang Sprecher seiner eigenen PKK (bzw. der Zinnfiguren im Sandkasten seines Büros), die aber dummerweise bei der Entführung wie bei der Befreiung jeweils wohl zu spät kam. Darum bin ich auch der Meinung, dass wir hier die Handlungsweise der "echten" Guerillas nicht kritisieren sollten. Auch das Szenario des "langen Marsches" nach Südkurdistan lässt zu viele Gegebenheiten außer Acht. Schließlich haben die Freunde des Gouverneurs (vulgo: TSK) ja wohl genau darauf gewartet, um dann gleich so nebenbei die kurdische Bevölkerung im Durchzugsgebiet in Blut baden zu können.

Aber allen Fehlern einzelner Journalisten zum Trotz: Selbst die schlimmsten Hetzblätter mussten zumindest in Nebensätzen zugeben, dass dem kurdischen Volk in Ostanatolien historisch vielfaches Unrecht geschehen ist, gerade auch durch trk. Politik und Politiker wie Militärs. Das war zwar so gut wie nie in den Schlagzeilen zu lesen, aber am Ende doch zu erkennen, so dass nun auch der verbildetste BLÖD-Konsument der TSK nicht die Rolle strahlender Helden abkauft.

Auch auf diesem Hintergrund war es richtig, dass die "echte" Guerilla ihre unfreiwilligen Gäste keiner Gefahr aussetzte. Die Früchte dieser Weitsicht werden sichtbar werden, wenn soviel Gras über die Sache gewachsen ist, dass auch die deutsche Politik nicht mehr zur Wahrung ihres Gesichts mit dem imaginären Säbel rasseln zu müssen glaubt.
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« Antworten #52 am: 24. Jul 2008, 18:20 »



Apropos Gouverneur: der war nun 12 Tage lang Sprecher seiner eigenen PKK (bzw. der Zinnfiguren im Sandkasten seines Büros), die aber dummerweise bei der Entführung wie bei der Befreiung jeweils wohl zu spät kam. Darum bin ich auch der Meinung, dass wir hier die Handlungsweise der "echten" Guerillas nicht kritisieren sollten. Auch das Szenario des "langen Marsches" nach Südkurdistan lässt zu viele Gegebenheiten außer Acht. Schließlich haben die Freunde des Gouverneurs (vulgo: TSK) ja wohl genau darauf gewartet, um dann gleich so nebenbei die kurdische Bevölkerung im Durchzugsgebiet in Blut baden zu können.




Ich hab nicht die Guerilla kritisiert, sie ist an politischen Entscheidungsprozessen ohnehin nicht beteiligt.
Vielmehr hab ich die PKK-Führung kritisiert, weil die aus reinem politischen Opportunismus einen 6er im Lotto verschenkt hat

Und was den "langen Marsch" betrifft: Der Weg nach Südkurdistan, der mir in den Sinn gekommen ist, ist zum aller grössten Teil entvölkertes Niemandsland.
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« Antworten #53 am: 25. Jul 2008, 21:42 »

Hierzu wollte ich zwei Artikel, aus den aktuellen Printausgaben der Magazine FOCUS und Der Spiegel, mit euch teilen. Bezeichnend ist die Berichterstattung - in feinster Bild-Manier - des FOCUS. Man kann nur hoffen, dass die deutschen und europäischen Medien an Objektivität interessiert sind und der gesamten kurdischen Bewegung, mit all ihren Parteien und Organisationen, keinen Terror-Stempel verpassen.

Dazu müssten sie sich mehr mit der Materie beschäftigen und nicht grösstenteils die Berichterstattung türkischer Medien, die den Konflikt auf ein reines Terrorproblem herunterspielen, übernehmen. Standardfloskeln und -unwissen wie „die PKK kämpft seit 1984 für einen unabhängigen Staat“, „Die PKK wird von der Türkei, der EU und Amerika als terroristische Vereinigung eingestuft“, „die PKK ist verantwortlich für über 37.000 Tote“ etc., zeugen ebenfalls nicht gerade von gut vorbereiteter und recherchierter Pressearbeit. Natürlich bestärken dann solch unnütze Aktionen, wie die Geiselnahme, nur diesen Kreis von Scharfmachern, die damit ihre Art von Berichterstattung vor der Weltöffentlichkeit legitimieren können.




FOCUS 30/2008 v. 21. Juli 2008:

Zitat
"Dann brennt die luft..."

Berliner Sicherheitsstategen fassen Geheimdienstberichte vom Bosporus gewöhnlich nur mit spitzen Fingern an. Seit Jahren trommelt Ankara beharrlich gegen die auch in Deutschland verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Tatsachen und politische Propaganda verschwimmen da bisweilen.
Doch die Informationen, die der türkische Inlandsnachrichtendienst Istihbarat Anfang Juli an Berlin übermittelte, lösten umgehend Alarm aus. Es lägen "konkrete Hinweise" dafür vor, dass die linksextremistische PKK ihre "Bergkämpfer angewiesen" habe, "deutsche Personen (z.B. einzelreisende Touristen, Archäologen etc.) zu entführen", heißt es in der Warnung. Auch den Grund für die angekündigte Attacke teilte Ankara mit: Es handle sich um eine Reaktion auf den deutschen Verbotsbeschluss gegen den kurdischen Sender Roj-TV.

Ein weiterer Bericht, den die Türken kurz darauf nach Berlin kabelten, weckte schlimmste Befürchtungen: Plant die Guerillatruppe etwa eine Terroroffensive gegen Deutschland? Vor dem Hintergrund des Senderverbots befinde sich die PKK "in Anschlagsvorbereitungen gegen europäische Länder", notierten die türkischen Geheimdienstler. Ziel der Aktionen sei es, gegen Deutschlands PKK-feindliche Politik zu protestieren und "Drohungen auszusprechen".

Wie ernst die Terrorexperten die Meldungen aus der Türkei nehmen, zeigen die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes (AA). Für die besonders gefährdeten Regionen im Südosten der Türkei - Hakkari, Sirnak und Mardin - gab Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) umgehend eine Reisewarnung heraus. Und als die Türken nachlegten, nahm der Außenminister auch die Gegend Siirt in den Problemkatalog auf.

Das Auswärtige Amt wies die deutsche Botschaft in Ankara zudem an, gezielt Kontakt zu den Deutschen in der Türkei aufzunehmen, die gefährdet sein könnten. Nach FOCUS-Recherchen wurden am 3. Juli mehrere Unternehmen und das Deutsche Archäologische Institut in Istanbul vor PKK-Aktionen gewarnt.
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die bayerischen Bergsteiger Helmut Heinzlmeier, 65, Martin Scholz, 47, und Lars Reime, 33, mit ihrer Alpinistengruppe gerade auf den Weg gemacht, den schneebedeckten Gipfel des Ararat zu erklimmen. Von der drohenden Gefahr hatten sie keine Ahnung, als sie in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli tatsächlich von "Bergkämpfern" der PKK verschleppt wurden. Bis zum Redaktionsschluss blieben sie Verschwunden.

Für den Berliner Sicherheitsapparat war die Entführung der Deutschen eine verhängnisvolle Bestätigung: Die Informationen des türkischen Geheimdienstes sind zutreffend. Die neue Gefahr durch die PKK ist real.
Bundesregierung und Bundeskriminalamt (BKA) ziehen daraus allerdings höchst unterschiedliche Konsequenzen. Die Staatsschützer des BKA in Meckenheim bei Bonn kamen in einer internen Analyse zu dem Schluss, dass die bisherigen Warnhinweise für die Türkei jetzt nicht mehr ausreichen. „Eine Modifizierung des Reisewarnhinweises Türkei (Ausdehnung auf das gesamte Land) wird angeregt“, schrieb BKA-Staatsschutzchef Klaus Wittling in seiner Gefährdungsbewertung vom 9. Juli. Adressat: das Auswärtige Amt.

Dieser Satz aus Meckenheim besitzt Sprengkraft. Die Deutschen haben Urlaub. Jeden Tag bringen Charterflieger Tausende Touristen an die türkischen Küstenorte. Mehr als vier Millionen Bundesbürger reisen jährlich in die Türkei. Ein verschärfter Reisehinweis für das gesamte Land, wie vom BKA ausdrücklich angeregt, hätte massive wirschaftliche und diplomatische Konsequenzen.

Erstes Fazit: Das Auswärtige Amt folgt den Empfehlungen der BKA-Experten nicht. Lediglich ein allgemeiner Hinweis findet sich auf der Internet-Seite: „Reisenden in die Türkei wird auch weiterhin zu erhöhter Vorsicht geraten.“ Diese Warnung steht allerdings schon seit Langem im Netz. Das Auswärtige Amt wollte die BKA-Analyse auf FOCUS-Anfrage nicht kommentieren.
„Wir wussten, dass Reisen in das Gebiet, wo die PKK tätig ist, einem gewissen Risiko ausgesetzt sind“, räumte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach der Geiselnahme ein. „Wir haben allerdings bis dahin, wie auch das Auswärtige Amt, die Gefahr nicht so hoch eingeschätzt“. Im Widerspruch zu seinen Meckenheimer Staatsschützern sagte der Minister am 12. Juli gegenüber der „Nordwest-Zeitung“: Die von deutschen Urlaubern bevorzugten Regionen „werden aber als sicher eingeschätzt“. Auf FOCUS-Anfrage teilte das Bundesinnenministerium mit, es gelte die Empfehlung des Auswärtigen Amtes zu erhöhter Vorsicht. Einen Widerspruch zur polizeilichen Analyse gebe es nicht.

Der plötzliche Schwenk der radikalen Kurden hat die deutschen Sicherheitsbehörden offenbar kalt erwischt. Jahrelang galt die hierzulande als kriminelle Vereinigung eingestufte Partei als relativ ungefährlich. Entführungen von Ausländern gehören seit 1993 nicht mehr zum Modus Operandi. Seit der Festnahme des PKK-Führers Abdullah Öcalan im Jahr 1999 gab es keine Anschläge mehr in Westeuropa.
Mit der Operation am Berg Ararat schlug die PKK offenbar ein neues Kapitel ihrer bisweilen blutigen Geschichte auf. Die BKA-Fahnder empfehlen daher in ihrem Papier eine „Modifizierung der Gefährdungslage für deutsche Einrichtungen und Interessen“.

Dreh- und Angelpunkt für die neue Bedrohung ist das Verbot von Roj-TV und seiner Wuppertaler Produktionsfirma Viko, deren Vermögen beschlagnahmt wurde. „Im Zielspektrum“ der PKK lägen nun „deutsche Einrichtungen in der gesamten Türkei“, schrieben die BKA-Staatsschützer in ihrer Analyse. Auch der benachbarte europäische Raum wie Dänemark, wo der Propagandasender seinen Sitz hat, und die Bundesrepublik seien betroffen.

Weil Innenminister Wolfgang Schäuble in kurdischen Medien als Verantwortlicher für das Verbot genannt wurde, sei eine „personenbezogene Gefährdung“ in Betracht zu ziehen, heißt es in der vertraulichen BKA-Analyse. Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gebe es aber nicht.
Seit Beginn der Entführung stehen auch die Mitarbeiter des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) unter Druck. Das Bundesinnenministerium erwartet fortlaufend Analysen und Gefährdungsbewertungen. „Wir nehmen Schäubles Bedrohung sehr ernst“, sagte ein BfV-Beamter zu FOCUS. Seit dem Attentat von 1990, bei dem der Unionspolitiker durch zwei Schüsse schwer verletzt wurde, werde er aber ohnehin „scharf bewacht“.

Auf der Liste möglicher Angriffsziele in Deutschland führt das BfV unter anderem das Wuppertaler Polizeipräsidium auf. Von hier aus wurde im Juni die Durchsuchung des Büros der Viko Fernseh Produktion GmbH gesteuert. Auch das Polizeipräsidium Köln gilt als anschlagsgefährdet, da in der Domstadt viele Einsätze gegen die PKK geführt wurden.

Noch ist die Bundesregierung nicht sicher, ob die Geiselnahme am Bibelberg tatsächlich einen Strategiewechsel der Kurdenpartei eingeläutet hat. Nach einer schnellen Freilassung der Geiseln, so heißst es in Berlin, könnte die PKK zu ihrem gemäßigten Kurs mit friedlichen Protesten zurückkehren. Bis zu 15000 Anhänger stehen der Untergrundorganisation in Deutschland nahe. Ein Verfassungsschützer zu FOCUS: „Wenn die PKK aber den Hebel umlegt, dann brennt in unseren Großstädten die Luft. Die können innerhalb kurzer Zeit 40000 Leute auf die Straße bringen“.

Von internen Machtkämpfen und einer geschwächten Parteiführung, über die türkische Medien in der vergangenen Woche berichteten, ist den deutschen Sicherheitsbehörden bisher nichts bekannt. Wie aus „einem Stück gehauen“ trete die Kurdenpartei nach außen hin auf, sagt ein hoher Regierungsbeamter.
Und gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf: „Wenn die Parteiführung tatsächlich beschlossen hat, dass die drei bayerischen Bergsteiger freikommen sollen, dann wird das auch geschehen.“

K. Behrend, H. Gude, J. Hufelschulte







Der Spiegel 30/2008 v. 21. Juli 2008


Zitat
„Zwischen Freude und Furcht“

Die Entführung am Ararat spaltet die große kurdische Diaspora in Deutschland: Viele sympathisieren mit den PKK-Kämpfern, fast alle aber haben Angst, die Aktion werde ihre Lage verschlechtern

Das Haus der Bundespressekonferenz, zu Fuß gerade mal fünf Minuten vom Reichstag entfernt, ist eine der zentralen Kulissen der Berliner Republik. Normalerweise versuchen hier Minister ihre Politik zu erklären, hin und wieder tritt auch die Kanzlerin hier vor die Hauptstadtjournalisten.
Doch am vorigen Donnerstagmorgen ist nichts normal in der BPK, wie das schwarzglänzende Gebäude unter Insidern genannt wird: Der Dachverband der kurdischen Vereine in Deutschland, Yek-Kom, hat zu einer Pressekonferenz eingeladen. Bis zum 9. Juli hätte das in Berlin allenfalls eine Handvoll kurdische Medien interessiert. Jetzt ist der kleine Raum im Erdgeschoss restlos überfüllt, TV-Kameraleute drängeln um die besten Stehplätze, Journalisten stehen bis vor die Tür.

Das politische Berlin entdeckt die Kurden und ihre Anliegen – das zumindest haben die fünf Kidnapper der kurdischen Guerilla schon erreicht, die aus dem Basislager des sagenumwobenen ostanatolischen Berges Ararat drei bayerische Bergsteiger verschleppten.
Eine offiziell angekündigte Pressekonferenz zu einer Entführung, das gab es in Berlin Mitte noch nie – zumal sich viele der Anwesenden schon nach wenigen Minuten fragen konnten, wo sie da eigentlich gelandet waren. Gleich zu Beginn ergriff eine ausgesprochen resolute Kurden-Vertreterin das Wort: Nulifer Koc, Sprecherin des Kurdischen National Kongresses (KNK), eigens aus Brüssel angereist.
Sie betonte zwar, ihre Organisation bemühe sich um die bedingungslose Freilassung der drei deutschen Bergsteiger – und beteuerte, man versuche über Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz einen Weg dafür zu finden.

Doch schon bald fiel die Enddreißigerin in die Rhetorik der PKK, jener kurdischen Unabhängigkeitsbewegung, die vom Bundesinnenministerium 1993 mit einem vereinsrechtlichen Betätigungsverbot belegt wurde.
Nulifer Koc rechtfertigte den bewaffneten Einsatz der „Volksbefreiungskämpfer“ in den Bergen, sprach statt von „Geiselhaft“ von Gewahrsamnahme, deutete Kontakte zu den Kidnappern an und gab sich hochkonspirativ: Eine aktuelle Handy-Nummer für Nachfragen habe sie nicht, sie wechsle ständig die Geräte.
Ihre Positionen glichen den wenigen Verlautbarungen der Geiselnehmer aufs Haar: Die Volkskongress-Vertreterin, die selbst aus der Ararat-Region stammt und in Bremen studiert hat, geißelte die „eindeutig antikurdische Haltung der deutschen Politik“ und mochte die Entführer nicht als Verbrecher bezeichnen.

So weit wollte der eigentliche Veranstalter, die Dachorganisation der kurdischen Vereine in Deutschland, Yek-Kom, dann offenkundig nicht gehen. Ihre Vizevorsitzender Mehmet Demir kritisierte zwar die „Kriminalisierung der Kurden in Deutschland“; zu Solidaritätsadressen an die Kämpfer in den Bergen ließ er sich indes nicht hinreißen.

Die kuriose Veranstaltung mitten im Berliner Regierungsviertel zeigte wie im Brennglas die Probleme, welche die Kommandoaktion einer lokalen Guerillatruppe am Ararat für die riesige Exilgemeinde von mehr als 500000 Kurdischstämmigen in Deutschland geschaffen hat. Einerseits hegen viele offen Sympathien für die Freischärler und genießen das frisch erweckte Interesse an dem seit Jahrzehnten tobenden Kampf des kurdischen Volkes nach mehr Autonomie. Andererseits fürchten nicht wenige, dass sich ihre Situation nach einer Reihe von Repressalien, wie zuletzt der Schließung des Kurden-Senders Roj-TV in Deutschland, nun weiter verschärfen wird – ganz egal, wie und wann die Geiselnahme ausgehen wird (siehe Seite17).

Einer, der die Seelenlage der in Deutschland lebenden Kurden und ihre Haltung zur Aktion der Guerillakämpfer besonders gut kennt, ist Mahmut Seven. Der 44-Jährige sietzt in einem nüchternen weißen Flachbau im Gewerbegebiet von Neu-Isenburg und spricht offen über den Zwiespalt, den viele Kurden in diesen Tagen empfinden; über die Melange aus klammheimlicher Freude und der Furcht vor unabsehbaren Folgen. „Die Entführung hätte nicht passieren dürfen“, sagt er. „Aber keiner kann abstreiten, dass das Ganze ordentlich viel Aufmerksamkeit eingebracht hat“.
Mahmut Seven ist Geschäftsführer der einzigen kurdischen Tageszeitung „Yeni Özgür Politika“. Sie erscheint in einer Auflage von 15000, aber sie hat in den kurdischen Teestuben der Republik ein Vielfaches an Lesern. 20 Journalisten arbeiten festangestellt, die Zahl der Ehrenamtlichen weiß nicht mal Seven genau.
Die Ausrichtung des Blattes ist klar: Sie entspricht der Linie der verbotenen Arbeiterpartei PKK und ihrem Oberhaupt Abdullah Öcalan.
Texte, die Öcalan aus seiner Haft auf der Gefängnisinsel Imrali schreibt, druckt die Zeitung im Wortlaut ab. Seven macht daraus keinen Hehl. „ Die Kurden haben der Organisation unglaublich viel zu verdanken“, sagt er. „Sie hat uns unseren Stolz und unsere Identität zurückgegeben.“
Schadenfreude über die Entführung finde er aber kaum in den Dutzenden Leserbriefen, die in diesen Tagen bei ihm eintreffen, behauptet er – eher schon Schimpftiraden auf die Bundesregierung.

Tatsächlich hat sich nicht nur bei den PKK-nahen Kurden hierzulande einiges aufgestaut – das Betätigungsverbot für ihren einzigen TV-Kanal Roj-TV und der Produktionsfirma Viko in Wuppertal seit Juni ist nur ein Indiz für eine verschärfte Gangart deutscher Sicherheitsbehörden, die etwa der Yek-Kom-Vorstandsvorsitzende Demir schon seit längerem registriert.
Dazu gehören zuletzt Razzien in kurdischen Vereinen wie in Hannover, Kassel, Bremen, Koblenz und Berlin, dazu gehören aber auch immer neue, durch die Bundesanwaltschaft veranlasste Festnahmen von PKK-Kadern und eine ganze Welle von Asyl-Widerrufsverfahren, die mit politischen Reformen in der Türkei begründet werden. Ein Argument, das selbst gemäßigte Kurden provoziert.
Es gibt kaum eine kurdische Familie in Deutschland, die in Anatolien keine Verwandten oder Bekannten hat, die im Kampf für die Sache und gegen das türkische Militär nicht zumindest verhaftet, verwundet oder misshandelt wurden.
Nach wie vor sind in der Türkei etwa die im Kurdischen gebräuchlichen Buchstaben „Q“, „W“ und „X“ verboten. Kurdische Politiker werden immer wieder vor Gericht gestellt und verurteilt, weil sie die Buchstaben in offiziellen Schreiben verwenden. Selbst die Anrede „Herr“ in Verbindung mit Öcalan ist verboten.
Vorige Woche gehörte zu den Topthemen in den kurdischen Medien, die Türken hätten Öcalan im Gefängnis kahlgeschoren. „Das war Folter“, ereifern sich Gäste des PKK-nahen Hamburger „Vereinshauses Kurdistan“. Einige haben sich aus Protest ebenfalls den Kopf rasiert. „Für Öcalan würde ich mein Leben geben“, sagt S. O.; er ist 22 Jahre alt.
„Als Deutscher kann man nicht verstehen, wie schlimm es ist, wenn man kein Recht auf seine eigene Identiät hat“, erklärt S. K., der seit eineinhalb Jahren eine kurdische Teestube nahe des Hamburger Hauptbahnhofs betreibt. Vier Kurden sitzen dort um einen Tisch und spielen Batak, ein türkisches Kartenspiel. Auf die Frage, wer von ihnen mit der PKK sympathisiere – großes Gelächter. „Wir alle mögen die PKK, auch wenn wir keine aktiven Mitglieder sind“, sagt K., der wie so viele als politischer Flüchtling nach Deutschland kam. „In fast jeder kurdischen Familie gibt es einen Guerillero.“
K. zieht ein zerknittertes Foto aus seinem Portemonnaie. „Hier, mein Cousin. Der lebt noch. Er ist bei den PKK-Truppen im Nordirak.“

Es gibt aber auch eine andere kurdische Sicht der Dinge, und in Hamburg ist sie nur ein paar S-Bahn-Stationen weiter zu finden, in Altona: E. K. ist im Vorstand des kurdischen Verbands Komkar, dem sich deutschlandweit 35 Vereine angeschlossen haben. Wie die PKK wünscht K. sich ein autonomes Kurden-Gebiet in der Türkei; aber sein Verein will dieses Ziel friedlich erreichen. „Es ist ein Wahnsinn, wie viele Leute in diesem Krieg schon ihr Leben gelassen haben“, sagte er. Auch er kannte einige davon.
Die Entführung der Deutschen verurteilt K. scharf: „Damit erreicht keiner etwas, im Gegenteil, das schadet nur dem Image der Kurden.“ Diese Befürchtung teilen viele Intellektuelle: „Die Aktion wirft ein sehr schlechtes Licht auf das kurdische Volk und schadet der Befreiungsbewegung“, sagt etwa Zaradachet Hajo, Präsident des kurdischen Pen-Zentrums.

Die deutsche Regierung, davon sind Hajo und viele Kurden überzeugt, werde sich in dem scharfen Kurs ihrer Kurden-Politik jetzt noch bestärkt sehen. Sogar die KNK-Sprecherin Nulifer Koc sah das so bei ihrem Auftritt in Berlin. Auf die Frage, ob die Aktion am Ararat der Sache der Kurden diene, hatte sie eine klare Antwort: „Nein.“

Katrin Elger, Marcel Rosenbach


« Letzte Änderung: 26. Jul 2008, 01:08 von miran » Gespeichert
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« Antworten #54 am: 27. Jul 2008, 18:27 »

@ Qers

Der Artikel ist teilweise lesenswert, aber weist eine allgemein sehr verbreitet inhaltliche Schwäche auf. Es ist nicht möglich, laufende Prozesse, die man in den verschiedensten Varianten nur aus den Medien kennt, zu beurteilen. Denn diese Fehlerqulle führt schlicht und einfach fast immer zu Fehleinschätzungen. Genauso verhält es sich mit dem spekulativen Verzahnen von den unterschiedlichsten Ereignissen. Das ist der perfekte Nährboden für Verschwörungstheorien, auf die man verzichten sollte, wenn man Wert auf einen einigermassen klaren Blick legt.
Ansonsten find ich es sehr schade, dass diese Diskussion sehr schnell wieder in der Versenkung versinken wird

Weil den Bergsteigern ist ja nichts passiert, also Schnee von gestern???
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