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Autor Thema: Zypern-Konflikt  (Gelesen 2174 mal)
aram | Beiträge: 1046
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« am: 16. Apr 2006, 14:00 »

 
 

Zypern Konflikt


Unlängst waren wir alle Zeugen der Außagen eines ehrenwerter türkischer User dieser Seite, im Bezug auf Zypern und den, angeblich, nur paar Hundert eingewanderten Türken in Nordzypern.

Ich habe etwas recherchiert, die daraus resultierenden Daten, stimmen mit den angaben des angesprochenen Users kaum überein.



Zitat

Wem gehört Zypern? - Die Konfliktparteien vor 1950
Im Jahr 1998 lebten nach Angaben der griechisch – zypriotischen Regierung 640,000 Angehörige dieser Volksgruppe im Südteil der Insel, 88,000 Türkenzyprioten im Norden. (Quelle: Department of Statistics and Research) Die Türkenzyprioten sprechen von 200,000 Menschen im Norden, von denen 107,000 Türkenzyprioten, der Rest zugewanderte Türken sind. (Quelle: Cyprus Diary 2000) Diese unterschiedlichen Angaben über die Bevölkerung der Insel je nach Quelle, machen bereits deutlich, dass Zahlen und Prozentangaben im Zypernkonflikt eine wichtige Rolle spielen und die zahlenmäßige Größe der Volksgruppen als Argument benutzt wird, wenn es um die alles entscheidende Frage geht: Wem gehört Zypern?



Deshalb dieser Thread, um eine Diskussion fortzuführen, die bereits in einem anderen Thread gesponnen wurde.



http://www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=88&hilite=zypern#header4

[Editiert am 16/4/2006 von aram]
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reinhard | Beiträge: 96
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« Antworten #1 am: 16. Apr 2006, 14:25 »

Ich denke, mit einer nationalistischen Betrachtungsweise lässt sich der Konflikt nicht lösen. Bei den letzten Wahlen in Nord-Zypern ist die nationalistische Regierung (knapp) abgewählt worden, und zwei Drittel der Menschen haben dem UNO-Plan zur Wiedervereinigung der Insel zugestimmt. Inzwischen ist Zypern EU-Mitglied, die Zyprioten haben Reisefreiheit und dürfen arbeiten. Dazu brauchen sie einen Pass der (zyprisch-griechischen) Regierung aus Nikosia. Ungefähr 80 Prozent der zyprisch-türkischen EinwohnerInnen haben inzwischen diesen griechischen Pass - sind es nun griechische Einwohner der Insel geworden?

Wichtig ist ein Frieden, dem die Menschen trauen. Dann ist ein Abzug der griechischen und türkischen Truppen kein Problem mehr.
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webmaster | Beiträge: 2034
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« Antworten #2 am: 17. Apr 2006, 16:44 »

Zitat
Ungefähr 80 Prozent der zyprisch-türkischen EinwohnerInnen haben inzwischen diesen griechischen Pass - sind es nun griechische Einwohner der Insel geworden?
wenn das so ist, dann frage ich mich aber, warum die sich nicht gleich offiziell vereinigen? ... der uno-plan letztens ist gescheitert, weil die zugeständnisse seitens der türkei nicht weitreichend gewesen sein soll, was zum beispiel das rückkehrrecht der griechischen zyprioten betraf usw. wenn die jetzt aber alle einen griechisch-zypriotischen pass bekommen und somit "offiziell" diese staatsbürgerschaft annehmen, was ist dann der sinn eines nicht-vereinigungs? ja gut, dadurch wird nordzypern international nicht anerkannt, aber in der praxis bringt das wenig, weil dieses gebiet durch die türkei versorgt wird, was niemand verhindern kann.

Zitat
Wichtig ist ein Frieden, dem die Menschen trauen.
genau. das gilt aber auch allgemein, wenn man ernsthaft an frieden interessiert ist.
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aram | Beiträge: 1046
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« Antworten #3 am: 17. Apr 2006, 20:16 »


Einen Konflikt löst man nicht in dem Mann mit 40 000 Mann in ein Land einmaschiert, weil 10% der Bevölkerung Türken sind, und im anschluss an die Hundertausend Türken auf der Isel anzusiedeln, das Grenz an Kolonialismus!
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« Antworten #4 am: 04. Feb 2008, 00:45 »

Unmut über Schröder
von Gerd Höhler

Athen - Wenn Altbundeskanzler Gerhard Schröder heute Nachmittag auf dem Flughafen Ercan in Nordzypern eintrifft, kann er sich eines herzlichen Empfangs sicher sein. Für die türkischen Zyprer ist der Besuch des ehemaligen Regierungschefs ein ermutigendes Signal: Sie hoffen auf ein Ende der politischen und wirtschaftlichen Isolation des Inselnordens. Im griechischen Süden der Insel, der Republik Zypern, löst dagegen Schröders Besuch erheblichen Unmut aus: Man sieht die Visite als weiteren Schritt auf dem Weg zu einer schleichenden Anerkennung der „Türkischen Republik Nordzypern“ (KKTC), die 1983 im türkisch besetzten Teil der Insel ausgerufen wurde - ein Gebilde, von dem die griechischen Zyprer als „Pseudostaat“ sprechen.

Zwei Tage will Schröder in Nordzypern bleiben. Er trifft dort nicht nur Ferdi Sabit Soyer, den Regierungschef der bisher nur von Ankara anerkannten KKTC. Auf dem Programm stehen auch Treffen mit türkisch-zyprischen Wirtschaftsführern. Dabei gehe es um Sondierungen, wie man die wirtschaftliche Isolation des türkischen Teils der Insel überwinden könne, heißt es in Schröders Umgebung. Die Mittelmeerinsel ist geteilt, seit die Türkei 1974 Nordzypern besetzte, um eine drohende Annexion durch Griechenland zu verhindern und die auf der Insel lebenden ethnischen Türken vor befürchteter Vertreibung zu schützen. Der letzte Versuch einer Wiedervereinigung der Insel scheiterte im Frühjahr 2004, als die griechischen Zyprer einen von den türkischen Zyprern gebilligten Einigungsplan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan mit großer Mehrheit ablehnten. Kurz darauf trat das geteilte Zypern der Europäischen Union bei. Das EU-Recht gilt allerdings nur im griechischen Süden. Die EUKommission versprach den isolierten türkischen Zyprern schon 2004 Finanzhilfen, direkte Handels- und Reisemöglichkeiten. Davon könnte vor allem der Tourismus profitieren. Bisher können sie nur in die Türkei exportieren, und ausländische Urlauber müssen umständlich über Istanbul anreisen. Der versprochene Direkthandel scheitert aber bisher am erbitterten Widerstand der griechischen Zyprer.

Deren Präsident Tassos Papadopoulos gibt sich nun „sehr betrübt“: Schröders Besuch in Nordzypern sei eine „bedauerliche Entwicklung“. Tatsächlich steht Papadopoulos, der sich im Februar um eine weitere fünfjährige Amtsperiode bewirbt, vor einem politischen Scherbenhaufen. Mit seiner Kampagne gegen den Annan-Plan und der EmbargoPolitik gegenüber dem Inselnorden hat er nicht die türkischen Zyprer, sondern sich selbst isoliert. Noch nie bewegte sich in den Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern so wenig wie in der fünfjährigen Amtszeit von Papadopoulos. Immer häufiger reisen vor allem Diplomaten aus den USA und Großbritannien direkt nach Nordzypern. Die Zeit arbeitet für die türkischen Zyprer. Schröders Besuch ist nicht das erste und sicher nicht das letzte Signal dafür.

Auch im Inselsüden beginnen einige zu begreifen, dass die Entwicklung auf eine „Taiwanisierung“ Nordzyperns hinausläuft, eine De-facto-Anerkennung.

http://www.ksta.de/html/artikel/1201184419397.shtml



Wer hat ihn dafür bezahlt?

Tilman Zülch (GfbV) über Schröder, als er für den Friedensnobelpreis nominiert werden sollte:
"Im Gegensatz zu Günter Grass, der im Jahr 2000 die Courage gehabt hat, vor dem Pen-Club in Moskau den Völkermord in Tschetschenien öffentlich zu verurteilen und von Wladimir Putin ein Ende des Krieges zu fordern, hat Bundeskanzler Gerhard Schröder von Verfolgung und Vernichtung bedrohte kleine Völker im Stich gelassen. Schröder hat sich zum Anwalt des totalitär regierten Chinas gemacht, das das kleine demokratische Taiwan mit Krieg bedroht und die Tibeter unterdrückt und verfolgt. Er will die Aufhebung des Waffenembargos der EU gegen die Volksrepublik durchsetzen, obwohl sich das Europaparlament und der Bundestag in seiner großen Mehrheit dagegen ausgesprochen haben. Schröder hat Putin als "lupenreinen Demokraten" bezeichnet und betont seine persönliche Freundschaft zu dem russischen Staatspräsidenten, statt von ihm ein Ende der schweren Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien zu fordern. Das hat auch Altkanzler Helmut Kohl nicht getan, der den Vernichtungsfeldzug seines Duz-Freundes Boris Jelzin in Tschetschenien schweigend hingenommen hat. Schröder entsandte auch noch den Chef des BND August Hanning in das total zerbombte Grosny, um die russische Terrorismusbekämpfung zu unterstützen. Inzwischen hat der Völkermord in Tschetschenien schon bis zu 200.000 Opfer gefordert.
Wir meinen, dass nur Persönlichkeiten für den Friedensnobelpreis nominiert werden dürfen, die auch wirklich konsequent für den Frieden eingetreten sind und nicht Regime unterstützt haben, die für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind."

http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=252&stayInsideTree=1&PHPSESSID=cb209b3f43e114d499d2bf6883a2ca32

Schröder setzte sich unter anderem auch für die Freilassung Amir al-Saadis aus amerik. Haft ein, der nicht ganz unschuldig bezüglich der Giftgasangriffe auf die Kurden war!
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Ciwanro Kani | Beiträge:
Ciwanro Kani
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« Antworten #5 am: 04. Feb 2008, 01:23 »


Die türkische Besatzung Zyperns ist eine Fortführung türkischer Unterwanderungs-Politik. Türken dürfen sich nicht weiter verbreiten, genauso wenig wie die Pest.

Gerhard Schröder war Innen- sowie Aussenpolitisch eine tragische Figur. Durch seinen Neoliberalen Kurs hat er erst recht der (PDS) Linken den Weg in den Bundestag geöffnet, die sich bislang mit den Kurden solidarisieren. Aus dieser Sicht, war Schröders Politik, indirekt zu Gunsten der Kurden. : -)

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« Antworten #6 am: 09. Feb 2008, 12:49 »

Ein etwas älterer (1998), jedoch interessanter Artikel, der wenig an Aktualität eingebüßt hat:

Die Türkei beugt das Völkerrecht. Nur wer es achtet, gehört in die Europäische Union

Testfall Zypern

Niels Kadritzke

Vor ein paar Tagen haben in Brüssel die Verhandlungen mit sechs EU-Beitrittskandidaten begonnen. Zu ihnen gehört auch Zypern. Die Inselrepublik ist bekanntlich geteilt. Die Regierung von Präsident Glavkos Clerides kann faktisch nur für den griechisch-zypriotischen Süden verhandeln. Sie hat die türkischen Zyprioten zwar aufgefordert, sich an den Verhandlungen mit der EU zu beteiligen. Aber Rauf Denktasch, der sich Präsident der Türkischen Republik Nordzypern nennt, hat abgelehnt. Und der türkische Außenminister Ismail Cem behauptet sogar, die Aufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen habe die Kriegsgefahr in Zypern erhöht.

Das wirft zwei Fragen auf. Erstens: Warum machen die türkischen Zyprioten nicht mit? Haben sie kein Interesse, zusammen mit den griechischen Zyprioten in die Europäische Union hineinzukommen? Zweitens: Wie erklärt sich die Haltung Ankaras? Wäre der Beitritt der türkischen Zyprioten für die eigenen EU-Perspektiven nicht eher förderlich als schädlich?

Die meisten türkischen Zyprioten wollen unbedingt der EU beitreten. Aber sie dürfen es nicht, weil ihr Führer Denktasch und Ankara es nicht wollen. Denktasch hat immer darauf bestanden, daß Zypern nur gleichzeitig mit der Türkei in die EU eintreten kann. In einem Rechtsgutachten wollte er sogar beweisen, daß Zypern nicht einmal einen Beitrittsantrag stellen dürfe, weil die Verfassung der Republik dies verbiete. Tatsächlich untersagt die Verfassung eine "Union" mit einem anderen Staat, also vor allem der Türkei und Griechenland. Sie untersagt aber keineswegs den Beitritt zu einer internationalen Gemeinschaft wie der Europäischen Union.

Das Verhalten von Denktasch ist dennoch logisch und konsequent. Seit Ende der fünfziger Jahre repräsentiert er die nationalen Interessen der Türkei auf Zypern, die sich freilich von den Interessen der türkischen Zyprioten unterscheiden. Die Verfassung von 1960 war für Denktasch nur eine Etappe zu seinem politischen Ziel: taksim, was zu deutsch Teilung bedeutet. Dabei spielten ihm die griechisch-zypriotischen Nationalisten in die Hände, die bis 1967 noch den Anschluß an Griechenland wollten. Doch ging nur der Traum von Denktasch in Erfüllung: Der Putsch der Athener Junta im Juli 1974 ebnete den Weg für die türkische Invasion, durch den militärischen Angriff sollte Zypern geteilt werden. Heute ist die Teilung Zyperns für Denktasch Lebenselixier, genauso wie der EU-Beitritt der türkischen Zyprioten sein politisches Ende wäre.

Warum kann sich Denktasch durchsetzen, obwohl es unter den türkischen Zyprioten eine klare Mehrheit für den EU-Beitritt gibt? Warum, obwohl alle Gewerkschaften im Norden die EU-Mitgliedschaft beider Teile Zyperns befürworten? Antworten ergeben sich aus zwei Tatsachen, die in der aktuellen Diskussion um eine Zypernlösung kaum zur Kenntnis genommen werden: Einerseits wurden die türkischen Zyprioten im Norden durch Siedler vom türkischen Festland majorisiert. Seit 1974 haben rund 40 000 von insgesamt 115 000 türkischen Zyprioten die Insel verlassen. Die meisten wanderten in Richtung England aus, wo heute schon mehr türkische Zyprioten leben als auf Zypern. Laut Volkszählung vom Februar 1998 wohnen im Norden der Insel 160 000 Einwohner; rechnerisch ergibt sich ein Zuzug von 85 000 Kolonisten. Andererseits ist Zyperns nördlicher Teil realpolitisch gesehen ein Protektorat der Türkei. Nicht nur aufgrund der massiven Präsenz ihrer Armee: auch, weil sie Polizei, Geheimdienst und die wichtigsten Kommunikationsmittel kontrolliert. Und weil die politischen Entscheidungen in der türkischen Botschaft fallen. Die findet nichts dabei, eigenhändig die "Staatsbürgerschaft" für das Denktasch-Reich zu erteilen.

Diese Machtverhältnisse wurden spätestens Anfang April 1998 auch offiziell bestätigt. Als Reaktion auf die Brüsseler Eröffnungsrunde der Beitrittsverhandlungen haben die Türkei und Nordzypern einen "Integrationsrat" gegründet. Er soll das Protektorat auch rechtlich noch enger an das Mutterland binden. Um was es geht, hat der türkische Staatsminister Gürel offen ausgesprochen: "Von jetzt ab betrachten wir die Türkische Republik Nordzypern als einen Teil von uns."

Mit diesen Äußerungen ist die Haltung von Denktasch allerdings auf peinliche Weise entblößt. Derselbe Mann, der von der EU die Anerkennung Nordzyperns als unabhängigen Staat fordert, betreibt den Anschluß seines angeblich selbständigen Staates an die Türkei. Dabei wissen alle Beteiligten, daß das Völkerrecht die Annexion eines Gebietes als Ergebnis militärischer Eroberung ausdrücklich verbietet. Was schließlich die Frage nach der Haltung der Türkei aufwirft.

Die politische Klasse in Ankara beteuert ständig, sie wolle den langen Marsch in die EU antreten. Die EU weist immer darauf hin, daß Europa auch eine Wertgemeinschaft sei. Die ist zwar nicht an eine Religion gebunden, umfaßt aber gewisse Standards, was die politische Kultur betrifft. Die Türkei wird daher auf offensichtliche Defizite hingewiesen, etwa auf die Menschenrechte oder die Rechte von Minderheiten wie jene der Kurden. Diese kleine Liste wäre um einen entschiedenen Punkt zu erweitern: Im Fall Zypern zeigt sich, daß Ankara ein gebrochenes Verhältnis zum Völkerrecht hat.

Wenn das Völkerrecht deckungsgleich mit den Interessen der Türkei ist, wird es in Anspruch genommen. Wenn es den Interessen der Türkei im Wege steht, wird es bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls gebeugt. Recht ist, was machtpolitisch durchsetzbar ist.

Das läßt sich nicht nur am Fall Zypern belegen, wo die Türkei dabei ist, das völkerrechtliche Annexionsgesetz zu verletzen. Ebenso deutlich wird es im Verhältnis zu Griechenland, das komplexe Problem der Ägäis eingeschlossen. Hier versucht Ankara, alte Forderungen zu realisieren, die es in den Seerechtskonferenzen, die zur neuen Konvention von 1982 führten, nicht durchsetzen konnte. Deshalb hat die Türkei die Konvention auch nicht unterzeichnet. Dennoch ist sie daran gebunden. Und trotzdem will sie im Ägäiskonflikt zum Beispiel ihre unhaltbaren Vorstellungen über die Abgrenzung des untermeerischen Festlandsockels in bilateralen Verhandlungen mit Griechenland durchdrücken. Damit ist Athen nicht einverstanden. Und wenn die Griechen das strittige Problem durch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag klären lassen wollen, macht Ankara nicht mit. Man hofft eben, durch Druck und Verhandlungen mehr herauszuschlagen, als ein Schiedsspruch hergeben würde.

Schon Ankaras Drohung mit Krieg verletzt das Völkerrecht


Noch krasser ist das Verhalten der Türkei im Fall der Territorialgewässer. Hier hat Griechenland den theoretischen Anspruch auf eine Zwölfmeilenzone. Zwar will in Athen kein Politiker, der nicht von Sinnen ist, die heutige Sechsmeilenzone ausdehnen. Dennoch droht die Türkei sogar mit Krieg. So hat das türkische Parlament 1995 beschlossen, die Regierung zu militärischem Vorgehen zu ermächtigen, falls Griechenland sein Zwölfmeilenrecht wahrnehmen sollte. Zwar wurde die Gewaltdrohung im griechisch-türkischen Protokoll von Madrid Ende 1997 zurückgenommen, aber der Parlamentsbeschluß steht immer noch als Drohung im Raum. Daß allein die Drohung mit Krieg eine Verletzung des Völkerrechts ist, scheint in Ankara niemanden zu stören.

Das zeigt sich neuerdings auch im Fall Zypern. Wenn die griechischen Zyprioten Raketen kaufen, wird verkündet, man werde ihre Installierung verhindern, zur Not auch mit militärischen Mitteln. Man mag die Aufstellung von Raketen im Süden Zyperns für kurzsichtig und kontraproduktiv halten ihre Anschaffung verstößt nicht gegen das Völkerrecht. Völkerrechtswidrig aber ist die türkische Drohung, mit einem Militärschlag zu parieren. Das zeigt, wie gründlich die jahrzehntelange Dominanz des türkischen Militärs das Denken der zivilen Eliten militarisiert hat.

Die Kräfte in der Türkei, die sich wirklich nach Europa orientieren, sollten diesen Mangel an politischer Kultur wettmachen helfen. Nicht der Europäischen Union zuliebe. Auch nicht, weil die Beitrittsagenda eine zivile Demokratie und strikten Respekt vor dem Völkerrecht vorsieht. Sondern weil die Zivilisierung der politischen Kultur vor allem den eigenen Bürgern zugute kommt.

Europa aber müßte der Türkei gegenüber klarstellen, daß Zypern ein Testfall ist. Ein EU-Beitritt von ganz Zypern - in Gestalt einer bizonalen Föderation mit einem hohen Grad von Autonomie für beide Teile - würde nicht nur den türkischen Zyprioten nützen. Es brächte auch die Türkei auf dem langen Marsch nach Europa ein bedeutendes Stück voran.

Diese Überlegung gilt freilich nur, wenn eine Europaperspektive tatsächlich geboten wird. Es war sicher richtig, der Türkei die Beitrittsbedingungen möglichst klar und ehrlich vor Augen zu führen, wie es in Luxemburg geschehen ist. Aber der Anreiz für Ankara, sich um die Erfüllung der Bedingungen selbst zu kümmern, ist nur wirksam, wenn hinter den Bedingungen eine verbindliche Perspektive zum Beitritt steht. Diese Zusage hat in Luxemburg niemand gegeben. Das war ein großer Fehler, dessen Kosten am Ende vielleicht die Zyprioten bezahlen müssen - die türkischen wie die griechischen.

(c) DIE ZEIT 1998


http://zeus.zeit.de/text/1998/17/zypern.txt.19980416.xml



Die politische Lage hat sich verändert, da nun auch Zypern eine offene ablehnende Haltung, die teilweise nicht nachvollziehbar ist, gegenüber dem von der Türkei besetzten Teil zeigt!
Als die Türkei einst zum Schutz der Türken vor der diktatorischen Junta einschritt, mag sie rechtmäßig gehandelt haben, jedoch nicht mit der anschließenden Besetzung Nordzyperns. "Nordzypern" hat sich zum neuen Spielzeug türkischer Nationalisten entwickelt!
Mit der Begründung als Schutzmacht nimmt sich die Türkei das Recht nach Belieben zu intervenieren, obwohl eigenstaatliche Interessen den Vorrang haben, wie die Drohungen Richtung Südkurdistan bezüglich der Turkmenen auch zeigen!
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« Antworten #7 am: 17. Feb 2008, 21:42 »

Europa | 17.02.2008
Zypern wählt den Wechsel




Der griechische Teil Zyperns hat sich bei der Präsidentenwahl für einen politischen Wechsel entschieden - und den als Hardliner geltenden Amtsinhaber Tassos Papadopoulos abgewählt.


Präsident Tassos Papadopoulos kommt nicht in die Stichwahl am nächsten Sonntag. Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen landete Papadopoulos nur auf Platz drei mit 31,77 Prozent. Vor ihm lagen der konservative frühere Außenminister Ioannis Kassoulidis mit rund 33,64 Prozent und der linke Parlamentspräsident Dimitris Christofias mit 33,50 Prozent, die jetzt in eine Stichwahl gehen müssen. Um den Sieger zu ermitteln, müsste auch die letzte Stimme ausgezählt werden, berichtete das staatliche zyprische Fernsehen weiter. Dies sei jedoch am 24. Februar unbedeutend. Die rund 500.000 Wahlberechtigten haben mit der Wahl vom Sonntag (17.2.2008) Politiker gestärkt, die sich für eine Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel einsetzen.

"Dramatische Abwahl"



Anhänger von Kassoulidis und Christofias versammelten sich vor den Wahlzentralen der beiden Kandidaten und feierten unter anderem mit Autokorsos, wie das Fernsehen zeigte. Analytiker sprachen bereits von einer "dramatischen Abwahl" des amtierenden Präsidenten Papadopoulos.
Der Hardliner hatte sich 2004 einem UN-Plan zur Überwindung der Teilung der Insel widersetzt. Daraufhin lehnten mehr als zwei Drittel der griechischen Zyprer den Plan in einem Referendum ab und die Insel blieb geteilt.

Richtungswahl zur Wiedervereinigung

Die Wahl des Präsidenten im griechisch-zyprischen Teil der Republik Zypern galt als richtungsweisend angesichts eines möglichen neuen Anlaufs der Vereinten Nationen zur Überwindung der Teilung der seit 2004 zur EU gehörenden drittgrößten Mittelmeerinsel. Kassoulidis gilt als Befürworter des vor vier Jahren abgelehnten UN-Plans. Auch Christofias strebt ein baldmögliche Wiedervereinigung an.

Zypern ist seit 1974 geteilt. Im Norden gibt es die abtrünnige, von türkischen Truppen besetzte und nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Im Süden liegt die international anerkannte, überwiegend von griechischen Zyprern bewohnte Republik Zypern. (sams)


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« Antworten #8 am: 12. Dez 2008, 16:28 »

Früherer Präsident Papadopoulos gestorben

Zitat
Zeit seines Lebens sperrte sich Tassos Papadopoulos gegen jede Bemühung, die geteilte Mittelmeerinsel Zypern wieder zu vereinigen. Am Freitag starb der ehemalige zyprische Präsident im Alter von 74 Jahren.

Nikosia -  Der frühere zyprische Präsident Tassos Papadopoulos ist am Freitag in einer Klinik in Nikosia gestorben. Das teilte der nationale Hörfunk mit. Papadopoulos galt als Vertreter des harten Flügels des griechisch-zyprischen Nationalismus. Bei der Präsidentschaftswahl im Februar hatte er für eine zweite Amtszeit kandidiert, war jedoch in der ersten Runde ausgeschieden. Sein Nachfolger im Präsidentschaftsamt wurde der Linkspolitiker Demetris Christofias, der Papadopoulos eine zu unnachgiebige Haltung im Konflikt mit der Türkei über die Zypernfrage vorwarf.

Der Hardliner Papadopoulos hatte sich 2004 gegen einen von der Uno vorgelegten und von den türkischen Zyprern akzeptierten Wiedervereinigungsplan der geteilten Mittelmeerinsel Zypern ausgesprochen. Er verwies unter anderem auf den geplanten Verbleib türkischer Soldaten im Norden Zyperns und die mangelnden Sicherheitsgarantien seitens der Türkei.

Zyprer stimmten gegen eine Wiedervereinigung

Bei einem Referendum im April 2004 hatten gut drei Viertel der Zyperngriechen gegen den Plan des damaligen UN-Generalssekretärs Kofi Annan gestimmt. Dafür votierten dagegen knapp zwei Drittel der Inseltürken. Sie erhofften sich von der Wiedervereinigung und dem im Mai 2004 erfolgten Beitritt Zyperns zur Europäischen Union eine bessere Zukunft für den im Vergleich zum Südteil der Insel wirtschaftlich rückständigen Norden. Erst nach der überraschenden Abwahl von Papadopoulos kamen die Gespräche wieder in Gang

Papadopoulos starb im Alter von 74 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs. Der schwere Raucher gehörte der Mitte-Rechtsgruppierung Demokratische Partei (Diko) an. Papadopoulos wurde am 7. Januar 1934 in Nikosia geboren. Er studierte Jura in England und beteiligte sich später aktiv am zyprischen Unabhängigkeitskampf gegen die britische Kolonialmacht zwischen 1955 und 1959. Nach der Unabhängigkeit der Mittelmeerinsel im Jahr 1960 war er zwölf Jahre lang engster Mitarbeiter des langjährigen Präsidenten, Erzbischof Makarios. Zwischen 1960 und 1972 hatte der Vater von vier Kindern mehrere Ministerposten inne, darunter die für Inneres, Wirtschaft oder Gesundheit.

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« Antworten #9 am: 09. Feb 2009, 13:57 »

Der türkische Geheimdienst (MIT) ist der Drahtzieher des Bombenanschlags auf das Geburtshaus des türkischen Führers Atatürk im griechischen Thessaloniki!

...bestätigte nun auch Orhan Bilgit in einem Interview mit Sanem Altan auf 'Pazar-Vatan' ( 08.02.2009 ).

Was passierte damals?

Zitat
Ein türkischer Geheimdienstmann hatte im Geburtshaus des Republikgründers Atatürk im griechischen Thessaloniki eine Bombe gelegt, um einen passenden Anlass zu schaffen. Nationalistische Medien schrien die Nachricht vom Anschlag am 6. September 1955 heraus, um die Leute zu mobilisieren. Jetzt lief alles wie von selbst. Am Abend desselben Tages informierte der Istanbuler Polizeichef den Premier und den türkischen Präsidenten über die Zerstörungen. Zuversichtlich bestiegen die beiden türkischen Führer um viertel nach acht den Zug nach Ankara. [...]

Orhan Bilgit ernennt die türkische Tageszeitung Hürriyet zum Frontmann jener nationalistischen Medien.

Wer ist Orhan Bilgit?

Er war der 2. Vorsitzende des Vereins "Zypern ist türkisch!" ("Kibris Türktür"), welcher für die Ausschreitungen am 6.-7. September verantwortlich war. Orhan Bilgit war auch mit Erol Simavi, dem ehemaligen Chef der Hürriyet, befreundet. Vor allem organisierte er die Studentenrevolte am 28. April 1960 und ist bereit zu sagen: "Ja, ich war es und gestehe es", denn solche Menschen, die sich ihrer Vergangenheit stellen, entbehrt die türkische Gesellschaft!

Das Pogrom von Istanbul

Nach der Hetze durch nationalistische türkische Medien, gab es gewalttätige Ausschreitungen gegen die christliche, aber vor allem die griechische Minderheit in Istanbul und weiteren türkischen Städten in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1955.

Nach türkischen Medien kamen dabei 11 Menschen ums Leben, während andere Untersuchungen auch von 15 Toten ausgehen.

Der Zeitpunkt des Attentats war bewusst gewählt worden, um die Londoner Konferenz über den Zypernkonflikt, die seit dem 29. August 1955 tagte und noch nicht abgeschlossen war, zu beeinflussen.

[mehr]

Heikler Jahrestag für Ankara
Antigriechischer Pogrom wird neu aufgearbeitet

Thomas Seibert, Istanbul - 07.09.2005 - tagesspiegel

Zitat
Mit Knüppeln und Eisenstangen zog der Mob über die Prachtstraße Istiklal Caddesi im Herzen Istanbuls. Türkische Extremisten zerstörten am 6. und 7. September 1955 Schaufenster und Geschäfte, warfen Autos um und verprügelten Griechen und andere Angehörige nicht muslimischer Minderheiten. Menschen wurden getötet und vergewaltigt, Häuser und Kirchen geplündert. Die Polizei ließ die Angreifer gewähren.

Nun beginnt zum 50. Jahrestag des Pogroms ein neuer Versuch, die „türkische Kristallnacht“ aufzuarbeiten. Wie die Pogromnacht der Nazis im November 1938 galt die Istanbuler Gewaltwelle erst als spontaner Wutausbruch, entpuppte sich dann aber als sorgfältig vorbereitete Aktion. Auslöser war das Gerücht, griechische Extremisten hätten das Geburtshaus von Staatsgründer Atatürk im nordgriechischen Thessaloniki angegriffen. Daraufhin formierten sich in Istanbul die Schläger. Neuen Erkenntnissen zufolge hatten sich die Anführer der Extremisten vorher bereits von der Verwaltung Adressen von Häusern und Arbeitsplätzen der Christen besorgt. In einigen Fällen wurden Häuser mit der Aufschrift „Kein Türke“ gekennzeichnet. Es gab elf Tote und bis zu 600 Verletzte, rund 5300 Häuser, Kirchen und Geschäfte wurden angegriffen. Unter den Zerstörungen litten vor allem Griechen, aber auch Armenier und Juden. Zehntausende Griechen und Armenier wanderten nach dem Pogrom aus. Heute leben nur noch etwa 3000 Griechen in Istanbul.

Nach wie vor ungeklärt ist, wie weit der türkische Staat in den Pogrom verwickelt war. Bisher wurde die Schuld allein bei der islamistisch angehauchten Regierung des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes gesehen. Doch einigen Berichten zufolge fuhren Teile der Schlägertrupps in jener Septembernacht mit Lastwagen der Armee von Plünderung zu Plünderung. Ein Polizist soll damals gesagt haben: „Heute bin ich kein Polizist, sondern Türke.“

„Sehr wichtig und sehr gut“ sei es, dass die türkische Öffentlichkeit jetzt neu über die Ereignisse von 1955 diskutiere, sagt der Istanbuler Historiker Ahmet Insel. Obwohl der Pogrom in der Türkei kein Tabuthema ist, wie es die Armenier- Massaker des Ersten Weltkriegs lange waren, sind viele Fragen noch ungeklärt. Die großen türkischen Zeitungen haben zum 50. Jahrestag mit Artikelserien begonnen, in denen sie ihre Leser mit bitteren Wahrheiten konfrontieren. In der Zeitung „Vatan“ war am Dienstag von der „schlimmsten gesellschaftlichen Katastrophe der türkischen Geschichte“ die Rede.


Mehr über den türkischen Nationalismus um Atatürk: Und Atatürk ist ihr Prophet...
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