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Autor Thema: Wehrdienstwahnsinn der Türkei  (Gelesen 702 mal)
sekevir | Beiträge: 787
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« am: 25. Jul 2008, 13:58 »

Wehrdienstwahnsinn der Türkei



Der in der Türkei gepflegte Militarismus scheint keine Grenzen zu kennen. Vermeintliche Weisheiten wie „Her Türk asker doğar“ (Jeder Türke kommt als Soldat auf die Welt) werden der türkischen Gesellschaft nicht umsonst als Kodex diktiert. Mit dem Steigerungssuffix „Nicht mal ein Grab bewahrt einen Türken vor dem Soldatendienst“ machte nun der bekannte türkische Schauspieler Erol Günaydın Bekanntschaft.


Der türkische Schauspieler Erol Günaydın

Der inzwischen 75 Jahre alte Erol Günaydın, der der türkischen Gesellschaft aus vielen, unzähligen Komödien sowohl auf der Bühne, als auch auf den Bildschirmen  bestens bekannt ist, erhielt vor kurzem Post vom Militär. In dem Schreiben wurde ihm vorgeworfen, sich dem Wehrdienst entzogen zu haben.

Erol Günaydın setzte sich telefonisch mit der zuständigen Amtsstelle für Wehrdienst in Verbindung und teilte dort mit, dass er seinen Wehrdienst zwischen 1960 und 62 bereits als Reserveoffizier in Sivas und Ağrı abgeleistet habe. Er wurde aufgefordert dies Anhand von entsprechenden Dokumenten zu beweisen.

Sein folgendes, von ihm selbst wiedergegebenes Gespräch mit der Amtsstelle könnte ebenso gut auch aus einer seiner Komödien entnommen sein, mit denen Günaydın so populär wurde. Es ist diesmal aber bitterer Ernst.

Im Hinterkopf, den Beweis für einen nahezu 50 Jahre zurückliegenden Vorgang sehr schwer erbringen zu können, fragte Günaydın sicherheitshalber noch einmal nach:
“Ich bin 75 Jahre alt, was, wenn ich diese von Ihnen geforderten Dokumente nicht abliefere?“
„Wir haben vor kurzem Jemanden mit Geburtsjahr 1929 mit Hilfe ärztlicher Gutachten einberufen.“
„Falls ich schon verstorben wäre, würden Sie mich dann aus meinem Grab herausholen?“
Die Antwort der weiblichen Stimme am Telefon war ein sehr trockenes und bestimmendes:
„Ja“

Günaydın wird nun versuchen mit Fotos und mit Benennung von Zeugen, die Ableistung seines vor 50 Jahren zurückliegenden Wehrdienstes zu beweisen.

(Eigene freie Zusammenfassung auf Deutsch einer in der Online-Ausgabe der Tageszeitung Radikal erschienen Meldung vom 24. Juli 2008 mit dem Originaltitel „Mezara girsen askerden kaçamazsın!“)
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
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« Antworten #1 am: 25. Jul 2008, 20:32 »

Tja, keine Seltenheit in der Türkei:

Zitat
71-Jähriger musste Wehrdienst leisten

Die Türkei muss einem heute 79-jährigen Kurden 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil der Mann als 71-Jähriger zum Militärdienst gezwungen worden war. Die körperlich anstrengende Ausbildung und die daraus resultierende Erkrankung des Mannes seien mit menschenunwürdiger und erniedrigender Behandlung gleichzusetzen, befanden die Straßburger Richter in Straßburg.

erschienen am 5. März 2008 auf abenblatt.de
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« Antworten #2 am: 25. Jul 2008, 20:41 »

Was machen die Söhne so mancher Generäle, jener Kriegstreiber?

Die Verteidigung des Vaterlandes vom "Hotel Mama" aus

In den letzten 20 Jahren ist der Sohn nicht eines Generals bei Kampfeinsätzen gestorben; es gab auch keinen, der verletzt wurde. Dennoch gibt es tausende Jugendliche aus armen Familien, die aufgrund der verbindlichen Wehrpflicht gestorben sind und Tausende, die mit einer Behinderung leben müssen...“

Untaugliche Kinder!


Ahmet Burak Erdogan, der Sohn des Ministerpräsidenten der Türkei Recep Tayyip Erdogan musste aufgrund einer Bescheinigung über Untauglichkeit den Wehrdienst nicht antreten. Burak Erdogan wurde 2000 durch eine Bescheinigung des Kasımpaşa-Deniz-Krankenhauses für untauglich erklärt. Somit wurde Burak Erdogan durch den damaligen Oberarzt und Kommodore/Konteradmiral Vehpi Alman und dessen Unterschrift von der Wehrpflicht befreit. Die Bescheinigung bestätigte eine Untersuchung Erdogan Juniors auf Hodenkrebs, obwohl diesbezüglich keine Informationen vorliegen.

Das Wehrdienstabenteuer einer früheren Premierministerin der Türkei, Tansu Ciller, verlief noch grotesker:
Sohn Mert Ciller absolvierte seinen Wehrdienst gegenüber der Familien-Behausung! In der Türkei pflegen Politiker und Generäle ihren Kindern und Verwandten weniger gefährliche Orte zu verschreiben und ihnen einen angenehmen Wehrdienst anzubieten. Unsere Informationen bestätigen, dass die Söhne und Verwandte der Generäle oft entweder für untauglich befunden wurden oder unweit von zu Hause ihren Wehrdienst ableisten.

An von Kämpfen heimgesuchten Orten wie Şırnak, Şemdinli, Hakkari, Yüksekova, Siirt, Amed und Dersim wird nicht der Name auch nur eines Verwandten eines Generals gefunden werden können. Deren Namen findet man entweder in Ankara oder in anderen Städten westlich der Türkei mit ihren 5-Sterne-Hotels, obwohl gerade in diesen Tagen der Südosten einen besonderen Hauch (von militärischer Spannung) erhält.

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sekevir | Beiträge: 787
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« Antworten #3 am: 25. Jul 2008, 20:52 »

Danke Xemxwar,

dieser ältere KM-Beitrag über die Juniors von Erdogan, Ciller uns Co. war mir irgenwie noch in Erinnerung, und er paßt hier rein wie die Faust auf´s Auge.
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Ciwan | Beiträge: 301
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« Antworten #4 am: 25. Jul 2008, 23:09 »

Zu empfehlen ist hierzu auch das Buch von Nadire Meter mit über 40 Interviews von Ex-Soldaten und vielen Fakten über den schmutzigen Krieg. Inzwischen kann man es für ein paar Yoros erwerben.-
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« Antworten #5 am: 21. Jan 2009, 08:04 »

Meldung der Nachrichtenagentur ANF

Zweifelhafte Tode im Militär

Zitat
Nach Recherchen von ANF sind in den ersten fünf Monaten des Jahres 2008 insgesamt 26 Soldaten in der türkischen Armee ums Leben gekommen. Die meisten Todesfälle wurden im Mai verzeichnet.

Baris Köroglu aus Malatya beging einen Tag nach seiner Entlassung vom Militär Selbstmord. Baris Köroglu hatte Schwierigkeiten mit seinen Vorgesetzten in Erzurum und hatte 24 Tage im Militärgefängnis verbracht. Es standen noch weitere Verfahren gegen ihn an. Der Selbstmord geschah am 21. Mai.

Gleich am 1. Tag des Jahres wurde von 3 Todesfällen berichtet. Serdar Akca, der vor dem Kreiswehrersatzamt in Midyat (Provinz Mardin) Wachdienst hatte und Emrah Yücekaya, der auf der Gendarmeriewache in Derik (auch Provinz Mardin) seinen Wehrdienst ableistete, sollen Selbstmord begangen haben. Zweifel gibt es vor allem am Selbstmord von Yücekaya, denn am gleichen Tag starb auch sein Stubenkamerad Ufuktan Altayli. Er soll von einem Querschläger aus dem Gewehr von Yücekaya getroffen worden sein (so der Gouverneur von Mardin, Mehmet Kiliclar).

Im Februar wurden die Tode von 3 weiteren Soldaten gemeldet. Der aus Adiyaman stammende Hamza Eren Erdin soll sich mit einem G-3 Gewehr auf der Gendarmeriestation Arindik im Kreis Palu (Elazig) das Leben genommen haben.

Am 27. Februar wurde Ismail Tastop durch eine Kugel in den Rücken getötet. Er hat seine Grundausbildung in Samsun beendet und war nach Sirnak versetzt worden. Der Familie in Istanbul wurde gesagt, dass sie ihren Sohn heimlich beisetzen sollten, denn er sei nicht im Kampf gefallen. Hüseyin Ari, der aus Zonguldak stammt, soll sich am 29. Februar ebenfalls in Sirnak das Leben genommen haben.

Am 3. März soll Ali Hüseyin Erdil auf der Wache Acar im Kreis Sason (Batman) Selbstmord verübt haben. Am 13. März wurde zunächst behauptet, dass der aus Afyon stammende Soldat Mutlu Ölcer bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Danach hieß, dass der in der Provinz Tunceli dienende Soldat durch einen Querschläger getötet wurde.

Am 14. März soll sich ein Soldat bei einer Panzereinheit im Kreis Silopi (Sirnak) das Leben genommen haben. Am 17. März beging Caner Aydin, der in Diyarbakir seinen Militärdienst leistete, Selbstmord und der aus Giresun stammende und in Canakkale dienende A.K. erhängte ich auf einem Kleintransporter, als er in Istanbul auf Urlaub war.

Am 20. März wurde der Leichname von Memduh Argöz, der im Kreis Malazgirt (Mus) registriert war und in Istanbul seinen Militärdienst leistete, seiner Familie übergeben. Die Leiche wies zwei Einschüsse auf. Es gab keine Erklärung der Todesursache. Ebenfalls im März beging der Soldat E.S.G. Selbstmord im Kreis Baskale (Van).

Am 4. April berichtete die Presse vom Tod eines kurdischen Soldaten im Kreis Mutki (Bitlis). Aus seiner Waffe soll sich versehentlich ein Schuss gelöst haben. Am 7. April soll sich der Soldat K.H., der aus Urfa stammt und in der Waffenkammer des Heeres in Kayserei seinen Militärdienst ableistete, getötet haben. Der 22-jährige Celal Dervis, ein Leser von "Partizan", erzählte nach Ableistung seiner Grundausbildung in Ankara von der Folter in der Armee. Eine halbe Stunde, bevor er sich wieder zu seiner Einheit begeben sollte, setzte er sich selber in Brand. Ebenfalls im April wurde vom Selbstmord von Engin Celik in Edirne berichtet.

Im Mai starben 8 Soldaten auf zweifelhafte Art und Weise. Am 5. Mai soll sich Mustafa Dalli bei der Gendarmerie in Corum das Leben genommen haben. Am 11. Mai soll sich ein weiterer Soldat in Corum das Leben genommen haben.

In Izmir starben drei Soldaten im Mai. Am 22. Mai hängte sich Gökhan Barutcu, der bei der Artillerie in Bornova diente, an einem Baum auf. Bei der Kommandoeinheit in Foca nahm sich ein Soldat das Leben und es gab einen weiteren Selbstmordversuch. Beide Taten sollen wegen der erlittenen Folter erfolgt sein. Der Mord von Baris Körogul wurde am Anfang des Berichtes erwähnt.

Im Juni wiederum nahm sich der Gefreite Serdar Arslan das Leben durch Schüsse mit der Pistole. Der 2-fache Familienvater war von Adapazari nach Sirnak versetzt worden.

@ türkeiforum.net
« Letzte Änderung: 21. Jan 2009, 08:07 von X e m x w a r » Gespeichert
Jaban | Beiträge: 867
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Gelê kurd carek din bindestiyê qebûl nake!



« Antworten #6 am: 04. Jan 2012, 14:22 »

Begehen nur kurdische Soldaten Selbstmord?

haberdiyarbakir , 04.01.2012

In den letzten 4 Tagen gab es in Colemerg, Elaziz, Dilok, Kastamonu und Canakkale 6 Selbstmorde von kurdischen Soldaten.
Da wundert es nicht, wenn folgende Fragen gestellt werden: Warum begehen vor allem kurdische Soldaten Selbstmord oder sind in tödlichen Unfällen verwickelt?
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