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Autor Thema: Türkische Drohungen zum Einmarsch in Südkurdistan  (Gelesen 12873 mal)
aram | Beiträge: 1046
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« am: 24. Apr 2006, 23:31 »

 
PKK ruft Jugend zu den Waffen - Iran bombardiert irakisches Staatsgebiet - Talabani warnt Ankara und Teheran


Istanbul - Seit Wochen marschieren türkische und iranische Truppen im Grenzgebiet zum Nordirak auf. Ziel scheint eine gemeinsame Offensive gegen die kurdische PKK zu sein. Erstmals kam es dabei zu einem Angriff auf irakischem Staatsgebiet, als iranische Kampfbomber in der Nähe des Ortes Hamcünran ein PKK-Lager bombardierten. Neun PKK-Angehörige kamen dabei ums Leben, hieß es aus kurdischen Quellen. Iranische Truppen riegelten zugleich kurdische Dörfer im Grenzgebiet ab. Teherans Außenamtsprecher Hamzid Resa Asefi erklärte dazu, die Aktionen seien mit der Regierung in Bagdad abgesprochen.

Dem widersprach Iraks (kurdischer) Präsident Talabani, der sowohl den Iran als auch die Türkei vor Angriffen gegen irakisches Staatsgebiet warnte. Vor dem Irakkrieg hatte die Türkei eine 15 Kilometer tiefe Zone im Nordirak für militärische Operationen gegen die PKK beansprucht, und dies war ihr von den dominanten kurdischen Gruppen der Region auch zugestanden worden. Nun aber sagte Talabani, diese Zeiten seien vorbei. Er stellte damit einen bewaffneten Konflikt zwischen türkischen und iranischen Truppen einerseits sowie den kurdischen Peschmergas in Aussicht, die formal zur irakischen Armee gehören.

Auf türkischer Seite ging der Truppenaufmarsch von mehr als 200 000 Soldaten weiter. Generalstabschef Özkök erklärte, die Türkei habe aufgrund des in der UN-Charta festgelegten Rechtes auf Selbstverteidigung ein Recht, im Irak zu intervenieren. Türkische Truppen bauten Stellungen entlang der Grenze aus, und Beobachter vor Ort meinten, viele Anzeichen deuteten auf eine ausgedehnte Sommerkampagne im Irak hin.

Die türkische Armee strich allen Urlaub für Militärangehörige und rief alles Personal auf seine Posten. Özkök kündigte eine "Intensivierung der Operationen" für Mitte der Woche an.

Auch auf kurdischer Seite wird mobilisiert. Die PKK rief alle kampffähigen Kurden der Türkei zu den Waffen und forderte sie auf, in ihre Lager im Nordirak zu kommen. Beobachter in der Kurdenmetropole Diyarbakir sagen, daß der Aufruf zumindest von einigen Jugendlichen befolgt wird.

Auch politisch löst der drohende Konflikt auf kurdischer Seite interessante Reaktionen aus. Selim Sadak, ein Ex-Parlamentarier der im Juni 2004 auf Druck der EU aus türkischer Haft befreit wurde, versuchte sich mit einem Aufruf als Hardliner zu profilieren: Wenn die türkische Seite nicht sofort ihren Aufmarsch abbreche, dann werde sich die kurdische Politik "in eine andere Richtung bewegen". Sadak gilt als PKK-nah.

Die internationalen politischen Hintergründe und Implikationen der sich abzeichnenden Ereignisse sind derzeit schwer zu durchschauen. Teheran hatte vor einiger Zeit den USA vorgeworfen, die mit der PKK verbündeten kurdischen PJAK-Guerillas im Irak zu unterstützen, um den Iran zu destabilisieren. Ziel sei die Errichtung eines unabhängigen Kurdistan, um den Iran zu teilen. Ein solches Kurdistan wäre auch gegen die Interessen der Türkei, die jedoch als Verbündeter der USA gilt. Im Falle eines Konflikts mit dem Iran wären die USA dringend auf türkische Hilfe angewiesen. Ankara wirft den Amerikanern jedoch seit drei Jahren vor, nichts gegen die PKK im Nordirak zu unternehmen, und fürchtet - unabhängig davon -, daß der zunehmende Zerfall des Irak zu einem kurdischen Staat führen könnte, dessen Erdölreserven ihn wirtschaftlich lebensfähig machen würden. In der Türkei leben nach gängigen Schätzungen rund 15 Millionen Kurden.

Noch brisanter und komplexer wird die Entwicklung angesichts akuter Kriegsdrohungen des benachbarten Aserbaidschans seit Mitte März gegen die mehrheitlich armenisch bevölkerte Exklave Berg-Karabach. Es gibt eine große aserische Minderheit auch im Iran.


Boris Kalnoky
Artikel erschienen am Di, 25. April 2006
http://www.welt.de/data/2006/04/25/878265.html
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SiWan | Beiträge:
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« Antworten #1 am: 28. Apr 2006, 23:04 »

 http://www.hurriyet.com.tr/gundem/4....asp?m=1&gid=69

Dem Bericht der Hürriyet zufolge soll das türkische Militär mit 100 Soldaten 8km weit in den Nord-Irak einmarschiert sein.
Bereits seit einigen Tagen stationiert die Türkei run 250 000 Soldaten im Osten der Türkei.

Normalerweise betrachte ich Zeitungsbericht, insbesondere Berichte von staatlich-propagandistischen wie die Hürriyet, sehr kritisch.

Weiß jemand von euch mehr darüber? Ich hoffe nur, dass nichts dran ist an der ganzen Sache!  Traurig  

[Editiert am 28/4/2006 von SiWan]
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Sanandaj22 | Beiträge: 198
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« Antworten #2 am: 01. Mai 2006, 19:35 »

 
Zitat
  Irakischer Innenminister sieht Souveränitätsrechte missachtet

Sulaimanija - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat die iranische Armee im Kampf gegen kurdische Rebellen Gebiete im Norden des Iraks angegriffen. Die Angriffe trafen nach Angaben des regionalen Innenministeriums der Kurden-Gebiete am Montag mindestens zehn Dörfer in mehreren Grenzabschnitten im Nordosten des Landes. "Wir werden einen solchen Eingriff nicht dulden", erklärte Innenminister Othman Mahmud. "Die Angriffe verletzen die Souveränität der Region." Am Vortag hatte der Iran irakische Vorwürfe zurückgewiesen, bei ähnlichen Angriffen am 21. April auch fünf Kilometer auf irakisches Gebiet eingedrungen zu sein.

Im Nordosten des Iraks hat sich die türkische Separatistenorganisation PKK verschanzt, die in der Türkei verboten und von der Europäischen Union (EU) sowie den USA als Terror-Gruppe eingestuft ist. Der Iran lastet dem iranischen Flügel der PKK den Tod mehrerer Soldaten seiner Armee an.

Die iranischen Kurdengebiete an der Grenze zum Irak sind seit Juli unruhig. In einer Reihe von Protesten und Zusammenstößen wurden mehrere Mitglieder der Sicherheitskräfte und Kurden getötet. (Reuters)


http://derstandard.at/?id=2431292



kann das ein grund für die amis sein iran anzugreifen?

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« Antworten #3 am: 04. Mai 2006, 13:59 »

  DIE LINKE.: EU muss Ankara zurückpfeifen

Nr. 545/2006, Berlin, 04.05.2006

Angesichts aktueller Vorstöße der türkischen Armee gegen die Kurden im Nordirak hat Wolfgang Gehrcke, Sprecher der Fraktion DIE LINKE. für internationale Beziehungen, von der Europäischen Union gefordert, den Angriffen nicht tatenlos zuzusehen.

'Die Bundesregierung ist ebenso wie die EU gefordert, die türkische Regierung entschieden zum Rückzug ihrer Truppen aus der Grenzregion aufzurufen, alle friedensgefährdenden Aktionen sofort einzustellen und endlich ernsthafte Schritte zu einer politischen Lösung der Kurden-Frage zu gehen', sagte Gehrcke. 'Dies würde zur Demokratisierung und Stabilisierung der Nahost-Region beitragen, die gegenwärtig einem höchst explosiven Pulverfass gleicht.'

Wie die türkischen Zeitungen 'Milliyet' und 'Hürriyet' berichten, haben türkische Truppen die Grenze zu Nordirak überschritten und Bombenangriffe bis zu 30 Kilometer tief auf irakisches Territorium geflogen. Mit der PUK hat eine der Parteien, die die kurdische Autonomieregierung tragen, bereits offiziell dagegen in Ankara protestiert. Doch Außenminister Gül besteht darauf, auf irakischem Boden den Terrorismus zu bekämpfen, so lange der Irak selbst dazu nicht in der Lage sei.

Schätzungsweise 250.000 türkische Soldaten, die an der Ostgrenze der Türkei zusammengezogen wurden, bilden die Drohkulisse. Unterstützung erhalten sie von rund 10.000 iranischen Soldaten, die ebenfalls in die kurdische Grenzregion vorgerückt sind und schon Angriffe auf den kurdischen Nordirak begonnen haben. Der iranische Innenminister erklärte, die Sicherheitsinteressen seines Landes und die der Türkei seinen 'miteinander verbunden', General Bekir Kalyoncu vom türkischen Generalstab, beharrte: 'Wir denken nicht an einen Rückzug, solange die Terroristen dort sind.'

'Die Kurden-Frage ist jedoch weder in der Türkei noch im Iran noch in Syrien eine Frage der Terrorismus-Bekämpfung', sagte Wolfgang Gehrcke. 'Die Kurdinnen und Kurden in diesen Ländern beanspruchen kulturelle Gleichberechtigung, das Recht auf Verwendung und Entwicklung ihrer Muttersprache, fordern politische und soziale Rechte sowie die wirtschaftliche Förderung ihrer seit Jahrzehnten vernachlässigten Region. Und sie verlangen, dass diese Rechte endlich realisiert werden. Auf diese Rechte muss die EU auch in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei drängen.'

 

Hendrik Thalheim
Deutscher Bundestag
Fraktion DIE LINKE.
Pressesprecher
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Telefon: 030 - 227 52800
Telefax: 030 - 227 56801
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Miro | Beiträge: 1094
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« Antworten #4 am: 25. Apr 2006, 00:03 »



ich hoffe lediglich, daß Talabani und Barzani bei ihren aussagen bleiben werden. und im falle einer einmarsch der türkischen terrortruppen ihre angedrohtes wahr machen und zwar sich gegen diese leichenschänder armee wehren werden. zumal so etwas der kurdischen einheit sehr willkommen sein wird, falls das terrorregieme ihre angedrohtes wahr machen sollte und ins südkurdistan eindringen sollte, was dann endlich die lang ersehnte vereinigung aller kurdischen kräfte mit sich bringen würde! (hoffe ich zumindest)



[Editiert am 24/4/2006 von Miro]
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« Antworten #5 am: 28. Apr 2006, 20:22 »

sorry herr kalnoky, aber ihre analyse scheint aus meiner sicht nicht richtig zu sein, denn nach 6 jahren friedenszustand, der nur der pkk zu verdanken war, kam alles zum stillstand, man hat einige pipifax-gesetze seitens der türkei erlassen, die in der realität wenig bestand hatten, jedoch die eu sich damit zufrieden gab... letztendlich hat die türkei die 6 "friedensjahren" kläglich versäumt... wenn man an der frieden seitens der türkei interessiert wäre, dann hätte man sehr leicht gehabt, der pkk die grundlage eines erneuten kampfes zu entziehen, indem man innenpolitisch den kurden entgegengekommen wäre! ... aber wie sie sicherlich wissen, kam trotz den hochgelobten "reformen" nirgends etwas mit "kurd..." vor... aber die eu und die türkei tat so, als habe man den kurden viel mehr zugestanden, als sie es verdient hätten... das war ein fehler der türkischen staat, zudem ermutigt durch die ach so demokratischen eu... und mir kommt es so vor, als sei ihrer meinung nach die quelle des übels nur bei der kurdischen seite, jedoch ist dies dem situation gegenüber nicht gerecht.
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« Antworten #6 am: 25. Apr 2006, 20:53 »

Ich hoffe ebenfalls, dass es endlich zu einer Einheit kommt.
Die türkische Regierung wird wieder einmal ihr wahres Gesicht offenbaren. Wäre "schade", wenn man auch dieses Mal wieder die Augen vor der Wahrheit schließt.

Herr Kalnoky, mich würde interessieren, wie sie persönlich dazu stehn, ganz menschlich und subjektiv betrachtet?! Denken sie die türkische Regierung tut das Richtige?
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« Antworten #7 am: 25. Apr 2006, 21:28 »

Hallo, ich möchte nur festhalten daß soviel ich weiß keine Entscheidung für eine Offensive gefallen ist. Die Lage ist schwer einzuschätzen aber ich gehe heute eher davon aus daß es keine Offensive nach Nordirak geben wird, zumindest nicht jetzt. Aber wer weiß.

Es gibt viele Gründe für die jetzige Entwicklung, einer ist sicher innenpolitisch. Das Militär ist die AKP satt, Neuwahlen können jederzeit von der AKP angesetzt werden und so gilt es, patriotische Gefühle anzufachen um national gesinnte Parteien zu stärken.

Insofern erübrigt sich vorerst die moralische Frage danach ob das Militär den Kurden gegenüber das Richtige tut.

Im übrigen ist es ja das Militär daß es zugelassen hat, daß Öcalan aus der Haft heraus weiter die kurdische Politik per Anwälte und politische Direktiven beeinflussen sprich radikalisieren konnte. Sicher nicht aus Mitgefühl. Das spielt dem Militär doch in die Hände, die Generäle und Öcalan/PKK sind ein gutes Team und stärken sich gegenseitig.

Mir tun die armen Kurden Leid deren Schicksal sich in den Händen dieser beiden Kräfte befindet - so stelle ich mir die Hölle vor.

oky

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Erenda | Beiträge: 72
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« Antworten #8 am: 25. Apr 2006, 21:29 »

Die Kurden müssen nicht unbeding auf einen Einmarsch von Türken warten um sich zu einigen. Die wege der Einigung sollten schon lange gefunden worden sein, aber man kann sich irgendwie von den Fehlern in der geschichte nicht wirklich lösen um sich gedanken über eine gemeinsame Zukunft zumachen..


Und realistisch gesehen wir müssen mit Türken, Perser und Araber zu leben.  

 
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aram | Beiträge: 1046
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« Antworten #9 am: 25. Apr 2006, 22:01 »


Die Türkei versucht jetzt schon eine Zusammenhang zwischen der kurdischen Regional Regierung in
Südkurdistan und der PKK herzustellen, was da einige zwischen Einigkeit verstehen, klingt für mich sehr nach Selbstzerstörung!

Jedoch ist es was Anderes wenn die Türkei dieser "Selbstzerstörung" zuvor kommt!
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« Antworten #10 am: 25. Apr 2006, 22:44 »

Eine Offensive in Nordirak schließe ich aus,aber ein Einigung mit Iran üder ein Vorgehen gegen der Pkk und Kurden ist kein Geheimnis mehr. Man will so das Einschleusen der Pkk über die Grenzen verhindern und schon mal Stöckchen den Kurden dort zeigen, falls die auf weitere Ideen kommen wollen. Unruhe und Serhildans sind das letzte,was der T.R heute noch kommen kann. Herr Premiär Erdogan ist etwas angespannt, man spürt die Spannung regelrecht in der Luft. Ich glaube kaum, dass die Akp was gegen dieses Einmarsch nach Osten hat. Erst neues Antiterrorgesetz erlassen nun der Einmarsch, dass kann doch kein Zufall sein.
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