Mittwoch, 23. Mai 2012, 02:09 : 24 User online
Passwort vergessen? | Registrierung
Kurdistan Diskussionsforum 23. Mai 2012, 02:09 *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.


Einloggen mit Benutzername und Passwort
Wichtiger Hinweis::
Liebe User, wir bitten Sie, sich im Rahmen der von uns aufgestellten »Forenregeln« zu halten!

Viel Spaß und liebe Grüße
Euer Kurdmania-Team.
 
Autor Thema: Sammelthread: Jitem und Staatsterror  (Gelesen 7757 mal)
Ciwanro Kani | Beiträge:
Ciwanro Kani
Gast
« am: 22. Sep 2006, 05:32 »

Liebe User und Gäste von Kurdmania,

In diesem und den folgenden Kapitel über Abdulkadir Aygan, möchte ich, dass wir uns mit der Person Abdulkadir Aygan und zusammenhängend des türkischen Staatsterrorismus auseinandersetzen. Mit dieser Geschichte hoffe ich, dass wir der realität in Kurdistan ein Stückchen näher kommen. Ich hoffe dass Herr Kalnoky und andere die die Türkei mit rosaraten Brillen ansehen, an dem Fall Abdulkadir Aygan und zusammenhängend Jitem,Kontergerilla, Hizbullah ein wenig Interesse zeigen, nicht nur um zu sehen wer Opfer wer Terrorist ist sondern auch die Realität in der Türkei so wie in Kurdistan tatsächlich zu sehen, was allen Menschen zu nutzen kommt, die mit der Türkei  auf irgendeine Weise zutun haben.

Nun wer ist Abdulkadir Aygan und wieso ist diese Person überhaupt so wichtig , bevor Sie den Text Lesen, möchte ich kurz die Laufbahn Abdulkadir Aygans Ihnen Näher bringen,

Abdulkadir Aygan 1958 geboren in der kurdisch / arabischen Stadt Urfa. Ein Student der 1977 bei der Gründung der PKK mitwirkte. Er war über eine Zeit politisch für den Kurdischen Befreungskampf tätig, wurde  daraufhin 1980 Verhaftet, danach floh er nach Europa, dort beteiligte er sich weiterhin an politischen Aktivitäten für Kurdistan, 1985 schloss er sich der  Gerilla an, wurde Kommandt, nach einer gewissen Zeit flüchtete er von der Gerilla und ergab sich dem türkischen Staat. Er sass 5 Jahr im Gefängnis. Nachdem er vom "Reuegesetz" proftierte, wurde er 1990 aus dem Gefängnis entlassen. Nach seiner Entlassung trat Aygan zur JITEM bei (eine türkische Killerorganisation die vom türkischen Staat gegründet wurde, unter anderem tätig als Kontrgerilla, Hizbullah, TIT und Auftragskiller). Abdulkadir Aygan ist Mitgründer dieser Staatlichen Killerorganisation. Er beteiligte sich an Zahlreichen Attentanten gegen Kurdische Intelektuelle, Politiker, Zivilsten, unter anderem auch an Ape Musa (Musa Anter) . Er galt als einer der Hauptfiguren von JITEM. Im Jahre 2000 Floh er nach Europa, wo er sich über die Taten und der Jitem äusserte. Er ist Verheiratet und Vater von 5 Kinder.

Es werden weitere Geständnisse und Analysen über den fall Aygan folgen die ich rescherchieren und bearbeiten werde, hiermit eröffne ich Teil 1

Ciwanro Kani
______________________________



   
Schockierende Geständnisse des Auftragskiller und JITEM-Mitbegründer Abdulkadir Aygan
aus Ülkede Özgür Gündem, Istanbul



Ein ehemaliger Auftragskiller und JITEM-Mitbegründer hat gestanden wie sie die Morde an Menschen geplant und durchgeführt haben. Schockierender als das Geständnis ist jedoch die Realität, dass trotzt Veröffentlichung dieser Geständnisse die türkische Regierung bislang zur Aufklärung nichts unternommen hat.


Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freundinnen und Freunde,

In dem 15jährigen Krieg gegen die kurdische Befreiungsbewegung ist unzählige Male das Kriegsrecht durch die Türkei verletzt worden. So wurden Tausende von Menschen von "Morde unbekannte Täter" ermordet. Eine Tötungsmaschinerie wurde mit der Zustimmung des Staates gegründet, denn "alle Mittel zum Zweck sind heilig", war und ist die Logik der Verleugnungs- und Vernichtungspolitik gegen die Kurden in der Türkei. Ein ehemaliger Auftragskiller und JITEM-Mitbegründer hat nun gestanden (s. unten) wie sie die Morde an Menschen geplant und durchgeführt haben. Schockierender als das Geständnis ist jedoch die Realität, dass trotzt Veröffentlichung dieser Geständnisse die türkische Regierung bislang zur Aufklärung nichts unternommen hat. Die Bildung einer Wahrheitskommission, die all diese Ereignisse aufdecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen wird, ist notwendig, wenn die Wunden geheilt und das Land sich wirklich demokratisieren möchte.

Mit freundlichen Grüssen
Ihr KURD-CHR


Zitat
Schockierende Geständnisse des Auftragskiller und JITEM-Mitbegründer Abdulkadir Aygan

aus Ülkede Özgür Gündem, Istanbul

Der von der Regierung beauftragte private Killer und Konter-Guerilla, der auch an der Ermordung des kurdischen Gelehrten Musa Anter beteiligt war, hat der in der Türkei erscheinenden Zeitung Ülkede Özgür Gündem alle Einzelheiten berichtet.
In dem Text werden Sie die Schrecken der Verbrechen während des schmutzigen Krieges in Kurdistan erfahren und in den Geständnissen Aygans über die Beziehungen zwischen Polizei und Militär lesen.
Innerhalb der letzten fünfzehn Jahre haben sich an den Wegen, Seen, Bächen, Seitenstraßen und unter den Brücken Kurdistans die Zahlen der Leichen erheblich summiert. Diejenigen, die sich in die “zärtlichen Arme” des Staates ergeben haben, sind zu Todesmaschinen mutiert. Beim “Kampf gegen den Terrorismus” sind Tausende von Verbrechen begangen worden. In den Straßen weht seit Jahren der Duft des Todes. Sogar Berichte der Menschenrechtsorganisationen und der Susurluk-Untersuchungsbericht haben nicht annähernd die Brutalität wiedergeben können. Diejenigen, die versprochen haben, den “Morden unbekannter Täter” ein Ende zu setzen, tauchen nicht mehr auf. Man hat herausgefunden, dass die Todesschwadronen des “Rechtsstaates” immer noch offiziell beschäftigt sind. Die Enthüllungen des JITEM-Killers Abdulkadir Aygan sind daher einzelne Anklageschriften. Damit die Gerechtigkeit ihren Platz findet und die Wahrheit ihr Ziel erreicht, müssen die geehrten Staatsanwälte diese Dokumente ihren Dossiers beifügen. Wenn sie es nicht tun, müssen die Menschen, die seit fünf-zehn Jahren darunter gelitten haben, dies mit ihren Stimmen fordern. Wird nun die AKP-Regierung die Killer weiterhin finanzieren? Werden die in fünfzehn Jahren erlebten Realitäten untersucht werden? Wird die Gerechtigkeit ihren Platz wirklich finden? Die Aktion von Yesil: Der kurdische Gelehrte Musa Anter, der anlässlich des Kulturfestivals in Diyarbakir weilte, wurde am 20. September 1992 ermordet. Die Mordakten Musa Anter verstauben seit zwölf Jahren im Regal. Im Susurluk-Untersuchungsbericht von Ministerialinspektor Kutlu Savas wird anerkannt, dass der Mord von staatlicher Seite aus verübt wurde. Die Geständnisse im Mordfall Ape Musa befinden sich in der Anlage zum Report im 9. Dossier. Aber da die Anlagen des Reports als “Staatsgeheimnis” befunden wurden, gelang bis heute keine Veröffentlichung. Die Regierungen, die bis heute die Geständnisse aus dem Susurluk-Report nicht verfolgt haben, haben somit auch den Mordfall Ape Musa verdeckt. Die Geständnisse des staatlich finanzierten Mörders und Konter-Guerilla-Mitglieds Abdulkadir Aygan zum Mord an Ape Musa: “Die größte Aktion, in die Yesil mit verwickelt war und in der ich Zeuge gewesen bin, war der Mord an Ape Musa. Obwohl Cem Ersever zu die-ser Zeit in Ankara war, ist er später mit Neval Boz nach Diyarbakir gekommen. Am Tag des Mordes fuhr er nach Adiyaman. ‚Ich werde zum Berg Nemrut gehen und von dort aus sehen, ob eine Gruppe mit Funkapparaten ausgerüstet ist', sagte er. In diesem Moment hatte Yesil den Mordanschlag gegen Musa Anter im JITEM organisiert. Da der Gruppenkommandant im Urlaub war, hatte Teamkommandant Savas Gevrekci auch dessen Arbeiten weitergeleitet. Im Fall von Musa Anter wurde Cemil Isik unter dem Decknamen Hogir eingesetzt. Die beiden Abweichler Hogir und Sirnakli Hamid hatten zusammen die Partei verlassen.” (...)
“Ich selber hatte als Erster festgestellt, in welchem Hotel in Diyarbakir Musa Anter sich befand. Dann ist auch Yesil gekommen. Er fuhr einen weißen Landrover. Den hatte er vom Provinzgouverneur bekommen, der ihn vorher als eine Spende vom MIT. Er hatte ihn für seine Aufgaben genommen. Mustafa Deniz war mit Yesil gekommen. ‚Mach einen Plan gegen Musa Anter, dass du ihn zu uns locken kannst', sagten sie zu Hogir.” (...)
“Hogir, ein ehemaliges Mitglied der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der später die Partei verließ, kannte Musa Anter schon früher. Ape Musa war traurig, dass Hogir die Partei verlassen hatte und wollte sich mit ihm treffen. Ape Musa wusste damals nicht, dass Hogir im JITEM arbeitete. Somit hat Hogir Hamid beauftragt, sich um das Treffen zu kümmern und ihn ins Hotel geschickt: ‚Sag ihm, ich wäre einverstanden. Ich möchte mich mit ihm treffen und erwarte ihn in einem Haus. Du wirst ihn zu mir bringen.' Beim ersten Versuch hatte Hamid keinen Erfolg. Beim zweiten Mal haben wir uns mit dem Landrover auf den Weg gemacht. Ali Ozansoy war im JITEM in Saraykapi in der Hauptfunkzentrale. Hogir bekam eine Kalaschnikow. Da ich einen JITEM-Ausweis und eine Waffe besaß, haben sie mich zu Hogir eingeteilt, damit, wenn was sein sollte, ich auch zuschlagen könne. Als wir die Brücke überquert hatten, haben sie uns am Ausgang von Silvan abgesetzt. Yesil ist mit Mustafa Deniz zusammen auf den Hügel gestiegen. Sie hatten die Funkgeräte. Hamid war inzwischen auf dem Weg ins Hotel, um Ape Musa abzuholen. Er sollte ihn mit einem Taxi zu uns bringen. Hogir sollte ihn anschließend töten.” Hamid hat abgedrückt ... “Hogir war bewaffnet. Bis in den späteren Abend kam niemand. Er meinte daraufhin: ‚Alles ist irgendwie merkwürdig. Wir sollten zu Yesil gehen. Wenn uns die Polizei verhaftet, sieht es schlecht für uns aus.' Wir sind weitergelaufen. Diesmal aber haben wir nicht die
Straße, sondern den Feldweg benutzt. Kurze Zeit, nachdem wir bei Yesil angekommen sind, haben wir Sirenen gehört. Yesil meinte daraufhin: ‚Es ist bestimmt etwas passiert, ich weiß aber nicht, was.' Später mussten wir den Landrover zum Ort des Geschehens fahren, da der Weg in Richtung der Hauptstraße nach Silvan führte. Am Ziel sagte Ali Ozansoy, dass alles in Ordnung sei. Hamid hätte Ape Musa erschossen. Später hat Hamid seine Tat gestanden: ‚Es ist alles in Ordnung. Ich habe ihn erschossen.' Hogir fragte, warum er ihn nicht zu uns gebracht hätte, und Hamid antwortete: ‚Sie haben gezweifelt. Wir stiegen in das Taxi ein. Neben ihm war sein Neffe. In Seyrantepe habe ich gesagt, dass es nicht mehr so weit ist. Aber sie haben immer noch nach unserem Ziel gefragt. Ich bemerkte, dass sie Verdacht geschöpft hatten und dass alles nicht mehr so weitergehen konnte. Ich ließ sie aussteigen.' Hamid hatte vom JITEM eine 14er UMAN-Markenpistole. Er erschoss sie beide in einer Sackgasse und warf die Tatwaffe später in einen Müllcontainer.” Das am Verbrechen gegen Musa Anter beteiligte Vollstreckungsteam: Savas Gevrekci: Teamkommandeur im JITEM und Stellvertreter der JITEM-Gruppenkommandeure. Während seiner Schicht war das Verbrechen verübt worden.

Mahmut Yildirim, Deckname “Yesil “ [auf Deutsch “Grün”]: Vorbereiter der Aktion.
Abdulkadir Aygan, Deckname “Serif Aslan”: JITEM-Mitglied und -Aktivist.
Er besaß auch einen Personalausweis unter dem Namen “Aziz Turan”.
Mustafa Deniz: Abweichler. Mit Yesil hat er am Tatort am Hügel gewartet.
Ali Ozansoy: War eingesetzt in der Hauptfunkzentrale der JITEM-Gruppenkommandeure.
Der Mörder Hamid und Cemil Isik, Deckname “Hogir”, haben sich auch an dem Verbrechen beteiligt.

Wer ist Abdulkadir Aygan?

Abdulkadir Aygan wurde am 15. März 1958 in Urfa, Landkreis Suruc, im Dorf Uzunhidir geboren. Wegen der schlechten ökonomischen Lage ist die Familie nach Gaziantep, in den Landkreis Nizip, ausgewandert und von dort aus nach Osmaniye. 1975 war er auf der Berufsschule in Adana. 1977 hat er die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) kennen gelernt. Er brach das Studium ab und ging wegen seiner politischen Aktivitäten
nach Nizip. Bei einer Wohnungsrazzia wurde er 1980 verhaftet. Er saß anderthalb Jahre in den Gefängnissen
von Gaziantep, Nizip und Kilis. In dieser Zeit hat er seine Kontakte zur PKK abgebrochen und ist zum Militär gegangen, um seinen Dienst abzuleisten. Während des Militärdienstes auf Zypern ist er aus der Armee nach Europa geflüchtet. In Europa hat er sich nochmals der PKK angeschlossen und sich in Sason, Mutki und Sirvan an den politischen Aktivitäten beteiligt. 1985 ist er zur Guerilla geflüchtet und hat sich später dem Staat ergeben. Er saß in der Zelle der Abweichler im Gefängnis von Diyarbakir. Mit seiner Beteiligung am “Reuegesetz” wurde seine Strafe gesenkt, er kam 1990 frei. Nach der Entlassung wurde er wieder beim Militär aufgenommen und kam später zur siebenköpfigen JITEM-Kadergruppe, die durch A. Cem Ersever neu gegründet worden war. Nach ihrem Militärdienst wurde allen Abweichlern der Status von Zivilbeamten zuerkannt, später, auch vonseiten Esref Bitlis, der Status von Staatsbeamten. Nachdem Aygan unter dem Decknamen “Serif Aslan” bekannt geworden war, stellte man ihm als Abweichler neue Papiere auf den Namen “Aziz Turan” aus. Er hat unter verschiedenen Namen zehn Jahre im JITEM gearbeitet und staatlich finanziert viele Menschen festgenommen und Verbrechen verübt. Im Jahr 2000 wurde er aus dem JITEM entlassen, anschließend als “Zivilbeamter” in das Regimentskommando der Provinzgendarmerie in Burdur berufen. Er ist verheiratet und Vater von 5 Kindern.

Wie wurden Hogir und Hamid in den JITEM eingeführt?

(...) “Ein Clan-Mitglied aus dem Süden [Nord-Irak] war an der Brücke von Habur eingesetzt. Er hatte mit der JITEM-Einheit in Silopi Kontakt aufgenommen und verriet den Ort, an dem sich Hogir, der die PKK verlassen hatte, dessen Frau und Hamid befanden. Hinterher kam Cem Ersever nach Silopi. Ich, der Oberoffizier Mazhar und Ali Ozansoy sind zusammen durch das Grenztor von Habur gegangen. Als Hogir und die anderen nach Zakho gegangen waren, sind sie in einer Hütte geblieben. Wir haben sie dort getroffen. Hogir war äußerst beunruhigt, weil er die Partei verlassen und das Gefühl hatte, seines Lebens nicht mehr sicher zu sein. Man hatte ihm versprochen, nicht verhaftet und gefoltert zu werden, wenn er alles aussagen würde. Eine Reise nach Deutschland war ihm auch vorgeschlagen worden. Hogir war zuerst unschlüssig. Aber Ali Ozansoy und Oberoffizier Mazhar hatten ihn überredet. Man hat ihn später zum JITEM nach Diyarbakir gebracht und hinterher mit Hamid im Fall Musa Anter benutzt.”

Vedat Aydin wurde von Ersevers Gruppe ermordet

Abdulkadir Aygan berichtet über die Ermordung an dem kurdischen Politiker und Intellektuellen Vedat Aydin: “Ich habe im Fall Vedat Aydin, des Vorsitzenden der HEP in Diyarbakir, der am 5. Juli 1991 entführt und am 7. Juli liquidiert wurde, an der Erkundung teilgenommen. Die Aufklärung hatte der Abtrünnige Selahattin Görgülü, Deckname “Derdo”, begonnen. Er versuchte, ihn zu treffen, war aber immer erfolglos. Dann hat er sich mit Cem Ersever getroffen. Der hat uns im Auto mitgenommen und gegenüber der Wohnung von Vedat Aydin in der Istasyon-Straße gehalten. Er und eine weitere Person haben das Gebäude untersucht, in der Vedat Aydin gewohnt hat. Als ich zwei Tage später morgens zum JITEM zur Arbeit kam, fand ich niemand, weder Cem Ersever noch die anderen. (...) Ich fragte einen Soldaten: ‚Wo sind der Kommandant und die anderen?' Er antwortete: ‚Sie schlafen und meinten, dass keiner sie stören soll.' Es ergab keinen Sinn. Ich hatte nichts gehört und wusste auch nicht, was passiert war. Nach ein paar Stunden ist Cem Ersever aufgewacht und fragte mich, warum ich so früh zur Arbeit käme. Ich antwortete: ‚Mein Kommandant, ich bin pünktlich wie immer.' ‚Die Lage ist schlecht', sagte er. Ich fragte daraufhin: ‚Warum?' ‚Sie haben Vedat Aydin erschossen', erklärte er. Als ich das hörte, wusste ich in diesem Moment nicht, was ich machen sollte. Schließlich hatten wir die Aufklärung zusammen durchgeführt. Sie hatten mich aber nicht mitgenommen. Ich blickte die, die noch im Bett waren, an. Es waren Fetih Cetin, Ali Ozansoy und sein Stellvertreter Major Aytekin Özer. Alle schliefen noch. Ich sah ihre Schuhe an. Alle waren mit Schlamm verdreckt. Auch das Auto sah so aus.” (...) “Nach diesem Tag habe ich Selahattin Görgülü nie wieder gesehen. Cem Ersever sagte mir, er sei für zehn Tage seine Familie besuchen gegangen. Es könnte ja sein, dass er die Tat begangen hat und ihn Ersever später wegschicken ließ.” (...) “Weil er mehrmals versucht hat, mit Vedat Aydin in Kontakt zu treten. Natürlich auf Anweisung von Cem Ersever.”

Die Bekanntschaft mit “Testere [auf Deutsch “Säge”] Ersever”

“Als ich im März nach Kars ging, hat man mir mitgeteilt, dass Major Cem Ersever und Oberst Arif Dogan nach mir fragen. Ich kannte aber keinen Arif Dogan. Nur an Cem Ersever konnte ich mich erinnern, weil er 1985 bei meinem Verhör, in Siirt, als Hauptmann beteiligt war. Er bekam alle Befehle aus Ankara.” (...) “Cem Ersever hatte mir angeboten nach Diyarbakir zu kommen. Ich nahm das Angebot sofort an.” (...) “Nach einer Grundausbildung wurde ich im Kommandeurquartier für Sicherheit, im Bezirk Sehitlik, aufgenommen.” (...) “In den Straßen von Diyarbakir verhielten wir uns meistens wie Zivilisten. Um uns zu schützen, gaben sie uns noch eine Pistole.”

Der Kernkader wird gegründet

Aygan war ein sieben- bis achtstöckiges Haus im Bezirk Baglar in Diyarbakir angeboten worden, um dort mit seiner Familie zu wohnen. Aber er nahm dieses Angebot nicht an: “Daraufhin haben sie uns einen Platz im Wohnheim der Gouverneure von30 Kurdistan Report 113 / Mai 2004 OHAL angeboten. Sie sagten uns, hier seien wir in Sicherheit. Die Gegend würde von Wachposten und Spezialeinheiten bewacht und uns würde nichts passieren können. Wir nahmen das Angebot an. Sie haben die ganze Wohnung möbliert. Auch Kemal Emlük und Hasan Adak wohnten mit ihren Familien im Wohnheim. Für unsere Selbstverteidigung gaben sie uns eine Pistole. Zu der Zeit herrschten in ganz Diyarbakir Unruhen. Offen gesagt hatte die Partei [PKK] die Kraft uns jeden Augenblick zu töten. Deswegen war es uns untersagt allein spazieren zu gehen. Sie schlugen uns vor, immer zu zweit auf die Straße zu gehen. Im Stadtzentrum zu spazieren war meistens nicht erlaubt.”

Ersever gründet seine Gruppe

Abdulkadir Aygan erzählt, dass Cem Ersever während des Militärdienstes die Absicht hatte, ein Team aus Soldaten zu bilden, die ihren Dienst noch nicht beendet hatten: “Cem Ersever hatte versucht, aus uns ein Team zu bilden für den Anti-Guerillakampf. Er glaubte, nur mit einer solchen Gruppe Erfolg gegen den Guerillakampf zu haben.” (...) “Der Vorschlag wurde angenommen. Später wurde jedes Teammitglied als offizieller Kader anerkannt.”

657 Abweichler

“Den Abtrünnigen, die ihren Militärdienst abgeleistet hatten, wurde der Beamtenstatus verschafft. Ordnungskommandeur und Gebietsgouverneur hatten dem Generalstab dies vorgeschlagen. Auch Cem Ersever und der Gruppenkommandeur des Nachrichtendienstes machten den Vorschlag, die Abweichler als “Zivilbeamte” in den Nachrichtendienst der Gendarmerie aufzunehmen. 27 Personen wurden als Kader aufgenommen. Unter ihnen waren ich, Binevs Alsac, Deckname “Kulplu”, Saniye Emlük, Kemal Emlük, Hatice Elmas, Hasan Adak, Recep Tiril, Hanim Beyaz, Ali Ozansoy und Fetih Cetin.

Das erste Ziel war Özer

Nach einer Durchführung in Mardin wurde zum ersten Mal in Diyarbakir ein Sprengsatz mit Fernzündung im Auto des Vorsitzenden der Rechtsanwaltskammer RA, Mustafa Özer, platziert.
Aygan über die Einzelheiten: “Es gab eine Liste mit Namen, die als Ziele ausgesucht waren. Dazu gehörten die Zeitschrift Özgür Halk, das Zeitungsbüro, Mustafa Özer und Hasip Kaplan. Cem Ersever traf sich zu dieser Zeit öfter mit Hayri Kozakcioglu und Hikmet Köksal Pasa. Immer wenn er kam, sagte er: ‚Los, Jungs, stellt das Auto und die Wohnung dieses Mannes fest.' Wir wussten sofort, dass diese Person das nächste Ziel war. Wir haben erfahren, dass die Wohnung von Mustafa Özer in der Nähe des Wohnheims Kurtoglu in Ofis lag und er ein Auto der Marke Ford besaß, das er immer vor der Wohnung auf dem Bürgersteig parkte. Cem Ersever leitete die Operation. Als Stellvertreter hatte er Aytekin Özen, Deckname “Celil”, beauftragt. Ersever und Ibrahim Babat sind mit einem wei-ßen Kartal [Automarke in der Türkei], ich, Ali Ozansoy und Aytekin Özen mit einem grünen Kartal nach Ofis gefahren. Der Sprengsatz war in einer schwarzen Tüte, die Fernbedienung bei Aytekin Özen. Ich und Ali Ozansoy gingen den Sprengsatz platzieren. Wir gingen am Auto von Mustafa Özer vorbei, unter dem Ali Ozansoy den Sprengsatz gelassen hatte. Hinterher sind wir zu Aytekin
Özen gegangen. Er hatte die Fernbedienung so eingestellt, dass er das Auto von weitem beobachten konnte. Er drückte den Knopf der Fernbedienung, so dass der Sprengsatz explodierte. Es gab einen großen Lärm, die Flammen loderten. Nach der Aktion gingen wir zum JITEM.”

“Ich habe festgehalten, Yesil hat ihn erschossen”

Abdulkadir Aygan berichtet in seinen Geständnissen auch, dass er bei der Ermordung des Vorstandsmitglieds der HEP, Harbi Arman, in Mus am 20. Januar 1992 in der Gruppe von Mahmut Yil-dirim, Deckname “Yesil”, war: “Mit Yesil habe ich zusammen an einer Aktion teilgenommen. Im Todes- fall des Vorstandsmitglieds der HEP, Harbi Arman, in Mus auf der Landstraße in Elazig, hat Yesil damals Fetih Cetin und mich mitgenommen. Dabei war auch ein bärtiger Oberoffizier. Nachdem man mit Harbi Arman in Kontakt getreten war, sagte man ihm, dass er zur Aussage kommen müsse. Daraufhin wurde er zum JITEM nach Diyarbakir gebracht.” (...) “Man hat ihm gesagt, dass einem nach den Regeln die Hände gefesselt und die Augen verbunden werden müssen und die Militäreinheit außerhalb der Stadt liege, so dass wir mit dem Landrover fahren müssten. Harbi Arman war mit allem einverstanden. Als wir in den Wagen einstiegen, sind seine Augen mit einem Halstuch zugebunden worden. Wir sind gefahren und man bedeutete uns, ihn aus dem Auto abzusetzen. Das taten wir. Der Oberoffizier hatte eine Kalaschnikow und eine Smith & Wesson. ‚Nehmt ihn an den Armen', befahl man uns und gab uns später ein Zeichen, ihn zu bringen, als ginge es zur Militäreinheit. ‚Bringt ihn nach vorn', hieß es. Wir führten ihn zu einer Brücke und sie gaben uns ein Zeichen: ‚Kommt.' Als wir neben dem Oberoffizier standen, richtete der die Kalaschnikow auf Arman. Er wollte ihn erschießen. Yesil sagte auf einmal: ‚Halt, nicht mit der.' Er ging zu ihm und schoss mit seiner Pistole zweimal auf ihn. Er hat ihn unter die Brücke gebracht und mit verbundenen Augen dort liegen lassen.”

Yeni Ülke wurde von Tilki bombardiert

In der Region gab es außer gegen Medya Günesi und Özgür Halk zahlrei-che Sprengstoffanschläge des JITEM auf Medien. Abdulkadir Aygan erzählt, dass das Yeni-Ülke-Büro in Diyarbakir in der Nähe des Postamts von Hüseyin Tilki, damals im JITEM als Soldat tätig, bombardiert worden war.

Okan wurde vom JITEM ermordet

Abdulkadir Aygan, seit zehn Jahren als Kader in dem JITEM in Diyarbakir, erzählt in seinen Geständnissen auch vom tödlichen Angriff auf den Polizeichef von Diyarbakir, Gaffar Okan: 31 Kurdistan Report 113 / Mai 2004 “Ich habe zehn Jahre in Diyarbakir gearbeitet und weiß genau, was für Maßnahmen man ergreifen muss, um für seine eigene Sicherheit zu sorgen. Wenn jemand keine offizielle Identität und kein starkes Rückgrat hat wie Militär-, Polizei- oder Nachrichtendienstangehörige, ist es sehr schwierig, in den Morgenstunden eine bewaffnete Aktion durchzuführen und zu flüchten, ohne dabei noch Spuren zu hinterlassen. Gaffar Okan hatte eine Besonderheit. Als er nach Diyarbakir kam, hat er manche JITEM-Angehörige verhört, sogar den Abweichler Muhsin Gül. Dieser berichtete mir das Ereignis so: ‚Sie haben mich als erstes an einem Haken aufgehängt. Dann fragten sie mich nach meiner Aufgabe im JITEM und den Aufträgen.' Sie hatten auch nach den JITEM-Kommandeuren gefragt. Man hat ihn im Polizeipräsidium erpresst und versucht, ihn für sich zu gewinnen. ‚Wir helfen dir', sagten sie ihm. Als Gül später zum JITEM kam, hat ihn keiner nach den Ereignissen im Polizeipräsidium gefragt.” (...)
“Ich hatte ihn zuletzt an einem Sonntag im JITEM gesehen. Am Abend rief mich Muhsins Bruder an: ‚Muhsin hat dich besucht, aber er ist immer noch nicht da. Wo ist er?', fragte er mich.” (...) “Ich habe daraufhin beim JITEM angerufen: ‚Muhsins Familienangehörige rufen mich an. Sie fragen nach ihm. Er war bei mir. Aber ich habe ihn zuletzt bei euch gesehen.' Sie schimpften mit mir: ‚Wie kannst du ihn bei uns gesehen haben?'
Als Muhsin Gül spurlos im JITEM verschwand, ist Abdulkadir Aygan im JITEM schwer verprügelt worden.” (...) “Als Gaffar Okan Polizeichef von Diyarbakir wurde, hat er das Präsidium nach seinen eigenen Prinzipien geführt. Alle JITEM-Angehörigen wurden in die Ecke gedrängt. Davor hatten Dorfschützer, Abweichler und JITEM-Angehörige im Stadtzentrum freie Hand gehabt. Sie konnten jederzeit irgendwelche Personen auf offener Straße verhaften und ins Präsidium bringen, wo man sie folterte und später spurlos ver- schwinden ließ.” (...) “Zu der Zeit ist die Zahl der ‚Morde unbekannter Täter' zurückgegangen, wenn auch nicht ganz.”

Die Angreifer sagten: “Wir sind Polizisten”

“Nach dem Verlassen des Polizeipräsidiums von Diyarbakir wurde Polizeichef Gaffar Okan am 24. Januar 2001 um 17 Uhr im Bezirk Sehitlik auf dem Sezai-Karakoc-Boulevard bei einem Überfall auf seinen Dienstwagen umgebracht. Mit Gaffar Okan starben auch der Neffe des Gesundheitsministers Osman Durmus, Atilla Durmus, und weitere Polizeibeamte namens Mehmet Sepetci, Mehmet Kamali, Sabri Kün und Selahattin Baysoy. An dem Angriff hatten 20 Leute teilgenommen. Es wurden Kalaschnikows und Granaten benutzt. Am Tatort fand man 460 Patronenhülsen. Es war sehr auffällig, dass die Täter, die unter sich mit Istanbuler Akzent (Hochtürkisch) sprachen, nach dem Angriff in die umliegenden Läden gingen und sagten, dass sie alles durchsuchen müssten, sie seien Polizisten. Der damalige Innenminister Sadettin Tantan hatte erklärt, dass das Attentat von der Hizbullah verübt worden sei.”

Kurdish Centre for Human Rights

Admin-Eingriff: Lediglich optische Korrekturen! KM-Team
« Letzte Änderung: 07. Jan 2009, 16:20 von X e m x w a r » Gespeichert
red | Beiträge:
red
Gast
« Antworten #1 am: 23. Sep 2006, 11:31 »

Hallo Ciwanro Kani,

Ich finde deinen Beitrag (ich hoffe wir können duzen?) sehr interessant denn diese Thematik wird selten angesprochen.
Gleichzeitig bin ich doch etwas überrascht, den Text den du hier eingefügt hast ist zunächst einmal nicht vollständig und ist - soweit ich das erkennen kann - doch auch eine Übersetzung von einer anderen website, von der die letzten paar Sätze fehlen.
Angesichts der Länge des Textes wäre es vielleicht angebrachter den Text zusammenzufassen und einen Link anzugeben.
Freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag.

Gespeichert
Ciwanro Kani | Beiträge:
Ciwanro Kani
Gast
« Antworten #2 am: 24. Sep 2006, 06:04 »

Hallo Red

Zitat
Gleichzeitig bin ich doch etwas überrascht, den Text den du hier eingefügt hast ist zunächst einmal nicht vollständig und ist - soweit ich das erkennen kann - doch auch eine Übersetzung von einer anderen website, von der die letzten paar Sätze fehlen.

Ich habe einen Teil dieses Textes absichtlich nicht eingefügt, weil seine aussage bei diesem Beitrag sich mit seiner aktuellen Äusserung widespricht, deswegen habe ich diesen Abschnitt weggelassen.

Zitat
Angesichts der Länge des Textes wäre es vielleicht angebrachter den Text zusammenzufassen und einen Link anzugeben.

Es sind sehr wichtige Informationen in diesem Text enthalten, daher wäre es falsch es zu kürzen, falls du aber eine Zusammenfassung davon machen möchtest , kannst du es gerne tun.
Was den Link betrifft, die Quelle ist angegeben "Ülkede Özgür Gündem", und die Übersetzung  ist von Kurdish Centre for Human Rights, ist auch angegeben.

Ich werde demnächst mehr über Ihn berichten. Ich hoffe dass ich irgendwie ein Treffen mit  einem europäischen Reporter und Abdulkadir Aygan arrangieren kann.

Silav u rez
Gespeichert
Miro | Beiträge: 1094
Miro
Hero Member
*****
Beiträge: 1094


« Antworten #3 am: 11. Nov 2006, 03:22 »

Hohe Haftstrafe für PKK-Überläufer


Istanbul. SDA/DPA/baz. Ein türkisches Gericht hat am Freitag einen Überläufer der illegalen Kurdischen Arbeiterpartei PKK zu knapp 40 Jahren Haft verurteilt. Grund dafür war die Beteiligung an einem Bombenanschlag.

Beim Anschlag im türkischen Kurdengebiet im November vor einem Jahr wurden ein Mensch getötet und fünf weitere Menschen verletzt. Der Anschlag hatte für politisches Aufsehen gesorgt, weil er zusammen mit Geheimdienstleuten verübt worden war.

Zwei Unteroffiziere der türkischen Gendarmerie waren deshalb bereits im Juni zu Gefängnisstrafen in gleicher Höhe verurteilt worden. Ihre Berufungsverhandlung ist für Januar 2007 anberaumt.


die rede ist von dem überläufer, der zusammen mit zwei offizieren der terror armee in kurdistan einen buchladen bombardiert und anschließend von der dortigen zivilbevölkerung gestellt worden sind.
« Letzte Änderung: 11. Nov 2006, 03:43 von Miro » Gespeichert
sekevir | Beiträge: 787
sekevir
Kurdmania Admin
******
Beiträge: 787

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« Antworten #4 am: 01. Feb 2007, 15:12 »

Immer wieder Veli Kücük

Nach dem Attentat an Hrank Dink stoßen die Ermittlungen immer wieder auf den Namen Veli Kück. Veli Kücük ist auch bekannt als Gründer der JITEM, eigentlich ein Geheimdienst der Türkischen Gendarmerie, jedoch hat sie sich auch mit extralegale Exekutionen an einfachen Zivilisten, unliebsamen Politkern und insbesondere oppositionellen Kurden einen Namen gemacht hat. Mal wird die Existenz der JITEM von den Offiziellen des Türkischen Staates verleugnet, mal zugeben. Nach bisherigem Informationsstand sind Verflechtungen des Attentäter Ogün Samast und seines Komplizen Yasin Hayal nach Azerbaycan zu Tage getreten. Dieser Staat ist auch dafür bekannt, dass dort neue Angehörige für die Kontergerilla-Einheiten des Türkischen Staates rekruriert werden.



01.02.2007 - Je weiter die Ermittlungen im Fall des Hrant Dink- Attentates voranschreiten, desto mehr Hinweis auf die Verwicklungen des "Tiefen Staates" treten zum Vorschein. Bei der Struktur des Tiefen Staates spielen bandenmäßige Organisationen eine wichtige Rolle. Immer wieder taucht dabei der Name Veli Kücük neben dem Attentäter und seinen Komplizen auf.

Es gibt Hinweise, dass die Identität des Attentäters Ogün Samast, schon rund 3 Stunden nach dem Attentat von Polizei und Geheimdienst in Erfahrung gebracht, und sein Verbleib via Telefonkontakte zwischen Attentäter und Komplizen ermittelt werden konnte. Man entschied sich dafür, dass Ogün Samast nicht sofort verhaftet werden sollte um die ganzen Verbindungen in diesem Fall aufzudecken. Daraus wurden dann auch die Informationen entnommen, dass Ogün Samast eigentlich nicht nach Trabzon, seiner Heimatstadt, flüchten wollte, sondern nach Hopa, um von dem dortigen Grenzübergang weiter nach Azerbaycan zu fliehen. In dem Linienbus, in dem sich Samast auf seiner Flucht befand, waren auch Mitglieder der Sicherheitskräfte unbemerkt zugestiegen. Der Bus wurde dann in den Busbahnhof von Samsun umgelenkt um Samast´s Festnahme mit den dortigen Gendarmiekräften zu vollziehen.

Erhan Tuncel, der in diesen Fall verwickelte V-Mann des türkischen Geheimdienstes MIT hatte schon vor 11 Monaten die Sicherheitskräfte von Trabzon auf den Attentatsplan auf Dink hingewiesen. Ebenso hat dieser Mann Informationen darüber geliefert, das Yasin Hayal 2 Monate vor seinem Bombenattentat auf eine Mc Donald´s Filliale der Schwarzmeerstadt nach Azerbaycan gefahren ist und in Berg Karabach rund 15 Tage verbracht hat. Seine Absicht war es nach Armenien einzusickern, als er dabei jedoch nicht erfolgreich war, ist er in die Türkei zurückgekehrt und hat das erwähnte Attentat auf die Mc Donald´s Filliale realisiert. Es ist schon durch unzählige Medienbericht allseits bekannt, dass besonders in Azerbaycan neue Mitglieder der Kontergerillakräfte angeworben werden. In diesem Zusammenhang steht auch der pensionierte General Veli Kücük, Gründer der Kontergerilla-Organistion JITEM. Bekannt neben seiner Verstrickungen im Susurluk-Fall sind auch seine hetzerischen Reden gegen Armenier auf Kongressen von azerbaycanischen Organisationen und Verbänden in Europa.



Die Person des pensionierten Generals Veli Kücük ist insbesondere so wichtig in dieser Angelegenheit, weil er auch eine zentrale Rolle für die gegen Armenien geführten Animositäten Azerbaycans eine Rolle spielt. Seine Aufgabe war es Ausbildungslager die aus der Türkei während des Berg karabach-Konfliktes eingeschleusten rechtsnationalen Kräfte zu gründen, diese für bandenmäßige Angriffe auf Armenien, sowie Azeris für Kontergerilla-Einsätze in der Türkei auszubilden.

Kücük´s zahlreichen Besuche in Azerbaycan, sowie seine Teilnahmen an unzähligen azerbaycanischen Tagungen, insbesondere ein bei einer Tagungen in Stockholm vom Mai 2005 aufgenommenes Foto, das ihm mit dem Attentäter Alparslan Aslan auf das türkische Oberverwaltungsgericht zeigt, fallen sofort ins Auge.



Betroffene Organisationen bestehen auf das Versprechen der Regierung den Fall Dink möglichst umfangreich aufzudecken, insbesondere welche Rolle Veli Kücük und die Aktivitäten in Azerbaycan dabei spielen.



Links zu Bezugsartikel:
http://www.kurdistan-post.com/News-file-article-sid-15013.html
http://www.ankarahaber.com/haber_detay.php?id=4162
http://www.haberbilgi.com/haber/yolsuzluk/ntm-0011/susurluk.html
« Letzte Änderung: 01. Feb 2007, 15:29 von sekevir » Gespeichert

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
sekevir | Beiträge: 787
sekevir
Kurdmania Admin
******
Beiträge: 787

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« Antworten #5 am: 07. Feb 2007, 15:20 »

Erkenntnisstand 07.02.2007 :

Neue Erkenntnisse im Fall Dink weisen Erhan Tuncel, einen der "Anstifter" des Attentats, als JITEM-Mitarbeiter aus. Auch Coşkun İğci, ein Onkel von Yasin Hayal, dem anderen "Anstifter", wurde als JITEM-Mitarbeiter ermittelt.

Yasin Hayal, hat wohl auch in seinen Vernehmungen bestätigt, dass er mehrmal nach Azerbaycan gereist ist und dort an Ausbildungen zum Bombenbasteln teilgenommen hat.

Desweitern wurden in der Zeitung Gündem weitere gemeinsame Fotos von Veli Kücük und Aslan Alparslan veröffentlicht. Dass dürfte Veli Kücük und seinen journalistischen Mentor Fatih Altayli von der Zeitung Sabah  Lügen strafen. Beide behaupteten vorsätzlich und wider besseren Wissens, dass es sich bei den ersten veröffentlichten Fotos um Fotomontage handele.






http://www.gundemimiz.com/haber.asp?haberid=29301 - "Bütün yollar JİTEM'e çıkıyor" / 07.02.2007
http://www.gundemimiz.com/haber.asp?haberid=29193 - "Veli Küçük yalan büyük" /  06.02.2007
http://www.gundemimiz.com/haber.asp?haberid=28386 - "Yukarı tükürsen bıyık aşağı tükürsen Veli Küçük / 27.01.2007
http://www.gundemimiz.com/haber.asp?haberid=28380 - "Buyurun fotoğrafı inceletin!" / 27.01.2007
http://www.gundemimiz.com/haber.asp?haberid=28018 - "Dokunulmayan general: Veli Küçük" / 23.01.2007
http://www.gundemimiz.com/haber.asp?haberid=27944 - "Susurlukçu Veli Küçük, tetikçi Arslan ile yanyana" / 22.01.2007
http://www.gundemimiz.com/haber.asp?haberid=27855 - "Her taşın altından Küçük çıkıyor" / 21.01.2007
Gespeichert

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
sekevir | Beiträge: 787
sekevir
Kurdmania Admin
******
Beiträge: 787

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« Antworten #6 am: 22. Feb 2007, 11:28 »

Bereits am 1.Februar hatte ich schon in einem anderen Posting von einer Haftbefreiung eines Häftlings durch die JITEM geschrieben. Als Gegenleistung für diese Befreiung sollte dieser Häftling einen Auftragsmord an einer bis dahin nur als "bekannte Persönlichkeit Diyarbekirs" genannten Person begehen. Die Vorgeschichte findet ihr also unter folgendem Thread :

http://www.kurdmania.com/forum-topic-1224.0.html (Türkische Justiz - Eine extralegale Hinrichtung)


Baydemir war Ziel der JITEM

22.02.2007 / OnlineGündem - Während der Verdacht, dass die Ermordung von Hrant Dink seitens Banden, die in Verbindung mit staatlichen Organen stehen, immer mehr an Aktualität gewinnt, ist nun praktisch erwiesen, dass die JITEM ein Attentat auf Osman Baydemir, dem Oberbürgermeister von Diyarbakir, plante.

Der von JITEM-Angehörigen am 21.November 2005 aus dem Diyarbakir E-Typ Gefängnis befreite Häftling Gökhan Cevheroğlu, sollte als Gegenleistung für seine Befreiung aus der Haft, den Oberbürgermeister von Diyarbekir, Osman Baydemir mit einem Attentat hinrichten.

Der in unserer Zeitung vom 31.Januar erschienene Artikel mit dem Titel "JİTEM'in tetikçi tezgahı" (JITEM/Auftragskiller-Verhandlungen" hatte bereits schon von diesen Plan, mit dem von Cevheroğlu an das Justizministerium gerichteten Beschwerdeschreiben vom März 2006, berichtet. ( ... )

Die bisher in den Vernehmungsaufzeichnungen als Attentatsziel stets nur als "eine in Diyarbekir bekannte Persönlichkeit" benannte Person, hat sich nun nach der letzten Aussage des Häftlings Gökhan Cevheroğlu als der Oberbürgermeister Baydemir herausgestellt. Nach dieser Aussage vor 4 Tagen, wurden vom Gourvernat Baydemir 3 Personenschützer zur Seite gestellt. Baydemir lehnte jedoch diese Anweisung mit der Begründung ab, dass er bereits schon selber Personenschützer für seine Sicherheits beauftragt habe.

Die gerichtlichen Untersuchungen um den Vorfall, wie es zu der extralegalen Haftbefreiung Cevheroğlu´s kommen konnte, dauern hingegen noch an. Während die Aussagen eines beteiligten Gefängniswärters und des Gefängnisdirektors protokolliert wurden, ist von der zuständigen Staatsanwaltschaft noch keine Klage erhoben worden.



Bezugsartikel:
http://www.gundemimiz.com/haber.asp?HaberId=30554
Gespeichert

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
Rewsen | Beiträge: 3132
Rewsen
Hero Member
*****
Beiträge: 3132


« Antworten #7 am: 06. Nov 2007, 13:47 »


Der Artikel ist zwar schon älter (Mai 2004), ich bin dennoch der Meinung, dass er hier nicht fehlen darf:


Der von der Regierung beauftragte private Killer und Konter-Guerilla, der auch an der Ermordung des kurdischen Gelehrten Musa Anter beteiligt war, hat der in der Türkei erscheinenden Zeitung Ülkede Özgür Gündem alle Einzelheiten berichtet.

In dem Text werden Sie die Schrecken der Verbrechen während des schmutzigen Krieges in Kurdistan erfahren und in den Geständnissen Aygans über die Beziehungen zwischen Polizei und Militär lesen.

Innerhalb der letzten fünfzehn Jahre haben sich an den Wegen, Seen, Bächen, Seitenstraßen und unter den Brücken Kurdistans die Zahlen der Leichen erheblich summiert. Diejenigen, die sich in die "zärtlichen Arme" des Staates ergeben haben, sind zu Todesmaschinen mutiert. Beim "Kampf gegen den Terrorismus" sind Tausende von Verbrechen begangen worden.

In den Straßen weht seit Jahren der Duft des Todes. Sogar Berichte der Menschenrechtsorganisationen und der Susurluk-Untersuchungsbericht haben nicht annähernd die Brutalität wiedergeben können. Diejenigen, die versprochen haben, den "Morden unbekannter Täter" ein Ende zu setzen, tauchen nicht mehr auf. Man hat herausgefunden, dass die Todesschwadronen des "Rechtsstaates" immer noch offiziell beschäftigt sind. Die Enthüllungen des JITEM-Killers Abdulkadir Aygan sind daher einzelne Anklageschriften.

Damit die Gerechtigkeit ihren Platz findet und die Wahrheit ihr Ziel erreicht, müssen die geehrten Staatsanwälte diese Dokumente ihren Dossiers beifügen. Wenn sie es nicht tun, müssen die Menschen, die seit fünfzehn Jahren darunter gelitten haben, dies mit ihren Stimmen fordern. Wird nun die AKP-Regierung die Killer weiterhin finanzieren? Werden die in fünfzehn Jahren erlebten Realitäten untersucht werden? Wird die Gerechtigkeit ihren Platz wirklich finden?

Die Aktion von Yesil: Der kurdische Gelehrte Musa Anter, der anlässlich des Kulturfestivals in Diyarbakir weilte, wurde am 20. September 1992 ermordet. Die Mordakten Musa Anter verstauben seit zwölf Jahren im Regal. Im Susurluk-Untersuchungsbericht von Ministerialinspektor Kutlu Savas wird anerkannt, dass der Mord von staatlicher Seite aus verübt wurde. Die Geständnisse im Mordfall Ape Musa befinden sich in der Anlage zum Report im 9. Dossier. Aber da die Anlagen des Reports als "Staatsgeheimnis" befunden wurden, gelang bis heute keine Veröffentlichung.

Die Regierungen, die bis heute die Geständnisse aus dem Susurluk-Report nicht verfolgt haben, haben somit auch den Mordfall Ape Musa verdeckt. Die Geständnisse des staatlich finanzierten Mörders und Konter-Guerilla-Mitglieds Abdulkadir Aygan zum Mord an Ape Musa: "Die größte Aktion, in die Yesil mit verwickelt war und in der ich Zeuge gewesen bin, war der Mord an Ape Musa. Obwohl Cem Ersever zu dieser Zeit in Ankara war, ist er später mit Neval Boz nach Diyarbakir gekommen. Am Tag des Mordes fuhr er nach Adiyaman. "Ich werde zum Berg Nemrut gehen und von dort aus sehen, ob eine Gruppe mit Funkapparaten ausgerüstet ist", sagte er. In diesem Moment hatte Yesil den Mordanschlag gegen Musa Anter im JITEM organisiert. Da der Gruppenkommandant im Urlaub war, hatte Teamkommandant Savas Gevrekci auch dessen Arbeiten weitergeleitet. Im Fall von Musa Anter wurde Cemil Isik unter dem Decknamen Hogir eingesetzt. Die beiden Abweichler Hogir und Sirnakli Hamid hatten zusammen die Partei verlassen."

(...)

"Ich selber hatte als Erster festgestellt, in welchem Hotel in Diyarbakir Musa Anter sich befand. Dann ist auch Yesil gekommen. Er fuhr einen weißen Landrover. Den hatte er vom Provinzgouverneur bekommen, der ihn vorher als eine Spende vom MIT. Er hatte ihn für seine Aufgaben genommen. Mustafa Deniz war mit Yesil gekommen. ‚Mach einen Plan gegen Musa Anter, dass du ihn zu uns locken kannst', sagten sie zu Hogir."

(...)

"Hogir, ein ehemaliges Mitglied der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der später die Partei verließ, kannte Musa Anter schon früher. Ape Musa war traurig, dass Hogir die Partei verlassen hatte und wollte sich mit ihm treffen. Ape Musa wusste damals nicht, dass Hogir im JITEM arbeitete. Somit hat Hogir Hamid beauftragt, sich um das Treffen zu kümmern und ihn ins Hotel geschickt: "Sag ihm, ich wäre einverstanden. Ich möchte mich mit ihm treffen und erwarte ihn in einem Haus. Du wirst ihn zu mir bringen." Beim ersten Versuch hatte Hamid keinen Erfolg. Beim zweiten Mal haben wir uns mit dem Landrover auf den Weg gemacht. Ali Ozansoy war im JITEM in Saraykapi in der Hauptfunkzentrale. Hogir bekam eine Kalaschnikow. Da ich einen JITEM-Ausweis und eine Waffe besaß, haben sie mich zu Hogir eingeteilt, damit, wenn was sein sollte, ich auch zuschlagen könne. Als wir die Brücke überquert hatten, haben sie uns am Ausgang von Silvan abgesetzt. Yesil ist mit Mustafa Deniz zusammen auf den Hügel gestiegen. Sie hatten die Funkgeräte. Hamid war inzwischen auf dem Weg ins Hotel, um Ape Musa abzuholen. Er sollte ihn mit einem Taxi zu uns bringen. Hogir sollte ihn anschließend töten." Hamid hat abgedrückt ... "Hogir war bewaffnet. Bis in den späteren Abend kam niemand. Er meinte daraufhin: "Alles ist irgendwie merkwürdig. Wir sollten zu Yesil gehen. Wenn uns die Polizei verhaftet, sieht es schlecht für uns aus." Wir sind weitergelaufen.

Diesmal aber haben wir nicht die Straße, sondern den Feldweg benutzt. Kurze Zeit, nachdem wir bei Yesil angekommen sind, haben wir Sirenen gehört. Yesil meinte daraufhin: "Es ist bestimmt etwas passiert, ich weiß aber nicht, was." Später mussten wir den Landrover zum Ort des Geschehens fahren, da der Weg in Richtung der Hauptstraße nach Silvan führte. Am Ziel sagte Ali Ozansoy, dass alles in Ordnung sei. Hamid hätte Ape Musa erschossen.

Später hat Hamid seine Tat gestanden: "Es ist alles in Ordnung. Ich habe ihn erschossen." Hogir fragte, warum er ihn nicht zu uns gebracht hätte, und Hamid antwortete: "Sie haben gezweifelt. Wir stiegen in das Taxi ein. Neben ihm war sein Neffe. In Seyrantepe habe ich gesagt, dass es nicht mehr so weit ist. Aber sie haben immer noch nach unserem Ziel gefragt. Ich bemerkte, dass sie Verdacht geschöpft hatten und dass alles nicht mehr so weitergehen konnte. Ich ließ sie aussteigen." Hamid hatte vom JITEM eine 14er UMAN-Markenpistole. Er erschoss sie beide in einer Sackgasse und warf die Tatwaffe später in einen Müllcontainer." Das am Verbrechen gegen Musa Anter beteiligte Vollstreckungsteam: Savas Gevrekci: Teamkommandeur im JITEM und Stellvertreter der JITEM-Gruppenkommandeure. Während seiner Schicht war das Verbrechen verübt worden.

Mahmut Yildirim, Deckname "Yesil" [auf Deutsch "Grün"]: Vorbereiter der Aktion.

Abdulkadir Aygan, Deckname "Serif Aslan": JITEM-Mitglied und -Aktivist. Er besaß auch einen Personalausweis unter dem Namen "Aziz Turan".

Mustafa Deniz: Abweichler. Mit Yesil hat er am Tatort am Hügel gewartet.

Ali Ozansoy: War eingesetzt in der Hauptfunkzentrale der JITEM-Gruppenkommandeure.

Der Mörder Hamid und Cemil Isik, Deckname "Hogir", haben sich auch an dem Verbrechen beteiligt.


Wer ist Abdulkadir Aygan?

Abdulkadir Aygan wurde am 15. März 1958 in Urfa, Landkreis Suruc, im Dorf Uzunhidir geboren. Wegen der schlechten ökonomischen Lage ist die Familie nach Gaziantep, in den Landkreis Nizip, ausgewandert und von dort aus nach Osmaniye. 1975 war er auf der Berufsschule in Adana. 1977 hat er die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) kennen gelernt. Er brach das Studium ab und ging wegen seiner politischen Aktivitätennach Nizip. Bei einer Wohnungsrazzia wurde er 1980 verhaftet.

Er saß anderthalb Jahre in den Gefängnissen von Gaziantep, Nizip und Kilis. In dieser Zeit hat er seine Kontakte zur PKK abgebrochen und ist zum Militär gegangen, um seinen Dienst abzuleisten. Während des Militärdienstes auf Zypern ist er aus der Armee nach Europa geflüchtet. In Europa hat er sich nochmals der PKK angeschlossen und sich in Sason, Mutki und Sirvan an den politischen Aktivitäten beteiligt. 1985 ist er zur Guerilla geflüchtet und hat sich später dem Staat ergeben.

Er saß in der Zelle der Abweichler im Gefängnis von Diyarbakir. Mit seiner Beteiligung am "Reuegesetz" wurde seine Strafe gesenkt, er kam 1990 frei. Nach der Entlassung wurde er wieder beim Militär aufgenommen und kam später zur siebenköpfigen JITEM-Kadergruppe, die durch A. Cem Ersever neu gegründet worden war. Nach ihrem Militärdienst wurde allen Abweichlern der Status von Zivilbeamten zuerkannt, später, auch vonseiten Esref Bitlis, der Status von Staatsbeamten.

Nachdem Aygan unter dem Decknamen "Serif Aslan" bekannt geworden war, stellte man ihm als Abweichler neue Papiere auf den Namen "Aziz Turan" aus. Er hat unter verschiedenen Namen zehn Jahre im JITEM gearbeitet und staatlich finanziert viele Menschen festgenommen und Verbrechen verübt. Im Jahr 2000 wurde er aus dem JITEM entlassen, anschließend als "Zivilbeamter" in das Regimentskommando der Provinzgendarmerie in Burdur berufen. Er ist verheiratet und Vater von 5 Kindern.


Wie wurden Hogir und Hamid in den JITEM eingeführt?

(...) "Ein Clan-Mitglied aus dem Süden [Nord-Irak] war an der Brücke von Habur eingesetzt. Er hatte mit der JITEM-Einheit in Silopi Kontakt aufgenommen und verriet den Ort, an dem sich Hogir, der die PKK verlassen hatte, dessen Frau und Hamid befanden. Hinterher kam Cem Ersever nach Silopi. Ich, der Oberoffizier Mazhar und Ali Ozansoy sind zusammen durch das Grenztor von Habur gegangen. Als Hogir und die anderen nach Zakho gegangen waren, sind sie in einer Hütte geblieben. Wir haben sie dort getroffen. Hogir war äußerst beunruhigt, weil er die Partei verlassen und das Gefühl hatte, seines Lebens nicht mehr sicher zu sein. Man hatte ihm versprochen, nicht verhaftet und gefoltert zu werden, wenn er alles aussagen würde. Eine Reise nach Deutschland war ihm auch vorgeschlagen worden. Hogir war zuerst unschlüssig. Aber Ali Ozansoy und Oberoffizier Mazhar hatten ihn überredet. Man hat ihn später zum JITEM nach Diyarbakir gebracht und hinterher mit Hamid im Fall Musa Anter benutzt."


Vedat Aydin wurde von Ersevers Gruppe ermordet

Abdulkadir Aygan berichtet über die Ermordung an dem kurdischen Politiker und Intellektuellen Vedat Aydin: "Ich habe im Fall Vedat Aydin, des Vorsitzenden der HEP in Diyarbakir, der am 5. Juli 1991 entführt und am 7. Juli liquidiert wurde, an der Erkundung teilgenommen. Die Aufklärung hatte der Abtrünnige Selahattin Görgülü, Deckname "Derdo", begonnen. Er versuchte, ihn zu treffen, war aber immer erfolglos. Dann hat er sich mit Cem Ersever getroffen. Der hat uns im Auto mitgenommen und gegenüber der Wohnung von Vedat Aydin in der Istasyon-Straße gehalten. Er und eine weitere Person haben das Gebäude untersucht, in der Vedat Aydin gewohnt hat. Als ich zwei Tage später morgens zum JITEM zur Arbeit kam, fand ich niemand, weder Cem Ersever noch die anderen. (...)

Ich fragte einen Soldaten: "Wo sind der Kommandant und die anderen?" Er antwortete: "Sie schlafen und meinten, dass keiner sie stören soll." Es ergab keinen Sinn. Ich hatte nichts gehört und wusste auch nicht, was passiert war. Nach ein paar Stunden ist Cem Ersever aufgewacht und fragte mich, warum ich so früh zur Arbeit käme. Ich antwortete: "Mein Kommandant, ich bin pünktlich wie immer."  "Die Lage ist schlecht", sagte er. Ich fragte daraufhin: "Warum?" "Sie haben Vedat Aydin erschossen", erklärte er. Als ich das hörte, wusste ich in diesem Moment nicht, was ich machen sollte. Schließlich hatten wir die Aufklärung zusammen durchgeführt. Sie hatten mich aber nicht mitgenommen. Ich blickte die, die noch im Bett waren, an. Es waren Fetih Cetin, Ali Ozansoy und sein Stellvertreter Major Aytekin Özer. Alle schliefen noch. Ich sah ihre Schuhe an. Alle waren mit Schlamm verdreckt. Auch das Auto sah so aus."

(...) "Nach diesem Tag habe ich Selahattin Görgülü nie wieder gesehen. Cem Ersever sagte mir, er sei für zehn Tage seine Familie besuchen gegangen. Es könnte ja sein, dass er die Tat begangen hat und ihn Ersever später wegschicken ließ." (...) "Weil er mehrmals versucht hat, mit Vedat Aydin in Kontakt zu treten. Natürlich auf Anweisung von Cem Ersever."


Die Bekanntschaft mit "Testere [auf Deutsch "Säge"] Ersever"

"Als ich im März nach Kars ging, hat man mir mitgeteilt, dass Major Cem Ersever und Oberst Arif Dogan nach mir fragen. Ich kannte aber keinen Arif Dogan. Nur an Cem Ersever konnte ich mich erinnern, weil er 1985 bei meinem Verhör, in Siirt, als Hauptmann beteiligt war. Er bekam alle Befehle aus Ankara."

(...) "Cem Ersever hatte mir angeboten nach Diyarbakir zu kommen. Ich nahm das Angebot sofort an." (...) "Nach einer Grundausbildung wurde ich im Kommandeurquartier für Sicherheit, im Bezirk Sehitlik, aufgenommen." (...) "In den Straßen von Diyarbakir verhielten wir uns meistens wie Zivilisten. Um uns zu schützen, gaben sie uns noch eine Pistole."


Der Kernkader wird gegründet

Aygan war ein sieben- bis achtstöckiges Haus im Bezirk Baglar in Diyarbakir angeboten worden, um dort mit seiner Familie zu wohnen. Aber er nahm dieses Angebot nicht an:

“Daraufhin haben sie uns einen Platz im Wohnheim der Gouverneure von OHAL angeboten. Sie sagten uns, hier seien wir in Sicherheit. Die Gegend würde von Wachposten und Spezialeinheiten bewacht und uns würde nichts passieren können. Wir nahmen das Angebot an. Sie haben die ganze Wohnung möbliert. Auch Kemal Emlük und Hasan Adak wohnten mit ihren Familien im Wohnheim. Für unsere Selbstverteidigung gaben sie uns eine Pistole. Zu der Zeit herrschten in ganz Diyarbakir Unruhen. Offen gesagt hatte die Partei [PKK] die Kraft uns jeden Augenblick zu töten. Deswegen war es uns untersagt allein spazieren zu gehen. Sie schlugen uns vor, immer zu zweit auf die Straße zu gehen. Im Stadtzentrum zu spazieren war meistens nicht erlaubt.”


Ersever gründet seine Gruppe

Abdulkadir Aygan erzählt, dass Cem Ersever während des Militärdienstes die Absicht hatte, ein Team aus Soldaten zu bilden, die ihren Dienst noch nicht beendet hatten:

“Cem Ersever hatte versucht, aus uns ein Team zu bilden für den Anti-Guerillakampf. Er glaubte, nur mit einer solchen Gruppe Erfolg gegen den Guerillakampf zu haben.” (...) “Der Vorschlag wurde angenommen. Später wurde jedes Teammitglied als offizieller Kader anerkannt.”


657 Abweichler

“Den Abtrünnigen, die ihren Militärdienst abgeleistet hatten, wurde der Beamtenstatus verschafft. Ordnungskommandeur und Gebietsgouverneur hatten dem Generalstab dies vorgeschlagen. Auch Cem Ersever und der Gruppenkommandeur des Nachrichtendienstes machten den Vorschlag, die Abweichler als “Zivilbeamte” in den Nachrichtendienst der Gendarmerie aufzunehmen. 27 Personen wurden als Kader aufgenommen. Unter ihnen waren ich, Binevs Alsac, Deckname “Kulplu”, Saniye Emlük, Kemal Emlük, Hatice Elmas, Hasan Adak, Recep Tiril, Hanim Beyaz, Ali Ozansoy und Fetih Cetin.


Das erste Ziel war Özer

Nach einer Durchführung in Mardin wurde zum ersten Mal in Diyarbakir ein Sprengsatz mit Fernzündung im Auto des Vorsitzenden der Rechtsanwaltskammer RA, Mustafa Özer, plaziert. Aygan über die Einzelheiten:
“Es gab eine Liste mit Namen, die als Ziele ausgesucht waren. Dazu gehörten die Zeitschrift Özgür Halk, das Zeitungsbüro, Mustafa Özer und Hasip Kaplan. Cem Ersever traf sich zu dieser Zeit öfter mit Hayri Kozakcioglu und Hikmet Köksal Pasa. Immer wenn er kam, sagte er: ‚Los, Jungs, stellt das Auto und die Wohnung dieses Mannes fest.' Wir wussten sofort, dass diese Person das nächste Ziel war. Wir haben erfahren, dass die Wohnung von Mustafa Özer in der Nähe des Wohnheims Kurtoglu in Ofis lag und er ein Auto der Marke Ford besaß, das er immer vor der Wohnung auf dem Bürgersteig parkte. Cem Ersever leitete die Operation. Als Stellvertreter hatte er Aytekin Özen, Deckname “Celil”, beauftragt. Ersever und Ibrahim Babat sind mit einem weißen Kartal [Automarke in der Türkei], ich, Ali Ozansoy und Aytekin Özen mit einem grünen Kartal nach Ofis gefahren. Der Sprengsatz war in einer schwarzen Tüte, die Fernbedienung bei Aytekin Özen. Ich und Ali Ozansoy gingen den Sprengsatz plazieren. Wir gingen am Auto von Mustafa Özer vorbei, unter dem Ali Ozansoy den Sprengsatz gelassen hatte. Hinterher sind wir zu Aytekin Özen gegangen. Er hatte die Fernbedienung so eingestellt, dass er das Auto von weitem beobachten konnte. Er drückte den Knopf der Fernbedienung, so dass der Sprengsatz explodierte. Es gab einen großen Lärm, die Flammen loderten. Nach der Aktion gingen wir zum JITEM.”


“Ich habe festgehalten, Yesil hat ihn erschossen”

Abdulkadir Aygan berichtet in seinen Geständnissen auch, dass er bei der Ermordung des Vorstandsmitglieds der HEP, Harbi Arman, in Mus am 20. Januar 1992 in der Gruppe von Mahmut Yildirim, Deckname “Yesil”, war:
“Mit Yesil habe ich zusammen an einer Aktion teilgenommen.

Im Todesfall des Vorstandsmitglieds der HEP, Harbi Arman, in Mus auf der Landstraße in Elazig, hat Yesil damals Fetih Cetin und mich mitgenommen. Dabei war auch ein bärtiger Oberoffizier. Nachdem man mit Harbi Arman in Kontakt getreten war, sagte man ihm, dass er zur Aussage kommen müsse. Daraufhin wurde er zum JITEM nach Diyarbakir gebracht.”

(...) “Man hat ihm gesagt, dass einem nach den Regeln die Hände gefesselt und die Augen verbunden werden müssen und die Militäreinheit außerhalb der Stadt liege, so dass wir mit dem Landrover fahren müssten. Harbi Arman war mit allem einverstanden. Als wir in den Wagen einstiegen, sind seine Augen mit einem Halstuch zugebunden worden. Wir sind gefahren und man bedeutete uns, ihn aus dem Auto abzusetzen. Das taten wir. Der Oberoffizier hatte eine Kalaschnikow und eine Smith & Wesson. ‚Nehmt ihn an den Armen', befahl man uns und gab uns später ein Zeichen, ihn zu bringen, als ginge es zur Militäreinheit. ‚Bringt ihn nach vorn', hieß es. Wir führten ihn zu einer Brücke und sie gaben uns ein Zeichen: ‚Kommt.'

Als wir neben dem Oberoffizier standen, richtete der die Kalaschnikow auf Arman. Er wollte ihn erschießen. Yesil sagte auf einmal: ‚Halt, nicht mit der.' Er ging zu ihm und schoss mit seiner Pistole zweimal auf ihn. Er hat ihn unter die Brücke gebracht und mit verbundenen Augen dort liegen lassen.”


Yeni Ülke wurde von Tilki bombardiert

In der Region gab es außer gegen Medya Günesi und Özgür Halk zahlreiche Sprengstoffanschläge des JITEM auf Medien. Abdulkadir Aygan erzählt, dass das Yeni-Ülke-Büro in Diyarbakir in der Nähe des Postamts von Hüseyin Tilki, damals im JITEM als Soldat tätig, bombardiert worden war.


Okan wurde vom JITEM ermordet

Abdulkadir Aygan, seit zehn Jahren als Kader in dem JITEM in Diyarbakir, erzählt in seinen Geständnissen auch vom tödlichen Angriff auf den Polizeichef von Diyarbakir, Gaffar Okan:

“Ich habe zehn Jahre in Diyarbakir gearbeitet und weiß genau, was für Maßnahmen man ergreifen muss, um für seine eigene Sicherheit zu sorgen. Wenn jemand keine offizielle Identität und kein starkes Rückgrat hat wie Militär-, Polizei- oder Nachrichtendienstangehörige, ist es sehr schwierig, in den Morgenstunden eine bewaffnete Aktion durchzuführen und zu flüchten, ohne dabei noch Spuren zu hinterlassen.

Gaffar Okan hatte eine Besonderheit. Als er nach Diyarbakir kam, hat er manche JITEM-Angehörige verhört, sogar den Abweichler Muhsin Gül. Dieser berichtete mir das Ereignis so: ‚Sie haben mich als erstes an einem Haken aufgehängt. Dann fragten sie mich nach meiner Aufgabe im JITEM und den Aufträgen.' Sie hatten auch nach den JITEM-Kommandeuren gefragt. Man hat ihn im Polizeipräsidium erpresst und versucht, ihn für sich zu gewinnen. ‚Wir helfen dir', sagten sie ihm. Als Gül später zum JITEM kam, hat ihn keiner nach den Ereignissen im Polizeipräsidium gefragt.”

(...)

“Ich hatte ihn zuletzt an einem Sonntag im JITEM gesehen. Am Abend rief mich Muhsins Bruder an: ‚Muhsin hat dich besucht, aber er ist immer noch nicht da. Wo ist er?', fragte er mich.”

(...)

“Ich habe daraufhin beim JITEM angerufen: ‚Muhsins Familienangehörige rufen mich an. Sie fragen nach ihm. Er war bei mir. Aber ich habe ihn zuletzt bei euch gesehen.' Sie schimpften mit mir: ‚Wie kannst du ihn bei uns gesehen haben?'

Als Muhsin Gül spurlos im JITEM verschwand, ist Abdulkadir Aygan im JITEM schwer verprügelt worden.”

(...)

“Als Gaffar Okan Polizeichef von Diyarbakir wurde, hat er das Präsidium nach seinen eigenen Prinzipien geführt. Alle JITEM-Angehörigen wurden in die Ecke gedrängt. Davor hatten Dorfschützer, Abweichler und JITEM-Angehörige im Stadtzentrum freie Hand gehabt. Sie konnten jederzeit irgendwelche Personen auf offener Straße verhaften und ins Präsidium bringen, wo man sie folterte und später spurlos verschwinden ließ.” (...) “Zu der Zeit ist die Zahl der ‚Morde unbekannter Täter' zurückgegangen, wenn auch nicht ganz.”


Die Angreifer sagten: “Wir sind Polizisten”

“Nach dem Verlassen des Polizeipräsidiums von Diyarbakir wurde Polizeichef Gaffar Okan am 24. Januar 2001 um 17 Uhr im Bezirk Sehitlik auf dem Sezai-Karakoc-Boulevard bei einem Überfall auf seinen Dienstwagen umgebracht. Mit Gaffar Okan starben auch der Neffe des Gesundheitsministers Osman Durmus, Atilla Durmus, und weitere Polizeibeamte namens Mehmet Sepetci, Mehmet Kamali, Sabri Kün und Selahattin Baysoy.
An dem Angriff hatten 20 Leute teilgenommen. Es wurden Kalaschnikows und Granaten benutzt. Am Tatort fand man 460 Patronenhülsen. Es war sehr auffällig, dass die Täter, die unter sich mit Istanbuler Akzent (Hochtürkisch) sprachen, nach dem Angriff in die umliegenden Läden gingen und sagten, dass sie alles durchsuchen müssten, sie seien Polizisten. Der damalige Innenminister Sadettin Tantan hatte erklärt, dass das Attentat von der Hizbullah verübt worden sei.”


Die Anatomie eines Mörders

“Es gibt einen Automatismus. Egal, ob du als Gruppenmitglied offiziell oder inoffiziell in jeden Fall verwickelt bist, letztendlich bist du auch mitverantwortlich.” (...) “Du bist mit der Gruppe zusammen. Man gibt dir einen Auftrag und du führst ihn aus. So wird man ein Teil des Verbrechens. In vielen Fällen, die in der Gendarmerie des Gruppenkommandeurs stattfanden, war ich auch immer bereit. Bei manchen Fällen war ich Augenzeuge, an manchen habe ich teilgenommen. Um all das zu vergessen, trank ich Alkohol. Auch hochrangige Offiziere haben diesen Ausweg gewählt. Es gab keine Ruhe mehr in der Familie. Auch Unterstützung hat mir gefehlt. Auch die neben mir wussten ganz genau, dass der Staat uns nach Gebrauch wie dreckige Lappen vernichten würde. Das Leben ist kein Leben mehr für uns. Man schämt sich und kann einem nicht mehr ins Gesicht sehen. Mein Leben wurde in einen Alptraum verwandelt.”

[Jandarma Istihbarat Terör Mücadele (JITEM): Anti-Terror-Nachrichtendienst der Gendarmerie]


Originalquelle: KurdistanReport 113


Abdulkadir Aygan spielt auch in dem neuen Film von Yüksel Yavuz mit:

http://www.kurdmania.com/modules.php?name=Forum&topic=1923.msg13532
 
« Letzte Änderung: 06. Nov 2007, 13:54 von Rewsen » Gespeichert

Gotina rast sondê naxwaze

Miro | Beiträge: 1094
Miro
Hero Member
*****
Beiträge: 1094


« Antworten #8 am: 06. Nov 2007, 16:26 »

aygan lebt soweit ich weiß zur zeit in schweden und steht unter dem schutz der schwedischen geheimdienst.

er ist einer der wichtigsten zeugen der geschnisse in kurdischen provinzen bei dem hunderte kurdische persönlichkeiten auf einer bestialisch- verbrecherichen art ermordet ihre leichen geschändet worden sind. aygan wurde damals von dem kurdischen sender roj-tv interviewt, als er geschafft hat nach schweden zu gelangen und in diesen interviews machte aygan angaben über die orte der ermordeten kurden etc.. daraufhin wurden auch dutzende kurden die zuvor in das jewilige gendarmerie gerufen oder verschleppt worden waren ihre leichen aufgefunden!

er ist ein wichtiger zeuge dafür wie verbrecherisch das türkische regieme gegen kurden vorgegangen ist/ geht, deshalb gehört er vor einem gericht oder ähnlichem instiution, wo solche details offen gelegt werden können.
Gespeichert
sekevir | Beiträge: 787
sekevir
Kurdmania Admin
******
Beiträge: 787

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« Antworten #9 am: 03. Okt 2008, 17:10 »

Generalstab für die Gründung der JITEM verantwortlich

Der Generalstab hat bisher die tatsächliche Existenz der JITEM nie zugeben, aber Heute wird aus einer Meldung in der trk. Presse deutlich, daß der Generalstab mit eigener Anweisung für die Gründung der JITEM verantwortlich ist.

Der im Verlauf der Ergenekon-Anklage verhaftete Ex-Oberst Arif Doğan, der im Verdacht steht die JITEM angeführt zu haben, hat bei einer Gerichtsverhandlung am 15. August 2008 folgende Aussage abgegeben:




Zitat
"Ich stand im Dienst des Nachrichtendienstes der Gendarmerie und war Kommandant der JITEM- Gruppe. Der Nachrichtendienst der Gendarmerie ist vom Personal dem Generalstab bekannt. Die JITEM wurde im vollen Wissen und auf Anordnung der obersten Kommandanten, oder besser der verantwortlichen Kommandanten als Versuchsorganisation gegründet. Ich bin der Gründer dieser Organisation. Das Aktionsgebiet beschränkte sich auf die OHAL (Ausnahmezustandsgebiete, gemeint sind die kurdischen Regionen). Es kann nicht die Rede davon sein, dass etwas ausserhalb diesen Rahmens geschah und es gibt auch keine Kader. Weil wir im Versuchsstadium waren mussten wir auch ausserhalb der Dienstzeiten noch Zeit aufwenden. Wir haben Terrorbekämpfung in Rahmen der Gesetze betrieben."

Quelle: Milliyet vom 3.Oktober 2008, "JİTEM bir denemeydi, OHAL'de kullanıldı" von GÖKÇER TAHİNCİOĞLU /
http://www.milliyet.com.tr/Guncel/HaberDetay.aspx?aType=HaberDetay&Kategori=guncel&KategoriID=&ArticleID=998491&Date=03.10.2008&b=Kurucusundan%20JITEM%20itirafi
Gespeichert

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
X e m x w a r | Beiträge: 1075
X e m x w a r
Kurdmania Admin
******
Beiträge: 1075


« Antworten #10 am: 01. Dez 2008, 09:12 »

In seinem Artikel "Weine mir nicht auf kurdisch" erinnert der Autor den CHP-Vorsitzenden Baykal an Lice:

Zitat
Hast du vergessen, dass man dich in Licê (Landkreis in Amed) nicht eingelassen hat?

Was war passiert?

Zitat
Massaker von Lice

Was war passiert? Am 22. Oktober 1993 wurden in Lice 15 Menschen ermordet und verbrannt, 22 weitere wurden verletzt. Darüberhinaus wurden 400 Gebäuden zerstört und niedergebrannt, ebenso 250 Geschäfte! Die türkischen Militärs schoben die Schuld der PKK zu und verteidigten sich auf diese Weise auch vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. 2001 wurde die Türkei jedoch für schuldig befunden und musste Schadenersatz leisten! Die Bevölkerung in Lice beschuldigte jedoch die Militärs, nach einem (nicht vollständig aufgeklärten) Attentat auf den Brigadegeneral Bahtiyar Aydın, einer tollwütigen Aktion und selbst der Politiker Murat Karayalçın (der neuerdings von der SHP zur CHP wechselt, um in der Wahl gegen AKP-Spitzenkandidat Melih Gökçek anzutreten) zweifelte damals die Täterschaft der PKK an, denn alle Zu- und Abänge Lices waren gesperrt, der Stadtteil unter Rauch und Flammen und sogar Telefonverbindungen waren nicht möglich!

Nun heißt es auf Rizgarî Online, dass - wie erwartet - nicht die PKK für den Mord an Bahtiyar Aydin verantwortlich war, sondern der türkische Staat selbst: Sekundärquelle Kurdistan-Post

Nach Aussagen des Unteroffiziers Hüseyin Oğuz wurde Bahtiyar Aydin Opfer von PKK-Überläufern innerhalb des Jitems!
Der Mörder habe bereits 1996 gestanden für den Mord verantwortlich zu sein: Der Mörder, der seine Karriere erst in der PKK begann, später jedoch zu Jitem wechselte, wurde von Oberst Hamdi P. per Hubschrauber zum Tatort geflogen.

Bahtiyar Aydin erkannte zu seiner Zeit, dass "der Terror nicht Waffen zu beseitigen sei"!


Gespeichert

 
Gehe zu:  

Powered by SMF 1.1.16 | SMF © 2006-2007, Simple Machines