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Kurdistan Diskussionsforum 23. Mai 2012, 02:08 *
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Autor Thema: Sammelthread Geburtstagsgrüße  (Gelesen 1962 mal)
Amos | Beiträge: 4300
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« am: 27. Aug 2009, 04:07 »

@ SiWan:

Alles Gute zum Geburstag
.

Jetzt wärst du auch nach alter Rechnung volljährig. Bei aller Freude für dieses Ereignis kommt als Gruß von mir trotzdem ein besinnliches Gedicht aus grauer Vorzeit, gut 100 Jahre alt, jedoch den Umständen entsprechend etwas aktualisiert.

Der Dichter des Originals heißt Ludwig Thoma (21.01.1867 - 26.08.1921) und ist  allgemein als "oberbayrischer Volksdichter" bekannt, dem mensch solche aufmüpfigen und staatsgefährdenden Gedanken vielfach nicht zutraute. Aber nach den "Lausbutengeschichten" (1905) und "Jozef Filsers Briefwexel" (1912) ließ er sich von der nationalistischen und zunehmend antisemitischen Krankheit anstecken, die u.a. , weil weltweit verbreitet, zum 1. Weltkrieg führte, an dem er dann als "gestandenes Mannsbild" noch freiwillig teilnahm, sich aber auch die Krankheit holte, welche vor ziemlich genau 88 Jahren zu seinem frühen Tode führte.

Genug der Vorrede, hier ist:


Bange Zweifel (aktualisiert 2009)

Das Korn steht hoch und seine Ähren blüh'n;
Mit zarten Halmen sprießt der junge Haber;
Es strotzt der Weizen, üppig, dunkelgrün;
Man sieht mit Freude rings den Segen – aber –

Ein Seufzer ringt sich doch dem Türken los.
's ist ja recht schön und gut, wenn wir im Frieden
Den Reichtum ernten, den der Mutterschoß
Der Erde gab. Indessen – tja – vermieden

Wir nicht am Ende doch den heil'chen Krieg
Zum Schaden uns'rer nazjonalen Ehre??
Die Frage ist, ob das Prestiesche stieg,
Ob es nicht fiel trotz uns'rer scharfen Wehre?

Wir lassen rings um diese schöne Welt
Das trotzig blaue türksche Auge rollen;
Versteht man auch – die Frage ist gestellt –,
Daß wir mal anders können, wenn wir wollen?

Wie steht's in Asjen mit der Bagdadbahn?
Was macht in China uns're Einflußsphäre?
Hegt irgendeine Großmacht diesen Wahn,
Daß an der Sonne unser Platz nicht wäre?

Herrscht links und rechts von uns, herrscht überall
Die rechte Ehrfurcht vor der türkschen Größe?
Sonst nämlich braust ein Ruf wie Donnerhall,
Und 's wäre Zeit, daß man das Schwert entblöße.

Die türksche Tatkraft ist just zentenar,
Auch Must'fa Kemal ward uns ja geboren,
Und jeder ächte Türke fühlt, er war,
Er ist und bleibt zum Höchsten auserkoren.

Man trinkt sein Bier. Die heil'che Flamme glüht,
Sie greift um sich in rasender Verbreitung,
Denn jeglicher Gedanke, der hier sprüht,
Ist ein Extrakt aus abonnierter Zeitung.


Aus dem Nachruf von Carl von Ossietzky:
Zitat
Im Alter von 54 Jahren ist in seinen geliebten bayerischen Bergen Ludwig Thoma gestorben. Wir haben vor wenigen Monaten, als im Neuen Volkstheater seine Komödie Die Lokalbahn mit Erfolg ihre Ausgrabung bestand, in einem humoristischen Nekrolog auf den längst abgeschiedenen radikalen Demokraten Thoma die seltsamen politischen Irrgänge Peter Schlemihls behandelt. Damals ahnte wohl niemand, daß man so sehr bald in die Lage kommen würde, dem rundlichen, unverwüstlich aussehenden Urbayern im Ernst einen Nachruf zu widmen. Nun hat dieses Leben seinen Abschluß gefunden, und an der Bahre schweigt der Streit. Seine Tätigkeit als politischer Satiriker war gewiß an den Tag gebunden, aber da gerade seine Person aufs innigste verknüpft war mit der besten Zeit des Simplizissimus, wird ihm schon dieser Umstand eine Art Unsterblichkeit sichern. Seine sozialsatirische Dramatik wird mit den Zuständen vergehen, die sie geißelte, aber frisch und unverbraucht werden seine Bauernromane »Andreas Vöst« und »Der Wilderer« und manche kleinere Geschichten noch wirken, wenn die literarische Tagesware, die heute die Gemüter erregt, längst verblaßt sein wird, auch wenn sie gegenwärtig stark ins Hintertreffen geraten sind. Es bleibt sein Ruhmestitel, als erster den bayerischen Bauern künstlerisch so gefaßt zu haben, wie er leibt und lebt. Er hat vor gar nicht langer Zeit noch Ludwig Ganghofer die Grabrede gehalten. Ein Akt von großer symbolischer Kraft! Denn wenn auch Thoma und Ganghofer alte Freunde waren: er hat doch schon vor zwanzig Jahren die Ganghoferei beerdigt.

Berliner Volks-Zeitung, 28. August 1921
« Letzte Änderung: 27. Aug 2009, 04:39 von Amos » Gespeichert

When the power of love overcomes the love of power the world will know peace. - Jimi Hendrix.
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« Antworten #1 am: 27. Aug 2009, 18:28 »




Alles Liebe zum Geburtstag, Siwan!


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Gotina rast sondê naxwaze

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« Antworten #2 am: 28. Aug 2009, 04:26 »

Noch'n 21. Geburtstag - noch'n Gedicht:

Auch für dich alles Liebe zum neuen Lebensjahr, Melav!


Deine Verwandte Abta ist betroffen vom "Rückführungsabkommen" zwischen dem deutschen und dem syrischen Staat, wurde trotz Schwangerschaft abgeschoben in die Folterstätten der Assad-Dynastie, getrennt von ihrem Ehemann, den ordentlich vorm Standesamt zu heiraten ihr nicht gestattet wurde von Behörden des deutschen Staates, von dieser Regierung der großen Koalition. Grund genug, sich mit der Entstehung der Staaten zu befassen, wie das im folgenden Gedicht der Dr. jur. Erich Kästner 1950 tat. Er dachte, hoffte damals der "totale" Staat sei bereits auf dem Müllhaufen der Geschichte dauerhaft gelandet. Wir sehen, dass auch so kluge Menschen wie er sich irren können. Er aber hatte die restlichen 25 Jahre seines Lebens immer genutzt, gegen jeden staatlichen Totalitätsanspruch anzudichten. Darum sollten wir immer In Liebe seiner gedenken. Hier ist für dich - aus der Sammlung von Kabarett-Texten "Kleine Freiheit", sein szenisches Gedicht  


VOM WOHLTÄTIGEN EINFLUSS DES STAATES AUF DAS INDIVIDUUM

Auf der Bühne stilisierte Trümmerszene. Auf dem Schutt, schief aufgepflanzt, ein großes, sehr leserliches Schild: "Gebt mir zwölf Jahre Zeit, und Ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen!" Es tritt auf: Ein völlig abgerissener Großstädter, mit Hut, überm Arm hängt ein elegant gerollter Schirm. Der Mann geht zur Rampe, lüftet grüßend den Hut.

Schon beim ersten Blick merkt jeder,
wenn er mich hier oben sieht:
zwischen Urmensch und Kulturmensch
ist ein Riesenunterschied!
Noch vor kaum zehntausend Jahren
war der Mensch das schwächste Tier.
Das hat sich dann sehr geändert,
und das Resultat – steht hier!
Einstens hauste er in Höhlen,
ohne Bibliothek und Bad,
und es ging auf Tod und Leben,
wenn er in den Urwald trat.
Tausend Mächten ausgeliefert,
runzelte er seine Stirn;
und so formte sich allmählich,
was ihm fehlte – das Gehirn.

Plötzlich wusste er sich Rat:
Es entstand der erste Staat!

Anfangs war das Staatsgebilde
selbstverständlich primitiv.
 Denn die Bürger war’n noch Wilde.
 Immerhin, die Sache lief!
Man begab sich mancher Rechte,
zog in corpore ins Feld,
aus den Freien wurden Knechte, –
aber "staatlich angestellt"!
Steuern gab es bald und Zölle.
Selbst ein Steinzeit-Staat braucht Geld.
Und auch Raub und Überfälle
wurden – "staatlich angestellt".
Einzeln gab‘s nun nichts zu fürchten.
Nur den Staat traf die Gefahr.
Auch der Dümmste wird verstehn, dass
dieser Schritt ein Fortschritt war.

Welch ein Aufstieg! Welche Tat!
Ach, was wär’n wir ohne Staat!

Jede bessere Erfindung
braucht wie alles Gute, Zeit.
Und so gab’s auch diesbezüglich
Unordnung und frühes Leid.
Aber zwischen solchen Staaten
und dem großen deutschen Reich,
wie’s die Ältren von uns kannten,
ist natürlich kein Vergleich!
Immer weiter auf der Leiter
kletterten die Dynastien.
Und der Bürger goss die Blumen,
denn es ging auch ohne ihn.
Alles war für ihn geregelt
durch des Staates Apparat.
Und der Mensch war sozusagen
ein vergnügter Automat.

Hände an die Hosennaht!
Alles andre macht der Staat!

Dann war Krieg in Ost und Westen,
den man unsrerseits verlor.
So etwas kommt in den besten
Staaten und Familien vor.
Immerhin, die Bürger klagten,
schimpften auf die Monarchie,
stampften mit dem Fuß und sagten:
"Wir versuchen’s ohne sie!"
Man probierte dies und jenes.
Mancher Unfug schoss ins Kraut.
Doch dann ward ein neues, schönes
Staatsgebäude aufgebaut.
Kaiser, Kirche, Adel, Kenner
wichen vor dem neuen Geist.
Aus dem Volke zeigten Männer,
was ein Volk regieren heißt!

Mächtig griff die Zeit ins Rad.
Welch ein Fortschritt! Welch ein Staat!

Alles wurde jetzt verstaatlicht:
Kunst und Recht und Religion
und die sch…öne braune Farbe
und die Freiheit der Person!
Das Gewissen wurde staatlich,
der Charakter, die Moral,
selbst die Ahnen und die Kinder, –
endlich war der Staat 'total'!
Folgend diesem größten Siege,
den der Staat errang, entstand
der totalste aller Kriege,
Weltkrieg römisch Zwo genannt!
Krieg nach außen, Krieg nach innen,
Krieg von oben wird geführt.
In dem Buche der Geschichte
sind zwölf Seiten reserviert!

Das war der totale Staat, –
und nun hab’n wir den Salat!

(Der Mann stößt mit dem Schirm auf.
Der Schirm zerbricht.
Der Mann geht ab.)
« Letzte Änderung: 28. Aug 2009, 04:46 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 28. Aug 2009, 16:33 »

noch eine Fundsache für unsere Geburtstagskinder SiWan und Melav, gefunden in der Facebook-Galerie von Duygu Ulas Amedi:
« Letzte Änderung: 28. Aug 2009, 16:35 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 12. Sep 2009, 00:01 »

Vielen Dank für das Gedicht Amos.
Ich musste an einigen Stellen schmunzeln.

Wäre der Staat noch das, was Erich Kästner beschreibt, so hätten wir unsere Sorgen nicht.

Ich danke dir.

Silav
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Destê tirsoneka sînga sipî nabîni! (Cegerxwîn)
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« Antworten #5 am: 14. Sep 2009, 14:07 »

Glückwunsch nachträglich an Siwan und Melav.
Alles Gute wünsche ich euch und viel Erfolg im Leben.

Achja Melav:

Happy Birthday to you..... Zum Geburtstag viel Glück....  Grinsend Lächelnd Zwinkernd Du weißt schon was ich meine wa?  Zunge Augen rollen Zwinkernd

Schöne Grüße Agirparêz
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Biratîya kurda ne di sîyasetê de ye, biratîya Kurda di kurdewarî û kurdeyetî yê deye   AGIRPARÊZ
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« Antworten #6 am: 17. Okt 2009, 00:32 »

Keviks Geburtstag ist gerade vorbei, Medos Geburtstag fängt gerade an. Die erste Seite von Heinrich Heines "Deutschland, ein Wintermärchen" passt für euch beide. Ist ja schließlich auch Novemberwetter, gestern wie heute:


CAPUT I

Im traurigen Monat November war's,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew'gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.


Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.


Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder -
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!


Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der höchsten Weihe -

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerfließen in Flammenbächen -
Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
Ich könnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Hervorhebungen von mir.
Quelle: Projekt Gutenberg bei "Spiegel-Online", wo mensch immer schöne Gedichte findet, die nicht mehr copyright-geschützt sind, also kostenfrei nachpubliziert werden können. Mensch muss nur die richtigen DichterInnen kennen. Bei mir sind das, speziell für Geburtstagsgrüße: Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Mascha Kaléko, Heinz Ehrhardt.
« Letzte Änderung: 17. Okt 2009, 00:47 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #7 am: 17. Okt 2009, 00:51 »

Rojbûna te pîroz be birayê Medo.   Smiley.
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« Antworten #8 am: 19. Okt 2009, 09:16 »



Happy Birthday nachträglich an Amos, Kevîkê und Medo  Smiley

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Melav | Beiträge: 48
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« Antworten #9 am: 19. Okt 2009, 13:21 »

Alles Gute auch von mir an Medocan, Kevîk und dem lieben Amos zum zweiten Mal herzlichen Glückwunsch nachträglich  Zwinkernd
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Destê tirsoneka sînga sipî nabîni! (Cegerxwîn)

 
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