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Autor Thema: Sammelthread: Ergenekon  (Gelesen 11866 mal)
sekevir | Beiträge: 787
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”



« am: 08. Feb 2007, 15:45 »

Verstrickungen zwischen türkischem Staat und Mafia
"... Ich küsse beide Wangen von Alaatin Çakıcı ..."

Die türkische Öffentlichkeit ist über das dichtes Beziehungs- und Nutzungsgeflecht in der Türkei zwischen Mafia, Militär, Regierung und dem Verwaltungsapparat schon durch einige Vorfälle informiert. Die Existenz eines solchen Krebsgeschwüres der Demokratie ist nicht mehr wegzureden. In den eigenen Verstrickungen gefangen, versuchen nun die Staatsoberen in öffentlichen TV-Diskussionen oder durch ihrer Sprachrohre in den Printmedien das Bewußtsein der Öffentlichkeit dahingehend zu manipulieren, daß der "Tiefer Staat" die direkten Interessen der Bevölkerung vertrete und somit eine "Tiefe Nation" sei. Nuri Gündeş, ehemaliger hoher Funktionsträger des türkischen Geheimdienstes MIT würdigt die Verdienste des Mafiapaten Alattin Çakıcı für das Vaterland und schickt ihm herzliche Grüße und Küsse mittels der türkischen Medien.

08.02.2007 - Der ehemalige Verantwortliche Leiter der MIT für Auslandsoperationen, hat gestern zum ersten Mal öffentlich in einer Diskussionsrunde "Warum" von Can Dündar beim TV-Sender NTV teilgenommen. Thema der gestrigen Runde war der "Tiefe Staat".


Nuri Gündeş, ehemaliger
MIT-Chef für Istanbul


In einem von Mehmet Eymür unterschriebenen Bericht des MIT wurde er zusammen mit Dündar Kılıç und Şükrü Balcı erwähnt und mit illegalen Aktivitäten beschuldigt. In der gestrigen NTV-Sendung ist Gündeş deswegen auch auf Auslandsaktionen des MIT eingegegangen. Mit diesem Bericht konfrontiert berichtete Gündeş auch von den Jahren, in denen die armenische ASALA-Organisation regelrecht ein Jagdkampagne gegen türkische Diplomaten eröffnet hatte und es zu einer Welle von unzähligen Attentaten kam. Als Gegenmaßnahmen wurden illegale Operationen im Ausland beschlossen und durchgeführt.  Eine dieser Operationen war das Bombenattentat auf das Genozidgedenkmal in Marseille, bei dem auch der per Haftbefehl gesuchte Mafiosi Abdullah Çatlı und seine Truppe teilnahmen. Kostenpunkt dieser Operation benannte Gündeş auf 17 Millionen Türkische Lira.


Abdullah Çatlı, staatlich geehrter Mafiosi

„In Marseille wurde ein Denkmal der Armenier errichtet, an dessen Eröffnung sogar der französische Präsident anwesend war ... An einem Ort, an den weder der türkische Staat, die türkische Polizei, noch das türkische Militär Zugriff hatten, haben solche Leute wie wir dort den Krieg erklärt. Ich selbst war nicht dabei, aber mein Team war dort. Kann man denn so etwas als Tiefer Staat bezeichnen ? Wenn solche Aktionen, begründet auf den nationalen Gefühlen meiner Landsleute durchgeführt werden, kann man das als eine Tat des Tiefen Staates bezeichnen?“, erläutert Gündeş in der Sendung die Tat.
Auf die Frage welche weitere Motiven noch die Teilnehmer dieser Aktion trieb, antwortete Gündeş „Es waren entweder Nationalisten, oder sie wurden durch Motive wie Hass oder Abscheu getrieben, bei manchen waren es finanzielle Motive. Das Hass/Abscheu Motiv ist jedoch relativ, es kann sich mit der Zeit legen ....Neben dem (Hass/Abscheu) muß die Gelegenheit für die Verdecktheit der Operation geeignet sein, wenn nicht, wird das ganze so transparent wie ein Kürbis. Man muss eben auch Vorsicht achten, so dass der Staat nicht im Licht eines Terroristischen Staates erscheint.“

Auf die Bemerkung, dass ausgerechnet bei einer staatlich gelenkten Operation Personen hinzugezogen, die gleichzeitig steckbrieflich durch Interpol wegen Schwerverbrechen gesucht, und dass diese Teilnehmer durch den Staat mit falschen Papieren und Waffen versorgt wurden, antwortete  Gündeş „ Es waren nicht unsere Leute. Sie haben sich aus eigener Motivation, wegen des Bewusstseins ihres Türkentums an der Sache beteiligt. Es hat dort gebrannt, Jemand kommt mit vier Eimern Wasser zu Hilfe, wollen Sie ihm seine Beteiligung beim Löschen verbieten, weil er in der Türkei etwas auf dem Kerbholz hat ? Das hat mit Logik rein gar nichts zutun. Wenn sollten wir dorthin schicken ? Sie etwa ? Der Staat hatte beschlossen hierarchisch vorzugehen ... Vorneweg der Staatspräsident ... Am 6.November wird es ein Referendum geben. Bis dahin verstreichen die Tage ständig mit solcherlei Ansprachen. Wenn solche Bemühungen als Eingriffe des Tiefen Staates bezeichnet werden, sollen wir es auch so bezeichnen ? Ich tue es aber nicht.“

Ferner positionierte sich Gündeş, dass früher manche Kräfte aus den Idealistenvereinen der national-faschistischen MHP dem Staate zu Hilfe gezogen wurden, diese jedoch die vom Staat zur Verfügung gestellte Hilfe zu eigenen Zwecken, nämlich zu Diensten der Schutzgeldmafia gebrauchten. Aus dem gleichen Grunde sei er auch stets gegen das entwickelte Dorfschützersystem im Südosten gewesen, „Entweder werden diese Elemente die Ihnen überlassenen Waffen verkaufen, oder aber zu ihren anderen Zielen nutzen.“


Alaatin Çakıcı, Mafiapate und staatlicher
Wasserträger


Das die Täter des Dink-Attentates sich Çatlı als Vorbild genommen haben, entgegnete er mit dem Beispiel von Mafiapaten Alaatin Çakıcı : „Als ich eines Tages bezüglich Çakıcı befragt wurde, sagte ich ´dass ich mit Figuren, die dem Staat schaden könnten niemals zusammengearbeitet hätte´, daraufhin habe ich einen Brief von Çakıcı aus der Haft bekommen; und falls er jetzt diese Sendung mitverfolgt, dann soll er wissen, dass ich seine beiden Wangen küsse, falls er dem Staat geholfen haben sollte. Dieses vorherige Statement von mir war sollte er nicht persönlich nehmen. Falls ich in der selben Position stecken sollte, und den Staat damit in Bedrängnis bringen sollte, würde ich mir ähnliche Statements über meine Person nicht zu Herzen nehmen und deshalb auch schweigen.“ Gündeş offenbarte auch, dass Çakıcı in seinem Brief seine Schwinden an Respekt gegenüber seine Person wegen des o.g. Statements zur Aussprache brachte.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde die folgenden Passagen des Berichtes von Kutlu Savaş zum Susurluk-Fall vorgelesen: „Der Staat konnte mit Cantürk nicht Herr werden. Während man erwartete, dass Cantürk dem Staate huldigte, sollte der namentlich Erwähnte eine neue Einrichtung gründen. Die türkischen Sicherheitskräfte entschlossen sich deshalb ihn beiseite zu schaffen und dieser Beschluss wurde dann vollstreckt.“
Bezüglich diesem Teil des Berichtes äußerte sich Gündeş : „ Ich war Derjenige der Behçet Cantürk eingestellt hatte. Wir haben ihn in Erzurum erwischt, und bei Sadettin Tantan abgeliefert, wo er dann verhört wurde. Ja, er hatte Beziehungen. Aber was hatte dieser Mann angestellt? An welchen Aktionen war er beteiligt? Mit wieviel Heroin er wohl meine jungen türkischen Landsleute er wohl vergiftet haben muß, dass berücksichtigt Niemand. Trotzdem, ich war immer dagegen, dass bei Operationen im Inland die Ziele ermordet werden. Der Staat hat Gesetze und ist stark genug diese Gesetze anzuwenden, diese Leute zu verhaften, ins Gefängnis zu bringen; zu der Zeit gab es schon die Todesstrafe, und sie konnte auch vollstreckt werden. Aber nehmen wir doch mal an, dass Behçet Cantürk ermordet wurde. Die Baader- Meinhoff- Bande wurde sogar im Gefängnis ermordet, und kein einziger Deutscher hat das zur Aussprache gebracht, nicht mal eine einzige Zeile hat die deutsche Presse darüber verloren ... wie ich vorhin schon sagte, der Staat muss sich manchmal selber schützen.“


Behçet Cantürk,
extralegal hingerichtet


Letztendlich wurde das Dink-Attentat noch einmal zur Aussprache gebracht und Gündeş äußerte sich „Wir haben Auslandsoperationen durchgeführt. Aber wie stellen sie sich das vor ? Sie schicken Jemanden mit 180 Lira in der Tasche. Dieses operative Element setzt sich dann in eine Cafe und macht sich bemerkbar. Das machen nicht einmal Dummköpfe. So weit ich weis, sind diese Leute von einer Gruppe, die sich „Alperen“ nennen. Manche bewerten die Politik der Partei, in der sie sich befinden, oder gar die Türkei-Islam-.Synthese, eben anders. Auf Grund dieser anderen Sichtweise, treten eben die führenden Köpfe solcher Gruppen vor, und beschließen, dass „dieser oder jener Mann muss hingerichtet werden muß“. Ich glaube nicht daran, dass sich hinter diesem Fall eine mächtige Organisation verbirgt. Ich stütze mich auf meine 50-jährigen Erfahrungen und sage deshalb, dass man nicht nach einen solchen Hintergrund suchen sollte.“

Gündeş wies auf eine ganze Reihe von laienhaften Vorgehen bei der Verhaftung der Täter hin, „Es ist wirklich laienhaft. Der zuständige Geheimdienstchef der Region hat die ganze Verantwortung auf sich genommen. Die andere Seite ist somit entschuldigt, und fühlt sich selbst auch so bestätigt, aber trotzdem gibt es Ungereimtheiten. Wenn man schon herausgefunden hatte, dass Ogün Samast einen Bus bestiegen hatte, dann lass doch auch Jemanden von Deinen Kräften in den Bus dazusteigen, für alle Fälle, dass er unterwegs aussteigen sollte. Der zweite Punkt ist, warum man in Samsun verhaftet ? Lass ihn doch nach Trabzon fahren, beschatte ihn 10 bis 15 Tage, finde heraus mit wem er sich unterhält und Kontakte pflegt. Somit hätte man alle Chancen ausgeräumt, dass später behauptet wird, der Tiefe Staat stecke hinter allem. Das ganze ist gegen alle Regeln von geheimdienstlichem Vorgehensweisen abgelaufen.“

Auf die Frage, warum den Dink trotz so vieler Anhaltspunkte für einen Attentat nicht in den Genuss staatlichen Schutzes kam, antwortete Gündeş „Darüber kann ich wirklich nicht sprechen. Auch wenn ich es wüsste, ich könnte es nicht sagen, weil es Verrat wäre. Das ganze sieht nach „Wenn er stirbt, dann stirbt er halt“ aus. Aber es gibt bestimmt einen Türkischen Staatsbürger, der dazu mehr sagen kann...“ 



Links zu Bezugsartikel:
http://www.milliyet.com.tr/2007/02/08/yazar/dundar.html
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« Antworten #1 am: 08. Feb 2007, 16:09 »

Danke Sekevir für den interessanten Artikel! Langsam beginnt der Staat wohl zuzugeben, was sie am Stecken hat! Aber die machen das nur so oberflächlich, denn sich selbst hinrichten, das wollen die Faschisten bekanntlich ja nicht... Deswegen wird beim allen Skandalen des Staates eben nur an der Oberfläche angekratzt, um so das arme, unmündige türkische Völklein abzuspeisen... Und da das türkische Völklein das unmündigste überhaupt ist, lässt sie sich diese Skandale gerne gefallen und wird nie auf die Idee kommen, gegen die Verbrecher sich zu erheben, die sie ausbeuten... Armes Volk der Türken...
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« Antworten #2 am: 08. Feb 2007, 18:03 »




Als zusätzliche Hintergrund-Literatur für alle die Türkisch können :





"Bay Pipo - Bir MİT Görevlisinin Sıradışı Yaşamı: Hiram Abas"
("Herr Pfeife - Das aussergewöhnliche Leben eines MIT-Agenten : Hiram Abas")
von Soner Yalçın- Doğan Yurdakul

Über das Leben des MIT-Agenten Hiram Abas und die Geschichte des MIT, einschließlich den ganzen internen Rivalitäten und Beziehungsgeflechten.




"Reis - Gladio'nun Türk Tetikçisi"
("Der Fürst - Der türkische Auftragskiller der GLADIO")
von Soner Yalçın- Doğan Yurdakul

Über das Leben von Mafiosi Abdullah Çatlı.




"Ergenekon - Devlet içinde Devlet"
von Can Dündar - Celal Kazdagli
("Ergenekon - Staat im Staat")

Vom Susurluk-Fall über die Organisation der GLADIO in der Türkei, über die Einbindung der faschistischen "Idealisten" in den Staat, über die Interna des Geheimdienstes, hin zu den Spezialbüros und ihren aussergesetzlichen Aktivitäten in Kurdistan, dem Attentat auf Özal ...
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« Antworten #3 am: 08. Feb 2007, 20:07 »




Da die Autorin Belma Akçura wegen dieses folgenden Buches zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, kann man auch bedenkenlos dieses Werk in die Literaturliste aufnehmen : 



"Derin Devlet oldu devlet"
("Aus dem Staat ist ein Tiefer Staat geworden")

von Belma Akçura



Link zum Artikel über die Verurteilung von Belma Akçura :
http://www.kurdishinfo.com/modules.php?name=News&file=article&sid=5979
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« Antworten #4 am: 27. Jan 2008, 02:15 »

@ Xemxwar:

Vor 190 Tagen hat KM auf die mafiösen Strukturen im "Tiefen Staat" hingewiesen und auch vorhandene Literatur vorgestellt. In der abgelaufenen Woche konnte nun auch die Politik nicht mehr wegschauen, weil immer mehr Beweise über die Verstrickung von führenden Persönlichkeiten des (Un-)Sicherheitsapparates der TC ans Licht kamen und inzwischen 35 Personen verhaftet wurden. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Reaktion der Medien. Da ich nur die 3 englischsprachigen Tageszeitungen analysieren kann, bitte ich um Ergänzung vor allen, was die trk-sprachige Presse betrifft. Für mich stellt sich das inzwischen so dar: "The New Anatolian" (kontrolliert von Ilnur Cevik) bringt knappe Information, aber das hängt wohl auch damit zusammen, dass dem Blatte im Laufe des letzten Jahres die fähigsten Kommentatoren und Kolumnisten abhanden kamen. "Turkish Daily News" vom Dogan-Konzern hat zwar einige gute Leute, die auch ein paar Artikel zum konkreten Fall schrieben, aber das ist nichts gegen das Fethullah Gülen Blatt "Today's Zaman", das seit dem 24.01. voll ist mit Artikeln zum "Fall Ergenekon". Hier für Interessenten meine Linksammlung von bis jetzt 4 Ausgaben dieser Zeitung: 

Turkey determined to purge its Gladio 
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132371

KERIM BALCI The first cut is the deepest  
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132321

FATMA DISLI   High time for a full-fledged crackdown on gangs 
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132300

LALE SARIIBRAHIMOGLU ‘State against deep state’
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132362

EKREM DUMANLI  Eyes riveted on judiciary in gang case 
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarAd.do?kn=11

Smiling at my executioner, wie der Kolumnist Fehmi Koru vor einiger Zeit seinem Möchtegern-Henker begegnete:  http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132364

HUSEYIN GULERCE  Either gangs or democracy 
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132381

NICOLE POPE  Cloak and dagger 
 http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132383

ETYEN MAHCUPYAN  ‘Taking charge of life’ operation  
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132384

So Ergenekon turns out to not just be a legend!
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132392

Deep state gang planned to kill Pamuk
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132454

Crackdown raises hopes for more cleaning up in deep state
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132455

FATMA DISLI Elimination of gangs a must for consolidation of rule of law 
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132395

Ergenekon, where are you?
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132500

To keep track of gangs
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132502

Ergenekon investigation gets deeper
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132507
 
‘Gov’t should support reformist wing within police’  
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=132510

Hopes shallow in fight against deep gangs 
http://www.sundayszaman.com/sunday/detaylar.do?load=detay&link=3013
 
AYSE KARABAT To fight with gangs needs to fight with our genes 
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132560

YAVUZ BAYDAR  Detox for the state 
http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=132557

Also 22 Artikel in 4 Tagen!

Wie schon erwähnt, "Turkish Daily News" bringt weniger, war dafür aber auch 1 Tag eher am Ball  und hat wenigstens 1 lesenswerten Kommentar von Mustafa Akyol:

The Turkish Leviathan under arrest?
http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=94758

Operation takes 'deep state' under the spotlight
http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=94689

Saving the motherland!
http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=94528

Ret general, nationalist lawyer taken into custody
http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=94446

Außerhalb der Türkei habe ich erst nur in einem Weblog diesen Artikel aus dem Pariser "Figaro" gefunden. Habe leider für eine intensivere google-Suche keine Zeit.

En Turquie, les « Loups » sont de retour
http://acturca.wordpress.com/2008/01/25/en-turquie-les-%c2%ab-loups-%c2%bb-sont-de-retour/
« Letzte Änderung: 27. Jan 2008, 04:22 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #5 am: 27. Jan 2008, 16:15 »

Hier möchte ich, da zuvor so viel auf Bücher hingewiesen wurde, auf ein Buch zu diesem Thema in deutscher Sprache hinweisen:

http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,81,4.html
 
Fikret Aslan/ Kemal Bozay
Graue Wölfe heulen wieder
Türkische Faschisten und ihre Vernetzung in der BRD

Mit einem Vorwort von von Ulla Jelpke, MdB, und Monika Morres

ISBN-10: 3-89771-004-8
ISBN-13: 978-3897710047
Ausstattung: br., 255 Seiten
Preis: 16.00 Euro
   

Ein umfassendes Grundlagenwerk zur Geschichte, den Aktivitäten und Zielen der faschistischen türkischen Bewegung und deren Machenschaften in der BRD.

Die faschistische türkische MHP (Partei der nationalistischen Bewegung) und ihre Jugendorganisation “Graue Wölfe” (Bozkurtlar) machen wieder von sich reden. Spätestens seit dem Brandanschlag von Solingen treten sie vermehrt öffentlich auf. In der Türkei werden sie schon seit längerer Zeit – verstärkt seit Anfang der 90er Jahre in Kurdistan – als Mitglieder der sogenannten Spezialeinheiten eingesetzt.
Parallel zu ihrer Entwicklung in der Türkei organisieren sie sich im Ausland, und hier vor allem in der BRD. Das dient nicht nur der finanziellen und logistischen Unterstützung, sondern auch der offiziellen Staatspolitik, die auf diese Weise regimekritische Menschen auch im Ausland verfolgen, bedrohen und ermorden (lassen) kann. Aus dieser Logistik heraus verstärken die “Grauen Wölfe” ihre Tätigkeiten auch in der BRD.
Das vorliegende Buch beschreibt die Entwicklung des türkischen Nationalismus von der jungtürkischen ‘Revolution’ bis zum heutigen Tag. Es analysiert die Entstehungsbedingungen, und die Ziele der faschistischen türkischen Bewegung und beschreibt ihre Aktivitäten in der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland.
Es ist das Ziel der Autoren, das wahre Gesicht des türkischen Nationalismus aufzuzeigen, und allen Interessierten Informationen zu geben, die für den Widerstand gegen den Nationalismus und Faschismus unerläßlich sind.


aus dem Inhalt

Vorwort
von Ulla Jelpke, MdB, und Monika Morres
Einleitung
Die historischen Wurzeln der faschistischen Bewegung
in der Türkei
Der Niedergang des Osmanischen Reiches
Die jungtürkische »Revolution«
Der 1. Weltkrieg
Der türkische Befreiungskampf (1919-1922)
Die türkischen Kommunisten und der Befreiungskampf
Die Vernichtung des armenischen Volkes
Die Annexion Kurdistans
Die Republik Türkei
Die Ära Atatürk
Der II. Weltkrieg und die ideologische Herausbildung
des türkischen Faschismus
Die Nachkriegsperiode
Der Militärputsch von 1960 und die Reorganisierung
der türkischen Faschisten
Die Grauen Wölfe
Der Militärputsch von 1971 und das Erstarken
der Faschisten
1. und 2. Nationalistische Front-Regierung
Der Militärputsch von 1980 und die Übernahme
der Politik der MHP
Die türkische faschistische Bewegung und ihre Ideologie
ab 1990
Das Institut für türkische Normen
Die faschistische Bewegung und die
›Türkisch-islamische Synthese‹
Die Ideologie der neofaschistischen MHP
Alte Ideologie – neues Image
Portrait: Alparslan Türkes
Der Tod von Türkes hat gezeigt, daß die Türkei
von Wölfen regiert wird
Die Auseinandersetzungen nach dem Tod von Türkes
Ein Wolf im Schafspelz: Portrait des neuen Oberwolfs
Devlet Bahceli
Die Konterguerilla-Republik
von Talat Turhan
Gladio und die internationale Dimension des Problems
Zur Situation in der Türkei
Der Spezialkrieg des türkischen Staates in Kurdistan
und die Rolle der MHP
von Serdar Çelik
Die Quellen des türkischen Rassismus
ÖHD und die Organisierung des türkischen Rassismus
Die MHP ist die paramilitärische Mordorganisation des
Staates
Der Militärputsch vom 12. September und die
zwangsweise ›Beurlaubung‹ der MHP
Die Einigung der MHP mit dem Staat und ihre
Organisierung in Europa
Das Public-Relations-Amt (T.I.B.) und die MHP
Die Rolle der MHP in Kurdistan
Die MHP im Spezialkrieg
MHP als Koalitionspartner des Staates
Die Spezialeinheiten und die MHP
Die Sondereinheiten von Agar und die MHP
Die Auslandsaktivitäten der Konterguerilla und die MHP
Der Plan, die MHP in Kurdistan zu institutionalisieren
Faschistische Reaktionen auf die Verschleppung
des PKK-Chefs Öcalan
Bei den ersten Wahlen nach der Festnahme Öcalans
entscheiden sich türkische Wähler für extrem rechts und
national
Ankara ist vollauf zufrieden mit Öcalans neuer Marschroute
Der Türkische Staat, die Mafia und die Faschisten –
ein mörderisches Syndikat
Der Verkehrsunfall von Susurluk
Mesut Yilmaz – Der Pate in Mafia-Geschäften
Die ›demokratischen‹ bürgerlichen Parteien und der
Nationalismus
Konservative Parteien
Die Sozialdemokratie
Parteien links von der Sozialdemokratie
Prokurdische Parteien
Ein Mörder- und Gruselparlament
Re-Islamisierungstendenzen in der Türkei
Die Politisierung des Islams und die ›Wohlstandspartei‹
(Refah Partisi; RP)
Die Aleviten als Aussenseiter
Türkische Faschisten in der Bundesrepublik
Neues Outfit der türkischen Faschisten in Deutschland
Deutschland – das neue Operationsfeld
des Türkischen Geheimdienstes (MIT)
Türkische Lobby in Deutschland
Türkische Medien: Hetze und Nationalismus
Chronologie der Gewalttaten türkischer Faschisten
in der BRD seit Anfang der 90er Jahre
Die Haltung der bundesrepublikanischen Behörden
zu türkischen Rechtsextremisten
Rechtsradikale Dachverbände aus der Türkei
Gründe für das Aufkommen des türkischen Nationalismus
und Rassismus in der Türkei und in Deutschland
Widerstand gegen den (türkischen) Rechtsradikalismus
Adressen türkischer Faschisten
Glossar
Anmerkungen

Die AutorInnen:

Fikret Aslan ist Mitarbeiter des Informationsbüro Türkei und Kurdistan e.V. und kandidierte bei den Bundestagswahlen für die PDS. Bei den Ausländerbeiratswahlen 1995 wurde er für die Liste für die Freiheit der Völker in den Beirat der Stadt Essen gewählt, trat jedoch nach kurzer Zeit aus Protest gegen die enge Zusammenarbeit der Stadt mit türkischen Rechtsradikalen zurück. Aslan schreibt für verschiedene linke Zeitschriften.

Kemal Bozay ist Mitarbeiter der Föderation der demokratischen Arbeitervereine aus der Türkei in der BRD e.V., schreibt für die Tageszeitung EMEK.

Talat Turhan war bis zu seinem Ausschluß 1964 General der türkischen Armee. Später wurde er festgenommen und mußte mit den Foltermethoden und der Konterguerilla Bekanntschaft machen. Talat Turhan ist heute in der Türkei der Experte in Sachen "Konterguerilla". Seine Erfahrungen und Nachforschungen veröffentlichte er in mehreren Büchern.

Sedar Celik arbeitet als Schriftsteller und Journalist in verschiedenen europäischen Staaten. Celik hat u.a. das Werk Türkische Konterguerilla – die Todesmaschinerie herausgegeben.
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« Antworten #6 am: 27. Jan 2008, 16:36 »

Und nun komme ich dazu, den Themenkomplex "Ergenekon" und seine Behandlung in der deutschsprachigen Presse auzuarbeiten.

http://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/pressekurdturk/2008/04/14.htm
Ergenekon – „Operation des Staates im Staat“

Zu den Verhaftungen von Mitgliedern der „Ergenekon“-Organisation in der Türkei erklärt der Exekutivrat der KCK: „Wenn diese Operation wirklich aufrichtig wäre, hätte sie wichtige Resultate hervorbringen können. Dafür wäre es notwendig, zuallererst eine Aufstellung der in Kurdistan begangenen Massaker zu machen. Das ist zur Zeit nicht möglich, weil diese Politik immer noch Anwendung findet und – wie im Beispiel Semdinli deutlich zu sehen – diese Art von Banden von der Regierung und dem Generalstabschef geschützt werden. Bei der aktuellen Operation handelt es sich um eine Operation des Staates im Staat gegen eine Gruppierung, die außer Kontrolle geraten ist; eine Operation nicht gegen den Staat im Staat, sondern gegen eine Gruppe, die der Staat im Staat nicht mehr unter Kontrolle hatte.“

Quelle: ÖP, 26.01.2008, ISKU
 
Übersetzung aus dem Türkischen
ISKU | Informationsstelle Kurdistan 

Dazu zitiere ich noch einen Ausschnitt aus einer Glosse von "DeutschlandRadio":
http://www.dradio.de/dkultur/kulturpresseschau/fazit/729623/   (Ausschnitt)

24.01.2008  Von Klaus Pokatzky

"Viele türkische Intellektuelle realisieren erst jetzt, wie nah sie die ganze Zeit ihren potentiellen Mördern waren."

Das lesen wir in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG nach Aufsehen erregenden Verhaftungen von mutmaßlichen Mitgliedern eines Geheimbundes. "'Ergenekon' nennt sich der geheime Zirkel, zu dem neben einem bekannten Rechtsanwalt auch hohe Militärs gehören sollen", schreibt Karen Krüger in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN und nennt auch den Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk als einen derjenigen, "die nach dem Willen von 'Ergenekon' umgebracht werden sollen". Nur Pläne, spinnerte Ideen, zu denen auch ein Staatsstreich gehören soll? "Wenn es stimmt, was jetzt vermutet wird, dann hat der paramilitärische Bund aber schon getötet", schreibt Christiane Schlötzer in der SÜDDEUTSCHEN:

"Hrant Dink soll eines der Opfer sein, und auch der 2006 in Trabzon ermordete katholische Priester Andrea Santoro. Lauter ungeklärte Morde."

Und in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG meint Günter Seufert zu dem, was da hinten, weit, in der Türkei, aufeinander schlägt, die so gerne Mitglied der Europäischen Union würde:

"Der Kampf wird tief im Innern des Staates ausgetragen. Er wird nicht nur um Geld und Macht geführt, sondern auch um die Köpfe der Menschen, und seine Schauplätze sind Gerichte und Sicherheitsbehörden, die Ministerien und das Parlament."

Und nun eine lange Liste von Weblinks:
http://www.nzz.ch/magazin/dossiers/tuerkei_extremisten_1.656477.html
http://www.tagesspiegel.de/politik/div/Extremismus-Tuerkei;art771,2462364
http://volksgruppen.orf.at/diversity/stories/79131/
http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E67EC3A9CCC9C4A98A5ED758EFFCDF7AA~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E455261ADF719450E867DC915F3360272~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E58600BB5C3BC4C328FA0ECD0AFACF28D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/417873
http://www.wikio.de/kultur/literatur/schriftsteller/orhan_pamuk
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Tuerkei/minderheiten.html
http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/schlag-gegen-rechte-szene/?src=SZ&cHash=32bfd7ffab
http://news.de.msn.com/politik/Article.aspx?cp-documentid=7329133
http://www.ksta.de/html/artikel/1201186351654.shtml
http://www.jungewelt.de/2008/01-24/027.php
http://diepresse.com/home/kultur/literatur/357219/index.do
http://nachrichten.netscape.de/Politik/Tuerkei-landet-Schlag-gegen-gefaehrliches-Netzwerk-Welt_Politik_1585732-0.html
http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Nachrichten/id/216489
http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=4274632
http://www2.abendblatt.de/daten/2008/01/24/840184.html
http://www.lufee.de/lufee.php?f=lumrix-search&v=&k=lumrix-select%3Aorhan
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=1277216
http://www.dradio.de/dkultur/kulturpresseschau/fazit/729623/
http://derstandard.at/?url=/?id=3084924
http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/2008/1/23/news-18374186/detail.html
http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/2008/1/23/news-18374186/detail.html (Name! tc-Finanzminister 1976)
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/338599/index.do
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,530796,00.html




« Letzte Änderung: 27. Jan 2008, 17:10 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #7 am: 27. Jan 2008, 19:43 »



Todeslisten, Auftragskiller - die türkische Polizei hat in einer spektakulären Razzia weitreichende Pläne von Ultra-Nationalisten aufgedeckt. Auf der Todesliste des Netzwerks soll auch Nobelpreisträger Pamuk gestanden haben. Unter den Verhafteten: Ein Ex-General, der bisher als unantastbar galt.

Istanbul - Der Mann sieht aus wie ein netter Großvater. Schiebermütze, dicke Bäckchen und ein gemütlicher Schnauze, lassen beim Anblick von Veli Kücük nichts Böses ahnen. Und doch sorgte er für Angst und Schrecken.

Als der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink 2006 wegen Beleidigung des Türkentums vor Gericht stand, tauchte dort plötzlich unter den Zuschauern auch Veli Kücük auf. "Jetzt bin ich zum Ziel geworden", sagte Hrant zu seinem Bruder Orhan Dink. Im Januar 2007 wurde Hrant ermordet.

Seit zwei Tagen sitzt dieser Veli Kücük nun in Polizeihaft in Istanbul. Zusammen mit 60 anderen war er am Dienstag in einer spektakulären landesweiten Razzia festgenommen worden und wird seitdem verhört. Dabei galt Veli Kücük bis dahin als unantastbar. Er ist ein ehemaliger General, der während seiner aktiven Zeit eine geheimdienstliche Einheit der Gendarmerie gegründet haben soll, die darauf spezialisiert war, im Krieg gegen die PKK sogenannte extralegale Hinrichtungen durchzuführen.

Der pensionierte Brigadegeneral ist eine der Führungsfiguren im unsichtbaren Geflecht von selbsternannten ultranationalistischen Staatsschützern, die sich aus Militär, Geheimdienst und Bürokratie rekrutieren und in der Türkei auch "Tiefer Staat" genannt werden. Es heißt, dieses Netzwerk würde auch vor politischem Mord nicht zurückschrecken, wenn es denn dem Staate dient.


Todesliste mit fünf Namen

Außer Veli Kücük wurde der Vorsitzende einer ultranationalistischen Juristenvereinigung, Kemal Kerincsiz, festgenommen, auf dessen Konto die Klagen wegen Beleidigung des Türkentums gegen Orhan Pamuk, Elif Shafak und Hrant Dink zurückgehen; ferner ein weiterer Ex-Oberst, Fikri Karadag; die rechte Kolumnistin Güler Kömürcü; und schließlich Fuat Turgut, der als Verteidiger im Mordfall Hrant Dink auftrat.

Obwohl eine Nachrichtensperre verhängt wurde, machen seit gestern immer neue Informationen über die Vorwürfe gegen die Festgenommenen die Runde. Bereits gestern wurde bekannt, dass die Gruppe, die der Istanbuler Generalstaatsanwalt offenbar als "terroristische Vereinigung" anklagen will, eine Todesliste führte, auf der die Namen von fünf Personen standen, die sie durch Auftragskiller ermorden lassen wollte.

Der bekannteste Name darauf ist der bei den Nationalisten verhasste Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk, dann drei prominente Politiker der kurdischen DTP - und zwar der Fraktionsvorsitzende Ahmet Türk, die ehemalige kurdische Abgeordnete Leyla Zana und der Oberbürgermeister von Diyarbakir, Osman Baydemir. Fünftes Ziel soll der Journalist Fehmi Koru sein, ein enger Vertrauter der Führungszirkel der regierenden AKP.


Mutmaßliche Drahtzieher des Mordes an Dink und Santoro

Heute schoben die beiden großen Zeitungen "Hürriyet" und "Milliyet" nach, bei den Vernehmungen sei herausgekommen, dass für Orhan Pamuk bereits ein Attentäter ausgesucht worden sei, und dass die Gruppe für den Mord 1,5 Millionen Dollar bereitstellen wollte.

Noch brisanter als die Informationen über geplante Verbrechen der "Tiefer Staat"-Gang sind jedoch die Erkenntnisse über Morde und Attentate, bei denen die Verschwörer bereits die Fäden gezogen haben sollen. Auf ihr Konto könnten demnach der Mord an dem italienischen Priester Adrea Santoro gehen, das Attentat auf das Oberste Verwaltungsgericht und auch der Mord an Hrant Dink. Santoro war im Februar 2006 von einem Jugendlichen in Trabzon erschossen worden - angeblich aus Empörung über die dänischen Mohammed-Karikaturen.

Im selben Jahr soll die Gang auch den Attentäter gedungen haben, der in das Oberste Verwaltungsgericht von Ankara eindrang und dort auf eine Gruppe Richter schoss. Dabei wurde einer der führenden Richter des Landes ermordet. Die Kammer hatte kurz zuvor ein Urteil im Kopftuchstreit verkündet, das für große Empörung bei der AKP und den Islamisten des Landes gesorgt hatte, weswegen der Attentäter sofort dem islamistischen Lager zugeordnet worden war.


Umfangreiches Sprengstoff- und Waffenlager

Den Festnahmen vorausgegangen waren monatelange Observationen und Telefonabhöraktionen durch eine spezielle Anti-Terror-Abteilung der Istanbuler Polizei. Auslöser dafür war die Entdeckung eines umfangreichen Sprengstoff- und Waffenlagers in einer Istanbuler Wohnung im Juni letzten Jahres. Sprengstoff und Handgranaten, die dort gefunden wurden, sollen aus Armeebeständen gekommen sein.

In der Türkei wartet man nun gespannt darauf, ob auf die Festnahmen weitere Enthüllungen folgen und tatsächlich auch Anklagen erhoben und Verfahren eröffnet werden. "Der Staat tut seine Arbeit", sagte Erdogan in seinem bislang einzigen Kommentar zu den Festnahmen. Doch welcher Staat ist hier an der Arbeit, fragt heute der Kolumnist der regierungsnahen Tageszeitung "Zaman", Kerim Balci. "Ist es der legitimierte, transparente Staat, der hier eine Aktion saubere Hände durchführt? Oder ist es 'Deep-State', der sich nach getaner Arbeit einiger unbequemer Figuren entledigt?"

"Mein Herz schlägt für die erste Variante", schreibt Kerim Balci, "aber mein Verstand bleibt skeptisch." Alle Personen, die jetzt festgenommen wurden, seien seit langem bekannt, begründet er seine Skepsis. "Ist das wirklich die Truppe, der es gelang, das Jahr 2007 zu vergiften? Können das wirklich die Drahtzieher hinter der umstürzlerischen ultranationalistischen Bewegung sein?" Erst die kommenden Tage, so Balci, werden zeigen, ob die Regierung bereit ist, tief genug in diesen Sumpf einzudringen. "Oder sollen wir besser sagen, auch in die Führungsetagen?"


Autor: Jürgen Gottschlich, Istanbul
Originalquelle: Spiegel.de vom 24.01.2008





zur Verbindung zwischen den Morden an Dink und Santoro: http://www.kurdmania.com/Forum-top-Quo-vadis-Tuerkei-Bericht-von-der-Podiumsdiskussion-in-Berlin-vom-17-01-2008-2246.html (insbesondere Beiträge von Erdal Dogan und Mahmut Sakar)

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« Antworten #8 am: 27. Jan 2008, 21:16 »


Die T.R. braucht solche Personen, um die >> zivilen Feinde<< des Staates zu bekämpfen . Wenn solche wie Veli Kücük dann ausgedient haben, werden sie verhaftet und das nennen sie Demokratisierungsprozess. Wo der eine aber in Rente geht, nimmt ein anderer seine Position an.
Der Star-Verbrecher Mehmet Agar mit seinen  "1000 Operationen" wie er es selbst nennt, gilt unter der Bevölkerung als Retter und Held. In der Türkei ist alles legitim, was dem Türkentum dient.
Die Türkei wird sich nicht von selbst ändern, da müssten die Kurden diesen schon Staat in die Knie zwingen. Aber nein, wir wollen die brüderliche Stimmung in der Türkei nicht umkippen.



« Letzte Änderung: 27. Jan 2008, 21:26 von Ciwanro Kani » Gespeichert
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« Antworten #9 am: 27. Jan 2008, 21:48 »

Versuchen wir doch mal eine nüchterne Analyse:

Seit Ende April 2007 haben die Repräsentanten des "tiefen Staates" mehrmals mit einem neuen Putsch gedroht. Mal mehr, mal weniger offen. Etwa in derselben Zeit hatte Premier R.T.E. Informationen aus den ihm loyalen "Diensten", dass die Kontaktpersonen jener Figuren, bei denen ein Waffen- und Munitionslager ausgehoben wurde, unter Beobachtung standen. Gleichzeitig wusste R.T.E. auch, dass im Gegensatz zu früheren Zeiten ein Putsch der Militärs weder in USA noch in der EU auf Gegenliebe stoßen würde. Er konnte also wie die Spinne ruhig im Netz warten, bis seine Beute nicht mehr entkommen konnte.

Dazu kommt noch kluges timing der begleitenden Medienenthüllungen. Habt Ihr Euch nicht auch gefragt, warum die Ecevit-Papiere gerade jetzt gefunden wurden? Das kompromittiert sowohl die kemalistische wie die rechts-nationalistische Opposition, am meisten aber die militärische Führung, die er nun ziemlich klar auf die Kasernen beschränken kann. Somit werden innenpolitisch die Karten in der T.C. neu gemischt, und einige altbekannte Spieler sitzen mit ziemlich kurzen Hosen am Tisch.

Die Kurden müssen jetzt sehr aufpassen, dass sie am Ende aber nicht auch zu den Verlierern gehören. Ich denke, es ist jetzt sehr wichtig, die Position von Ahmet Türk unbedingt zu stärken, dass er als ernstzunehmender Verhandlungspartner akzeptiert wird. Dafür war die Resonanz auf seine jüngsten Auftritte in Deuschland sicher sehr hilfreich. International würde es ihm und auch allen Nord- wie Südkurden sicher helfen, wenn er massive Unterstützung aus Erbil erhielte, ebenso aus Brüssel und wenn er auch in den Monaten des US-Wahlkampfes möglichst häufig mit allen dortigen Kandidaten zusammenträfe, um sicherzustellen, dass die wissen, worum es in Nordkurdistan aber auch in den anderen Teilen Kurdistans geht.
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« Antworten #10 am: 28. Jan 2008, 22:38 »



Keke Amos

Diese Verhaftungen sind eine Tradtion der T.R.. In den 70er und 80er waren es die so genannten "Idealisten" (ülkücüler), die Sozialisten unter der Zustimmung des Militärs umgebracht haben. Nach dem die Idealisten abgebraucht waren, hat die Justiz Verfahren gegen die eingeleitet, wodurch sie für eine Zeit als "Gast" ins Gefängnis kamen. Ende der 80er kam die neue Generation von Auftragskiller, wie Yesil, Catli, Aygan, Ersever, diese waren damit beauftragt patriotische Kurden zu töten. Auch die wurden im laufe der Zeit in Rente geschickt. Jetzt ist die Reihe bei Veli Kücük und seinen Freunden . In 5-10 Jahren werden dann neue Namen auftauchen.
Daher ist es mir ziemlich wurscht, ob man paar kleine Verfahren gegen die Stifte des Staates einleitet.
Das Problem ist der Staat selbst, man muss die Sache an der Wurzel packen.


Silav û rêz


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