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Autor Thema: Orhan Pamuk  (Gelesen 1656 mal)
berfin | Beiträge: 898
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« am: 13. Okt 2006, 09:01 »

Stimmen aus der Türkei zur Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Orhan Pamuk

Unser Erster

Von Ali Yumusak
 
Die Türkei hat einen neuen Helden

12. Oktober 2006
Die türkischen Medien haben auf die Verleihung des Literaturnobelpreises an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk sehr unterschiedlich reagiert. Weil gestern das französische Parlament auch einem Gesetzesentwurf zugestimmt hat, der das Leugnen des Völkermords der Türken an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs unter Strafe stellt (siehe Seite 42), rückte die Meldung über Orhan Pamuk in die zweite Reihe. Aber in einigen Kommentaren wird bereits die Preisverleihung mit dem Völkermord an Armeniern in Verbindung gebracht.


Die auflagenstärkste türkische Tageszeitung „Hürriyet“ meldete Pamuks Auszeichnung auf ihrer Internetseite mit der Überschrift „Erster Türke mit dem Nobelpreis“. Dazu hat das Blatt Reaktionen von anderen landesweit bekannten Schriftstellern eingeholt. Der hauseigene Kolumnist Özdemir Ince meint, Pamuk sei gar kein besonderer Autor, er habe den Nobelpreis nur deshalb bekommen, weil er den angeblichen Völkermord von Türken an Armeniern bestätigt habe. Es gehe hier nicht um Literatur, sondern um eine Aktion gegen die Türken: „Mit diesem Preis wurde die türkische Geschichte bestraft, ich schäme mich dafür. Das mußte ich zur Sprache bringen.“


Förderlich für den EU-Beitritt


In der Türkei wird man sehr aufmerksam die Reaktionen im Westen verfolgen. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn, der für die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union eintritt, hat die Verleihung des Nobelpreises an Pamuk begrüßt und hält sie auch dem Bestreben der Türkei, in die EU zu kommen, für förderlich. Er sieht die liberalen Kräfte im Lande gestärkt: „Das ist eine gute Nachricht für die Welt der Literatur, aber auch eine gute Nachricht für die Freiheit der Kunst.“


Die als Kritikerin eines militanten Islam hervorgetretene deutsch-türkische Schriftstellerin Necla Kelec hat ihrer Hoffnung Ausdruck gegeben, „daß jetzt auch die Gesellschaft in der Türkei erkennt, daß Großes nur in der Freiheit entsteht und daß endlich aufgehört wird, Schriftsteller bei kritischen Tönen wegen ,Verunglimpfung des Türkentums' zu verfolgen“, wie es auch Pamuk im letzten Jahr erleben mußte.

Kurz und kommentarlos

Die liberale türkische Zeitung „Milliyet“ hat die Meldung kommentarlos mit der Überschrift „Der Literaturnobelpreis gehört Orhan Pamuk“ wiedergegeben. Die Zeitung listet auch die bis jetzt an Pamuk verliehenen Preise auf, darunter erst im letzten Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Den immerhin hatte 1997 vor Pamuk schon ein anderer türkischer Schriftsteller erhalten: der kurdischstämmige türkische Schriftsteller Yasar Kemal. Der dreiundachtzigjährige Kemal hat anläßlich der Nobelpreisverleihung nun die Leidenschaft und die Standhaftigkeit seines Kollegen gelobt: „Ich vertraue darauf, daß Orhan Pamuk neue Romane mit der bisher gezeigten Leidenschaft schreiben wird.“


Die islamisch-nationalistische „Türkiye“und die islamisch-liberale „Zaman“ haben die Meldung von der Preisvergabe gleichfalls kurz und kommentarlos wiedergegeben. Wobei die „Zaman“ in ihrer Leserbrief-Rubrik die Meinung vertreten läßt: „Es ist kein Zufall, daß die Nationalversammlung in Frankreich den angeblichen Völkermord unter Strafe stellt und am gleichen Tag Orhan Pamuk den Nobelpreis bekommt!“


Dagegen hat das regierungnahe Blatt „Yeni Safak“ den Vorsitzenden des türkischen Verleger-Verbands, Cetin Tüzüner, zu Wort kommen lassen, der stolz erklärt: „Es ist eine große Freude für alle türkischen Autoren und Verleger. Von jetzt an wird die türkische Literatur weltweit mehr Interesse finden, und die Bücher von türkischen Autoren werden in andere Sprachen übersetzt.“


Preisvergabe nutzt der kulturellen Annäherung


Das Massenblatt „Star“ betont erfreut, daß Orhan Pamuk den wichtigsten Literaturpreis der Welt bekommt. Dabei zeigt sich die Zeitung besonders stolz über die Tarsache, daß der Text mit der Bekanntgabe des diesjährigen Gewinners vom Nobelpreiskomitee auch auf türkisch veröffentlich worden ist.


In Deutschland zeigt sich der Direktor des in Essen angesiedelten „Zentrums für Türkeistudien“, Faruk Sen, hocherfreut über die Verleihung des Literaturnobelpreises an Orhan Pamuk: „Diese Entscheidung paßt hervorragend in die Zeit. Pamuks Werk beweist, daß der Dialog der Kulturen nicht nur lebendig ist, sondern Literatur und Kunst ersten Ranges hervorbringt. Ich freue mich sehr für Pamuk, daß sein unbeirrter Weg der literarischen Bewältigung kultureller Differenz auf diese Weise belohnt wird.“


Sen weist darauf hin, daß der Preis zudem das Interesse an türkischer Literatur auch in Deutschland erhöhen werde, was ein willkommener Nebeneffekt der Entscheidung sei. Damit nutze die Preisvergabe ganz unmittelbar auch der Annäherung zwischen Deutschen und türkischen Zuwanderern. Politisch sei die Vergabe des Nobelpreises an Pamuk ein wichtiges Signal, das gleichermaßen die weitere Öffnung der Türkei nach Europa unterstützen, aber auch das Ansehen der türkischen Kultur im Westen stärken werde.

Text: F.A.Z., 13.10.2006, Nr. 238 / Seite 35
 FAZ.NET-Spezial: Nobelpreis für Orhan Pamuk
 
 
    Grinsend Grinsend Grinsend Grinsend Grinsend
 
 
 
 
 
 
« Letzte Änderung: 13. Okt 2006, 09:06 von berfin » Gespeichert
fijitsuad | Beiträge: 217
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« Antworten #1 am: 13. Okt 2006, 14:56 »

Nun, das wird dann wohl Leute wie Büyükanit und andere "Schwachsinnige" erzürnen.   Grinsend Grinsend

Die wichtigsten Bücher Orhan Pamuks gibt es in deutscher Übersetzung. Seit drei, vier Jahren wird sein Werk nicht mehr nur von Literaturenthusiasten zur Kenntnis genommen. Das liegt zum einen daran, dass er 2002 mit "Schnee" auch einen dezidiert politischen Gesellschaftsroman schrieb. Zum anderen machten türkische Nationalisten Pamuk weltweit bekannt, als sie ihm in seiner Heimat ein Gerichtsverfahren wegen der "Verunglimpfung des Türkentums" anhängten. Pamuk hatte es gewagt, in einer Schweizer Zeitung den Völkermord an den Armeniern zwischen 1915 und 1917 zur Sprache zu bringen, der eine Million Armeniern und 30 000 Kurden das Leben gekostet haben soll.Das Verfahren wurde Anfang dieses Jahres eingestellt.,


Dennoch hat sich Orhan Pamuk nie gescheut, politisch Stellung zu beziehen, wo es nötig war. Als einer der ersten Autoren verurteilte er vorbehaltlos die Fatwa gegen Salman Rushdie, die der greise Chomeini in Teheran ausgesprochen hatte, und gegen die Kurdenpolitik seines Landes nahm er mehrfach öffentlich Stellung.
Aus diesem Grund lehnte er den höchsten Kulturpreis der Türkei ab, der ihm angetragen worden war, und setzte sich für seinen betagten Kollegen Yasar Kemal ein, als dieser 1995 für seine Kritik an der Kurdenpolitik angeklagt wurde.


Pure Ablehnung schlug dem Nobelpreisträger dagegen aus dem Massenblatt "Sabah" entgegen: "Wirklich erfreut (...) können wir nicht sein. Denn wir können Pamuk nicht "als einen von uns" ansehen. (...) Wir können in Orhan Pamuk keinen "starken und aufrechten Homo erectus" erkennen. Wir sehen ihn als jemanden an, der nicht zu seinen Sprüchen steht, der ins Lavieren kommt, wenn er in die Ecke gedrängt wird, der "unfähig" ist, einen intellektuellen Standpunkt mutig zu vertreten."

 Grinsend Grinsend Grinsend Grinsend

« Letzte Änderung: 13. Okt 2006, 15:06 von fijitsuad » Gespeichert
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« Antworten #2 am: 14. Okt 2006, 16:14 »

Ich freue mich riesig, dass Orhan Pamuk den Preis bekommen.
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« Antworten #3 am: 14. Okt 2006, 17:54 »

Ich habe mich ebenfalls gefreut als ich gelesen habe, dass Orhan Pamuk den preis zugesprochen bekommen hat. was viel schöner ist ist, dass die faschistischen kreise in der türkei, die ihn alles andere gegönnt hätten als den nopel- preis, haben somit einen deftigen schlag ins gesicht bekommen.

während die westliche presse ihn hochlobt bzw... seine literarische werke hervorhebt, wird seitens der türkischen presse artikeln gebracht wie, er habe alles daran gesetzt um den preis zu bekommen, somit sei das unverdient bzw... ein politische entscheidung etc..

hoffen wir im namen der allgemeinheit, das sich die positive linie, die durch kurdischen kräfte ausgelöst worden ist fort geführt wird und die jenigen, die leid und terror (tsk) über das bevölkerung gebracht haben ihren machenschaften nicht mehr so ausüben können, wie bis jetzt der fall war.

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« Antworten #4 am: 15. Okt 2006, 14:47 »

Die Nobelpreisvergabe an einen türkischen Schriftsteller, dessen Meinung in der Türkei verachtet wird, und der Genozidbeschluss durch das französische Parlament sind ein Schlag ins Gesicht des türkischen Faschismus. Ich hoffe, dass dies der Bevölkerung zu denken gibt, wie wichtig die freie Meinungsäußerung und gesunde Umgang mit einer Geschichte sind. Andernfalls wäre es ganz schön peinlich für diesen Mafiastaat - was es ohnenhin schon ist, dass ein weltberühmter Türke ein Schriftsteller ist, dessen Meinung im Land zensiert wird.
Es ist auch penlich für diesen hinterhältigen Staat, dass der Nobelpreistitel mehr die Kurden mit Stolz erfüllt als die Türken selber! Das ist der beste Beweis, wie primitiv der Staat seinen Bürger erzieht und es auf die faschistische Linie schaltet. Die einzige demokratische Kraft in dieser Region sind Kurden. Was wollen die Europäer mit unmündigen Türken anfangen, die nicht mal ihren Nobelpreisträger kennen?
« Letzte Änderung: 15. Okt 2006, 15:08 von roj_evindar » Gespeichert

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« Antworten #5 am: 18. Okt 2006, 15:03 »

ja ich finds auch super das er einen Nobelpreis bekommen hat, in der türkei kriegen gerne leute die im Gefängnis sind oder negativ verurteilt werden einen Nobelpreis (z.B. auch Leyla Zana) Komisch die türken sollsten sich lieber auch mal den Unterschied zwischen Gut und Böse überlegen
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« Antworten #6 am: 18. Okt 2006, 17:47 »

Ich glaube, da ist dein Wunsch der Vater des Gedankens.  Smiley Soweit ich weiß, hat Leyla Zana den Nobelpreis nicht erhalten, sondern war zweimal "nur" nominiert. Aber vielleicht bekommt sie ihn ja noch.  Augen rollen
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« Antworten #7 am: 22. Dez 2006, 19:02 »

Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk erhält Ehrendoktorwürde der Freien Universität

Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk wird Ehrendoktor der Freien Universität Berlin. Das hat der Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften beschlossen. Mit der Auszeichnung ehrt der Fachbereich den 54-Jährigen als Ausnahmeerscheinung der Weltliteratur.

Die akademische Feier findet Anfang des Jahres 2007 statt.

Zu den bekanntesten Ehrendoktorinnen und Ehrendoktoren der Freien Universität Berlin gehören: Marcel Reich-Ranicki (2006), Imre Kertész (2005), Günter Grass (2005), Carlos Fuentes (2004), Klaus Töpfer (2002), Kofi Annan (2001), Salman Rushdie (1999), Umberto Eco (1998), Robert Kennedy (1964), Walter Gropius (1963), Eleanor Lansing Dulles (1957), Lise Meitner (1956), Lucius D. Clay (1953), Theodor Heuß (1949).

  http://www.fu-berlin.de/presse/fup/2006/fup_06_281.html
 
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« Antworten #8 am: 25. Dez 2006, 18:20 »

Ein Populist, da hat ein Yasar Kemal, Mehmed Uzun mehr verdient. Ich teile die Meinung von Necana in dem Punkt mit. Das einzige, was mich an diesem Nobelausgabe gefreut hat, dass sich die Türken geärgert haben.
Der hat die Aussage wahrscheinlich nur auf dem Aufstand  von 1925 und davor bezogen, denn damals kamen . ~1.5 Millionen Armenier und ~ 30,000 Kurden ums leben.
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« Antworten #9 am: 25. Dez 2006, 20:33 »

Orhan Pamuk hat selbst gesagt, dass er denke, dass Yasar Kemal eher den Nobelpreis verdient hätte.


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Keca Serbilind | Beiträge: 55
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« Antworten #10 am: 29. Dez 2006, 16:04 »

heeey er hat ihn schon verdient. Ihr dürft nicht vergessen es ist nicht der Friedensnobelpreis sondern der Literaturnobelpreis. Er wurde zwar auch für seinen Einssatz in der Politik ausgezeichnet aber größtenteils wegen seiner Bücher. Und ihr müsst euch mal ein buch von ihm durchlesen er schreibt wirklich sehr sehr schön. Ich lese gerade ein 2. buch von ihm und ich muss sagen er schreibt wirklich sehr schön und hat den nobelpreis auf jeden fall verdient
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