Sanandaj22
Zwangspause
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Sanandaj22 | Beiträge: 198
« Antworten #3 am: 27. Apr 2006, 21:05 » |
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Berfin: Wenn ich diesen Namen höre, bin ich ein Kurde
Berfin
Wenn ich diesen Namen höre, sehe ich ein Kind vor mir. Es steht ein wenig abseits, ein Kind mit unschuldig zu den Schläfen geschwungenen Augenbrauen, mit grünen Augen, aus denen Traurigkeit, gepaart mit Zorn, blickt, mit einem schmollenden Mund. Und Schnee sehe ich, der schwer auf den Hängen liegt, violette Felsen im Gebirge, verlassene Felder und verratene Menschen.
Wenn ich diesen Namen höre, werde ich zu einem Kurden.
Dann bin ich das Kind eines verachteten, gepeinigten, von Blitzen des Bösen getroffenen Volkes.
Dann bin ich Moses, der das Rote Meer nicht teilen, Jesus, der nicht vom Kreuz herabsteigen und Mohammed, der nicht nach Medina auswandern konnte.
Hilflos bin ich. Wütend. Allein.
Wenn ich diesen Namen höre, bin ich ein Kurde. Berfin bedeutet „Schneeglöckchen“ (Schneeflöckchen).
Wenn ich diesen Namen höre, bin ich eine Weise, ein Klagelied, der Klang einer Hirtenflöte im Gebirge.
Ich lasse den Kopf ein wenig hängen. Bin bekümmert.
Immer wurde ich verraten, und immer war ich der Verräter. Man tötete meine Kinder, nannte mich Mörder.
Ich bin es, dessen Haus angezündet und der verbrannt wurde, ich bin es, dem man den toten Körper seines Sohnes eines Abends auf einem Ochsenkarren brachte.
Ich durfte weder singen noch weinen. Ich bin Kurde und immer sollte ich etwas anderes sein als Kurde.
Es ist mir verwehrt, meine Kinder nach meiner Mutter zu benennen.
Berfin bedeutet Schneeglöckchen. Und immer wenn ich diesen Namen höre, werde ich zu einem Kurden.
Wieder haben sie den Namen Berfin verboten.
Gesetze, Regierung, Parlament – all das schert die Verbietenden nicht. Aus Angst vor einem Namen treten sie ihre eigenen Gesetze mit Füßen.
Sie verbieten, dass Kinder Berfin genannt werden. Es sind mysteriöse Herren. Sie verbergen ihre Gesichter, verbergen ihre Identität, bewegen sich in den Untiefen des Staates und hintergehen ihre eigenen Gesetze. Sie haben Angst vor Kindern. Vor Liedern, Blumn, Farben und Namen haben sie Angst.
Sie sind von meinem Blut und beschämen mich. Ich bin nicht mehr einer von ihnen. Ich bin keiner von denen, die Kindernahmen verbieten. Ich bin keiner der Unterdrücker. Ich schließe mich den Unterdrückten an.
Wenn jemand Berfin sagt, werde ich zu einem Kurden. Und dann erwarte ich den Aufstand der Türken. Ich will die Stimmen von Türken hören, die sich denen widersetzen, die verbieten, dass kurdische Kinder den Namen Berfin tragen.
Gibt es niemanden von meiner Rasse, der sich dieser Ungerechtigkeit entgegenstellt?
Gibt es keinen Türken, der die Trauer und Wut dessen teilt, der seinem Kind nicht den Namen seiner Mutter geben darf? Gibt es keinen von meinem Blut, der sich gegen diese Ungerechtigkeit auflehnt?
Gibt es keinen, der sich für dieses Schweigen schämt, dem es Unbehagen bereitet, den eigenen Namen unter denen der Unterdrücker zu finden?
Berfin bedeutet Schneeglöckchen. Wieder einmal haben sie verboten, dass Kinder Berfin genannt werden.
Seit Jahren schon haben diese Menschen Angst vor einem Schneeglöckchen. Seit Jahren schon haben sie Angst vor Kindern.
Wenn ich den Namen Berfin höre, werde ich zu einem Kurden. Dann bin ich Moses, der das Rote Meer nicht teilen, Jesus, der nicht vom Kreuz herabsteigen und Mohammed, der nicht nach Medina auswandern konnte.
Ich bin ein Berfin im Gebirge. Und Angst habe ich – immer wenn ich die Angst der Feiglinge sehe.
Ich bin wütend. Hilflos. Allein.
Übersetzung: Hülya Engin – aus: Nützliche Nachrichten, 4/2003 (Ahmet Altan ist ein bekannter türkischer Schriftsteller und Journalist. Er scheut sich nicht, Tabuthemen anzusprechen. Das Original dieses Gedichts wurde am 18.August 2003 im gazetem.net veröffentlicht.)
Gedichte von Sherko Bekas Die Wurzeln
Auch wenn die Sterne, die Wolken, der Wind und die Sonne die Mörder nicht sehen, wenn die Vögel am Himmel getötet werden und der Horizont sich taub stellt und die Berge und die Wasser sie vergessen, so sollte es zumindest einen Baum geben, der sie sieht und ihre Namen in seine Wurzeln schreibt.
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Trennung Wenn sie aus meinen Gedichten die Blumen wegnehmen, stirbt eine meiner vier Jahreszeiten.
Wenn sie meine Liebste daraus wegnehmen, sterben zwei meiner Jahreszeiten.
Wenn sie das Brot daraus wegnehmen, sterben drei meiner Jahreszeiten.
Wenn sie die Freiheit daraus wegnehmen, stirbt mein ganzes Jahr und ich selbst.
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Der Schlüssel
In einem fernen Land brachte ein schreckliches Ereignis einen verlorenen Schlüssel zum Weinen. Man hatte nicht nach ihm gesucht, sondern mit Gewalt das Stadttor zerschlagen.
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Hoffnung
Wenn meine Liebe zu dir Regen wäre, so stünde ich bereits darin.
Wenn die Liebe zu dir Feuer wäre, so hockte ich bereits darin.
Ah, du mein geliebtes Kurdistan! Mein Gedicht sagt: »Solange es Regen und Feuer gibt, werde ich auch leben.«
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Ich bin ein Vater
Schiesst nicht, Bruder, schiess doch nicht. Ich bin ein Mensch, ich bin keine Jagdbeute. Frag nicht, woher ich bin. Ich bin von hier, hey, ich bin kein Fremder!
Wohin soll ich, ich weiss es nicht. Wie weiter, ich weiss es nicht. Was soll ich machen, was soll ich sagen Ich weiss es nicht, ich weiss es nicht!
Ich habe drei Söhne, einer kämpft in den Bergen, einer kämpft bei der Armee, einer kämpft mit dem Leben Ihre Mutter ist in tiefer Trauer Ich bin ein Vater, ich bin kein Sohn
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Ist das eine Elster, die fliegt, oder der schwarz-weiße Schrei meiner Mutter?!
(Das waren die Worte eines Kindes aus Halabja, eine halbe Minute, bevor es durch das Giftgas blind und taub wurde.)
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