@ Xemxwar:
Komme erst jetzt dazu, mich in die Schar der Gratulanten einzureihen. Dafür aber, wie ichs gerne mache mit etwas Lyrik. Dazu habe ich in einer Betrachtung über meinen Lieblingsdichter Erich Kästner in der Webseite "Lyrik-Lesezeichen" etwas gefunden, was auch für jemand heute noch nachdenkenswert ist, der hier bei Kurdmania seit Jahren wichtige Beiträge schrieb und weiter schreibt, auch noch in unser aller Zukunft:
Der letzte Gedichtband vor 1933 Gesang zwischen den Stühlen beginnt nur scheinbar harmlos mit dem berühmtem Kakao-Epigramm:
Was auch geschieht!
Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!
Was als Einzelstück eine witzige Sprachspielerei auf die Redewendung "jemanden durch den Kakao ziehen" sein könnte, bekommt durch den Zusammenhang mit dem Zeitgeschehen und den anderen Gedichten des Bandes eine bitter-ernste Bedeutung: Deutschland droht im braunen Gebräu zu versinken.
Zur Sinnentleerung im Privaten, wie in Begegnung in einer kleinen Stadt thematisiert, in der ein durch Selbstmord aus dem Leben geschiedener Buchhalter sich als Toter unbemerkt wieder ins Arbeitsleben eingliedert, kommt die Unverbesserlichkeit der Menschheit, die am besten in eine Kubikkilometer-Kiste gepackt und versenkt werden sollte (Ein Kubikkilometer genügt).
Im Marschliedchen sagt Kästner den Nazis ihr Scheitern voraus:
Wie ihr's träumt, wird Deutschland nicht erwachen.
Denn ihr seid dumm, und seid nicht auserwählt.
Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt:
Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!
Doch insgesamt schließt er mit Das ohnmächtige Zwiegespräch pessimistisch:
Zur Macht gelangt nur, wer die Macht begehrt.
Im winkt sie zu. Ihm gibt sie dunkle Zeichen.
Und ihm befiehlt sie, eh sie ihm gehört:
"Stell unser Bett auf einen Berg von Leichen!"
Ein fiktionaler Krieg im Jahre 1940 wird in diesem Gedicht durch die Erschießung von 22 Generälen zwar verhindert, bevor er beginnt. Aber letztlich ändert sich dadurch nichts, weil die Menschheit in einer Art Naturgesetz verfangen ist:
Man darf die Völker ins Verderben hetzen,
weil das den Regeln ihrer Welt entspricht.
Doch sich der Bosheit hilfreich widersetzen,
das darf man nicht!
Quelle:
http://www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/erich_kaestner.phpDas wurde 1933 in Deutschland gedichtet. So manches könnte auch in den zurückliegenden Jahrzehnten im Staate Türkei gedichtet worden sein, darum ist es immer noch gültig und eben nicht nur in Deutschland.
Der Kampf für Frieden mit Gerechtigkeit geht weiter. Ich wäre so gerne Mäuschen gewesen bei einem anregenden Gespräch zwischen Erich Kästner und Said-i Kurdi!