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Autor Thema: "EU sollte auf die Ukraine statt auf die Türkei setzen"  (Gelesen 570 mal)
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« am: 06. Mai 2008, 02:01 »

Zitat
"EU sollte auf die Ukraine statt auf die Türkei setzen"

Wirtschaftsexperten sehen eine besondere Rolle Österreichs bei der europäischen Integration des Landes

Wien – Boomende Wirtschaft und Investorenparadies sind nicht gerade die Begriffe, die man gemeinhin mit der Ukraine assoziiert. Und dass die Ukraine das zweitgrößte europäische Land ist (nach Russland), ist wohl für viele EU-Bürger eine überraschende Erkenntnis. Hans Jorda, Geschäftsführer der in Osteuropa tätigen Personalberatungsfirma Neumann & Partners GmbH, sieht für Österreich großen Nachholbedarf: "Die Österreicher denken, die Ukraine sei irgendwo ganz weit weg. Dabei ist Lemberg (L’viv) eigentlich so weit weg von Wien wie Feldkirch."

Seine polnische Firmenkollegin Agnieszka Maciejewska streicht die gewachsene europäische Identität der Ukrainer hervor: "Die Russen stellen sich immer wieder die Frage, ob sie Europäer, Asiaten oder etwas dazwischen sind. Für die Ukrainer ist es ganz klar, dass sie zu Europa gehören." Vor diesem Hintergrund sei es für viele Ukrainer nicht nachvollziehbar, warum die EU nicht versucht, die Ukraine ins Boot zu holen. "Oft werde ich von meinen ukrainischen Partnern gefragt, warum die EU den Beitritt der Türkei diskutiert und die Ukraine links liegen lässt", erzählt Jorda. "Viele in der Ukraine meinen, die EU sollte auf die Ukraine setzen statt auf die Türkei." In diesem Zusammenhang erwarte man sich auch ein Engagement von Österreich, das von einem EU-Beitritt der Ukraine in erster Linie profitieren würde.

Das 46 Millionen Einwohner zählende Land verzeichne derzeit hohe Wachstumsraten, erklärt Jorda, daher sei es für österreichische Geschäftsleute sinnvoller, in der Ukraine aktiv zu werden statt etwa in Frankreich. Beide Gesprächspartner bescheinigen österreichischen Investoren und Geschäftsleuten einen guten Ruf in der Ukraine. Österreicher sind vor allem im Banken- und Versicherungswesen tätig sowie im Dienstleistungssektor, meistens als Personalberater oder Rechtsanwälte.

Was müssen österreichische Geschäftsleute berücksichtigen, wenn sie in der Ukraine tätig werden wollen? Vor allem die hohe Inflationsrate von derzeit etwa 20 Prozent. Auch sei das Steuersystem kompliziert und instabil. "Man braucht eben gute Personalberater und Anwälte", meint Jorda. Eine weitere lokale Besonderheit ist der Umstand, dass hochqualifizierte Führungskräfte im Schnitt zehn Jahre jünger sind als ihre österreichischen Kollegen und alle zwei Jahre den Arbeitsplatz wechseln.

Die wirtschaftliche Lage ist laut Maciejewska auf jeden Fall stabiler als die politische. Das Land sei in ein pro-russisches und ein pro-westliches Lager gespalten. Die Unternehmer zählten zum Zweiteren. "Die Politik mag instabil sein, aber die Wirtschaft schafft Fakten." (Mascha Dabiæ, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.5.2008)

Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=3326242
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