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Gesellschaft / Familie => Gesellschaften - International => Thema gestartet von: sekevir am 04. Nov 2008, 12:53



Titel: Waisenhäuser in der Türkei
Beitrag von: sekevir am 04. Nov 2008, 12:53
Zitat
Fergie-Besuch in Türkei löst diplomatische Krise aus

Istanbul (AFP) — Mit heimlich angefertigten Filmaufnahmen von Missständen in türkischen Waisenhäusern hat die Ex-Ehefrau des britischen Prinzen Andrew, Sarah Ferguson, eine diplomatische Krise zwischen Ankara und London ausgelöst. Die türkische Frauenministerin Nimet Cubukcu warf der Herzogin von York vor, mit ihren Inkognito-Besuchen politische und anti-türkische Motive verfolgt zu haben. Bei ihrem Besuch hatten "Fergie" und ein britischer Journalist nach einigen Angaben Kinder gesehen, die "wie Hunde an Bänke gebunden waren". Andere Insassen hätten in ihren Exkrementen gelegen.

(...)


weiterlesen unter :   http://afp.google.com/article/ALeqM5haXYHp5cjPMt08ALIOA0jW8p4A3w


Titel: Re: Waisenhäuser in der Türkei
Beitrag von: Amos am 05. Nov 2008, 01:42
Und hier noch ein paar Stimmen aus der Presse der Türkei:

York Duchess's secret visit to orphanage creates storm
Tuesday, November 4, 2008, Hürriyet Daily News

Ferguson starts debate about condition of state orphanages
Today's Zaman, 4. November 2008

Government investigates orphanages after Duchess’ visit
Today's Zaman, 4. November 2008

Bakan gizli çekime kızdı
Taraf/SİBEL HÜRTAŞ/ANKARA - Istanbul - 04.11.2008


Titel: Re: Waisenhäuser in der Türkei
Beitrag von: Amos am 05. Nov 2008, 15:59
Interessante Passage im heutigen Kommentar von Mehmet Ali Birand: "No, the Prime Minister would not have said such a thing" (Hurriyet Daily News, 05.11.2008):
Zitat
Why are we mad at Sarah?

  Hell is breaking lose. What is it?

  Former member of the royal family Sarah Ferguson came to Turkey, changed her appearance and went to secretly record in orphanages. We have seen these images and much worse in Turkey before. Still she wanted to show these images to the British public.

  Is it wrong?

  Haven't we, on numerous times before, watched on TV how badly children are treated in these government orphanages and how the mentally disabled are tied to their beds?

  Haven't we discussed this for days? Haven't we published criticism in our newspapers along with a of lot of coverage?

  What has changed?

  Nothing has changed. It's the same old song.

  The Government of the Turkish Republic is not able to watch over 12,500 children. Out of the budget, money is spent for the world's most absurd things, but there is no money for 12,500 kids. These kids are still abused and are in the hands of ill-qualified carers.

  Now, I can't understand why we get mad at Sarah Ferguson. The minister comes up and says, "While the EU progress report is being released, this is a conspiracy theory."

  We discuss only the form and not the content of the issue.

  The estimable minister should first clean up the mess and then criticize Ferguson. If this is not true, he should engage in diplomatic relations.

  The real slanderers are those who do not extend a helping hand to the 12,500 children … Not Sarah Ferguson.
   


Titel: Re: Waisenhäuser in der Türkei
Beitrag von: sekevir am 07. Nov 2008, 11:07
Die heimlich gedrehten Videos sind jetzt wohl auch von einem britischen TV-Kanal veröffentlicht worden. Ich habe mal die Primärquelle gecheckt. Das Video war als Link angegeben, aber nun wohl wieder vom Netz genommen. Dafür wurde ich bei einem trk. Kanal fündig.

Primärquelle (ITV News): http://www.itv.com/News/tonight/episodes/Violentwomen/default.html

Sekundärquelle (Analiz TV): http://www.analiztv.com/news_detail.php?id=3321


Boris Kalnoky`s Kommentar in der "Welt" darf natürlich auch nicht fehlen ... Er titelt :

Zitat
Türken wollen Sarah Ferguson vor Gericht bringen
Von Boris Kalnoky 7. November 2008, 08:21 Uhr

Sarah Ferguson habe schlechte Absichten und wolle eine Verleumdungskampagne gegen die Türkei starten – das sagt zumindest die Familienministerin der Türkei. Fergie hatte schlimme Zustände in einem Kinderheim aufgedeckt. Nun erwägt die türkische Regierung, den Fall vor Gericht zu bringen.

(...)

weiterlesen unter : http://www.welt.de/vermischtes/article2685335/Tuerken-wollen-Sarah-Ferguson-vor-Gericht-bringen.html




Titel: Re: Waisenhäuser in der Türkei
Beitrag von: Amos am 08. Nov 2008, 22:47
@ sekevir:

Der Videoclip gibt wenig Information und zeigt kaum etwas, was für Fachkräfte schockierend wäre. Ich weiß nicht, wie heute in Deutschland verfahren wird in Institutionen für geistig Schwerbehinderte. Als ich vor knapp 40 Jahren in einer solchen Institution ein Praktikum absolvierte wurden einige Patienten noch nachts "fixiert", 8 Jahre später konnte ich bei einem Besuch feststellen, dass eine Verdoppelung des Pflegepersonals und bessere Ausstattung mit therapeutischen Mitteln, Geräten und Aktivitäten bei nahezu allen mir noch bekannten Patienten zu kaum glaublichen Fortschritten geführt hatten. Diese Institution war aber wohl schon immer besonders fortschrittlich und nicht repräsentativ für alle.

Der Vertreter der türkischen Botschaft in London wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass die Herzogin von York nicht ein Waisenhaus sondern ein Heim für geistig Behinderte besucht habe. Als ob es in Ordnung wäre, dass die so behandelt würden.  >:(

Wenn ich die Gesichter und die Körpersprache der Kinder im Video betrachte, kommen mir allerdings Zweifel, dass dies alles Geistesgestörte sein sollen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Diagnose in dieser Richtung voreilig vorgenommen wird, weil es halt bequemer ist, "Problemkinder" in solche Institutionen abzuschieben als sich kompetent therapeutisch um sie zu kümmern. Aber vielleicht hat Boris Kalnoky ja recht mit seiner Hoffnung, dass diese Reportage der Sarah Ferguson mehr bewirkt als alle Berichte, Gutachen und Proteste von türkischen Initiativen bislang.


Die "Frankfurter Rundschau" bringt im heutigen Wochenendmagazin ein Interview mit Sarah Ferguson:

Zitat
"Manchmal kommt der Dämon hervor"

Zehn Fragen an die Herzogin von York über ihre globale Mutterrolle.

Ms. Ferguson, Sie besuchen Waisenhäuser in aller Welt und bezeichnen sich dabei als "Global Mother" - was meinen Sie damit?

Meine eigenen Töchter haben mich den bedürftigsten Kindern dieser Welt gewissermaßen geschenkt, Kindern, die in Waisenhäusern weggesperrt werden, die nie eine Chance haben, die Vorzüge unseres Lebens zu genießen.

Auf welche Weise sind Ihre Töchter an dieser Arbeit beteiligt?

Ich habe Eugenie kürzlich in die Türkei mitgenommen, zu behinderten Kindern, die in ein Waisenhaus gegeben wurden - wegen ihrer Behinderung. Manche haben ein Down-Syndrom, andere zerebrale Kinderlähmung oder Polio, einige sind nur ein wenig in ihrer Entwicklung zurückgeblieben. Aber soll man sie deshalb für ihr restliches Leben internieren und sie dafür bestrafen, dass sie so geboren wurden? Ich habe ihr damit das Erschütterndste zugemutet, was es heutzutage geben kann in einem Land wie der Türkei. Und Beatrice habe ich nach Rumänien mitgenommen.

Was haben Sie dort erlebt?

Die Romakinder dort werden eingesperrt, sie gelten als "genetischer Abfall". Niemand will sie auch nur hochheben und in den Arm nehmen.




Ferguson und der Streit um Kinderheime

Sarah Margaret Ferguson, 49, heiratete 1986 den britischen Prinzen Andrew. Nach der Scheidung 1996 behielt sie den Titel der Herzogin von York.

Heute engagiert sie sich stark für karitative Themen, hat Wohltätigkeitsorganisationen in England und den USA gegründet. Sie ist Schirmherrin von SOS-Kinderdörfern in den USA.

Ärger mit der Regierung der Türkei brachte ihr eine TV-Dokumentation ein, in dem sie mit einem britischen Journalisten unerkannt in einem türkischen Waisenhaus filmte, um die menschenunwürdige Zustände zu dokumentieren. Die zuständige Ministerin warf ihr vor, die EU-Bewerbung der Türkei behindern zu wollen. Ferguson erwiderte, sie verfolge keine politischen Ziele. Unser Gespräch mit Sarah Ferguson fand kurz vor dem Eklat statt. Sie sehen das auch als pädagogisches Projekt für Ihre Kinder?

Eugenie ist jetzt 18, sie muss begreifen, dass sie eine Person des öffentlichen Lebens ist und dass sie eine Verpflichtung hat, anderen zu helfen.

Hier in den USA werden Sie verehrt, in England hat die Presse Sie in den Dreck gezogen. Hat sich Ihr Selbstbild inzwischen verändert?

Nein - es macht mir immer noch unendlich viel aus. Denn es geht ja immer noch weiter. Nur wenn ich mich in karitative Projekte hineinstürze, die mich emotional stark berühren, dann macht mir die Kritik nichts aus. Dann fühle ich mich sehr viel stärker.

Was hat Sie so getroffen, dass Sie bis heute damit hadern?

Ich habe geglaubt, was sie schrieben: "Duchess of Pork", "82 Prozent gingen lieber mit einer Ziege ins Bett als mit Fergie"; "fette, altbackene Fergie". All diese Dinge - ich habe sie geglaubt. Das war nur logisch. Das Kind, das seine Mutter dazu gebracht hatte, es zu verlassen; die Frau, die in ihrer Ehe gescheitert war - jetzt war sie wieder schuld. Ich glaubte, dass ich schrecklich war. Sie schrieben also nur die Wahrheit.

Wieso glaubten Sie, als Mädchen hätten Sie Ihre Mutter dazu gebracht, die Familie zu verlassen?

Ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als meine Mutter mich verließ. Mein einziger Trost war es, zu essen. Ich konnte mich dem Gefühl der Verlassenheit nicht stellen. Ich glaube, es hat mich 30 Jahre gekostet, mich diesem Gefühl zu stellen. Und sie hat nichts falsch gemacht, ich gebe ihr keine Schuld. Weil sie einfach ihrem Herzen gefolgt ist, was ich außerordentlich bewundere. Aber wenn ich heute unter Stress gerate, dann sehe ich in den Spiegel und finde mich abstoßend. Und dann tröste ich mich wieder mit Essen - ich tue das immer noch.

Dennoch sind Sie heute offenbar in der Lage, das Ganze aus der Distanz zu betrachten.

Ich habe letzte Woche eine Rede gehalten in Waterloo und dort eine Journalistin wieder gesehen, die ich 1986, als ich zum ersten Mal getroffen hatte, als ich in Kanada war. Sie hatte ein Foto dabei von damals, ich sehe wirklich dünn aus darauf, sehr hübsch. Damals fand ich mich so fett. Aber damals hatte ich das Gefühl, komplett wertlos zu sein. Ich weiß nicht, ob das nicht auch heute noch manchmal denke - dass ich nichts erreicht habe.

Trotz Ihrer Erfolge?

Oh, ja. Manchmal kommt dieser Dämon hervor. Und das ist der Punkt, an dem man sich sagen muss: Hör auf an dich zu denken, geh raus und tu was Sinnvolles. Das ist der Grund, warum ich wirklich hart arbeite in meinen karitativen Projekten.

Sprechen Sie mit Ihren Töchtern über den Schlankheitswahn in der Gesellschaft?

Ja, ich habe endlose Gespräche geführt. Und trotzdem: Eugenie ist heute 18, sie hat keinen Freund und sie denkt, das ist so, weil sie nicht blond ist und groß und dünn. Dabei ist sie wunderschön. Aber dieser Druck, dass alle Mädchen heute aussehen müssen wie Models, der ist beängstigend.

Interview: Ann Mayhew

Übersetzung: Martina Winkler
 Erscheinungsdatum 08.11.2008


Titel: Re: Waisenhäuser in der Türkei
Beitrag von: sekevir am 09. Nov 2008, 13:46
Für mich persönlich spielt es keine Rolle ob es sich nun um ein Waisenheim oder eine Kinderpsychatrie handelt. So oder so handelt es sich um Schutzbefohlene. Was und wie die türkische Vertretung bei dieser Aktion von Ferguson wiedergibt kennen wir auch aus anderen Fällen. Es ist ein generelles Problem, daß türkische Staatsvertreter und mit Ihnen viele türkische Staatsbürger Unrecht nicht als solches anerkennen können, und nach Ausflüchten suchen um dieses Unrecht zu legimieren. 

Das Video betrachte ich schon als recht aufschlußreich, da Ferguson ihre Erlebnisse in diesem Heim damit kommentierte, daß Kinder in ihrem eigenen Kot und Urin lagen und Kinder an Bänken angekettet waren. Zumindest konnte man das Zweitere eindeutig in diesem Video erkennen.


Titel: Re: Waisenhäuser in der Türkei
Beitrag von: navdar am 21. Nov 2008, 06:36
Türkische Behörde zeigt Fergie an

Istanbul (dpa) - Türkische Beamte haben die Ex-Frau des britischen Prinzen Andrew, Sarah Ferguson (49), nach einem Dokumentarfilm über schlimme Zustände in türkischen Waisenhäusern angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft in Ankara müsse nun Vorwürfe der Behörde für Soziales und Kinderschutz gegen «Fergie» prüfen, berichteten türkische Medien am Donnerstag.

Mit Perücke und Kopftuch verkleidet und in Begleitung ihrer Tochter Prinzessin Eugenie (18) sowie eines britischen TV- Journalisten hatte «Fergie» heimlich Videoaufnahmen von kahlgeschorenen, verlumpten und an Stühle gefesselten Kindern gemacht.

Die Regierung in Ankara hatte verärgert auf dem Film reagiert. Die für Soziales zuständige türkische Staatsministerin Nimet Cubukcu warf der Herzogin von York vor, sie hege böse Absichten und wolle die Bewerbung der Türkei um eine Mitgliedschaft in der EU beschädigen. Später legte sie nach und erklärte, vielleicht habe Ferguson die Kinder sogar selber an die Stühle gebunden.

Fast zeitgleich meldete sich aber eine frühere Mitarbeiterin eines türkischen Waisenhauses in der Öffentlichkeit zu Wort und erklärte, die dokumentierten Zustände seien nur die Spitze eines Eisberges. Ihr seien Fälle bekannt, in denen Misshandlungen von Schutzbefohlenen nicht bestraft worden seien.

20.11.2008 | 17:57 Uhr | Quelle: dpa

Quelle: http://www.stimberg-zeitung.de/index.php?file_name=iptc-bdt-20081120-676-dpa_19607620.xml&newsline=starline&catchline=leute&article_count=1&word_count=555&page_type=/index.php&mode=detail
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