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Kurdische Religionen

Überblick der Religionen in Kurdistan

In Kurdistan sind verschiedene Religionen vertreten. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime sunnitischer Glaubensrichtung. Daneben gibt es andere Glaubensrichtungen wie Yeziden, Yaseran, Christen, Juden, Kaka´i, Shabak, Sarli...etc. Manche gehen auf bestimmte Auslegungen des Koran bzw. Islam zurück (z.B. die Bajwan aus der Schia), andere haben einen ganz anderen Hintergrunnd (Christen, Juden etc..).
Sunniten

Der Mehrheitsglaube der Moslems ist der Sunniglaube. Ihre Lehre ist die Sunnah, die auf dem Koran und sechs Büchern religiöser Traditionen basiert. Die Sunniten sind in vier Schulen oder Riten organisiert. Diese gelten als religiös gleichberechtigt. Die Mehrheit der Sunniten gehören den Schafii an, die meisten Sunnikurden gehören der Schafiischule an. Die Kurden in der Türkei gehören größtenteils dem Hanafiritus an. 

Alewiten

Die Aleviten sind mehrheitlich in den nördlichen und westlichen Gebieten Türkisch-Kurdistans sowie in der Region Khorasan im Iran angesiedelt. Der alewitische Glaube hat sich in verschiedenen Gebieten unterschiedlich entwickelt, daher kam eine Systematisierung dieser Religion nicht zustande. Ein Teil der Alewiten in der Türkei erkennen neun Imame als Nachfolger Mohammeds an, andere nur sieben. Das Gottesbild der kurdischen Alewiten lässt sich in folgendem Satz zusammenfassen: "Such Gott nirgendwo, such Gott in Dir". Für die Alewiten ist die soziale Integrität wichtiger als religiöse Pflichten. Ein alevitischer Kurde betet in die Richtung Sonne. Das Zeigt uns den Einfluss des Zoroasthrismus

Die alewitische Gesellschaft teilt sich in zwei Gruppen: die "Talip" (Strebende) und die "Ocak" (wörtlich: Herd, Feuerstelle). Die Angehörigen dieser zweiten Gruppe sind für die Weitergabe des religiösen Wissens zuständig.

Alternative Stellung zur Herkunft des Alevitentums

Die Aleviten werden als Anhänger von Ali bezeichnet, der ein muslimischer Kalif war, was eine falsche Interpretation ist. Nach einer ähnlichen Logik sind die Yeziden zu Anhängern von Yazid geworden, der ein Sohn des muslimischen Kalifen Muawiyah war. Das ist reine Volksetymologie, die auf lautlicher Ähnlichkeit beruht. Nach der gleichen Logik meinen manche Araber, daß „Shakespeare" unter Umständen ursprünglich ein Araber gewesen sei und „Schaich Zubair" hieß.

Alevi hat mit Ali so wenig zu tun wie die Ezidi (Yezidi) mit Yazid. Die Bezeichnung Alevi ist meinen Forschungen zufolge ein Hinweis auf die Kraft des Feuers (das bei den Kurden ein Symbol des Lichtes ist). Das kurdische Wort „halav/hilav" mit der Bedeutung „Dampf des kochenden Wassers/Flammenspitzen des Feuers", was im Türkischen als Lehnwort „Alev" mit derselben Bedeutung übernommen worden ist, kommt als ursprüngliches Bezugswort eher in Frage, denn die Aleviten betrachten das Feuer als heilig, wie auch die Kurden im allgemeinen dem Feuer eine gewisse Verehrung entgegenbringen. Es ist eine unter den Kurden weit verbreitete Sitte, kein Feuer und keine Kerze zu löschen, ohne den Namen Gottes zu nennen bzw. sich zu entschuldigen. In bezug auf die Ahli-Haqq (Leute der Wahrheit), die auch Kakayi oder Yarsan genannt werden, gibt es ähnliche Verwechslungen und Mißverständnisse. Man behauptet, daß sie „Aliollahi" (Ali-Anbeter) seien, und damit werden sie als Pseudomuslime eingestuft. Tatsache ist, daß der Gott der Ahli-Haqq nicht Ali, sondern Sultan Sahak ist. Er soll von einer Kurdin geboren sein, die wie Maria eine unbefleckte Empfängnis hatte, indem ihr, die unter einem Granatapfelbaum schlief, ein Kern der Frucht in den Mund fiel, weil ein Vogel die Frucht direkt über ihr angepickt hatte und sich der Kern dabei löste. Auf vielerlei Art und Weise können wir sehen, daß diese Religionsgemeinschaften, die wir heutzutage in Kurdistan antreffen - die Ezidis, die Aleviten, Schabak, Haqqa, die Ahli-Haqq bzw. Kakayi oder Yarsan, daß sie alle verschiedene Elemente miteinander verbunden und neue Glaubensrichtungen begründet haben, und wir sehen auch verschiedene grundlegende Gemeinsamkeiten unter diesen Religionen. 

Schiiten

Schiiten sind Anhänger von Ali, dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Die Schiiten folgen der ersten Familien- und Verwandtschaftstradition nach dem Tod des Propheten Mohammed. Sie glauben an Imame, Mittler zwischen Gott und den Menschen. Sie kennen insgesamt zwölf Imame. Der zwölfte Imam, Mohammed Al'Madi, verschwand nach der Überlieferung im Jahr 878, aber die Schiiten glauben, dass er der Welt nur vorübergehend entrückt ist und wenige Tage vor dem Jüngsten Tag als Mahdi wiederkehren und einen islamischen Staat gründen wird. Die Ismailiten, eine Sekte der Schiiten, erkennen den siebten Iman, Musa Al- Kazim nicht an, sondern den Sohn des sechsten Imam, Jafer Al- Sadig. Die Ismailiten verehren nur sieben Imame und sind daher unter dem Namen Siebener bekannt. Siitische Kurden leben in Kirmanschah,Khaneqin,Khorasan und verstreut in einigen iranischen Gebieten.

Yeziden

Das Yezidentum ist eine monotheistische Religion, deren Wurzeln bis ca. 2.000 Jahre vor Christus in die Zeit des frühen Mithraismus zurückreichen. Die Yeziden sind von der Volkszugehörigkeit her Kurden; ihre gemeinsame Sprache ist der Kurmanci-Dialekt. 

Die yezidische Religion kennt nicht die Vorstellung eines Widersachers gegenüber dem göttlichen Willen. Die Vorstellung der Existenz einer bösen Kraft ist bei den Yeziden nicht vorhanden. Vielmehr ist Gott einzig, allmächtig und allwissend und duldet keine zweite Kraft neben sich.

Eine zentrale Bedeutung hat der oberste Engel Tausi-Melek, der durch einen Pfau symbolisiert wird. Nach der Schöpfungsgeschichte hat Gott Tausi-Melek mit sechs weiteren Engeln aus seinem Licht erschaffen. Aufgrund seiner Weigerung, Adam anzubeten, steht er für die Anerkennung der Allmacht Gottes. 

Als Yezide wird man in das spezielle yezidische Gesellschaftssystem hinein geboren; es gibt keine Möglichkeit, zum Yezidentum zu konvertieren. Dies schließt aus, dass Yeziden missionarisch tätig werden und Angehörige anderer Religionen bekehren. Es gibt keinen religiösen Fanatismus, der von der Überlegenheit der eigenen Religion über andere Glaubensvorstellungen ausgeht.

Das Religiöse Zentrum der Yeziden befindet sich im Nordirak in Lalisch. Zu Ehren des yezidischen Reformartors Sheich Adi (11. Jahrhundert) findet an dieser Pilgerstätte im Oktober ein bedeutendes Fest statt.

Die Yeziden sind einer doppelten Verfolgung ausgesetzt. Einerseits erleiden sie seit Jahrhunderten religiös motivierte Verfolgung. Fanatische Muslime vertreten die Auffassung, dass die Yeziden keiner nach Schari'a-Kriterien rechtmässigen (Buch-)Religion angehören und deshalb zwangsweise bekehrt oder umgebracht werden müŸssen. Andererseits werden sie aufgrund ihrer kurdischen Ethnie benachteiligt.

Yeziden - in verschiedenen Ländern neu beheimatet

Ehemals Ursprungsreligion der Kurden, stellen die Yeziden heute eine religiöse Minderheit unter den mehrheitlich im Verlauf der Jahrhunderte zum Islam konvertierten Kurden dar. Die Zahl der Yeziden weltweit wird auf 800.000 geschätzt. Ihre Siedlungsgebiete befinden sich innerhalb der Verbreitungsgebiete der Kurden, die sich heute auf die Länder Irak, Syrien, Türkei und Iran verteilen. Die Mehrheit der Yeziden lebt im Irak (bis zu 550.000). Weiterhin leben Yeziden auch noch in den ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Georgien sowie Russland. Fast alle Yeziden aus der Türkei und die Mehrheit der syrischen Yeziden sowie zahlreiche aus dem Irak, Georgien und Armenien leben in Westeuropa, überwiegend in Deutschland (ca. 50.000). 

Bedrohliche Situation der Yeziden im Nordirak

Am 14. August 2007 explodierten nahe Sindjar im Westen der nordirakischen Provinz Ninewa unweit der Grenze zu Syrien mehrere Autobomben und töteten mehr als 350 Yeziden. Es war das schlimmste Attentat seit dem Sturz des Saddam-Regimes. Dieser Tag hat sich in die Geschichte der Yeziden eingebrannt und der Öffentlichkeit erneut gezeigt wie schnell der Terror muslimischer Extremisten auch religiöšse Minderheiten in ihrer Existenz bedrohen kann. 

Immer noch trifft sie der unerbittliche Hass islamistischer Terroristen. Daran ändert auch die verbesserte Sicherheitslage der vergangenen Monate nichts: Mord, Vertreibung und Anschläge auf Minderheiten gehen weiter. Die Yeziden bleiben neben den Christen und den die am stärksten gefährdeten Minderheiten im Norden Iraks. Zusammen mit anderen religiöse Minderheiten im Irak (Fa'ili, Mandäer, Shabak) sind sie zwischen die Fronten von Schiiten und Sunniten geraten, ohne dass die irakische Regierung in der Lage ist, diese Gemeinschaften nachhaltig zu schüŸtzen.

Yeziden fliehen aus Syrien

In Syrien leben die Yeziden in fünf Regionen im Norden bzw. Nordosten des Landes. Das arabisch-nationalistische Regime von Baschar Al-Assad versucht, sie zu arabisieren. Ihre Religion wird als eine vom Islam abgespaltene Sekte betrachtet. Yeziden werden genauso wie die muslimischen Kurden als Bürger zweiter Klasse betrachtet. Oft bekommen sie keine syrischen Staatsangehörigkeitsurkunden und dürfen nicht in höher gestellten Berufen arbeiten.

In der Türkei verfolgt und vertrieben

In der Türkei werden die Yeziden wegen ihres Glaubens von ihren muslimischen Nachbarn gehasst und verachtet. Yeziden dürfen ihre Religion nicht öffentlich ausüben, statt dessen müssen yezidische Schulkinder in der Schule am islamischen Religionsunterricht teilnehmen und werden dazu gezwungen islamische Gebete zu lernen. Auch während des Militärdienstes oder bei der gemeinsamen Arbeit mit Muslimen muss ein Yezide ständig Tabus brechen, um nicht als "Ungläubiger" erkannt und bestraft zu werden.

Nur wenige Yeziden - meist alte Menschen - sind in der Südostürkei geblieben. Sie sind der Willkür und unverhohlenen Schikanierung durch türkische Behörden und fanatische Moslems schutzlos ausgesetzt. Yeziden, die in einer türkischen Großstadt arbeiten möchten, müssen mit Diskriminierung rechnen und finden zumeist keinen Arbeitsplatz: Ein Hinweis im Pass lässt Rückschlüsse auf die - nicht-islamische - Religion zu.

Flucht nach Deutschland

Aus Angst um ihr Leben sind seit den 1980er Jahren tausende Yeziden ins Ausland geflohen. So fanden die meisten Yeziden aus der Türkei, maßgeblich auch aufgrund des Engagements der GfbV und der gutachterlichen Stellungnahme der damaligen GfbV-Mitarbeiter Prof. Dr. Dr. Wießner und Alexander Sternberg, Aufnahme in der Bundesrepublik. Zwei Urteile des Bundesverfassungsgerichts aus den Jahren 1989 und 1990 waren bahnbrechend der Yeziden als Religionsflüchtlinge: Dieses höchste Gericht betrachtet die Yeziden in der Türkei als Opfer einer Gruppenverfolgung. 

Während Yeziden aus Syrien bisher überwiegend geduldet wurden, sind diese aufgrund des Rückführungsabkommens (2009) zwischen der BRD und Syrien aktuell konkreter Abschiebung ausgesetzt. Yeziden aus Georgien und Armenien werden trotz zahlreich nachgewiesener Menschenrechtsverletzungen abgeschoben. Aufgrund der kritischen Situation erhalten Yeziden aus dem Irak in der Regel einen sicheren Aufenthaltsstatus.

Ahl- e Hakk

In Iran und Irak existiert eine weitere religiöse Gruppierung die sich als Ehlihak ("die Leute Gotttes")nennt und den Aleviten nahesteht. Diese Kurden leben überwiegend in Hawraman-Gebiet . Sie sprechen Gorani-Dialekt.

Als die Religion von Zarathustra sich in Kurdistan verbreitete, war ihre erste Wirkung, daß ein bedeutender Teil der Kurden das nomadische Leben aufgab, und sich landwirtschaftlichen Aktivitäten widmete, und damit sind zwei Lebensweisen in Kurdistan entstanden, einmal „Kurd", d. h. jemand, der Waffen in der Hand hat und der in einem bestimmten Gebiet versucht, von der Jagd zu leben, als Halbnomaden, heute hier, morgen woanders, aber natürlich nur im Rahmen des Landes Kurdistan, und dann „Goran", d. h. jemand der ansässig ist, der zivilisiert ist, und versucht, sich geistig und wissenschaftlich zu beschäftigen. Sehr wahrscheinlich gibt das Wort Goran einen Hinweis auf „Gawr-an", was eine Bezeichnung für die Anhänger von Zarathustra ist. In Kurdistan, sind die Goranen immer Menschen gewesen ,die sich mit Philosophie, mit Literatur und mit der Bereicherung der kurdischen Kultur - im Sinne von „Buchkultur'' oder im Sinne „feinerer Lebensart" - beschäftigt haben. Diese Tradition ist bis heute bei den Kurden lebendig. Heutzutage kann man in Ostkurdistan sehen, das zum Teil vom Iran annektiert ist, Goran-Kurden, die sich zur Religion von „Ahli-Haqq" bekennen, also „Leute Gottes" sind. Anhänger eben dieser Ahli-Haqq-Religion haben bereits im 12. Jahrhundert versucht, in der eigenen Sprache zu schreiben, d.i. in ihrem „Gorani" genannten kurdischen Dialekt. Danach haben auch andere kurdische Religionsgemeinschaften, sogar auch die Kurden, die Muslime geworden waren, sehr aktiv an den religiösen Inhalten geistig-kulturell „gearbeitet". Man kann sagen, daß die Kurden durch ihre eigenen Religionen, aber auch durch die von ihnen geleistete Bereicherung der islamischen Religion, einen definitiven Beitrag zur Weltkultur geleistet haben. Der berühmte muslimische Scholastiker, der Rhetoriker und Theologe Imam Mohamad AI-Gazzali (1058- 1111 n. Chr.) schrieb, daß das islamische Geistesgut auf vier Säulen steht. Er nennt die vier Gelehrten, die diese Säulen darstellen. Drei von ihnen sind Kurden, nämlich Scharazuri, Amedi und Dinawari. In Anbetracht der Bedeutung Al-Gazzalis im Islam ist das eine „Magna Charta" für den Beitrag der Kurden zur islamischen Hochkultur.

Juden

In Israel gibt es 100000 kurdisch sprechende jüdische Gemeinde. Der prominenteste ist Jitzhak Mordechai, aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Premierministers der neugegründeten Zentrumspartei.

Bahais

Seit dem vorigen Jahrhundert gibt es auch manche Kurden, die sich zur Bahai- Religion bekennen. Der Ursprung dieser Religion geht auf den Babismus zurück, der von dem persischschiitischen Geistlichen Ali Mohammadi Schirazi (1819-1850) gestiftet wurde. Schirazi trug den Beinamen Bab, der Bezug nimmt auf das arabische Wort für Tür (Bab) und auf den Umstand, daß sich Schirazi als „Tür zwischen Gott und den Menschen" verstand. Der Babismus wurde später von Bahaollah (1817-1892) zur Bahai-Religion entwickelt. Weltfrieden und Distanz zur Politik sind die Grundpfeiler dieser in der islamischen Welt bekämpften Religion.

Urreligionen

In der vorislamischen Zeit gab es die Vielfalt von religiösen Vorstellungen, von Mithraismus oder Sonnenkult, über Buddhismus, Mazdaismus und Manichäismus bis zum Judentum und Christentum, wobei dem Mazdaismus und Manichäismus zur Zeit der Ankunft des Islam das meiste Gewicht zukam.

Mithraismus

Mithraismus gab es in der Frühzeit der Menschheit auf der ganzen Welt, und Relikte dieser Sonnenkult-Tradition finden sich entsprechend ebenso überall. Wenn die Menschen zu Gott bitten, ihnen einen Wunsch zu erfüllen, richten sie ihren Kopf unwillkürlich in die Richtung des Himmels, wo die Sonne sich befindet. Die Kurdische Fahne, die 1946 bei der Errichtung der Republik Kurdistan in deren Hauptstadt Mehabad zur offiziellen Fahne von Kurdistan wurde, trägt die Sonne in ihrer Mitte, um ein zeitgenössisches Beispiel zu geben, wie bedeutsam den Kurden die Sonne ist. Die Sonne, Mond und Sterne haben einen besonderen Stellenwert in der kurdischen Mythologie.

Zoroasthrismus und Mazdaismus

Da Zarathustra Iraner war (wenn nicht sogar Kurde), hat der Mazdaismus in Kurdistan eine beachtliche Verbreitungschance gehabt, wovon viele Tempel und Denkmäler in zahlreichen Orten Kurdistans (ganz besonders in der Region Kirmaschan in Ostkurdistan) bis heute zeugen. Die Religion von Zarathustra gründet auf einer Trinität, und zwar „Denke gut, sprich gut und handle gut". Damit ein Mensch fähig ist, sich diese Trinität anzueignen, muß dieser Mensch sich von „Lug und Trug"  trennen. Nach der Vorstellung von Zarathustra gibt es zwei Kräfte in der Welt, die Kraft des Guten und die Kraft des Bösen, und es gibt immer Streit zwischen den beiden, wobei nicht klar ist, welche Kraft siegen wird. Wenn die Menschen sich auf die Seite des Wesens des Guten stellen, oder auf die Seite der „Armee des Guten", wird das Gute erfolgreich sein. Das Gegenteil wird der Fall sein, wenn die Menschen sich auf die Seite des Bösen stellen, dann wird die Kraft des Bösen erfolgreich sein. Dieser kurdo-iranische Dualismus ist anders als der semitische Dualismus. In den semitischen Religionen, also im Christentum, Judentum und Islam, hat Gott selbst den Teufel (die Kraft des Bösen) geschaffen, und Gott (oder das Gute) wird am Ende immer obsiegen. Bei Zarathustra ist es nicht so. Es kommt darauf an, wie die Menschen sich verhalten. Wenn die Menschen sich auf die Seite des Guten stellen, wird Gott (Ahura-Mazda, oder Hurmiz bei den Kurden) besiegen. Das Gegenteil wird geschehen, wenn die Menschen in die Richtung des Bösen gehen, dann wird der Gott des Bösen (Ahriman, oder Harmin bei den Kurden) herrschen.
zarathustra

Zarathustra glaubte an die Unsterblichkeit der Seele und an ein Leben nach dem Tode. Nach dem Tod bleibt die Seele drei Nächte lang in der Nähe des ihres toten Körpers. Dann wird sie von einer schönen Jungfrau zur Cinvat-Brücke (Brücke der Trennung) geleitet. Die Mitte der Brücke ist wie die Klinge eines Schwertes. Für die Gerechten steht die Klinge waagrecht und ist 15 Speerlängen breit. So gelangen die Gerechten problemlos über die Brücke ins Paradies vor den Thron Ahura Mazdahs. Für die Seelen der bösen Menschen steht die Schwert-Brücke senkrecht nach oben und ist messerscharf; die Bösen stürzen deshalb in die Hölle - oder in minder schweren Fällen: in eine Art Fegefeuer.

Wie später die Katharer, legten die Zarathustrier großen Wert auf die Reinheit. Man durfte u. a. bestimmte Speisen nicht essen. Großen Wert legten sie darauf, gute und ehrliche Menschen zu sein, nie zu betrügen und Wohltätigkeit zu üben. Erste Lebenspflicht war Reinigung, Opfer und Gebet. Zarathustra duldete weder Tempel noch Götzen; Altäre wurden auf Hügeln, in Palästen oder im Zentrum der Stadt errichte. Auf diesen Altären wurden Feuer zu Ehren Ahuru Mazdas unterhalten, weshalb die Zarathustra-Anhänger "Feueranbeter" genannt wurden. In der Tat wurde das Feuer auch als der Gott "Atar" (Sohn des Herren des Lichts") verehrt. Das war wohl nicht im Sinne Zarathustras, aber hier setze sich wohl der alte Volksglaube durch. Der Herd im Haus galt als heiliger Altar; des Feuer durfte niemals ausgehen. Auch die Sonne, das ewige Feuer am Himmel, wurde ebenfalls als Verkörperung Ahura Mazdas verehrt. Die Frauen genoßen Gleichberechtigung.

Zarathustra lebte 6 Jahrhunderte vor Christi Geburt. Der Mazdaismus war also schon eine ziemlich alte Religion, als der Prophet Mani von sich reden machte und der Manichäismus sich entwickelte. Mani war anfänglich Christ, hatte dann religiöse Eingebungen und erklärte sich im Jahre 242 n. Chr. zum Propheten. Anders als Zarathustra und der Mazdaismus sprach Mani nicht von Gut und Böse, sondern von Licht und Finsternis. Licht ist die Seele, und sie ist rein. Finsternis ist Materie, und sie ist schmutzig. Zerdusten Wenn ein Lebewesen stirbt, wird dessen Seele nach oben in den Himmel gehen, und die Materie - da sie schlecht ist - in die Erde gehen. Im Wesen jedes Menschen gibt es zweierlei, das Reine und das Schmutzige. Damit die Menschen sich reinigen, müssen sie sterben, und wenn die Menschen nach und nach sterben, dann wird es - nach einer bestimmten Periode - niemanden mehr auf dieser Welt geben, dann werden alle Menschen in den reinen Zustand gekommen sein, werden ihre Seelen rein sein, und deshalb hat Mani sich gegen das Heiraten ausgesprochen, und dagegen, daß Kinder in die Welt kommen, damit die Menschheit zu Ende geht, und auf diese Art und Weise sich die Menschheit reinigt.

Während Mani seine Religion in Kurdistan zu verbreiten versuchte, gab es auch in Kurdistan bereits das Christentum. Mani lebte im 3. Jahrhundert nach Christus. Zu seiner Zeit war das Christentum in Kurdistan keine neue Religion. Daß es Kurden gab zu jener Zeit, die Christen waren, das bestätigen die altaramäischen Quellen, darunter die Memoiren des Mar Mari, der ein Mönch in Urfa war und 226 n. Chr. starb. Seine Memoiren sind in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts sogar zum Teil in die deutsche Sprache übersetzt worden.

Buddhismus

Mazdaismus und Buddhismus sind etwa zur gleichen Zeit entstanden, nämlich 6 Jahrhunderte vor Christi Geburt. Die buddhistische Religion entstand im 6. Jahrhundert v.Chr. in Asien und verbreitete sich schnell, auch nach Kurdistan. Der Religionsstifter Sadr Harta, mit dem Beinamen „Buddha" (560-480 vor Christus) war in einer Stadt in der Nähe von Nepal in einer sehr wohlhabenden und einflußreichen Familie aufgewachsen.Buddha Schon früh verließ er seine Familie, verzichtete auf Reichtum und Macht. Er rief auf zur Entsagung von der Welt, einschließlich Vermeidung von Alkohol, schmackhaftem Essen und Unzucht. Er propagierte die Liebe zu allen Lebewesen. Er verbot es, irgendwelche Tiere oder Vögel zu töten. Zu bemerken ist hier, daß die Kurden bis zum heutigen Tag Vögel nicht als Tiere betrachten. In der kurdischen Mythologie wird das höchste Wesen am Anfang der Schöpfung in der Gestalt eines Vogels dargestellt, und der Vogel als Symbol für das Nichtirdische ist auf vielfache Weise bis heute in der kurdischen Kultur verankert. Buddha verbot also die Tötung irgendeines Lebewesens, einschließlich der Tiere und Vögel, und - beeinflußt vom Zoroasthrismus bzw. Mazdaismus - empfahl den Menschen, von Lügen unbedingt Abstand zu nehmen und aufrichtig zu sein. Auch Diebstahl gehörte bei ihm zu den großen Sünden. Beeinflußt vom Hinduismus glaubte Buddha an die Seelenwanderung. Die Vorstellung der Buddhisten, daß Buddha „Sohn Gottes" sei und er auf eine Art geboren sei, wie Jesus Christus durch Maria, nämlich vollkommen rein, zeigt den Einfluß des Buddhismus auf die später entstandene christliche Religion, aber auch auf manche kurdisch-synkretistische Religionen, wie z. B. Ahl-i Haqq.

Publiziert am: Mittwoch, 28. Dezember 2011 (38240 mal gelesen)
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