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Eine andere traurige Geschichte

Rotes Kurdistan

Als ein im Roten Kurdistan geborener Kurde, kann ich sagen, dass die Kurdischen Gebiete zwischen Armenien und Azerbaijan eingeklemmt sind und dort sehr wenig Kurdisch gesprochen wird. Seit meiner Kindheit wurde mir die gewissen kulturellen unterschiede zu den anderen Völkern um uns – Armenier und Azerbaijaner – bewusst. Ich wuchs mit Azerbaijanisch, einem Zweig der Turksprachen, sowie mit gebrochenem Russisch auf.
Wir hatten eine Menge von fremdklingenden, anderen Wörtern in unserer Alltagssprache, die nicht von Azeris benutzt wurden. Erst sehr viel später bekam ich heraus, dass diese Wörter aus dem Kurdischen entlehnt waren, der Sprache, die wir gesprochen hatten bevor wir zu Azerbaijanischsprechern assimiliert wurden. Nur einige unserer ältesten Mitglieder unserer Gemeinschaft waren noch in der Lage Kurdisch zu sprechen, jedoch seitdem sie in der Vergangenheit quer zerstreut wurden , damit Sowjetbürger die „fortschrittlichen“, kosmopolitischen, kommunistischen Ideal aufsogen konnten, waren sie nicht mehr in der Lage unser kulturelles Erbe und unsere Muttersprache an uns weiterzugeben. Später erzählte mir meine Mutter, dass immer wenn ihr Vater oder ihre Tanten wollten, dass die Kinder oder Außenstehende gewisse Unterhaltung nicht mitbekommen sollten, die Sprache von Azerbaijanisch zu Kurdisch gewechselt wurde. All diese Erkenntnisse steigerten meine unersättliche, kindliche Neugier mich in die mysteriöse Vergangenheit meines kleinen Teiles von einem größeren Kurdistan zu vertiefen.

Als wir die anderen Teile Azerbaijans und Armeniens bereisten, wurden wir von den Bewohnern dort abwechselnd „Kurden“ oder „Bergbewohner“ benannt. Manchmal machten sie sich auf sympathische Art und Weise einen Spaß über unsere strikte Beachtungen bezüglich Ehre, Zurückhaltung und Stolz. Zum Beispiel, beanspruchten wir sehr selten die Polizei oder Gerichte, wenn zwei Menschen persönliche Differenzen hatten. Wir betrachteten das Ganze aus einem weniger männlichen Blickwinkel. Es gab immer ältere, respektierte Mitglieder unserer Gemeinschaft, die vermittelnd eintraten um Probleme zu befrieden. Wir konnten fließend Azerbaijanisch sprechen, jedoch mit einem für Kurden sehr eigentümlich, ausgeprägten Akzent. Bis zum Karabakh krieg, kamen wir mit Armenier und Azerbaijaner gleichermaßen gut aus, dann jedoch versahen wir uns je nach dem, auf dieser oder der anderen Seite, wir wurden in der Schlacht entweder an die Seite von Azerbaijaner oder Armenier gestellt.

Armenier machten offensichtlich keine Unterschiede zwischen moslemischen Kurden oder moslemischen Azeris, als sie alle Bereiche einem nach dem anderen besetzten, die an Karabakh angrenzten und das Rote Kurdistan ausmachten. Die Ironie jedoch war, dass die yezidischen Kurden die in Armenien lebten zu den feurigsten Kämpfern unter den armenischen Soldaten gehörten, und somit gegen ihre eigenen Brüder aus Lachin und Kelbajar kämpften.

Jedes Mal wenn ich die Gelegenheit dazu habe darüber nachzudenken, neige ich zu dem Schluss, dass die gleiche religiöse Affinität mit den Azerbaijaner der erleichternde Faktor für die sprachliche Assimilierung war und über die Jahrzehnte zum Verlust der nationalen Identität so vieler Kurden geführt hat.

 Ich hatte so viele Fragen in meinem Kopf, die sich nach Antworten sehnten; über unsere kurdische Herkunft und Geschichte, so dass ich endlos meinen Großvater, der noch gebrochen Kurdisch sprechen konnte, und andere ältere Menschen mit meinen endlosen Fragen bombardierte. Jedoch wurde ich immer damit enttäuscht, nie eine glaubwürdige Quelle stieß, die mich über unsere nationale Sage aufklärte, teils weil in der Sowjetunion jede Form von Behauptung einer nationalen Identität stets entmutigt wurde, teils weil die meisten Menschen aus diesem Teil von Kurdistan bereits ihre Geschichte verloren hatten. Die rücksichtslos gezeichnete Assimilationspolitik seitens Sowjet-Azerbaijan, aber auch die Isolierung von unseren Brüdern aus dem Hauptgebieten, haben nicht mehr reparierbare Schäden in der kurdischen Kultur und Sprache hinterlassen.

Es werden zwei Theorien von unseren Älteren zur Aussprache gebracht, wie sich die Geschichte unserer Gemeinschaft abgezeichnet haben mag. Eine besagt, dass unsere Vorfahren als Teil von 24 Stämmen im 16. Jahrhundert von Shah Abbas von Iran aus verschiedenen Teilen Kurdistan- Irans und Chorosans in den Kaukasus geschickt worden sind um die Grenze der Safawiden gegen die Osmanen abzusichern. Mein Großvater jedoch versteifte sich darauf, dass wir in den Kaukasus aus dem heutigen Südkurdistan (den Bereichen zwischen dem heutigen Städten Mosul und Kerkuk) vor rund 300 Jahren gezogen sind, weil unser Stamm (Ferikhani) stets eine der aufsässigsten kurdischen Stämme waren, die den Osmanen die Steuerzahlung verweigerte. Somit verschwand unsere wahre Geschichte im Nebel der Geschichte, ein unbarmherziges Schicksal, dass alle Kurden in allen Teilen unserer mit Recht beanspruchten Heimat befällt. Später bin ich darauf gestoßen, dass Kurden schon vor undenklich alter Zeit den Kaukasus besiedelten, starke Dynastien wie die Sheddaditen, Revvaditen aufbauten und weite Teile des heutigen modernen Azerbaijans zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert beherrschten. Also, gab es schon Kurden in Rot-Kurdistan und anderen Teilen Azerbaijans und Nakhchewan, bevor wir uns in dieser schönen, bildhübschen Landschaft ansiedelten.

Kurden haben ihren unauslöschlichen Abdruck in den Volkstänzen, Musik, Literatur und Geschichte Azerbaijans hinterlassen. Altes Liedergut wie Kurd-Ovshari, Bayati-Kurd, oder Kurd-Shahnaz werden immer noch als die besten Beispiele für klassische Musik im heutigen Azerbaijan angeführt. In der berühmten Epoche des „Koroglu“, wird die Mutigkeit und der Kampf gegen die Ungerechtigkeit des „Kurdoglu“ (Kurdensohn) für die Armen und Enteigneten und gegen die Feudalherren und Landbesitzer bejubelt und gelobt. Der weltbekannte Klassiker der azerbaijanischen Literatur von Nizami Gencevi (1141 – 1209) begründet seine berühmte Prosa „Xeyir und Sher“ auf die Taten und Tugenden eines kurdischen Mädchens und seines reichen Vaters, in dem er so viele Worte über ihre Schönheit, ihr Mitgefühl und ihre Großherzigkeit gegenüber dem hilflosen „Xeyir“, der somit vor Hunger und Tod gerettet wird.

Während den Hochtagen der Perestroika, eingeführt durch Gorbatschow, dem letzten Kopf der ehemaligen Sowjetunion, erneuerte sich das Interesse an Kurdischer Kultur und Sprache. Später wurde es durch Shamil Askerov möglich, einem in Kelbajar geborenen Dichter, rastlosen Wissenschafter und Lehrer auf dem Gebiet der Kurdologie, in einigen Klassen von Kurdischen Dorfschulen Unterricht in Kurdischer Sprache einzuführen. Ich kann mich noch erinnern, wie stolz die kleinen Jungen und Mädchen aus meinem Dorf Zeylik auf die erlernten kurdischen Worte und Sätze waren. Unglücklicherweise waren diese guten Zeiten kurzlebig, als der blutigen Karabachkrieg diese Initiative ein Ende setzte, indem Kurden in alle möglichen Ecken Azerbaijans versprengt wurden.

Das Rot-Kurdistan bis 1993, bildete sich aus vier Administrationsbezirken - Kelbajar, Gubadly, Zengilan und einem Teil aus Jebrail – bis der langanhaltende Konflikt zwischen Azerbaijan und Armenien wegen Karabakh die Kurden aus ihren angestammten Gebieten vertrieb. Die Gründung und Demontage Rot-Kurdistan ist nun sagenumwoben im Dunkelheit gehüllt.

Nach Erzählungen unserer Älteren hatte Lenin höchstpersönlich die Gründung von Rot-Kurdistan befohlen. Wie auch immer, es gibt gewisse Fakten, die Licht auf die wirkliche Geschichte auf die erste kurdische Autonomie in der modernen Geschichte werfen. Rot-Kurdistan (die offizielle russische Bezeichnung war „Kurdistanski Uezd“) wurde offiziell am 7.Juli 1923 auf Beschluss eines Spezialkomitees, am 17. Juli durch den Vorsitzenden des Exekutivausschuss des Komitees, des hochrangigen Funktionärs der Bolschewiken S. Kirov, unterzeichnet. Der uns verliehene Status der Autonomie war blass im Vergleich zu dem der ethnischen Armenier in der autonomen Provinz Karabakh. Kurdistanski Uezd wurde am 8.April 1929 aufgrund der auf dem 6. Kongress der Azerbaijaner, und mit Segen der Sowjets, beschlossenen der Neuordnung der Administrationseinheiten aufgelöst.

Wieder am 30.Mai 1930 wurde auf Beschlussfassung des Zentralkomitees von Azerbaijan,  „Kurdistanski Okrug“, mit der Hauptstadt Lachin und diesmal weiterer kurdische Bezirke wie Zengilan und Jebrail umfassend, die während der Zeit von Kurdistanski Uezd ausgeschlossen blieben, gründet. Doch auch der Okrug existierte lediglich 2 1/2 Monat, nachdem das Zentralkomitee der Sowjetunion und der Rat der Volkskommissare „Kurdistani Okrug“ am 23. Juli 1930 erneut liquidierten. Interessanterweise konnte aber zur gleichen Zeit die autonome Provinz Karabakh der Liquidation entweichen; hauptsächlich zurückzuführen auf den starken Einfluss und Widerstand armenischer Kommunisten in Moskau und Baku.

Die Rolle von nationalistischen Azeri-Bürokraten in dem für die Kurden ungerechten Beschluss war erheblicher geworden, seitdem sie ein besonderes Interesse in der vollständigen Assimilierung azerbaijanischen Kurden, insbesondere als sie auch keinem besonders großen Widerstand seitens den meist ungebildeten kurdischen Gemeinschaften gegenüberstanden. In dieser Zeit waren bereits schon erhebliche Massen (meist jüngere Generationen) in dieser autonomen Provinz assimiliert in der Benutzung des weiterverbreiteten Azerbaijanisch, statt der Benutzung ihrer kurdischen Muttersprache. Verschiedene offizielle Quellen beziffern die Größe der kurdischen Bevölkerung im Rot-Kurdistan auf 60.000 nach der Oktoberrevolution (1917), ausschließlich der anderen bemerkswerten Kurdischen Gemeinden in Nakhchewan und anderen Teilen Azerbaijans. Was die Angelegenheit verschlechterte, war dass in der Bevölkerungszählung von 1921 die wahre Zahl der Kurden manipuliert wurde, indem jeder Kurde der Kurdisch nicht als 1. Sprache sprechen konnte, automatisch als „Azerbaijaner“ eingestuft wurde. Das war auch wenig erstaunlich, seit Baku kein Interesse mehr in die Wiederbelebung kurdischer Kultur und Nationalbewusstsein der jungen Generationen hatte.

Während der kurzlebigen, relativen Autonomie und einer kurzen Periode danach, gab es einige von der Regierung finanzierte (wissenschaftliche) Untersuchungen in der Region - geführt von V.Susoev, Chursin, dem Orientalisten V.Gurko, Kriyazhin - um die Sprache und Kultur der Hochländer, der Kurden zu untersuchen.

Als Resultat dieser Untersuchungen über die Kurden in Sowjet- Azerbaijan wurden verschiedene Artikel in der kommunistischen Zeitung „Zariye Vostoka“ publiziert.
Im Juni 1931 wurde in Baku die Konferenz der nationalen Minderheiten abgehalten. Der Sowjetautor A. Bukspan, der viele kurdische Dörfer und Siedlungen in Kelbajar, Lachin, Nakhchevan bereist hatte, publizierte eine sehr nützliche und detailierte Broschüre über die Kurden Azerbaijans. Nach (dem Erscheinen) dieser Broschüre rügte Moskau die pflichtvergessene und chauvinistische Politik Bakus gegenüber ihrer kurdischen Minderheit. Rund 30 Kurdische Bücher wurden zwischen 1930 und 1938 in Azerbaijan, trotz des Amtschimmel und der absichtlichen Vernachlässigung seitens der Offiziellen in Baku publiziert. Das Rote Kurdistan war 1931 kurz in der Lage den Kurdischen Sommer zu genießen; Im selben Jahr, in dem die Zeitung „Sowjet Kurdistan“ in Lachin gegründet wurde; 1932 als Kurdische Abteilungen am Pädagogischen Kolleg in Shusha gegründet wurden, zu dem mein Urgroßvater Jafar Ahmedov als Lehrer entsendet wurde. Für viele nachfolgende Jahre sollte er sehr stark eingebunden werden in die Bildung von (unzugänglichen) Berggemeinden von Kelbajar und Lachin. Für seine Führung und seinen Einsatz zur Verbreitung von Bildung unter den kurdischen Dorfgemeinschaften erhielt er den Lenin- Orden, eine der höchsten Ehrungen der Sowjetunion.

Diese relative Renaissance von kurdischem Nationalbewusstsein nahm mit Stalins Repressionen von 1937-1938  ein jähes Ende. Mirrcefer Bagirov, der kommunistische Führer im sowjetischen Azerbaijan, setzte Vorort mit unerhörter Brutalität die Repressionen um. Die Repressionen resultierten in der Schließung aller Kurdischen Sprachschulen und dem Verbot aller kurdischen Publikationen. Tausende von Kurden von Nakhchiwan und Rot-Kurdistan wurden in die Zentralasiatischen Republiken – Kasachstan, Kirgisien und Turkmenistan – deportiert. Die Familie meines Großvaters war eine dieser unglücklichen Familien, die all ihrer Eigen- und Besitztümer beraubt, und eben wegen ihrem Landbesitzer-Status zu „Volksfeinden“ deklariert, und unter inhumanen Umständen nach Zentralasien verbannt wurden.

Später, als diese Periode des Alptraums ein Ende nahm, machten sich Einige, aber nicht alle, wieder auf den Weg zurück zu ihrer alten Heimat. Wenig überraschend, sind die heute in Zentralasien ansässigen Kurden, eben die Nachfahren, der aus Armenien, Azerbaijan und Georgien während der repressiven Zeiten Deportierten und Verbannten. 

Die bedauernswerte Situation der kurdischen Kultur und des kurdischen Selbstbewusstseins änderte sich kaum, auch nachdem die Repression mit Stalins Tod nachließ. Nichtsdestotrotz gab es noch einige sporadische Unternehmungen und publizierte Arbeiten von russischen Kurdologen wie z.B. T.Aristova (1967), K.Kromov (1961), Ch.Bakaev, einem yezidischen Kurden der sich mit den Dialekten der azerbaijanischen Kurden auseinandersetze; trotz aller Behinderungen Seitens Bakus.

Bakaev stellte heraus, dass außerhalb der wesentlichen Konzentrationspunkte von Kurdischen Gemeinden, auch solche in anderen Teilen Azerbaijans, wie z.B. Xachmaz, Ismayilli, Yevlax existierten. Er hielt auch fest, dass die Geläufigkeit der Kurdischen Sprache ein  beachtliches Gefälle unter den azerbaijanischen Kurden aufwies, besonders unter den jüngeren Kurden, mit Ausnahme von Kurden aus Nakhchewan. Die Studien enthielten einige nützliche, aber auch nicht besonders überzeugende Informationen über die Anzahl der kurdischen Bevölkerung und Siedlungen im Lande, seitdem sie sich weitgehend auf die offiziellen Volkszählungen stützten.

Die Verschleierungspolitik des Verschwindenslassens der Kurdischen Kultur bestätigen sich mit den offiziellen Volkszählungen von 1959, 1970, 1979 und 1989 in Sowjet-Azerbaijan, welche stets die Größe der kurdischen Minderheit von Azerbaijan durch Umklassifizierung von Kurden zu „Azerbaijaner“ verringerte. Die Ergebnisse führten stets zu lächerlich niedrigen Statistiken über die Größe der kurdischen Bevölkerung im Lande:

1.487 Kurden im Jahr 1959,
5.488 Kurden im Jahr 1970,
5.676 Kurden im Jahr 1979,
12.226 Kurden im Jahr 1989.

Neben all den neuen Siedlungen in Rot-Kurdistan, die sich aus den alten kurdischen Dörfern entwickelten, werden diese nun als reine Azeri-Dörfer eingestuft, weil die jungen assimilierten Bewohner dieser Siedlungen Azerbaijanisch als erste Sprache benutzen. (Der breite Konsens heute, geht davon aus, dass in einem Land mit einer Bevölkerungszahl von 8 Millionen Einwohner, von mindesten 500.000 Kurden ausgegangen werden muss, ausschließlich derer die vollständig assimiliert wurden, wobei wieder offizielle Zahlen von 13-14 Tsd. Kurden ausgehen).

Das größte Unheil jedoch hat Rot-Kurdistan immer noch zu tragen. Der 1989 ausgebrochene Krieg um Ober- Karabakh zwischen Armenien und Azerbaijan, nachdem Armenische Nationalisten von Karabakh und Armenien die Abtrennung der autonomen Provinz Karabakh von Azerbaijan forderten. Der langanhaltende Konflikt (1988 – 1995) hatte harte Konsequenzen für die Bevölkerung von Rot-Kurdistan: Alle Kurdischen Siedlungen und Distrikte wurden von armenischen Kräften mit der Hilfe von Russland besetzt. Die heftige Rivalität um die Macht in Baku, die stetige Konfrontation zwischen den verschiedenen Fraktionen der unorganisierten nationalen Streitkräfte ließen die Azerbaijanischen Truppen als vollständig unfähig erscheinen das Territorium des Republik zu verteidigen; Alle Distrikte von Rot-Kurdistan wurden ohne Gegenwehr an Armenien verloren – Lachin (1992), Kelbajar(1993) Zengilan (1993) Gubadli (1993), Cebrayil (1993). Das Ergebnis war die Vertreibung der Bewohner des ehemals kurdischen Autonomiegebiets aus ihren Heimstätten und ihre Verstreuung rings in andere Teile Azerbaijans.

Viele Mitglieder dieser vertriebenen kurdischen Bevölkerung leben heute noch unter harten Bedingungen in Flüchtlingszelten und in temporären Siedlungen, warten darauf nach 13 Jahren wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Die Verhandlungen zwischen Azerbaijan und Armenien mit dem Ziel einer friedlichen Lösung kamen bis jetzt zu keinen Ergebnissen. Das Kurdische Kulturzentrum „Ronayi“ ist virtuell nicht in der Lage für die Kurdische Kultur und Sprache unter den jungen assimilierten Kurden zu werben, weil (Organisations)Gründungen nicht möglich sind, stets unter dem wachsamen Auge der Regierung stehen und von offensichtlichem Druck aus der Türkei begleitet werden. Die Zerstreuung der kurdischen Gemeinschaften in die verschiedensten Ecken des Landes kompliziert ebenso die Aufgabe der Etablierung einer gemeinsamen Front zum Erhalt unserer Kultur und Sprache, die am Rande der Auslöschung steht. Wie auch immer, es gäbe eine Menge zu tun um die kurdische Kultur in Azerbaijan zu revitalisieren, in dem man auf praktische Ziele zuarbeiten könnte, wie die Gründung von kurdischen Sprachkursen und –schulen, die Beschaffung der Unterrichtsmaterialien für den Unterricht und die Entsendung von jungen Kurden aus Azerbaijan zu Studienaufenthalten in Städte wie Hewler oder Suleymani in Südkurdistan. Aus dieser Betrachtung, könnte die kurdische Diaspora in Europa, die Kurdische Regional Regierung und die Topoffiziellen des Irak heute eine wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Situation der kurdischen Gemeinden und die Erleichterung der Wiederbelebung unseres Kulturellen Erbes zu bewahren, das am Rande der Auslöschung steht.
Übersetzung aus dem Englischen von Sekevir / www.kurdmania.org

Publiziert am: Mittwoch, 28. Dezember 2011 (7815 mal gelesen)
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