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Dr. Vet. M. Nuri Dersimi

Eine Ansprache an die Jugend

Du, die kurdische Jugend, Sohn einer die Unterdrückung von Generationen abwehrenden  Nation, höret mir zu!

Nuri DersimiWährend die Morgendämmerung der Menschheitsgeschichte  ergraute, entfielen seine ersten Strahlen, die sich vom indischen Meer nach Kaukasien, von den Bergwänden Vorderasiens weiter bis nach Zentralasien erstrecken, auf die stolze Fassade des dich auf hohen Bergen und sonnigen Hochebenen gebärenden mächtigen Geschlechts.

Deine Geschichte ist die Geschichte von nicht unterbrochenen heroischen Legenden.
Denn du bist Kind eines seit vierzig Jahrhunderten für eine ehrenhafte und freiheitliche Existenz kämpfenden und bis heute von diesem Kampf nicht zurückschreckenden Volkes.

Die von Gewittern und Stürmen gefüllten gestrigen und heutigen Tage des Kurden, den Grund und die Ursache der augesetzten Grauen und gelittenen Unterdrückungen zu suchen und die Anmut des Lebens mit wachenden Augen anzugehen ist die Pflicht Unsereins.

Zum Schutze seines Besitzes und zur Wahrung seiner Würde hat keine Nation so lange und so beständig wie wir gekämpft.

In unserer langen Geschichte hat keine Macht unsere Niederlage gestanden…
Die kurdische Stirn blieb, gleich den imposanten Gipfeln kurdischer Anwesen, stets oben und bückte sich vor keinem Eroberer. Die Wahrheit um die kurdische Lebenskraft ist auch eine heutige unbeirrte Wahrheit. Denn  die Kurden, welche den Überlebenskampf nicht verließen und die Niederlage nicht gestanden, sind, von Nationen der Welt  gefassten Entschlusses zur Löschung dieser aus ihren Reihen, eine lebensphile und für das Leben zu sterben bereites Volk.

Höret Sohn Kurdistans, Tochter Kurdistans, die Welt muss von deinem Entschluss erfahren!

Jede Existenz, die leben will, muss sich verteidigen!

Jede Nation, die einen Platz in der Welt will, muss sich darum schlagen!

Dies ist der untauschbare Kanon der Natur. Dies sind die Existenzgrundlagen der Pflanzen- und Tierwelt: schlagen und kämpfen! ...
Dieser Kanon ist für das menschliche Wese umso gnadenloser. Die Rasse ist der Rasse, die Nation der Nation und der Mensch dem Menschen ein zerreißendes Ungeheuer.

Die menschliche Zivilisation konnte bis jetzt diesen Kanon nicht umsichtig umgehen und hat die Regeln des Kampfes nicht modifizieren können. Auch heute hat man zum Leben kämpfen und sterben müssen.

Wir sind ein Volk, das nicht sterben will. Kurden haben sich zum Leben entschlossen und werden leben.

In unserer langen Geschichte haben viele Rassen, Nationen und Staaten die Kurden ermorden wollen und sich diese vom Lebensrecht auszusetzen vorgenommen, jedoch konnten sie nicht erfolgreich werden. Die sich aus dem Osten, Westen, Süden und Norden nähernden erobererischen Ströme sind am Fuße der kurdischen Berge zusammengebrochen, dem kurdischen Widerstand gegenüber zerstört worden. Jene den Weltverlauf verändernden aufgeblähten Mächte, die als Zeitgenossen den Besitz vieler Völker entrechteten, sind in die Geschichte eingegangen, jedoch sagte das vom Kampf nicht untergekommene kurdische Volk mit gegen die Geschichte blutender erhobener Stirn:“ Ich bin nicht tot, ich werde leben!“

Die Geschichte keines Volkes war so blutig wie die Unseresgleichen.
Die Anwesen keines Volkes waren so sehr von Wellen der Invasion überschwemmt worden.
Kein Volk kämpfte wie Unseresgleichen so fortdauernd.
Sogar unter anstrengenden Umständen ergab sich, eine Hand die Waffe haltend, das kurdische Volk nicht.
Das kurdische Volk antwortete der Aufforderung an Zahl überlegener aufgeblähter Kräfte zum Kampf stets mit einem:“ Ja!“.

Schauet, der Zweck unserer ganzen Existenz, das Geheimnis unseres Fortgangs ist ein Geschenk jenes Wortes.

Sie höret, Hoffnung und Zukunft meiner Rasse, die kurdische Jugend! Dir sei diese bescheidene Schrift gewidmet.

Höret den Sorgen eines betrübten Kurden, eines, fern der Heimat, dessen Herz in der Fremde über die nationalen Qualen klagt, dessen Geist um die Geburt der Unabhängigkeits- und Freiheitssonne des kurdischen Volkes entflammt, und, der die Hoffnung auf den jüngsten Tag der Rache aus deinem unerschütterlichem Basis schöpft, einem Kinde Dersims zu und seiner Klagen für dich und nur für dich!

Ich widerhalle dir, um dessen Ehre und Stolz nicht zu verschmutzen sich tausende Bräute und Töchter  von den steilen Abhängen der Heimat und den tiefen Abgründen dem befreienden Tod in die Arme warfen, deren Kummer…

Ich beweine dir, heute noch immer, an der Tür des gemeinen Feindes in Gefangenschaft lebend, jeden Tag, jederzeit Tropfen für Tropfen sterbend, die Sorgen und Kummer des versklavten kurdischen Volkes, dessen Nation, Sprache und  Heiligtum erniedrigt wurde…

Auf den Smaragden Bergen Kurdistans, auf seinen sonnigen Hochebenen getrieben, auf den bitteren Ebenen Anatoliens verhungert, durch das Joch der niederträchtigen Feinde und durch seine Kugeln ausgerottet und als der Tod die Augen unserer Geschwister, deren einzige Schuld die Tatsache als Kurden geboren worden zu sein war, verschloss, stiegst du wie die Sonne am Horizont ihrer Hoffnung empor…

Diese haben nun an dich mit lediglich einem Wort das folgende gnadenlose, vorgesetzte und erhabene Vermächtnis:

R A C H E !

Rache! ...um die befleckte kurdische Ehre zu reinigen.
Rache! ...um die Klagen hunderttausender vertriebener Kinder zu stillen.
Rache! ...um den Hass unserer von Abgründen gestürzten, in Feuern verstorbenen Bräute und Töchter zu besänftigen.
Rache! ...um das Anliegen jener  ihren Tod am Galgen heroisch grüßenden, „Hoch lebe das freie und unabhängige Kurdistan“ keuchenden und ihre Zeugenskrone tragenden, tausender Märtyrer zu verwirklichen.
Rache! ...um jene Kurdistan genannte und ruinierte Mutterheimat empor zu heben.
Rache! …um die kurdische Heimat von nutzlosem Körper der auf kurdischem Land heulenden Rasse der Hyänen und Schakale zu befreien.
Rache! ...um die sich hinter dem Schuft, der sich „Zivilisation“ nennt, versteckenden und zu uns heulenden Hunde zur Ruhe zu bringen.

RACHE! … RACHE! … RACHE! …

Ja, nur dieses eine Wort beinhaltet die auf den blutigen Leichen unserer Märtyrer mit
Blut und Tränen geschriebene Testament! …
Jedes ehrenhafte Individuum, jeder in seiner Brust ein kurdisches Herz pochender Mensch, jeder durch seine Adern kurdisches Blut fließender Jugendliche darf dieses Testament niemals vergessen. Bis es vollstreckt ist, hat dieses befolgt zu werden, es darf nicht ausgeruht werden und muss hierfür gearbeitet werden!
Es ist unsere Pflicht den mit ihrem Blut gezeichneten Weg des, die Geschichte von Gestern mit ihrem Blut niedergeschriebenen, kurdischen Nachwuchses zu gehen!
Wir werden mit unserem Blut die hitzige Morgendämmerung der kurdischen Unabhängigkeit öffnen. Wir werden mit den unseren Seelen beiwohnenden Vulkanen die leidenschaftliche Sonne der kurdischen Freiheit gründen.
Die Weltgeschichte schaut auf uns. Die Augen unserer Märtyrer sei die Richtung.
Die dem Freiheitsgott vorzuweisenden tausende Opfer verlangen von uns ein Grabmal, für ihr Ehrgefühl eine Gedenkstätte…
Dieses Denkmal ist ein freies und unabhängiges Kurdistan!
Dieses Denkmal wird ein in der Weltgemeinschaft die Stellung der Ehre vorzuweisender zukünftiger kurdische Staat sein!
Lasst uns die Seelen unserer Märtyrer erfreuen!

Hoch lebe das Helden schöpfende kurdische Volk, hoch lebe das freie und unabhängige Kurdistan!

Dr. Vet. M. Nuri Dersimi


(Fehler vorbehalten)
übersetzt aus dem Türkischen von Necana
„Kürdistan Tarihinde Dersim“ von Dr. Vet. M. Nuri Dersimi, Seite 336 – 339

Publiziert am: Montag, 09. Juli 2007 (6718 mal gelesen)
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