Die Revolte von 1880: Scheich Obeidullah Nehri
Erhebungen im osmanischen Reich
Nachdem er einen Augenblick beabsichtigt hatte, zugleich gegen die Perser und Osmanen Krieg zu führen, wurde er sich der Gefahr, gegen beide zugleich kämpfen bewusst, und entschied sich dafür, zunächst Iran anzugreifen. Die Offensive begann im Oktober 1880. Die kurdischen Truppen, deren Zahl sich auf 80 000 Mann belief, befreiten Sadbulak (Mahabad), Meyandiya (Mian...), Maraga6 schnell und näherten sich Tabriz, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Da es ihnen aber offenbar an Disziplin mangelte und sie von ihren leichten Siegen geblendet waren, gaben sich die kurdischen Soldaten der Plünderung hin und eroberten Tabriz nicht, diesen strategischen Ort, dessen Einnahme den Ausgang des Krieges hätte stark beeinflussen können. Von Panik ergriffen wandte sich der Schah an die Hohe Pforte und forderte, den Aktivitäten des Scheichs ein Ende zu bereiten. Die schnellen Siege von Obeidullah, seine große Popularität und seine Absichten, ein Kurdistan zu schaffen, hatten schließlich ernste Beunruhigung bei der türkischen Regierung hervorgerufen, die bis dahin geglaubt hatte, den Scheich gegen die Perser benutzen zu können. Sie konzentrierte Truppen in Kurdistan. Diese schlossen die kurdischen Streitkräfte ein. In die Zange genommen von der osmanischen Armee und der des Schahs, der sich einige feindliche kurdische Stämme angeschlossen hatten, befahl der Schah seinen Kommandanten, die von ihm kontrollierten Gebiete zu räumen und sich aus dem Iran zurückzuziehen. Die Pforte wandte gegenüber Scheich Obeidullah und seiner Umgebung keinerlei Gewalt an. Sie rechnete damit, sich erneut der Streitkräfte des Scheichs gegen Persien bedienen zu können, wenn sich dies als notwendig herausstellen sollte.
Der Sultan Abdulhamid II. erwies sich als hinterlistig und paternalistisch7, er schickte den kurdischen Führern Geschenke und lud den Scheich zu einem Besuch ein. Die Ankunft des Scheich Obeidullah in der osmanischen Hauptstadt war der Beginn einer wahren diplomatischen Schlacht zwischem dem persischen und osmanischen Reich. Der Botschafter des Sultans in Teheran forderte von der Regierung Reparationen für die vom Scheich 1870, 1876 und 1881 erlittenen Schäden. Von Russland beraten drehte Teheran den Spieß um und forderte seinerseits Entschädigungen für die durch den Feldzug von Obeidullah in Aserbaidschan verursachten Schäden und Verluste. Im August 1882, mitten in diesem diplomatischen Krieg, entfloh der Scheich aus Istanbul. Der kurdische Führer machte sich keine Illusionen mehr über die Möglichkeit der Befreiung seines Volkes mit Hilfe des Sultans, er wollte sich zunächst vom osmanischen Joch befreien, wenn nicht mit der Unterstützung, dann wenigstens mit der Neutralität Russlands. Dieses, das die Vorteile seiner „Protektion“ im Iran und seiner Machtpolitik in der Türkei so ausgiebig genoss, war kaum bereit, seine Beute loszulassen. Die Pforte ihrerseits, die von den Verhandlungen des Scheichs mit den Russen Wind bekommen hatte, schickte im Oktober 1882 ihre Truppen aus, um ihn gefangen zu nehmen. Mit seiner Familie in Mekka exiliert, sollte der Scheich Obeidullah wenige Jahre später dort sterben. Mit dem Verschwinden des Scheich Obeidullah endet die Ära der großen feudalen kurdischen Revolten des 19. Jahrhunderts.
- (1): N. A. Khalfin, Borba za Kurdistan (Der Kampf um Kurdistan), Moskau 1963
- (2): diplomatische Schritte
- (3): osmanische Vizekönige von Ägypten
- (4): N. A. Khalfin, op. cit., S. 118, der die Archive der auswärtigen Politik Russlands zitiert.
- (5): P. I. Averianov, Kurdy v voinakh Rossii s Persiei i Turtsiei v techenie XIX stoletia, Tiflis 1900, S. 228; zitiert von N. A. Khalfin.
- (6): Iran
- (7): patriarchalisch
Publiziert am: Mittwoch, 28. Dezember 2011 (550 mal gelesen)
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