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Cigerxwîn

Der Dichter der Freiheit

Mein Freund, wirf dich nicht fort

Mein Freund wirf dich nicht fort, ein Leben mit dem Feind ist kurz
Die Hand in der Hand der Feinde, sei es auch eine kurdische, ist feindlich.
Der Feind hat viele Völker mit solchen Tricks unter seine Stiefel bekommen.
Hat er uns nicht auf diese Weise weithin getötet?
Behaltet eure Sache immer im Auge, fallt nicht auf Versprechungen der Feinde herein
Ein Leben unter der Herrschaft des Feindes, auch wenn es sehr lang wäre, ist wie tot

Cigerxwîn -  der Dichter der Freiheit1903 wurde Cigerxwîn als Shexmûs Hesen im Dorf Hesar in der Nähe der Stadt Kercos in Nordkurdistan geboren. Nach dem Tod der Eltern lebte er bei seiner älteren Schwester und wanderte als 11jähriger nach Syrien aus, wo er in der Nähe der Stadt Qamislo lebte und bei Bauern bzw. der Eisenbahngesellschaft seinen Lebensunterhalt verdiente. Mit 18 Jahren begann er Theologie zu studieren und wurde Dorfgeistlicher. Während seines Studiums bereiste er viele Teile Kurdistans und lernte so die Situation des kurdischen Volkes kennen.

Der blutig niedergeschlagene Scheich Said Aufstand 1925 und die überall herrschende Unterdrückung seines Volkes weckten den Patriotismus in ihm und er nannte sich fortan „Cigerxwîn“ (Aus Leid blutendes Inneres).

Seit 1924 schrieb Cigerxwîn Gedichte, die sehr bald politisch wurden. Er griff die feudalen Herrscher ebenso an wie die religiösen, weil sie die Aufklärung verhinderten und deshalb für die Unterdrückung des kurdischen Volkes verantwortlich waren.

Seine politischen Aktivitäten verstärkten sich und 1946 wurde er Vorsitzender der „Civata Azadî û Yekîtiya Kurd“. Zwei Jahre später trat er der kommunistischen Partei Syriens bei und kandidierte im Jahre 1954 für das syrische Parlament. Nach seinem Parteiaustritt 1957 gründete er die Organisation „Azadî“, die später mit der Kurdischen Demokratischen Partei Syriens zusammengelegt wurde.

Er wurde verhaftet und gefoltert. Trotzdem setzte sich weiterhin für den kurdischen Freiheitskampf ein. 1969 verließ er Syrien und richtete an der Universität von Bagdad einen Lehrstuhl für nördliches Kurdisch ein und  zeichnete für das kurdische Kulturprogramm bei Radio Bagdad verantwortlich. Am Aufstand von Mustafa Barzani war er ebenfalls beteiligt.

Er musste1973 in den Libanon auswandern und ging 1979 nach Stockholm ins Exil, wo er am 22. Oktober 1984 starb. Er wurde im Garten vor seinem Haus in Qamislo beerdigt, wo er den größten Teil seines Lebens verbracht hat.

Sein großes Werk umfasst 8 Bände mit Gedichten, ein Wörterbuch der kurdischen Sprache, geschichtliche Werke und Bücher über die kurdische Folklore.

In seiner politischen Dichtung kämpft Cigerxwîn für die Freiheit des kurdischen Volkes, für die Gleichheit der gesellschaftlichen Klassen und für die Abschaffung der feudalen Strukturen, aber auch die geistliche Klasse greift er an, weil sie seiner Meinung nach sich auf Kosten der Kurden bereichert. Auch die Stammesstrukturen blockieren den Gedanken der Gleichheit:

„Mebe êlperest ey kurê xwendewar
Hemî Kurd yekin ey keça namîndar“

Die Liebesgedichte stehen in der Tradition der klassischen kurdischen Dichtung. Vordergründig wird die Geliebte angesprochen, eigentlich ist aber die Liebe zu Gott gemeint, wobei Cigerxwîn oft übergangslos die Heimat also Kurdistan besingt.

Ein weiterer Bereich seiner Liebesgedichte folgt der traditionellen Volksdichtung, in der offen und frei von der Geliebten gesprochen wird.

Cigerxwîns Fabeldichtung  ist der politischen Dichtung zuzuordnen. In diese Gruppe gehört z.B. „Serxwebûna Mirîskan“ oder „Kêvjal nafirin“. Hier spricht er „durch die Blume“ über politische Gegebenheiten und Geschehnisse.

Aber auch ganz offen und mutig spricht Cigerxwîn von geschichtlichen Ereignissen, z.B. in dem Gedicht „Aleqemsê“, in dem er das Massaker an der Bevölkerung dieses Dorfes an der syrisch-türkischen Grenze beschreibt.

Sein wohl berühmtestes Gedicht aber ist „GULFIROS“ – Rosenverkäufer

GULFIROS

Ez ji xew rabûm, gulfirosek dî,
Pir gelek sa bûm, gul bi dil didî.
Gul bi dil didî.

Hebû me yek dil, tev jan û kul bû,
Ne bûme bawer, gul bi dil bidî.
Gul bi dil bidî.

Bazar me kir go, ser bi ser nadim,
Ê gulperest bî, can û dil didî.
Dil bi kul didî.

Min go kî didî. Can û dil bi gul,
Go ev bazar e, dil bi kul didî.
Dil bi kul didî.

Min can û dil dan, dil kiriye qêrîn,
Go ho Cegerxwîn, dil bi gul didî.
Dil bi gul didî.


ROSENVERKÄUFER

Ich wachte auf, sah einen Rosenverkäufer
Ich freute mich sehr, er tauschte eine Rose gegen ein Herz

Ich hatte ein Herz, es war voller Schmerz und Kummer
Ich konnte nicht glauben, er tauschte eine Rose gegen ein Herz

Wir handelten, er sagte: ich tausche nicht Haupt für Haupt
Aber ein Rosenliebhaber gibt dir Leib und Seele

Ich fragte: wer tauscht Leib und Seele gegen eine Rose
Er sagte: dies ist ein Bazar, man tauscht eine Rose gegen Kummer

Ich gab Leib und Seele, das Herz schrie um Hilfe
O Cegerxwîn, du tauschtest dein Herz gegen eine Rose.


Vielen Dank an Berfin für diesen Artikel!
http://www.iranistik.uni-goettingen.de/Cigerxwin.pdf

„Verliebt in die Freiheit: Cigerxwîn“
zum 100. Geburststag von Cigerxwîn
Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK)

Publiziert am: Donnerstag, 29. Dezember 2011 (9354 mal gelesen)
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